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Kapriolen, Unwetter und Rekorde - Redaktion Harald Jeschke

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2002: Enorme Niederschläge brachten katastrophale Überschwemmungen der
 Elbe

Nach Hitze Chance auf Regen - Gewitterrisiko steigt nächste Woche

Nach trockener Hitze Chance auf Regen
Ansteigendes Gewitterrisiko nächste Woche
Heißes Wetter auch in Norddeutschland
Hundstage machen ihrem Namen alle Ehre

Im Laufe der nächsten Woche könnte das stabile Sommerwetter kippen und örtlich der lang ersehnte Regen fallen.Foto WetterOnline

Bonn/Duisburg, 10. August 2022 - Erneut steht Deutschland an den Hundstagen eine Hitzewelle bevor. Der Höhepunkt wird mit Spitzenwerten um 35 Grad zum Wochenwechsel erwartet. Dann schwächt sich das Sommerhoch OSCAR ab und die Chancen auf Regen steigen.
 

„Die Hundstage machen ihrem Namen dieser Tage alle Ehre. Bis über das kommende Wochenende hinaus regiert sehr warmes bis heißes Hochsommerwetter. Im Laufe der kommenden Woche besteht aber begründete Hoffnung, dass der lang ersehnte Regen endlich fällt. Ob dies dann wieder nur der Tropfen auf den heißen Stein sein wird oder es ausgiebig nass wird, bleibt noch abzuwarten“, erklärt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline. Ursache für die mögliche Wetterumstellung in der kommenden Woche ist ein Tief, das sich Deutschland von Westeuropa her nähert und feuchtere Luft heranführt.


Hitze auch für die Nordlichter

Im Gegensatz zu den vergangenen Hitzewellen erweist sich das Sommerwetter dieses Mal auch im Norden vorerst als stabil. Bis mindestens zum Wochenende bleibt es trocken und die Temperaturen steigen bei viel Sonnenschein täglich auf mehr als 30 Grad an. Hamburg und Bremen stehen beispielsweise die bisher längste Hitzephase des Sommers bevor. Auch die Küstenurlauber dürfen sich trotz einer leichten Brise auf bestes Sommerwetter freuen. Erst im Laufe der kommenden Woche wird das Wetter auch hier wieder wechselhafter und die Temperaturen erhalten einen kleinen Dämpfer.


Hundstage heiß, im Winter lange weiß?

Viele Bauernregeln rund um die Hundstage sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden, sie haben aber nur wenig Aussagekraft. Die Bezeichnung der Hundstage geht ursprünglich auf das alte Ägypten zurück, wo sie die Rückkehr des Fixsterns Sirius, Hauptstern im Sternbild Großer Hund, an den Morgenhimmel bezeichneten. Der Fixstern ist vom 23. Juli bis zum 23. August sichtbar.

Das Sternbild an sich hat dabei keine direkten Auswirkungen auf das Wetter. Der Begriff Hundstage dient jedoch im Sprachgebrauch oft für die Bezeichnung für die heißesten Tage des Jahres. In den vergangenen Jahren stiegen die Temperaturen in diesem Zeitraum häufig auf 35 bis über 40 Grad an. Am 25. Juli 2019 wurde mit 41,2 Grad sogar ein neuer deutscher Temperaturrekord gemessen und auch der Rekordsommer 2003 erreichte Anfang August seinen Höhepunkt.

 

 

2002: Enorme Niederschläge brachten katastrophale Überschwemmungen der Elbe

Offenbach/Duisburg, 10. August 2022 – Zwei Tage lang, am 12. und 13. August 2002, regnete es im Einzugsgebiet der Elbe praktisch ohne Unterbrechung und führte insbesondere in Sachsen zu katastrophalen Überschwemmungen. An der Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld des Deutschen Wetterdienstes (DWD), südlich von Dresden, fielen innerhalb 24 Stunden 312 Liter Regen pro Quadratmeter (l/m²). Das ist der absolut höchste Tagesniederschlag, der je in Deutschland beobachtet wurde.


Rückblick: Tief ILSE bring Rekordniederschläge Eine wesentliche Voraussetzung für das immense Ausmaß der Überschwemmungen, durch die über 40 Menschen ihr Leben verloren und Schäden von geschätzt rund 15 Milliarden Euro entstanden, war, dass bereits in den Wochen zuvor ergiebige Regenfälle zu einer Wassersättigung des Bodens und zu einem ersten Anstieg der Flusspegel geführt hatten. Im Juli sowie Anfang August 2002 waren mehrmals Regengebiete mit eingelagerten kräftigen Gewittern übers Land gezogen.

Dabei fielen lokal begrenzt immer wieder extrem hohe Niederschlagsmengen. Deshalb gab der DWD bereits in diesem Zeitraum überdurchschnittlich viele Wetter- und Unwetterwarnungen heraus. Weitere Starkniederschläge wurden vor allem in der Zeit vom 7. bis 11. August 2002 für Bayern, Sachsen, Österreich und Tschechien gemessen. Es kam vereinzelt zu ersten Überflutungen, weil die Wassermassen nur noch oberirdisch abfließen konnten.

In den Frühstunden des 12. August, einem Montag, zog dann der Kern des Tiefs ILSE, von der Adria kommend, über Tschechien hinweg nordwärts Richtung Sachsen. Es verstärkte sich in den Morgenstunden dort nochmals erheblich. Eine Gegenströmung in der Höhe drückte dabei die mit enormen Mengen an Feuchtigkeit gesättigten Luftmassen gegen die Nordseiten der Mittelgebirge. Durch die damit verbundene erzwungene Hebung in den Frühstunden des 12. wurden schwere Regenfälle und Gewitter auf breiter Front ausgelöst.

Flankiert von kräftigen Hochdruckgebieten sowohl über Ost- und auch über Westeuropa kam ILSE nur sehr langsam voran. Das Tief drehte sich gewissermaßen genau über dem Osten Deutschlands ein und regnete sich an dieser Stelle aus. Dieser für ein solches Tiefdruckgebiet - eine sogenannte V-b-Lage - sehr ungewöhnliche Verlauf führte in einigen Regionen zu Regenmengen, die man dort zuvor noch nie gemessen hatte – wie die genannten 312 l/m² an der DWD-Station Zinnwald-Georgenfeld.

Dieser Wert entspricht dort etwa dem vierfachen des normalen Niederschlags im gesamten Monat August. Das Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes bei der Elbeflut schlug früh an Bereits vor dem Wochenende, am Freitag, 9. August 2002, hatte der DWD alle Adressaten für Unwetterwarnungen in den Ländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen für das Wochenende auf die Gefahr von Starkniederschlägen hingewiesen. Am Sonntag, 11. August 2002, gab der DWD gegen Mittag eine offizielle Eilmeldung für den Bereich Sachsen-Anhalt und Sachsen heraus, in der für den 12. und 13. vor einem sehr ergiebigen Regengebiet gewarnt wird.

Tagessumme des Niederschlags am 11. August 2002 © Deutscher Wetterdienst

Tagessumme des Niederschlags am 12. August 2002 © Deutscher Wetterdienst

Wörtlich hieß es: „Dabei sind zunächst verbreitet Überflutungen von kleineren Flüssen und Bächen sowie Erdrutsche möglich. Da auch im Einzugsgebiet von Elbe und Neiße starke Regenfälle niedergehen, ist in der Folge mit einem starken Anstieg dieser Flusspegel zu rechnen.“ Weitere Warnungen und Informationen folgten dann praktisch im Stundentakt.

Der DWD bietet heute maßgeschneiderte Vorhersagen für einzelne Regionen an Seit den Ereignissen im August 2002 hat der DWD sowohl die Wettervorhersagen als auch sein Warnmanagement kontinuierlich weiterentwickelt.

Neben verbesserten Wettervorhersagemodellen, leistungsstärkeren Großrechnern und neuen Verfahren, insbesondere auch in der Kürzestfristvorhersage (bis zwei Stunden), wurde die Zusammenarbeit mit den zuständigen Landesbehörden und Katastrophenschutzeinrichtungen ausgebaut und weiter an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst. Gerade die Verlässlichkeit der Kurzfristvorhersagen (bis zwei Tage) beim Niederschlag hat sich in den vergangenen 20 Jahren durch erhöhte Modellauflösungen, zeitlich wie räumlich, sowie die Ensemblevorhersagen mit ihren Informationen zu Eintrittswahrscheinlichkeiten signifikant verbessert.

Zum Beispiel gibt es heute fünfminütige Aktualisierungen von radarbasierten Produkten. Diese sind bei Niederschlagsereignissen besonders wichtig, um Intensität und Zugbahn des Niederschlags noch besser vorherzusagen. Um Vorhersagen über Zuflüsse und Pegelstände zu berechnen, verwenden Hydrologen beim Bund und in den Ländern auch die Beobachtungen und Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes. Kommt es zu einem Hochwasser, dann sind die Berechnungen zur Höhe und Länge des Hochwasserscheitels entscheidend für alle weiteren Planungen, insbesondere der Katastrophenschutzeinrichtungen.

 Für die hydrologischen Abflussmodelle werden heute die Daten des Wettervorhersagemodells ICON des DWD genutzt. Gleichzeitig stellt der DWD den Behörden Niederschlagsdaten von Wetterstationen und flächendeckende, räumlich und zeitlich hoch aufgelöste Daten aus seinem Radarverbund zur Verfügung. Alle diese Informationen werden auch über das WasserwirtschaftsWetterInformationssystem (WaWis) des DWD bereitgestellt. Die Meteorolog:innen des DWD stehen ihren Partnern zudem mit Rat und Tat zur Seite und erarbeiten bei Bedarf individuelle Prognosen für die einzelnen Flusseinzugsbiete oder längerfristige Trendvorhersagen.

