Bahnstrecken im Ruhrgebiet

Die Bahnstrecke Duisburg - Dortmund ist eine wichtige und historisch bedeutsame Eisenbahnstrecke in Deutschland. Sie ist eine Hauptachse des Schienenpersonenfern-, -nahverkehrs und G�terverkehrs im n�rdlichen Ruhrgebiet, u. a. befahren von Intercity-Express, InterCity, Regional-Express, Regionalbahn und S-Bahn.

Sie ist der mittlere Teil der von der K�ln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (CME) gebauten Stammstrecke von K�ln-Deutz nach Minden, nach der die Gesellschaft benannt wurde. Sie wurde 1847 er�ffnet und seither mehrfach modernisiert und ausgebaut. Sie ist heute zwei- bis viergleisig, elektrifiziert und als Hauptstrecke klassifiziert.

Geschichte
Nachdem sie am 18. Dezember 1843 die preu�ische Konzession f�r ihre namensgebende Strecke erhalten hatte, begann die CME im damaligen (C�ln-)Deutz mit dem Bau des ersten Teilst�cks nach D�sseldorf, das sie am 20. Dezember 1845 er�ffnen konnte. Nur wenige Wochen sp�ter am 9. Februar 1846 wurde bereits das zweite Teilst�ck nach Duisburg fertig gestellt, vorl�ufiger Endpunkt war der am Ort des heutigen Duisburger Hauptbahnhofes gebaute ?C�ln-Mindener Bahnhof, dem ersten von sp�ter drei Bahnh�fen der drei gr��ten, nominell privaten Eisenbahn-Gesellschaften an gleicher Stelle.

Mit dem n�chsten Teilst�ck �ber Oberhausen, Altenessen, Gelsenkirchen, Wanne, Herne und Dortmund nach Hamm hatte man sich bewusst gegen eine Streckenf�hrung in der N�he der damaligen Kohlegruben am n�rdlichen Ufer der Ruhr und f�r die kosteng�nstigere weil weniger h�gelige und damit leichter zu verwirklichende Trasse entschieden. Trotzdem dauerte es noch weit �ber ein Jahr bis am 15. Mai 1847 auch dieses Teilst�ck in Betrieb gehen konnte.

Noch im gleichen Jahr, am 15. Oktober 1847, wurde das letzte Teilst�ck bis Minden und damit die gesamte, 263 Kilometer lange, eingleisige Strecke fertig gestellt. Am gleichen Tag er�ffneten die K�niglich Hann�verschen Staatseisenbahnen ihre Bahnstrecke Hannover - Minden.

Stichbahn nach (Duisburg-)Ruhrort

Vom Oberhausener Bahnhof (heute Oberhausen Hbf) aus baute die CME 1848 eine Stichbahn nach Ruhrort zu den dortigen Hafenanlagen und vereinbarte mit der Ruhrort-Crefeld-Kreis Gladbacher Eisenbahn-Gesellschaft den Bau des Eisenbahn-Trajektes Ruhrort-Homberg.

Hollandstrecke

Der Oberhausener Bahnhof war ebenfalls Ausgangspunkt der am 20. Oktober 1856 er�ffneten Bahnstrecke nach Arnheim �ber Wesel und Emmerich am Rhein, f�lschlicherweise auch ?Hollandstrecke genannt, obwohl sie streng genommen bereits in Gelderland endet.

Rollbahn

Der Bahnhof Wanne (heute Wanne-Eickel Hbf) war dann ab dem 1. Januar 1870 Ausgangspunkt f�r die Bahnstrecke nach Hamburg, genannt ?Rollbahn. Diese Eisenbahnstrecke zur deutschen Nordseek�ste war Teil der Paris�Hamburger-Bahn, die ebenfalls von der CME als Hamburg-Venloer Bahn gem�� preu�ischer Konzession gebaut wurde.

Emschertalbahn

Weitgehend parallel zur ihrer Stammstrecke baute die CME zur besseren Erschlie�ung der Kohlegruben und prosperierenden Industrieanlagen zwischen 1871 und 1878 entlang der Emscher eine weitere Strecke von Duisburg nach Dortmund �ber Osterfeld S�d und Wanne durch das n�rdliche Ruhrgebiet.

Heutige Situation
Die Bahnstrecke Duisburg - Dortmund wurde seit ihrer Er�ffnung gem�� ihrer wachsenden Bedeutung f�r den aus dem zentralen Ruhrgebiet nach Norden gewanderten Kohlebergbau immer weiter ausgebaut und modernisiert. Heute ist die Strecke zumindest zweigleisig und auf ganzer L�nge elektrifiziert.

Die Strecke ist heute im Vergleich zu den anderen West-Ost-Verbindungen - insbesondere der zentralen Ruhrgebietsstrecke der ehemaligen Bergisch-M�rkischen Eisenbahn-Gesellschaft - von geringerer Bedeutung.

