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Rheinhausens ältester Verein hat sich aufgelöst
Stephan Sadowski

Duisburg, 25. Juli 2026 - Sie schauen ein bisschen verdrossen aus, extra für das Foto halten sie noch die alten Kassenbücher in ihren Händen. In Zeiten von PayPal und Online-Banking wirkt diese Art von Kassenführung geradezu antiquiert entrückt.
In die Bücher trug Joachim Sperling einst die Mitgliedsbeiträge der Vereinigung für Kunst und Wissenschaft ein und hielt die Einnahmen und Ausgaben analog nach. Das ist jetzt vorbei, denn Rheinhausens ältester Verein hat sich aufgelöst.

Chronologie der Vereinigung für Kunst und Wissenschaft: Es gab bereits vor 1933 einen Vorläufer der Vereinigung, die sich aber mit der Machtübernahme der Nazis auflösen musste. 1947 wurde sie dann neugegründet. Erster Vorsitzender war der Redakteur Hanns Kreck, 1971 löste ihn seine Frau Else Kreck ab. Von 1983 bis 1994 war Heinz Lelonek Vorsitzender, von 1994 bis 1999 Antonius Linn und von 1999 bis 2006 hatte Theodor Küttner die Leitung inne. Seit 2006 bis zur Auflösung ist Wilhelm Breidenbach Vorsitzender, unter anderem dafür ist er 2024 mit der Ehrennadel der Stadt bedacht worden.

„Vielleicht ist es inzwischen so, dass man mit Kultur die Leute nicht mehr begeistern kann,“ vermutet der einstige Kassenwart Joachim Sperling. Denn die hatte sich die Vereinigung für Kunst und Wissenschaft als oberstes Ziel auf die Fahne geschrieben. Wörtlich steht in der Satzung bei der Neugründung am 28.10.1947, die der damalige Vorsitzende Hanns Kreck veranlasste: „Die Vereinigung hat den Zweck, in allen Volksschichten den Sinn für kulturelle und künstlerische Werte zu wecken und zu vertiefen.“
 
Zumindest ist sie diesem Ziel sehr nahe gekommen, schaffte es, den studierten Germanisten und den einfachen Arbeiter bei den Events zusammenzubringen: Mehr als 1200 Veranstaltungen hat die Vereinigung gestemmt - vom wissenschaftlichen Vortrag über „Schwarze Löcher“ bis zur Aufführung von Opern, wie Ludwig van Beethovens „Fidelio“  und Carl Maria von Weberns  „Freischütz“ in den 50er-Jahren.

Theaterspielzeit in der Rheinhausen-Halle
Was - sozusagen als „Kulturerbe“ - jetzt noch von dieser Organisation bleibt, das ist die Theaterspielzeit, die in der Rheinhausen-Halle weiterhin stattfindet. Seit dem Jahr 1988 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen Bezirksamt und der Theateragentur Landgraf am Titisee. Zuletzt hatte die Vereinigung für Kunst und Wissenschaft im Zusammenspiel mit dem Rheinhauser Bezirksamt die schauspielerischen Darbietungen geplant, jetzt ist das Bezirksamt für das halbjährliche Abo allein verantwortlich, das von der
badischen Theateragentur mit sechs Veranstaltungen gestaltet wird. In diesen inzwischen 37 Spielzeiten sind bekannte Schauspieler wie Herbert Herrmann, Hannes Jaenicke, Tom Gerhardt oder  Renan Demirkan zu sehen gewesen.
 
Es läuft von nun an ohne Mitsprache des Triumvirats um den Vorsitzenden Wilhelm Breidenbach, dem Kassenwart Joachim Sperling und der Geschäftsführerin Karin Bovenschen.
„Wir haben einfach keinen Nachwuchs für unser Projekt mehr, es geht uns, wie vielen überalterten Gemeinschaften, wie vielen Chören, die irgendwann verschwunden sind“, erklärt Karin Bovenschen, die jahrelang ihr Herzblut für die Vereinigung gelassen hat.
Trotzdem bleiben für die drei Verantwortlichen schöne Erinnerungen an die Studienfahrten, die sie ab den 2000er-Jahren mit ihren Mitgliedern unternahmen. „Wir sind dann mit knapp 30 Personen in einem Reisebus zu einer interessanten Stadt Deutschlands gefahren, haben vor Ort die Sehenswürdigkeiten besichtigt und immer jeweils eine kulturelle Veranstaltung besucht“, berichtet Karin Bovenschen, die ursprünglich in den 1980er-Jahren noch im Rheinhauser Bezirksamt für kulturelle Angelegenheiten zuständig war und dann zur Vereinigung wechselte.

Trier, Kassel, Hamburg, Lübeck und Bamberg standen auf dem Fahrplan. Doch auch der Mitgliederschwund setzte der Vereinigung stark zu, waren es in den 1980er-Jahren noch mehr als 400 Mitglieder, so konnten am Ende nur noch um die 60 registriert werden.
 
Sonderveranstaltungen wie die Auftritte des in  Rheinhausen geborenen Kabarettisten Wolfgang Trepper oder des Musikers Uli Masuth, den es nach Weimar zog, sind Highlights, die die Vereinigung in der Rheinhausen-Halle organisiert hatte.
„Genauso werden wir nie vergessen, wie Johann Hennen zum Geburtstag von Hanns Dieter Hüsch aus dessen Oeuvre rezitierte."
Doch: „Jetzt müssen wir leider unseren Eintrag aus dem Vereinsregister löschen lassen und die Restabwicklung der Vereinigung durchführen“, erklärt Joachim Sperling. Es wartet also noch einige Arbeit auf den umtriebigen Kassenwart.

Gudrun Tomberg von der Stadt Duisburg meint dazu: „Dass sich der Verein nun aus Altersgründen auflöst, ist natürlich sehr schade, aber auch nachvollziehbar. Umso mehr freue ich mich, dass einige Projekte (Sonntagskonzerte und andere Veranstaltungen) künftig durch den Förderverein für Kultur- und Brauchtumspflege Rheinhausens & Rumeln-Kaldenhausens e.V. unterstützt werden.“