Der DWD erstellt heute für jede landeseigene Hochwasserzentrale (HWZ) maßgeschneiderte Vorhersagen. Diese werden für die Region Mitteldeutschland, das sind die Freistaaten Sachsen und Thüringen sowie Sachsen-Anhalt, in der Regionalen Wetterberatung Leipzig des DWD ausgegeben. Für einzelne Flusseinzugsgebiete, zum Beispiel der Saale und Elbe, stellt der DWD auch probabilistische Prognosen bereit. Hierbei werden detaillierte Wahrscheinlichkeiten angegeben, wann verschiedene Niederschlagsschwellen überschritten werden könnten.

Damit kann die Unsicherheit bei der Vorhersage der Regenmengen besser abgeschätzt werden. Eine Besonderheit betrifft Sachsen. Da große Teile der Flusseinzugsgebiete der Elbe und Neiße in der Tschechischen Republik bzw. in Polen liegen, bezieht der DWD bei der Erstellung der Prognosen sowohl die Wetterlage als auch die Niederschlagsentwicklung über den Nachbarländern ein.

Ausblick: Weitere Verbesserungen im DWD-Warnmanagement bereits in Planung
Auch das Unwetterereignis vom Juli 2021, von dem insbesondere Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betroffen waren, hat wie die Elbeflut 2002 gezeigt, dass der nationale Wetterdienst sein Warnsystem kontinuierlich weiterentwickeln und immer besser an die Bedürfnisse seiner Partner anpassen muss. Eine Analyse habe gezeigt, so der DWD, dass die frühzeitigen und zutreffenden Warnungen des DWD zum Beispiel für die Region Ahrtal nicht optimal genutzt worden waren.

Bei der Weiterentwicklung des Warnsystems steht deshalb jetzt zum Beispiel im Fokus, die Warnungen für die Einsatzkräfte und die Bevölkerung noch verständlicher und auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer:innen zugeschnitten anzubieten. Darüber hinaus investiert der DWD weiterhin in moderne Technik. So ist derzeit unter anderem der weitere Ausbau des DWD-Radarverbundes in der Planung, um die flächendeckende Erfassung von Niederschlägen in Deutschland weiter zu optimieren.

Dazu gehören neue Radarstandorte in den Metropolregionen Leipzig/Halle, Bremen, Nürnberg/Mittelfranken und Karlsruhe/Rheintal. Weiterführende Informationen: Hintergrundbericht zur Hochwasserkatastrophe von 2002: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/V/Vb-Wetterlage_pdf.pdf?blob=publicationFile&v=4

Zum DWD-Warnmanagement: www.dwd.de/warnungen Zum DWD-Radarverbund: www.dwd.de/radar

 

Maximum der Perseiden steht bevor - Wetterbedingungen optimal

Maximum der Perseiden um den 12. August
  Sternschnuppen sind auch aktuell schon zu sehen
  Wetterbedingungen in der nächsten Woche sehr gut
  Heller Mond stört die Sicht auf Sternschnuppen

Die Wetterbedingungen zum Beobachten der Perseiden sind in der kommenden Woche sehr gut. Zum Höhepunkt um den 12. August stört allerdings das grelle Licht des Vollmondes. Quelle WetterOnline
 

Bonn/Duisburg, 4. August 2022 - Aktuell findet das jährliche Schauspiel der Perseiden am Nachthimmel statt. Wer einige Tipps beherzigt, kann zum Maximum um den 12. August herum mit etwas Glück bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde beobachten. Die Wetteraussichten dafür sind zwar vielversprechend, es gibt allerdings einen anderen Störfaktor.

Der Meteorstrom der Perseiden ergießt sich jedes Jahr in der ersten Augusthälfte über den Nachthimmel und erreicht zum Ende nächster Woche sein Maximum. Aber auch in den kommenden Nächten sind bereits zahlreiche Sternschnuppen zu sehen. „Die Aussichten sind in diesem Jahr mehr als gut. Ein mächtiges Hoch wird in der nächsten Woche für zahlreiche sternenklare und laue Sommernächte sorgen. Genau zum Höhepunkt wird die Sicht allerdings durch das grelle Licht des Vollmondes etwas gestört sein“, weiß Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.


Lichtarmes Plätzchen suchen
Um andere störende Lichtquellen auszuschließen, sollte man am besten von der Stadt auf das Land fahren und sich auch dort von Ortschaften fernhalten. Die beste Sicht hat man von unbewaldeten Bergkuppen aus. Die Augen benötigen etwa 15 bis 30 Minuten Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Von etwa 23 Uhr bis 3 Uhr morgens sind die Bedingungen in der dunkelsten Phase der Nacht am besten.

Die Sternschnuppen entspringen aus dem Sternbild Perseus, welches sich am Nordosthimmel befindet. Orientierung bietet das Sternbild Cassiopeia, welches auch als „Himmels-W“ bekannt ist und sich oberhalb des Sternbildes Perseus befindet. Die Sternschnuppen können sich aber am ganzen Himmel ausbreiten.


Staubteilchen verglühen und ziehen Leuchtspur
Ursache für das nächtliche Schauspiel am Himmel ist die Staubfahne des Kometen „Swift-Tuttle“, welche die Erde jedes Jahr im August durchquert. Wenn die nur Millimeter großen Staubkörnchen mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometer pro Sekunde auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen, werden sie urplötzlich abgebremst und bis zur Weißglut erhitzt.
Bis sie vollständig verglüht sind, legen sie allerdings oft noch Dutzende von Kilometern zurück. So entstehen die mehr oder weniger hellen Leuchtspuren am Nachthimmel. Die kleinsten Schnuppen verglühen so schnell, dass sie kaum wahrnehmbar sind. Die Leuchtpfade der größeren können ein paar Sekunden lang nachglimmen

 

 

Teufelskreis Dürre und Hitze

Außergewöhnlich trockenes Sommerwetter
Dürre und Hitze verstärken sich gegenseitig
Rekordwerte der Luftfeuchtigkeit in Deutschland
Luft erwärmt sich über ausgetrockneten Böden schneller
Linderung der großflächigen Dürre frühestens im Herbst

Bonn/Duisburg, 2. August 2022 - Die diesjährige Dürre ist Ursache und Wirkung des heißen Sommerwetters zugleich. Das Zusammenspiel aus Trockenheit und extremer Hitze ist dabei in diesem Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland einmalig. Aktuell steht mit Temperaturen von regional deutlich über 35 Grad die nächste intensive Hitzewelle in Deutschland vor der Tür. 

Hitze und Dürre verstärken sich gegenseitig. Dieser Effekt ist in diesem Jahr in ganz Europa zu beobachten. Quelle WetterOnline

 Dürre und Hitze verstärken sich in diesem Sommer in Deutschland und ganz Europa in ihren Ausprägungen gegenseitig. Besonders auffällig ist dabei die geringe Luftfeuchtigkeit. Durch die ausgetrockneten Böden verdunstet kaum noch Wasser und auch die Vegetation gibt unter Trockenstress kaum noch Feuchtigkeit ab. Die Energie, die normalerweise für die Verdunstung von Wasser aufgebracht wird, geht nun in die Erwärmung der Luft über.

Bei trockenen Böden wird es demnach heißer. Heißere Luft fördert wiederum eine schnellere Austrocknung und Regen bringende Wetterlagen werden bei niedriger Luftfeuchte unwahrscheinlicher. Dieser Effekt nennt sich positive Rückkopplung und ist in der Klimawissenschaft vor allem beim Schmelzen des Arktischen Meereises bekannt. Hier nimmt das zum Vorschein kommende, dunklere Meerwasser mehr Wärmeenergie auf, wodurch noch mehr Eis schmilzt.


Rekordwerte bei der Luftfeuchtigkeit
„Die Luft ist in diesem Sommer knochentrocken. Im Juli wurden mit teilweise unter 15 Prozent bereits neue Rekordwerte bei der relativen Luftfeuchtigkeit gemessen – so zum Beispiel vor zwei Wochen in Köln oder Magdeburg. Das Thermometer zeigte dabei 38 Grad an. So eine trockene Hitze kennt man eher aus der Sahara“, schildert Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.

Mit einer mittleren relativen Luftfeuchtigkeit von rund 61 Prozent ist die Luft in diesem Sommer in Deutschland so trocken wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Schnitt liegt liegt sie rund 10 Prozent darüber. Selbst in heißen und trockenen Jahren wie 2003 oder 2018 war die Luft feuchter als in diesem Jahr.


Trockenheit könnte bis in den Herbst andauern
„Derzeit deutet nicht viel darauf hin, dass dieser Teufelskreis in der nächsten Zeit unterbrochen wird. Die Tiefs machen weiter einen großen Bogen um Deutschland und die Hitze breitet sich sogar wieder weiter nach Norden aus. Im Laufe dieser Woche werden zwar gebietsweise kräftige Gewitter auftreten, die lösen das Problem der Dürre allerdings nicht“, so Goldhausen.

Derzeit ist die Hälfte von Europa von der Trockenheit betroffen. Eine Linderung würde nur eine grundlegende Umstellung der Wetterlage mit flächendeckenden Niederschlägen bringen. Aufgrund der beschriebenen komplexen Verzahnung von Hitze, Dürre und den trockenen Böden ist mit einer Linderung der Dürre wahrscheinlich frühestens im Herbst zu rechnen.

 

 

Regionale Hitzerekorde, Dürre sowie zahlreichen Feld- und Waldbrände

Offenbach/Duisburg, 29. Juli 2022 - Während der Juli 2021 mit regelmäßigen Gewittern und katastrophalen Starkregenfällen für Aufsehen sorgte, zeigte der diesjährige Heumonat einen völlig gegensätzlichen Witterungsverlauf. Im Juli 2022 sorgten regionale Hitzerekorde von der Norddeutschen Tiefebene bis an die Ostseeküste genauso für Schlagzeilen wie Dürre in vielen Regionen sowie große Wald- und Feldbrände im Osten der Republik.