Dringend ben�tigte, aber nicht durchgef�hrte Modernisierungsma�nahmen verhindern bislang eine intensivere Nutzung der Strecke, so f�hrt die S-Bahn-Linie S S2 streckenweise gerade einmal pro Stunde.

Zugangebot
Die Z�ge des Fernverkehrs nutzen lediglich Teilstrecken:

Der Abschnitt von Duisburg Hbf nach Oberhausen Hbf wird von Z�gen dreier Intercity-Express-Linien befahren, zumeist auf dem Weg nach Amsterdam, dar�ber hinaus auf ihrer Fahrt nach Emmerich von der Regional-Express-Linie RE 5 ?Rhein-Express, sowie den Regionalbahn-Linien RB 35 und RB 33 (letztere nur bis Wesel).

Die alle zwei Stunden verkehrende Intercity-Linie 35 nutzt einen Gro�teil der Strecke von Duisburg Hbf bis Wanne-Eickel Hbf. Dazu kommen weitere vereinzelte IC der Linien 26 und 32, der Regionalexpress RE 2 ?Rhein-Haard-Express, sowie die RegionalBahnen RB 42 und RB 46 auf dem Teilst�ck von Gelsenkirchen Hbf bis Wanne-Eickel Hbf.

Auf gesamter L�nge befahren wird die Strecke lediglich von der Regional-Express-Linie RE 3 ?Rhein-Emscher-Express, die auf ihrem kompletten Fahrtweg von D�sseldorf Hbf nach Hamm (Westf) Hbf dem Streckenverlauf der Stammstrecke der K�ln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft folgt.

Die S-Bahn-Linie S 2 f�hrt im regul�ren 20-Minuten-Takt lediglich auf dem Teilst�ck zwischen Herne und Dortmund-Mengede, von dort nach Dortmund nutzt sie die Trasse nach Dortmund S�d der ehemaligen K�niglich-Westf�lischen Eisenbahn-Gesellschaft. In Herne nimmt ein Zug pro Stunde den Weg nach Recklinghausen Hbf. Auf dem Streckenst�ck von Gelsenkirchen Hbf nach Herne f�hrt sie im alternierenden 20/40-Minuten-Takt, ein Zug pro Stunde biegt in Gelsenkirchen Hbf nach Essen Hbf ab. Nur einer von drei Z�gen pro Stunde f�hrt (somit im Stundentakt) fast die komplette historische Strecke zwischen Duisburg Hbf und Dortmund Hbf.

Tarif
Die gesamte Strecke liegt im Gebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. F�r Fahrten in allen Regionalz�gen gilt der regionale VRR-Tarif und der NRW-Tarif.

Trivia
Entlang der Bahnstrecke Duisburg - Dortmund kommt es gleich zweimal zu der ansonsten eher seltenen Konstellation, dass zwei Hauptbahnh�fe unmittelbar aufeinander folgen (d. h. ohne einen weiteren Bahnhof oder Haltepunkt zwischen ihnen):
Zum einen sind dies Duisburg Hbf und Oberhausen Hbf, zum anderen Gelsenkirchen Hbf und Wanne-Eickel Hbf.
Als weiteres Kuriosum ist letztgenannter wohl der einzige Hauptbahnhof, der als wichtigster Bahnhof der Stadt (hier Herne) nicht deren Namen tr�gt (Rheydt Hbf in M�nchengladbach ist von geringerer Bedeutung als M�nchengladbach Hbf, au�erdem tragen beide Bahnh�fe die Bezeichnung Hauptbahnhof).

Dies hat historische Gr�nde: Der Bahnhof von Herne war niemals Hauptbahnhof gewesen, da die Stadt Herne und deren Bahnhof aus Sicht der Bahn unbedeutend war. Der Bahnhof des vormals eigenst�ndigen Ortes Wanne hingegen war seit Inbetriebnahme der ?Rollbahn - von stetig wachsender Bedeutung und wurde mit dem Zusammenschluss mehrerer Ortschaften zur Stadt Wanne-Eickel zu deren Hauptbahnhof. Nach der Eingemeindung von Wanne-Eickel in die Stadt Herne belie� es die Deutsche Bundesbahn bei den angestammten Namen, um zum einen den wichtigsten Bahnhof der Stadt weiter im Rang eines Hauptbahnhofes zu halten, zum anderen sich die Kosten f�r die Umbenennung zu sparen," stellt die Internetenzyklop�die Wikipedia einen Bereich der Industrie- und Industriealisierungsgeschichte des Ruhrgebiets vor.

Wie bei meinen anderen regionalgeschichtlichen Texten auch, geht es mir hier darum, verlorengegangenes historisches Wissen wieder an die Oberfl�che zu bringen.
Die Erschie�ung des Ruhrgebiets mittels Eisenbahnen mag nun nicht besonders spannend und dramatisch verlaufen. Man k�nnte die Geschichte, die eben erz�hlt wurde, auch f�r langweilig halten. Macht aber nichts. Wer sich f�r lokale und / oder regionale Geschichte interessiert, wird den Text bestimmt gerne lesen.