Friemersheim

 

 

Ein Besuch

Friemersheim ist ein Stadtteil von Duisburg im Stadtbezirk Rheinhausen. Der Stadtteil hat 12 917 Einwohner (Stand:31. Dezember 2005). Telefonvorwahl: 02065, Postleitzahl: 47229

Friemersheim gehört zu den ältesten Ansiedlungen der ehemaligen Grafschaft Moers. Schon Karl der Große soll hier einen Reichstag abgehalten haben und zu Beginn des 9. Jahrhunderts schenkte er Friemersheim dem Kloster Werden. Friemersheim blieb bis Ende des 19. Jahrhunderts bäuerlich strukturiert und wuchs nur sehr langsam.
Das Rheinhauser Stadtwappen ist das des früheren freiherrlichen Geschlechts von Vrymersheim. Dem Löwen wurde der Eimer aus dem Kirchensiegel von Hochemmerich in die Pranken gegeben. Ende des 14. Jahrhunderts fiel die "Herrlichkeit Friemersheim" an die Grafschaft Moers.

Durch den Zuzug Tausender Menschen nach dem Bau des Krupp`schen Hüttenwerks um 1900 veränderte sich nicht nur die traditionelle Lebensart, sondern auch die Landschaft. Ein neues Wohn- und Geschäftszentrum entstand neben dem gewachsenen Dorfkern.

Aus heutiger Sicht glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass das als Gesamtbereich unter Denkmalsatzung gestellte "Dorf Friemersheim" weitgehend ursprünglich erhalten blieb und seinen Charakter bewahren konnte. Hierzu zählen vornehmlich die Dorfkirche (urkundlich auf das Jahr 1147 zurückgeführt) und das alte Schulhaus aus dem Jahre 1800. Stattliche alte Bauerngehöfte wertvoller Baumbestand und die nahegelegene, naturgeschützte "Rheinaue", mit kilometerlangen, gepflegten Rad- und Wanderwegen machen Friemersheim heute zu einem beliebten Freizeit und Erholungsgebiet.

1923 wurden die rivalisierenden Bürgermeistereien Hochemmerich und Friemersheim zur Landgemeinde Rheinhausen zusammengeschlossen, der 1934 Stadtrechte verliehen wurden. Rheinhausen entwickelte sich in dem 1857 geschaffenen Kreis Moers zur stärksten wirtschaftlichen Kraft mit ca. 70 000 Einwohnern. Durch die 1975 vollzogene kommunale Neuordnung wurde Rheinhausen zum Vorort der Montanstadt Duisburg. In der Folge verlor Rheinhausen � auch im Zug des Niederganges des Hüttenwerkes � an wirtschaftlicher Strahlkraft. In den letzten Jahren wurde der Duisburger Westen mit Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen zu einem der wenigen wachsenden Teile Duisburgs, da an der Peripherie zahlreiche Neubaugebiete entstanden.

In Friemersheim stand diesem Trend die weitestgehend geschlossene Bebauung entgegen. Auf dem ehemaligen Hüttenwerksgelände sowie dem früheren Güterbahnhof Hohenbudberg (Nahe der ehemaligen Eisenbahnsiedlung) wurden indes neue Gewerbeflächen ausgewiesen, die sich gut zu entwickeln begonnen haben.

Die Dorfschenke im Duisburger Stadtteil Friemersheim war das erste deutsche Internetcafé.

Das um 1810 errichtete Gebäude (seit dem 17. April 1985 unter Denkmalschutz) beherbergte eine Gastwirtschaft, deren Betreiber seit 1978 Hans-Joachim Wiese (1940�2007) war. Nachdem Wiese 1980 in der Dorfschenke bereits das mit 32 Plätzen seinerzeit kleinste Programmkino Deutschlands eingerichtet hatte, brachte ihn sein starkes Interesse an Computern und dem Internet dazu, seine Gaststätte am 12. Oktober 1994 zum bundesweit ersten Internetcafé zu machen.

Die ursprüngliche Ausstattung bestand aus drei Internet-Terminals, die die Namen Paprika, Tomate und Zitrone trugen. Internetsurfer bestellten Online-Zeit am Tresen und erhielten daraufhin eine Eieruhr, deren Form dem Namen des jeweiligen Computerterminals entsprach.

Das älteste Internet-Café Deutschlands bestand bis zum Oktober 2004, als die Dorfschenke wegen ausstehender Mietforderungen gegen den Betreiber zwangsgeräumt und die Gaststätte geschlossen wurde; noch im Jahr zuvor war die Dorfschenke einer der Hauptdrehorte für Helge Schneiders Film Jazzclub � Der frühe Vogel fängt den Wurm gewesen. Die ehemalige Dorfschenke hat mittlerweile neue Nutzer und ist seit dem 1. Dezember 2006 Sitz eines Fotostudios.

Soweit zur Theorie, wie ich sie in der Internetenzyklopädie Wikipedia vorfinde. Doch wie sieht die Praxis aus?

Es ist ein sonniger und warmer Freitag Mitte Mai 2008, als ich mich vom Duisburger Süden aus auf den Weg auf die andere Rheinseite mache. Da ich kein Auto besitze, muß ich Bus und Bahn nehmen. Da kann es durchaus sein, dass ich am Hauptbahnhof und in Rheinhausen umsteigen muß und ich mehr als eine halbe Stunde unterwegs bin.
Ich steige am Friemersheimer Markt aus dem Bus. Da ich vormittags anreise, ist gerade Markttag. Die Händler preisen ihre Waren an, es herrscht das übliche bunte Treiben.
Meine nächste Station: die nahegelegene katholische Kirche St. Joseph. "Die Kirche ist mittwochs und freitags 9 - 12 Uhr geöffnet" steht da einladend an der Tür angeschlagen. "11 Uhr" zeigt die Uhr am Kirchturm an. Die Türe ist trotzdem verschlossen. Also kann ich Ihnen, liebe Leser, nicht erzählen, wie hübsch oder häßlich die Kirche aussieht.
Die Kaiserstraße steuere ich als nächstes Ziel an. Sie als kleines lokales Einkaufszentrum zu bezeichnen, wäre sicherlich übertrieben. In dieser Einbahnstraße hat sich jedenfalls der Einzelhandel konzentriert. Große Einzelhandelsketten wie Plus und Schlecker gehören genauso dazu wie kleine, unbekannte Einzelhändler. Diese Straße gefällt durch ihr Ambiente.

Der nahegelegene Bahnhof namens "Rheinhausen" (!) ist der absolute Tiefpunkt in dem hübschen, adretten und vor allem: sauberen Stadtteil. Das eigentliche Bahnhofsgebäude wird offensichtlich nicht mehr genutzt und zerfällt. Fahrkarten können hier nur noch für den VRR und am Automaten gekauft werden. Rolltreppen zu den Bahnsteigen? Also bitte: Das wäre ein Luxus, den die Bahn ihren Kunden nicht zumuten kann. dass ich hier zur Mittagszeit trotzdem einsteige, liegt einfach daran, dass ich schnellstmöglich nach Hause möchte.
Für mich bedeutete diese Reise eine Premiere. Bin ich überhaupt schon einmal in Friemersheim gewesen? Wenn ja, kann ich mich jedenfalls nicht daran erinnern. Auch wenn ich nur einen kurzen Eindruck gewann, hat sich für mich die Reise trotzdem gelohnt. Ich entdeckte einen Stadtteil, der für mich ansonsten "weit ab vom Schuss" liegt. Andreas Rüdig