Von wenigen „erfrischenden Tagen“ abgesehen war die Witterung mehr mediterran als typisch mitteleuropäisch. Insgesamt fiel der Juli 2022 deutlich zu warm, erheblich zu trocken sowie sehr sonnig aus. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.  

Dauersommer im Süden und Rekordhitze im Norden  
Der Temperaturdurchschnitt lag im Juli 2022 mit 19,2 Grad Celsius (°C) um 2,3 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung 0,9 Grad. Nach dem viel zu warmen Juni sorgten vorübergehende Nordwestwinde im Verlauf der ersten Julidekade für eine kurze Sommerpause. Doch mit Schwung und in Wellen kam die Hitze rasch zurück und gipfelte, so der DWD, am 20. in der Norddeutschen Tiefebene bei örtlich über 40°C.

Selbst an der Ostsee kam man bei über 38 °C ordentlich ins Schwitzen. In der Südhälfte herrschte bis auf kurze kühlere Episoden ein Endlossommer. Bis zu 29 Sommertage (Höchstwerte von ≥ 25 °C) wurden gezählt. Dagegen wurden am 17. in den östlichen Mittelgebirgen einstellige Tiefstwerte gemessen. Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge meldete sogar frische 1,4 °C.    

Bundesweit fiel im Mittel weniger als die Hälfte des üblichen Niederschlags  
Im Juli fiel mit rund 35 Litern pro Quadratmeter (l/m²) weniger als die Hälfte des Monatsniederschlags der Referenzperiode 1961 bis 1990 (78 l/m²). Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 erreichte die Monatssumme gerade einmal 40 Prozent. Größere Niederschläge gab es vor allem im Norden und mit über 100 l/m² im südlichen Alpenvorland.

Andechs-Erling, 30 km südwestlich von München, meldete mit 66,5 l/m² am 25. den höchsten Tagesniederschlag. In Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen blieb es dagegen besorgniserregend trocken. Örtlich fiel mit Mengen von weniger als 5 l/m². Dürre und Hitze waren so die Grundlage für zahlreiche Feld- und Waldbrände. Hunderte Hektar brannten unter anderem in Brandenburg und in der Sächsischen Schweiz.  

Besonders viel Sonnenschein im Südwesten  
Mit 265 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im Juli ihr Soll von 211 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 25 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 lag die Abweichung bei +17 Prozent. Der Südwesten befand sich mit über 350 Stunden am längsten im Sonnenlicht. Im Norden nahm die Belichtungsdauer immer weiter ab und halbierte sich nahezu an der Nordsee.

NRW erlebte eine Mitteltemperatur von 18,8 °C (16,9 °C) und die mageren 35 l/m² (82 l/m²) waren genauso bemerkenswert wie die 240 Sonnenstunden (187 Stunden).

Regional trockenster Juli seit Jahrzehnten

  Besonders im Südwesten kaum Regen
  Regional extrem trockener Juli
  Weniger Regen als im Dürrejahr 2018
  Niedrige Flusspegel sinken weiter
  Dürre in der Hälfte von Europa

Der Pegelstand des Rheins bei Köln ist aktuell niedriger als zur gleichen Zeit im Dürrejahr 2018. Foto WetterOnline

Bonn/Duisburg, 26. Juli 2022 - Normalerweise zählt der Juli in Deutschland mit seinen kräftigen Gewitterschauern zu den nassesten Monaten des Jahres. Doch in diesem Jahr regnete es sehr wenig, sodass der Juli der fünfte Monat infolge ist, der trockener als der Durchschnitt war. Die Dürre verschärft sich in weiten Teilen Europas und der dringend benötigte, flächendeckende Regen ist derzeit nicht in Sicht. 


Mit rund 30 Liter Regen pro Quadratmeter ist der Juli aktuell deutlich trockener als im Deutschlandmittel der vergangenen 30 Jahre, welches bei 90 Liter pro Quadratmeter liegt. Selbst im Dürrejahr 2018 gab es mit rund 40 Liter pro Quadratmeter mehr Niederschlag. Einen vergleichbar trockenen Juli gab es in Deutschland zuletzt vor knapp 40 Jahren. Besonders trocken war es in diesem Jahr von der Eifel bis zum Schwarzwald.


„Örtlich kamen nicht einmal fünf Liter Regen auf den Quadratmeter zusammen. An heißen Tagen ist solch eine geringe Menge direkt wieder verdunstet. Der Tropfen auf dem heißen Stein trifft es hier also ganz gut“, resümiert Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Damit steht der Juli in diesem Jahr in großem Kontrast zu vergangenem Jahr, als im Mittel 110 Liter Regen pro Quadratmeter fielen.

Rheinpegel schon jetzt extrem niedrig
In vielen Belangen steht das Jahr 2022 dem Dürrejahr 2018 in Nichts nach. Die Trockenheit und das wenige Schmelzwasser aus den Alpen haben den Pegel des Rheins bereits auf ein Niveau sinken lassen, wie es 2018 erst im August erreicht wurde. Der niedrige Wasserstand hat bereits erste Auswirkungen auf die Schifffahrt. Da im Einzugsgebiet des Rheins auch in dieser Woche kaum Regen fällt, wird der Pegel kontinuierlich sinken und weitere Einschränkungen könnten folgen. Auch an der Elbe liegt der Pegel an vielen Messstellen mehr als 50 Prozent unter dem Mittelwert.


Trockenheit betrifft große Teile von Europa
Nicht nur Deutschland hat mit den Folgen der Trockenheit zu kämpfen. Aktuell ist etwa die Hälfte Europas von der Dürre betroffen. Mit wenigen Ausnahmen in Nordeuropa regnete es im Juli sehr wenig, dazu war es auch noch wärmer als im Mittel.


Die ausgetrockneten Böden machen besonders der Vegetation zu schaffen und gefährden in vielen Ländern die Ernte. Auch die Energieproduktion von Wasserkraftwerken ging aufgrund der Dürre besonders in Italien zurück. In Frankreich, Belgien und der Schweiz mussten Atomkraftwerke ihre Leistung aufgrund hoher Wassertemperaturen in den Flüssen drosseln.

Unter anderem in Spanien erreichen die Waldbrände ein bisher unbekanntes Ausmaß. Dort verbrannte seit Jahresbeginn bereits eine Gesamtfläche von über 2000 Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der Fläche der Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen zusammengenommen. Im Vergleich zu den vergangenen 15 Jahren ist die Brandfläche in Spanien in diesem Jahr um das Neunfache größer. Eine nachhaltige Entspannung durch ergiebige Niederschläge ist in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas nicht in Sicht.



Die Wahrheit über Gewittertierchen  

Darum sehen wir die kleinen Insekten vor einem Gewitter

In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Quelle WetterOnline

Bonn/Duisburg, 20. Juli 2022 - Bevor es gewittert, tauchen sie plötzlich in Schwärmen auf und landen auf allem, was gerade im Weg ist: Gewittertierchen, in der Fachsprache der Biologen Thripse genannt. Die winzig kleinen schwarzen Insekten sind besonders gut auf heller Kleidung zu sehen und krabbeln auf freien Hautstellen.  

In den nächsten Tagen stehen uns Gewitter bevor und dann wird es auch wieder kribbelig auf der Haut. Denn in schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Die kleinen Fransenflügler sind keine Flugkünstler, sondern reine Schönwetterflieger, denn von sich aus können sie kaum fliegen. Vielmehr nutzen sie die durch sommerliche Thermik ausgelösten Aufwinde, um sich in der Luft zu halten.

Sonniges Wetter bei Temperaturen von über 20 Grad lässt die Insekten aufsteigen. An warmen Tagen sind sie dann in großer Anzahl weit verteilt in höheren Luftschichten unterwegs. Wenn sich an einem hochsommerlichen Tag aber ein Gewitter entwickelt, bekommt man den Eindruck, dass die winzigen Tierchen auf einmal ringsumher wimmeln. Können Thripse ein Gewitter anzeigen und wenn ja, woher wissen sie, dass es krachen wird? Der Biologe und Fachmann auf dem Gebiet der Fransenflügler (Thysanopteren) Dr. Manfred R. Ulitzka (http://www.thrips-id.com/de/) kennt die Fähigkeiten der Gewittertierchen. 

Was passiert mit den Gewittertierchen, wenn ein Gewitter aufzieht? 
Ein sich entwickelndes Gewitter sorgt dafür, dass die Thripse, die sich zuvor bis in eine Höhe von mehreren Kilometern in der Luft verteilen, in die unteren Luftschichten absinken und nah am Boden konzentrieren. Sie versuchen zu landen und nutzen jedes Objekt, das sich dazu anbietet – auch den Menschen. Die Sichtbarkeit von Gewittertierchen kann also durchaus ein drohendes Gewitter anzeigen. Richtige Gewitterpropheten sind Thripse allerdings kaum, denn sobald wir die kleinen Insekten wahrnehmen, ist die Entwicklung des Gewitters schon im vollen Gange und bereits für jeden offensichtlich. 

Woher wissen Thripse, dass ein Gewitter bevorsteht? 
Gewitterwürmchen werden durch einen bedeutenden physikalischen Faktor zur Landung gezwungen: Die Veränderung der Feldstärke vor einem Gewitter. Die entstehende Gewittersituation übt durch die elektrische Feldschwankung Einfluss auf das Flugverhalten vieler Tiere aus, so auch auf die Thysanopteren. Die genauen Gründe für ihr Verhalten sind wissenschaftlich noch nicht geklärt.

“Bei schönem Wetter beträgt die Feldstärke des ‘Schönwetterfeldes’ etwa 100 bis 300 Volt/Meter. Entsteht ein Gewitter, so steigt die Feldstärke an und kann Werte von bis zu 50.000 Volt/Meter erreichen, dann drohen Blitz und Donner,“ erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.   

Die Thripse sind bei niedriger Feldstärke in allen Luftschichten bis in große Höhen unterwegs und lassen sich von der Thermik treiben. Die Gewittertierchen und andere kleine Insekten reagieren mit ihrem Flugverhalten auf höhere Feldstärken und stellen ihre Flugaktivität spätestens bei einer Feldstärke von 8.000 Volt/Meter komplett ein. Sie legen dann einfach ihre Flügel an und sinken ab. 

Warum landen die Tiere dann ausgerechnet auf Menschen?
Helle Farben sind für die Insekten besonders attraktiv. Thripse können jedoch ihr Flugverhalten kaum bestimmen. In erster Linie werden sie vom Wind getragen und können die Flugrichtung durch ihre Flügelstellung nur geringfügig ändern und dies auch nur so lange, wie der Wind schwach ist. Thripse landen daher eher zufällig auf Menschen.


Auf Hitzepeak folgen Gewitter - Abkühlung im Norden, im Süden bleibt‘s heiß

• Kräftige Gewitter mit Unwetterpotential zur Wochenmitte
• Abkühlung im Norden, im Süden noch sehr warm bis heiß
• Tropische Nächte stehen an
• Trockenheit im Juli

Zur Wochenmitte steigt die Gewittergefahr in Deutschland wieder an. Eng begrenzt können Unwetter auftreten. Foto WetterOnline



Bonn/Duisburg, 18. Juli 2022 - Mit Spitzenwerten bis 40 Grad stehen am Dienstag sowie am Mittwoch die heißesten Tage des bisherigen Sommers an. Ab der Wochenmitte folgt von Westen eine deutliche Abkühlung mit regional kräftigen Gewittern. Der Temperaturrückgang könnte allerdings nur von kurzer Dauer sein.  
In der ersten Wochenhälfte überquert die Hitzeblase, die für Rekordtemperaturen in Westeuropa gesorgt hat, auch Deutschland. Dabei werden am Dienstag in der Westhälfte und am Mittwoch im Osten zwar Höchstwerte zwischen 37 bis 40 Grad erreicht, der Allzeitrekord mit 41,2 Grad wird voraussichtlich aber nicht überboten. Am Mittwochnachmittag steigt die Gewittergefahr im Westen an. Punktuell können sich Unwetter entladen.

„Im Norden ist die Hitze eher eine Ein- oder Zweitagsfliege, ab Donnerstag gehen die Temperaturen hier wieder auf angenehme 20 bis 25 Grad zurück. Anders sieht es in der Südhälfte aus, hier liegt die große Hitze südlich der Alpen auf Lauerstellung und wird sich wahrscheinlich schon zum Wochenende wieder gen Norden ausbreiten“, weiß Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.


Warme Nächte erschweren das Durchlüften
In der Nacht zum Mittwoch und Donnerstag kühlt es sich gebietsweise nicht unter 20 Grad ab. Man spricht bei solchen Tiefstwerten von einer Tropennacht. Vor allem in den städtischen Ballungsräumen speichern die zahlreichen Gebäude tagsüber die Wärme und geben sie nachts wieder an die Luft ab. Somit kühlt es sich hier weniger stark ab als im ländlichen Raum.

Im Ruhrgebiet liegen die Frühwerte am Mittwoch beispielsweise schon bei 20 bis 25 Grad. Ganz ähnlich sieht es am Donnerstagfrüh im Berliner Raum aus. Zum Wochenende sind besonders in der Nordhälfte mit 11 bis 15 Grad wieder angenehmere Nachttemperaturen in Sicht. Im Süden geht es in den Nächten häufig nur knapp unter die 20-Grad-Marke.


Lokale Unwetter möglich  Am Mittwoch können sich im Laufe des Nachmittags besonders im Süden und Westen in zunehmend feuchter Luft kräftige Gewitter entwickeln. Die genauen Schwerpunkte sind nach jetzigem Stand noch nicht auszumachen, jedoch besteht bei den Gewittern lokales Unwetterpotential durch heftigen Starkregen, größeren Hagel und Sturmböen. In der Nacht zum Donnerstag verlagern sich schwächer werdende Schauer und Gewitter auch in den Norden und Osten und vertreiben die heiße Luft dort.

„Die Natur braucht dringend Regen, denn bisher ist der Juli vor allem im Südwesten extrem trocken. Von der Eifel bis zum Oberrhein gab es bisher noch keinen messbaren Regen. Die Trockenheit und Waldbrandgefahr ist in ganz Deutschland sehr groß und wird durch die Gewitter wahrscheinlich nur regional etwas gelindert“, so Goldhausen.


Bäume sind natürliche Klimaanlagen: Grüne Riesen sorgen für Abkühlung

• Bäume produzieren kühles Mikroklima
• Ein Baum hat 10-mal höhere Kühlleistung als eine Klimaanlage
• Baumbepflanzung wichtige Maßnahme gegen Hitzebelastung in Städten
• Standort, Größe und Art des Baumes entscheidend 


Bonn/Duisburg, 14. Juli 2022 - An heißen Sommertagen haben Bäume eine kühlende Wirkung und fungieren als leistungsstarke Klimaanlagen. Studien belegen, dass es sich im Schatten eines Baumes 10 bis 15 Grad kühler anfühlt. Ein Baum kann eine 10-mal höhere Kühlleistung haben als eine konventionelle Klimaanlage. Dahinter stecken physikalische Vorgänge.    

Der Schatten unter einem Sonnenschirm ist nicht mit dem wohltuenden Schatten unter einer Baumkrone zu vergleichen. Die Natur nützt hier zusätzlich einen entscheidenden Vorteil aus der Physik als Kühleffekt. Die Rede ist von der sogenannten Verdunstungskälte. Verfügbares Wasser wird von den Bäumen aufgenommen und zu den Blättern transportiert. Hier kommt es zur Verdunstung, die an heißen Tagen besonders spürbar ist. Für diesen Prozess entzieht der Baum der Umgebungsluft Wärme. Das ist der ausschlaggebende Grund dafür, dass sich die Luft abkühlt und im Schatten eines großen Baumes ein kühles Mikroklima entsteht. 

Besonders im urbanen Raum spielt die Baumbepflanzung eine wichtige Rolle, denn Bäume können die Temperatur in Städten maßgeblich beeinflussen. Foto WetterOnline

Bäume kühlen Städte 
Besonders im urbanen Raum spielt die Bepflanzung mit Bäumen eine entscheidende Rolle. Aufgrund des Klimawandels werden Hitzewellen immer häufiger und dauern länger an. Damit nimmt auch die sommerliche Hitzebelastung in den Städten deutlich zu. Forschungen haben ergeben, dass Bäume die Temperatur in Städten maßgeblich beeinflussen können. In Zahlen ausgedrückt liegt die Kühlleistung eines einzelnen Baumes zwischen 20 und 30 Kilowatt. Vergleichbar ist dies mit einer Leistung von ungefähr 10 Klimaanlagen. Damit verringert sich die gefühlte Temperatur im Schatten um 10 bis 15 Grad. 

Verschiedene Baumarten haben unterschiedliche Kühleffekte 
Für die Kühlleistung sind auch Faktoren wie Standort, Größe und Art des Baumes von großer Bedeutung. Forschende haben herausgefunden, dass an sehr heißen Tagen kleinblättrige Bäume mit wenig Wasserbedarf und lichteren Kronen wie die Robinie besser kühlen. Wenn solche Bäume zusätzlich auf einer Grünfläche stehen, erhöht sich der Kühleffekt sogar noch. Denn sie entziehen der Wiese kein Wasser, das dann in Bodennähe verdunstet und so zusätzlich kühlt. 

Bäume mit mehr Wasserbedarf, sehr dichten Baumkronen und größeren Blättern wie Linden eignen sich gut, um versiegelte Flächen an eher milden Sommertagen zu kühlen. Die großen Blätter senken die Temperatur unter dem Baum, indem sie viel Wasser verdunsten. Mit ihren dichten Kronen spenden diese Baumarten viel Schatten und schützen gut vor direkter Sonneneinstrahlung. 


Große Hitze: Rekorde über Südwesteuropa

• Große Hitze Anfang nächster Woche in Deutschland •  40 Grad kommen in Reichweite
• In Spanien Rekordwerte über 45 Grad möglich •  Trockenheit verschärft sich

Bonn/Duisburg, 12. Juli 2022 - In den kommenden Tagen baut sich über Spanien und Portugal eine intensive Hitzeglocke auf. Dort sind bei bis zu 47 Grad neue Temperaturrekorde denkbar. Die Hitze schwappt Anfang nächster Woche auch nach Deutschland. Regen ist nicht in Sicht und die Trockenheit verschärft sich. Ob die Hitzewelle auch hier neue Maßstäbe setzt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.   

In Spanien wird es in den nächsten Tagen heißer als 45 Grad. Die Extremhitze schwappt Anfang nächster Woche in abgeschwächter Form nach Deutschland. Quelle: WetterOnline

„Nach einem kurzen Hitzeschub Mitte dieser Woche wird es in Deutschland Anfang nächster Woche wohl noch heißer. Derzeit sieht es so aus, dass es von Montag bis Mittwoch bei teils mehr als 35 Grad brüllend heiß wird. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die magische 40-Grad-Marke geknackt wird. Während es sich in der Nordhälfte wahrscheinlich wieder rasch abkühlt, sieht es im Süden Deutschlands nach einer längeren Hitzewelle aus“, sagt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.

Trockenheit verstärkt Hitze
Das Eintreffen der Hitzewelle ist zwar sicher, allerdings berechnen die Wettermodelle die Intensität noch sehr unterschiedlich. Es kommt auf die genaue Lage des Hochs an, welches den Zustrom der Heißluft lenkt. Zum Erreichen der 40 Grad spielt auch die Bodenfeuchte eine Rolle, da die Verdunstung der Luft Wärme entzieht. Je trockener also die Böden sind, desto heißer wird es. Ein neuer Hitzerekord in Deutschland ist nach dem jetzigen Stand zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. In allen Berechnungen bleibt flächiger Regen bis Mitte nächster Woche in weiten Teilen Mittel- und Südwesteuropas jedoch weiterhin Mangelware. Dadurch könnte sich die Dürre in vielen Ländern zuspitzen. Hitzerekorde in Spanien und Portugal wackeln 

Der spanische Hitzerekord liegt bei 47,3 Grad und wurde 2017 in Montoro in Andalusien gemessen. In Portugal kletterte das Thermometer im Rekordsommer 2003 bis auf 47,4 Grad. Im Laufe dieser Woche könnten die Temperaturen an diese Rekordmarken heranreichen. Auch in Frankreich können ab dem Wochenende Höchstwerte von über 40 Grad erreicht werden. Der Hitzerekord von 46,0 Grad aus dem Jahr 2019 bleibt aber wohl unerreicht.

Bereits jetzt wurde in einigen Regionen Frankreichs aufgrund der Trockenheit die Wassernutzung stark eingeschränkt. Die extreme Dürre in Norditalien wird sich bei Temperaturen bis 40 Grad in den nächsten Tagen ebenfalls verschärfen. 

40 Grad werden in Deutschland häufiger 
In Deutschland wurde die 40-Grad-Marke bis vor drei Jahren nur vereinzelt knapp überschritten. Ende Juli 2019 gab es jedoch eine historische Hitzewelle, bei der gleich an 22 Wetterstationen diese Marke überschritten wurde. An einigen Orten wurde sogar zum ersten Mal mehr als 41 Grad gemessen. Den neuen Hitzerekord von 41,2 Grad teilen sich die Wetterstationen in Duisburg und Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen.

Durch den Klimawandel treten Hitzewellen häufiger auf und werden intensiver. Bereits vor einigen Wochen wurde in Sachsen mit 39,2 Grad ein neuer Juni-Rekord aufgestellt. Ob die 40 Grad auch bei dieser Hitzewelle überschritten werden, wird man erst in einigen Tagen mit Sicherheit sagen können.

DWD und die Ahrflut 

Am 14. Juli 2022 jährt sich die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat daraus Konsequenzen gezogen. Dr. Renate Hagedorn (Anlage Foto), DWD-Vorstand Wettervorhersage: "Die frühzeitigen und zutreffenden Warnungen des DWD wurden damals noch nicht optimal genutzt. Deshalb passen wir unser Warnsystem an. Unser Ziel ist, dass sich Einsatzkräfte und Bevölkerung noch besser auf Wettergefahren vorbereiten können. Die Warnungen sollen künftig verständlicher und maßgeschneidert für die Nutzerinnen und Nutzer angeboten werden." Ein Video mit Renate Hagedorn zum geplanten neuen Warnsystem des DWD finden Sie unter diesem Link direkt im YouTube-Kanal des DWD: https://youtu.be/6Cp4CHRw2ss
 

Ein Jahr nach der Ahrflut - Chronologie der Wetterereignisse

•  Ahrflut jährt sich
•  Rückblick auf die extreme Wetterlage
•  Wie es zur Flutwelle kam
•  Klimawandel verstärkt Extremereignisse



Bonn/Duisburg, 08. Juli 2022 - Am 14. und 15. Juli 2021 haben heftige Regenfälle eine historische Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands ausgelöst. Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern. Doch wie kam es zur Flut, was sollten wir daraus lernen und welchen Einfluss hatte der Klimawandel? 

Zum ersten Jahrestag der Ahrflut in der kommenden Woche blickt WetterOnline auf die Wetterlage zurück und erklärt, welche Faktoren zu dem verheerenden Hochwasser führten. Der extreme Starkregen wurde bereits Tage zuvor gut vorhergesagt und trotzdem gab es sehr viele Todesopfer. Da mit dem Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und die Intensität solcher Ereignisse weiter zunehmen, muss die Bevölkerung stärker für Extremwetter sensibilisiert werden und Warnungen müssen zudem effektiver kommuniziert werden.

Die Flutwelle an der Ahr im Juli 2021 hat große Schäden hinterlassen und sogar massive Brücken mit sich gerissen. Quelle: WetterOnline

 

Wie kam es zu der extremen Wetterlage?

Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Der Auslöser war Tief BERND, das sich ab dem 13. Juli vom Golf von Genua nach Mitteleuropa schob. Das Tief führte warme und feuchte Luft vom Mittelmeer über den Balkan nordwärts. Auf dem Balkan wurden zeitgleich hohe Temperaturen nahe 40 Grad gemessen.

BERND lenkte anschließend die Luft weiter über Polen, Ostdeutschland und über die südliche Ostsee. Dort konnte die Luftmasse aus dem überdurchschnittlich warmen Ostseewasser weitere Feuchtigkeit aufnehmen. Im Westen Deutschlands traf nun die energiegeladene Luft auf kühlere und damit schwerere Luft. ‚Zutat‘ Nummer eins für die Unwetterlage war also die feuchtwarme Luft.“ 

 

Zu dieser Zutat kam noch eine weitere entscheidende hinzu. Goldhausen weiter: „Das zweite Element war eine sogenannte blockierende Wetterlage. Tief BERND war umzingelt von zwei Hochdruckgebieten und kam kaum von der Stelle. Es kreiste mehrere Tage hintereinander über dem gleichen Längengrad. Somit brachte es zunächst im Westen und im Verlauf auch in Sachsen sowie in den Alpen kräftige Niederschläge.

Diese Blockadewetterlage entsteht dann, wenn der Jetstream stark mäandriert. Das passiert im Sommer nicht selten, zuletzt sind solche blockierenden Wetterlagen aber häufiger geworden. Zudem trug die Geografie der Eifel dazu bei, dass sich die aus Nordosten kommenden Niederschläge am Nordrand des Mittelgebirges noch einmal verstärkten, da die Luft zum Aufsteigen gezwungen wurde.“ 

 

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Ein Hochwasserereignis ist zunächst einmal auf die extreme Wetterlage zurückzuführen, die es auch in der Vergangenheit immer wieder gab. Im Ahrtal sind beispielsweise ähnliche Hochwasserereignisse mit zerstörerischen Folgen aus den vergangenen Jahrhunderten bekannt.  Im Bereich der Attributionsforschung beschäftigen sich Wissenschaftler allerdings seit einigen Jahren mit dem möglichen Einfluss des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse wie Dürren, Hitzewellen oder Starkregen. Das Ergebnis zeigt, dass extreme Regenfälle wie im letzten Sommer durch den Klimawandel wahrscheinlicher und intensiver werden.  

„In einer sich weiter erwärmenden Welt muss man also häufiger mit derartigen Ereignissen rechnen. Pro Grad Erwärmung kann die Luft nämlich sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Warme Luft allein reicht jedoch noch nicht aus. Für Starkregen muss diese Luft durch beispielsweise ein Tief angehoben werden. In den vergangenen 60 Jahren zeigte sich bereits eine Zunahme der Wetterlage ‚Tief Mitteleuropa‘ um ca. 20 Prozent.

Dennoch bleibt eine differenzierte Betrachtungsweise wichtig. Dass der Klimawandel bei solchen Ereignissen seine Finger mit im Spiel hat, steht außer Frage. Häufig ist der Faktor Mensch aber das Zünglein an der Waage – siehe Erftstadt, wo durch Erosion Häuser in eine benachbarte Kiesgrube gespült wurden. Hier war nicht der Klimawandel der Verursacher, sondern die Selbstüberschätzung des Menschen“, so Goldhausen.

Besonders hart traf es unter anderem das Ahrtal in Rheinland-Pfalz. Dort gab es ein katastrophales Hochwasser historischen Ausmaßes. Quelle: WetterOnline Juli 2021

Wo fiel der meiste Regen?

Die größten Regenmengen fielen etwa vom südlichen Rand des Ruhrgebiets über die Kölner Bucht bis zur Eifel. Innerhalb weniger Stunden beziehungsweise Tage fiel an einigen Orten das Doppelte des mittleren Juliniederschlags. Es wurde zwar kein deutschlandweiter Niederschlagsrekord aufgestellt, für die genannte Region stellten die Regenmengen klimatologisch gesehen allerdings mindestens ein Jahrhundertereignis dar. Das bedeutet, dass so starker Regen im Schnitt nur alle 100 Jahre oder sogar noch seltener auftritt. Im Gegenzug bedeutet dies dennoch nicht, dass so ein Ereignis innerhalb der nächsten Zeit ausgeschlossen ist.  

Maximale Regenmengen vom 13. bis 15. Juli 2021:

241 l/m2 (22 Std.) Hagen-Holthausen (Nordrhein-Wesfalen)
172 l/m2 (72 Std.) Marlsburg-Marzell (Baden-Württemberg)
170 l/m2 (48 Std.) Köln-Stammheim (Nordrhein-Westfalen)
168 l/m2 (48 Std.) Wipperfurth-Gardeweg (Nordrhein-Westfalen)
166 l/m2 (48 Std.) Kall-Sistig (Nordrhein-Westfalen)

War der Starkregen vorhersehbar?

„Wir Meteorologen waren nicht überrascht, dass es viel geregnet hat. Die Niederschlagsmengen von 100 bis 200 Litern Regen pro Quadratmeter und das Gebiet waren Tage vorher perfekt vorhergesagt, aber dass die Ausmaße so folgenreich waren, hätte niemand erwartet“, sagt Goldhausen.

Im Gegensatz zu kleinräumigen Gewittern mit lokalem Starkregen zog bei Tief BERND ein großflächiges Starkregengebiet über den Westen Deutschlands hinweg. Diese sind in der Regel sehr gut vorherzusagen und die Vorwarnzeit ist entsprechend lang. Die Höhe der zu erwartenden Flutwelle ist aber von vielen weiteren Faktoren wie Geländebeschaffenheit, Bodenfeuchte und Flussverlauf abhängig und daher deutlich schwerer zu prognostizieren.

 

Welche Faktoren führten zur katastrophalen Flut?

Zusätzlich zu der Wetterlage haben weitere Faktoren das Auftreten des historischen Hochwassers beeinflusst. Goldhausen erklärt: „In begradigten und kanalisierten Bächen und Flüssen fließt das Wasser viel schneller ab und stromabwärts steigt die Überschwemmungsgefahr.

Zudem werden immer mehr Flächen versiegelt. Wasser, das nicht im Boden versickern oder sich über Auenflächen ausbreiten kann, schwillt zu einer oberirdischen Flut an, die sich dann durch asphaltierte Straßen ihren Weg bricht. Genau dieser Faktor hat im Ahrtal wohl zu der historischen Flut geführt.“ Bereits am Tag vor der verheerenden Katastrophe am 14. Juli gab es in dem betroffenen Gebiet schon ergiebige Niederschläge, sodass die Böden ohnehin gesättigt waren und kaum weiteren Regen aufnehmen konnten.

Was lernt man aus der Katastrophe?

Die korrekte Vorhersage von Wetterereignissen ist jedoch nur bei effektiver Kommunikation an die Bevölkerung eine Hilfe zur Vorbeugung von Katastrophen. Goldhausen bekräftigt: „Es kommen auch in Zukunft weitere Extremwetterereignisse auf uns zu. Die Bevölkerung muss dafür stärker sensibilisiert und über die Folgen und Verhaltensweisen bei den einzelnen Wetterelementen aufgeklärt werden.

Dabei sollten Warnungen aus seriösen Quellen ernst genommen werden. Dies kann dabei helfen, die Opferzahlen in Zukunft deutlich zu reduzieren. Letztlich ist nicht der Klimawandel ‚schuld‘ an solchen Katastrophen. Sowohl der Eingriff des Menschen in die Natur als auch mangelhafte Vorbereitung müssen in Betracht gezogen werden. Gerade bei Extremwetterlagen ist es wichtig vom extremsten und kaum vorstellbaren Fall auszugehen.“


Klimatologische Analyse des DWD zur Trockenheit in Europa

Offenbach/Duisburg, 07. Juli 2022 - Seit dem Frühjahr 2022 gab es über Europa eine ausgedehnte Trockenheit mit zum Teil bedeutenden Auswirkungen auf die Wasserstände und die Landwirtschaft sowie Einschränkungen bei der Wassernutzung. Einige Teile in Europa, darunter Norditalien waren auch im davorliegenden Winter trocken. Die Trockenheit war verbreitet mit relativ hohen Temperaturen verbunden. In der zentralen Mittelmeerregion war das Frühjahr das vierttrockenste seit 1901, in Deutschland waren fast alle Frühjahre seit 2009 zu trocken. Auch in den nächsten drei Monaten könnte in großen Teilen Europas Trockenheit auftreten.

Langfristig nehmen je nach Ausmaß der zukünftigen globalen Erwärmung die Niederschläge im Mittelmeerraum ab. Im Sommer besteht für die Zukunft die Gefahr eines verstärkten Ausgreifens der Trockenheit auch auf Mittel- und vor allem Westeuropa. In den vergangenen Wochen wurde in den Medien häufig über Trockenheit mit weitreichenden Folgen in verschiedenen Gebieten in Europa berichtet. In einigen Ländern in Europa bestehen Einschränkungen für die Wassernutzung, einzelne Orte sind ganz von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Wasserstände sinken, nicht nur in Flüssen mit drohenden Beschränkungen für den Schiffsverkehr, sondern auch in Fischteichen, worunter die Aquakultur und die Fischerei leiden. Wasserkraftwerke sind nicht oder nur eingeschränkt funktionsfähig, dies führt zu einer verringerten Stromversorgung und teils Stromausfällen. Teilweise werden bereits Ernteausfälle gemeldet oder zumindest erwartet. Besonders prekär ist die Lage in Norditalien geworden, insbesondere in der Poebene. Der Po hat bereits erhebliches Niedrigwasser.

Am 04. Juli 2022 wurde in mehreren Regionen Norditaliens der Notstand ausgerufen. Doch auch in Deutschland hat sich die Trockenheit bereits ausgewirkt, sowohl in der Landwirtschaft als auch auf die Wasserpegel einzelner Flüsse. Zahlreiche Städte und Kreise haben die Wasserentnahme aus Flüssen, Bächen oder Seen auf bestimmte Tageszeiten beschränkt oder ganz untersagt.

Aber wo genau war es in Europa besonders trocken, wie kam es zu dieser Trockenheit, was hat dies für Konsequenzen und wie ist dies klimatologisch einzuordnen?
Was haben wir für die Zukunft zu erwarten?
Der folgende Bericht zeigt dazu einige Ergebnisse. Wo war es trocken?
Um die Trockengebiete in einem großen Gebiet wie Europa zu identifizieren, wird ein möglichst weitreichendes und dichtes Netz an zuverlässigen Niederschlagsdaten benötigt. Der DWD betreibt das Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie (WZN; engl.: Global Precipitation Climatology Centre, GPCC), das weltweit über viele Jahrzehnte hinweg Niederschlagsdaten sammelt, aufbereitet, auf Fehler prüft und in einem regelmäßigen Breitengrad-Längengrad-Gitter analysiert.

Abbildung 1 zeigt die relativen Niederschlagssummen dargestellt in Prozent vom Mittelwert über die Klimanormalperiode 1991-2020 (im Folgenden als „Normalwert“ bezeichnet) für den Winter 2021/22 (Dezember-Februar) und das Frühjahr 2022 (März-Mai). In diesen beiden Jahreszeiten waren größtenteils ganz unterschiedliche Gebiete von Trockenheit betroffen. Werden als Trockengebiete diejenigen zu Grunde gelegt, die weniger als 80% der normalen Niederschlagssumme erhielten, so war im Winter vor allem Südwesteuropa betroffen, hier besonders Iberien, aber auch Teile von Frankreich, Nord- und Süditalien. Sonst hatten im Winter nur einige kleinere Regionen ein Defizit dieser Größenordnung.

Im mediterranen sommertrockenen Klima spielen die Winterniederschläge eine wichtige Rolle. Anders war es im Frühjahr, wo viele Teile von Iberien übernormale Niederschläge hatten, während es dafür im übrigen Europa verbreitet zu trocken war mit Ausnahme der nördlichsten und östlichsten Gebiete. Vielfach wurden weniger als 80%, teilweise 60% vom Normalwert gemessen, örtlich noch darunter. In absoluten Zahlen ausgedrückt gab es in diesen Trockengebieten pro Monat meist etwa 10-30 mm zu wenig Niederschlag im Vergleich zum Normalwert, teilweise war das Defizit noch größer. Einige Gebiete waren aber in beiden Jahreszeiten trocken, dazu gehörten neben Teilen von Nordeuropa insbesondere auch große Gebiete von Frankreich sowie Nord- und Süditalien.


Wetterlage
Trockengebiete lassen sich in Europa meist relativ gut ausgedehnten Hochdrucklagen zuordnen. Diese zeigen sich dann auch als Abweichung von der mittleren Luftdruckverteilung eines Monats oder einer Jahreszeit (Abb. 2). Im Winter 2021/22 war das Azorenhoch stark ausgeprägt und hatte sich auch weit bis nach Südwesteuropa ausgebreitet. Im Frühjahr 2022 herrschte dagegen über weiten Teilen Europas Hochdruckeinfluss vor, während sich das Azorenhoch abgeschwächt und zurückgezogen hatte.

Abb. 2: Mittlerer Luftdruck im Meeresniveau im Winter 2021/22 und im Frühjahr 2022 sowie Anomalien vom Referenzzeitraum 1981-2020. [Quelle: DWD, https://www.dwd.de/DE/leistungen/rcccm/int/rcccm_int_ppp.html?nn=16102 ] Fig. 2: Mean sea level pressure in winter 2021/22 and spring 2022, and anomalies from the 1981- 2020 reference period. [Source: DWD, https://www.dwd.de/EN/ourservices/rcccm/int/rcccm_int_ppp.html ]

 

Verdunstung und Temperatur
Für die Trockenheit im Erdboden spielt nicht nur der Niederschlag eine wesentliche Rolle, sondern auch die übrigen Komponenten der Wasserbilanz, vor allem die Verdunstung, die wiederum von der Strahlungsbilanz, der relativen Feuchte und der Windgeschwindigkeit abhängt. Je trockener die Luft ist, umso mehr kann sie Wasser über die Verdunstung aufnehmen. Höhere Temperaturen gehen in der Regel mit geringer Bewölkung, höherer Strahlung und trockenerer Luft einher, was die Verdunstung steigert und gleichzeitig die Wasseraufnahmefähigkeit der Luft erhöht (mit jeden 10 °C Temperaturerhöhung verdoppelt sich die Wasseraufnahmefähigkeit der Luft).

Außerdem setzt bei höheren Temperaturen die Vegetation früher ein und die dann weiter entwickelten Pflanzen können vergleichsweise mehr Wasser aus dem Boden entziehen, was ebenfalls zu einer schnelleren Reduktion des Bodenwassers führt. Für den Verdunstungsprozess wird aber andererseits Energie benötigt, die dann zur Erwärmung der Luft fehlt. Ist nur noch wenig Wasser im Boden, so wird wenig verdunstet und es steht mehr Energie für die Erwärmung der Luft zur Verfügung.

Hohe Lufttemperaturen können somit auch anzeigen, dass nur noch wenig Wasser im Boden ist, wenn bereits vorher viel verdunstet war. Positive Temperaturanomalien deuten daher auf höhere Verdunstungen als normal hin und können gekoppelt mit geringeren Niederschlägen während der Vegetationszeit zu trockeneren Verhältnissen im Erdboden führen. Sowohl im Winter 2021/22 als auch im Frühjahr 2022 lagen die Temperaturen über dem Normalwert 1991-2020, also noch höher als in einem Zeitraum, der fast der Gegenwart entspricht. In Spanien lagen die Anomalien im Winter bis über 2 K über dem Normalwert, in Frankreich im Frühjahr über 3 K.

Abb. 3: Mittlere Temperaturabweichung vom Referenzzeitraum 1991-2020 für Winter 2021/22 und Frühjahr 2022. [Quelle: DWD, https://www.dwd.de/DE/leistungen/rcccm/int/rcccm_int_ttt.html?nn=16102 ] Fig. 3: Mean temperature deviation from the 1991-2020 reference for winter 2021/22 and spring 2022. [Source: DWD, https://www.dwd.de/EN/ourservices/rcccm/int/rcccm_int_ttt.html ]


Heiße Tage
Noch besser lässt sich der Temperatureinfluss aus der Anzahl der heißen Tage (Tagesmaximum mindestens 30 °C) ablesen, ein Maß für die Dauer des Hitze- und damit des Trockenheitsstresses im jeweiligen Gebiet, und aus den betreffenden Anomalien dazu. Aus Abb. 6 ist zu ersehen, dass bereits im Mai die Anzahl der heißen Tage in vielen Teilen Südeuropas größer als normal war, im Juni noch in weit größerem Ausmaß und auch in Mitteleuropa.

Hydrologische Auswirkungen: Niedrigwasser Niedrigwasser (Bundeswasserstraßen)
Die Frühjahrstrockenheit hat sich in Deutschland nicht nur in Form von Wassernutzungsbeschränkungen, sondern auch auf die Bundeswasserstraßen ausgewirkt mit durchweg niedrigeren Wasserständen als üblich. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) beschränken sich jedoch für die Schifffahrt relevante Niedrigwassersituationen derzeit (Stand 30.06.2022) im Wesentlichen auf die Mitte und den Osten Deutschlands. Betroffen sind insbesondere große Strecken von Weser, Elbe und Oder (Abb. 7). Diese regionalen Unterschiede sind zum einen dadurch begründet, dass die Niederschläge unterschiedlich ausgefallen waren, aber auch durch Schmelzwasser aus den Mittel und Hochgebirgen, welches sich auf manche Flüsse (z.B. auf den Rhein) stärker auswirkt als auf andere.


Abb. 7: Pegelkarte für Deutschland vom 30.06.2022. Orange Markierungen zeigen Pegel, die aktuell Niedrigwasserstände kleiner oder gleich dem mittleren jährlichen Niedrigwasserstand (MNW) aufweisen. [Quelle: GeoPo, nach BfG, https://www.bafg.de/DE/07_Nachrichten/220623_nw_download.pdf ] Fig. 7: Map of water levels of rivers in Germany on 30 June 2022. Orange points are gauges where the water level was lower or equal to the mean annual low water level [Source: GeoPo, taken from German Federal Institute of Hydrology (BfG), https://www.bafg.de/DE/07_Nachrichten/220623_nw_download.pdf ]

Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Trockenheit hat natürlich auch große Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Hier resultieren aufgrund fehlender Niederschläge trockene Böden, die das Wachstum der Pflanzen beeinträchtigen und zu Mindererträgen führen können. Für Deutschland werden vom DWD Bodenfeuchten für verschiedene Kulturen berechnet und im Internet unter https://www.dwd.de/bodenfeuchteviewer der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Da sich die Hauptwachstumsphasen der Kulturen stark unterscheiden können, resultieren hieraus unterschiedliche Bodenfeuchten.

Wenn z.B. das Wintergetreide schon abgeerntet ist, beginnt der Mais erst seine Hauptwachstumsphase mit dem höchsten Wasserbedarf. Trifft eine Trockenperiode mit solch einer Hauptwachstumsphase zusammen, ist dies besonders schlecht für die jeweilige Kultur. Eine Pflanze benötigt Wasser für die Photosynthese und kann nur dadurch wachsen. Ohne genügend Wasser im Boden reduziert die Pflanze die Verdunstung und somit auch das Wachstum. Werden kritische Schwellen der Bodenfeuchte anhaltend unterschritten, so kommt es zu Ernteausfällen. Die Bodenfeuchte wird in Prozent der nutzbaren Feldkapazität (% nFK) angegeben und gibt an, wieviel des theoretisch für die Pflanze verfügbaren Wassers noch im Boden ist. Unterhalb von 30 % setzt Trockenstress ein und Mindererträge können erwartet werden.

Der Boden hat das Vermögen, in seinen Poren das Wasser zu halten und je geringer die Bodenfeuchte wird, umso schwieriger wird es für die Pflanze, über ihre Wurzeln Wasser aufzunehmen. Je nach Bodenart kann der Boden sehr unterschiedlich viel pflanzenverfügbares Wasser haben. Bei schweren lößhaltigen Böden kann in den oberen 60 cm 200 mm, bei leichten Sandböden hingegen nur 60 mm Wasser im Boden pflanzenverfügbar sein. Schwere Böden haben also sehr viel mehr Wasser für die Pflanzen gespeichert und können dadurch längere Trockenperioden überstehen. Die Berechnungen im Bodenfeuchteviewer werden für den vor Ort typischen Boden gemacht und es wird zwischen ca. 70 verschiedenen Böden unterschieden, die sehr unterschiedlich sein können.

Um den Unterschied der Bodenfeuchte unter verschiedenen Kulturen einmal darzustellen, wurde in Abb. 8 die momentane Situation in Deutschland von Winterweizen und Mais gegenübergestellt. Beim Winterweizen ist in weiten Teilen Deutschlands die kritische Marke von 30 % nFK unterschritten worden. Besonders im Ländereck Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind verbreitet unter 10 % nFK berechnet worden, so dass besonders hier mit Mindererträgen zu rechnen ist. Zum Glück ist der momentane Wasserbedarf beim Winterweizen kurz vor der Ernte schon reduziert.

Beim Mais sieht die Lage zur Zeit noch besser aus, doch in dem bereits angesprochenen Ländereck sind die Werte schon jetzt vor der eigentlichen Hauptwachstumszeit mit Werten um 20 % nFK bedrohlich niedrig und lassen nichts Gutes für den weiteren Verlauf erahnen. Der weitere Verlauf der Witterung wird entscheidend sein und es bleibt zu hoffen, dass die Trockenheit nicht wie 2018 bis in den Herbst anhalten wird, denn der bisherige zeitliche Verlauf der Bodenfeuchte ist durchaus vergleichbar und besonders abträglich für Dauerkulturen wie Wald, die bis auf 2021 ab 2018 immer Trockenheit ausgesetzt waren.

Abb. 8: Bodenfeuchten unter Winterweizen (links) und Mais (rechts) vom 30.06.2022 für die obersten 60 cm des Bodens in % nFK. [Quelle: DWD]
Fig. 8: Soil moisture under winter wheat (left) and maize (right) on 30 June 2022 for the upper 60 cm of the soil in percent usable field capacity [Source: DWD]

Klimatologische Einordnung - Zeitraum der vergangenen Monate seit 2020
Für elf Regionen in Europa wurden Zeitreihen des Niederschlags auf Basis der WZN-Daten berechnet. Mit Ausnahme des Baltikums und Skandinaviens (Regionen 7 & 8 in Abb. 10) zeigen alle untersuchten Regionen ein Niederschlagsdefizit in den vergangenen Monaten.

Abb. 10: Vieljährige Jahressummen des Niederschlags und untersuchte Regionen. Dies sind: 1 - Iberische Halbinsel, 2 – Großbritannien und Irland, 3 – Zentrales Mittelmeer, 4 - Südalpen und Poebene, 5 – Mitteleuropa, 6 – Osteuropa, 7 – Baltikum, 8 - Skandinavien, 9 – Südosteuropa, 10 – Östliches Mittelmeer, 11 – Frankreich. [Quelle: DWD] Fig. 10: Long-term annual precipitation totals and analyzed regions. These are: 1 – Iberia, 2 – United Kingdom and Ireland, 3 – central Mediterranean, 4 – Southern Alps and Po Valley, 5 – Central Europe, 6 – Eastern Europe, 7- Baltic countries, 8 – Scandinavia, 9 – Southeastern Europe, 10 – Eastern Mediterranean, 11 – France. [Source: DWD]


Insbesondere rund um das Mittelmeer akkumuliert sich das Niederschlagsdefizit seit mehreren Monaten. In der bereits oben besprochenen Region um die Südalpen und der Poebene (Region 4) waren die Niederschlagsmengen seit August 2021 mit Ausnahme des Novembers 2021 unterdurchschnittlich. Die überdurchschnittlichen Mengen im November 2021 kompensieren bei weitem nicht eines der Defizite der anderen Monate in dem Zeitraum.

Die höchsten Niederschlagsmengen fallen in dieser Region zwischen Mai und November. Seit August 2021 brachten fünf dieser sonst niederschlagsreichen Monate nur zwischen 50% und 75 % der üblichen Niederschlagsmengen. Auf der Iberischen Halbinsel (Region 1) hat sich seit Mai 2020 ein Niederschlagsdefizit akkumuliert. Außer im Februar, Juni und September 2021 sowie im März 2022 waren die Niederschlagsmengen unterdurchschnittlich. Vor allem die für die Region wichtigen Winterniederschläge von Oktober 2021 bis Mai 2022 brachten nur zwischen 25% bis 75% der üblichen monatlichen Mengen.

Um das Zentrale Mittelmeer (Region 3) waren die monatlichen Niederschlagsmengen seit Februar 2021 mit Ausnahme des Novembers und Dezembers 2021 unterdurchschnittlich. Insbesondere die letzten sechs Monate brachten nur rund zwei Drittel der üblichen Niederschlagsmengen. Die Region um das östliche Mittelmeer (Region 10) zeigt einen jahreszeitbedingten, ausgeprägten Wechsel zwischen niederschlagsarmen und niederschlagsreichen Monaten. Die höchsten Niederschlagsmengen fallen zwischen November und April. Hingegen regnet es kaum zwischen Juni und September.

Im Winter 2020/2021 waren alle der niederschlagsreichen Monate und die im Übergang zu den niederschlagsarmen Monaten 15 trockener als üblich. Außer im Januar 2022 war dies auch im Winter 2021/2022 der Fall. Somit hat sich in dieser Region seit zwei Jahren ein Niederschlagsdefizit aufgebaut. Südosteuropa (Region 9) zeigt keine so ausgeprägten Unterschiede in den Mengen zwischen niederschlagsarmen und niederschlagsreichen Monaten im Vergleich zu den Regionen um das Mittelmeer. Hier waren die Monate Mai bis September 2021 trockener als üblich, ebenso seit Januar 2022.

Der Dezember 2021 als im Mittel niederschlagsreichster Monat im Jahr brachte rund ein Drittel mehr Niederschlag als üblich. Zusammen mit dem Niederschlagsüberschuss im Oktober 2021 ist hier eine gewisse Kompensation des Defizits noch möglich. In Frankreich (Region 11) waren die monatlichen Niederschlagsmengen seit August 2021 mit Ausnahme des Dezembers 2021 unterdurchschnittlich. Insbesondere die vergangenen fünf Monate brachten nur rund zwei Drittel der üblichen Niederschlagsmengen. Im Juni 2022 kam es zu überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen in der Mitte des Landes, im besonders von der Trockenheit betroffenen Süden waren die Niederschlagsmengen unterdurchschnittlich.

Die Niederschlagsmengen in Mitteleuropa (Region 5) waren mit Ausnahme des Februars 2022 seit September 2021 unterdurchschnittlich. Insbesondere der März 2022 war außergewöhnlich trocken und brachte nur rund ein Drittel der üblichen Mengen. Weiterhin brachten der September und Oktober 2021 nur rund zwei Drittel der vieljährigen Durchschnittswerte. In Großbritannien und Irland (Region 2) wechselten sich in den vergangenen zwei Jahren Monate mit über- und unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen ab. Während 2020 mehr Monate überdurchschnittliche als unterdurchschnittliche Mengen brachten, war es 2021 und 2022 umgekehrt.

Auch in Osteuropa (Region 6) wechselten sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren Monate mit über- und unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen ab. Die höchsten Niederschlagsmengen fallen in dieser Region von Mai bis August. In diesem Jahr sind sowohl die Mengen im Mai als auch im Juni unterdurchschnittlich, wobei im Juni nur rund zwei Drittel der üblichen Menge gefallen sind. Die angegebenen Werte für die betrachteten Regionen sind Gebietsmittelwerte. Das heißt, es kann an einzelnen Orten in der Region durch lokale Effekte anders sein als beschrieben. Je nach örtlicher Gegebenheit kann die Trockenheit mehr oder weniger ausgeprägt sein.

Lokale Anpassungsmaßnahmen können die Folgen der Trockenheit von Ort zu Ort verschieden mildern. Auch in Trockenphasen kann es zu Starkregenereignissen kommen, die lokal zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen können, sich aber in den Gebietsmittelwerten nicht widerspiegeln. Klimaänderungen im Lauf der Jahrzehnte Längerfristig haben in Deutschland seit 1881 die Niederschläge im Winter deutlich zugenommen (+47,7 mm), im Frühjahr dagegen nur leicht (+11,5 mm, Abb. 12). Allerdings ist für die neuesten Jahre eine Häufung der trockenen Frühjahre festzustellen: seit 2009 waren bis auf eine Ausnahme (2013) alle Frühjahre im Deutschland im Durchschnitt trockener als im Klimamittel 1981-2010 (und auch 1961-1990).

Abb. 12: Zeitreihen der Abweichungen des Deutschlandmittels des Niederschlags vom Referenzzeitraum 1981-2010. [Quelle: DWD, https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen.html ]

Ein Blick in die Zukunft
Der DWD rechnet und publiziert nicht nur Wettervorhersagen, sondern auch Klimavorhersagen für die nächsten Jahreszeiten und die nächsten 10 Jahre. Diese Zeiträume sind gerade für das Planen von Maßnahmen in Politik und Wirtschaft von hoher Bedeutung. Das saisonale Klimavorhersagesystem des DWD sagt für die nächsten drei Monate (JuliSeptember) in weiten Teilen Europas (außer im Norden und in Griechenland) trockenere Zustände im Vergleich zum vieljährigen Mittel von 1991-2020 voraus (Abb. 14).
Vor allem für West- und Mitteleuropa liegt die Wahrscheinlichkeit meist bei über 70 oder sogar 85% (verglichen mit einer Zufallswahrscheinlichkeit von 33% für jede Kategorie). Allerdings weisen saisonale Klimavorhersagen für Niederschlag noch deutliche Unsicherheiten auf, die mit Hilfe der Vorhersagegüte quantifiziert und dargestellt werden. Dekadische Klimavorhersagen für die nächsten 10 Jahre sind auf der DWD-Klimavorhersagen-Webseite zu finden: https://www.dwd.de/DE/leistungen/kvhs_de/2_expert_de/year_de/yearly_node.html

Abb. 14: Wahrscheinlichkeitsvorhersage für den Niederschlag im Zeitraum Juli-September 2022 (Vorhersagen vom Juni 2022). Die Farbe zeigt die wahrscheinlichste Kategorie (Trocken/Normal/Feucht) der 3-Monatssumme im Vergleich zur Klimavariabilität in der Normalperiode 1991-2020, die Helligkeit die Wahrscheinlichkeit dieser Kategorie. Die Punktgröße steht für die Vorhersagegüte im Auswertezeitraum 1990-2020 (klein: schlechte Vorhersagequalität, mittelgroß: mittlere Vorhersagequalität, groß: relativ gute Vorhersagequalität). [Quelle: DWD, https://www.dwd.de/DE/leistungen/kvhs_de/2_expert_de/month_de/monthly_node.html ]

Zukunftsszenarien
Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, welche in Abständen von einigen Jahren den jeweils aktuellen Wissensstand zu den vergangenen und zukünftig zu erwartenden Klimaänderungen bewerten), hat in seinem sechsten Sachstandsbericht sogenannte Fact Sheets für verschiedene Regionen zusammengestellt, wo die möglichen zukünftigen regionalen Klimaänderungen zusammengefasst sind (Abb. 15). Während sich bei der Temperatur insgesamt für ganz Europa eine Erwärmung zeigt, ist das Bild beim Niederschlag uneinheitlich.

In der Mittelmeerregion wird es danach besonders im Sommer trockener (da sind die Niederschläge absolut ohnehin relativ gering), bei höheren Erwärmungsraten aber auch im Winter. Außerdem besteht insbesondere im Sommer die Gefahr, dass sich bei größerer globaler Erwärmung die Trockenheit auch vermehrt in die mittleren Breiten ausdehnen wird, vor allem in Westeuropa, während im Winter die Niederschläge in den mittleren Breiten eher zunehmen.

Abb. 15: Szenarienrechnungen (Projektionen) für Temperatur und Niederschlag in Europa im Winter (DJF, Dezember-Februar) und im Sommer (JJA, Juni-August) für verschiedene globale Erwärmungen (+1,5 °C, +2 °C und +4°C). [Quelle: IPCC, https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/factsheets/IPCC_AR6_WGI_Regional_Fact_S heet_Europe.pdf ]



Wetterlage stellt sich im Juli um - Nordwestwinde bringen Abkühlung

Umstellung der Großwetterlage
Anfang Juli Schwüle Luft wird ausgeräumt
Azorenhoch nimmt Einfluss auf Deutschland
Trockenheit bleibt ein Thema


Bonn/Duisburg, 30. Juni 2022 - Zum Julistart zieht am Freitag eine Kaltfront mit Schauern und Gewittern auf und vertreibt die feuchtwarme Luft aus Deutschland. Nach einem sommerlich warmen und trockenen Wochenende gehen die Temperaturen in der kommenden Woche am Rande eines kräftigen Azorenhochs zurück. Diese Umstellung im Siebenschläferzeitraum könnte Folgen für den weiteren Verlauf des Sommers haben.

An der Nordsee frischt der Nordwestwind in der nächsten Woche auf und treibt kühlere Meeresluft nach Deutschland. Foto WetterOnline

In der nächsten Woche wird die schwülwarme und zu Gewittern neigende Witterung durch eine kühlere Wetterlage mit nordwestlichen Winden abgelöst. Dabei liegen die Temperaturen bei einem Sonne-Wolken-Mix dann oft im gemäßigten Bereich. Lediglich in der Südhälfte bleibt die Gewittergefahr im Übergangsbereich zur wärmeren Luft etwas erhöht. Grund für die Wetterumstellung ist das Azorenhoch, welches sich verstärkt und nach Westeuropa ausweitet.

Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline: „Die meisten Menschen fühlen sich bei diesem Wetter deutlich wohler als bei schwüler Hitze. Angenehme Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad und eine frische Brise laden zum Durchlüften ein. Die Nordsee-Urlauber werden zudem gut durchgepustet. Wer nachts gerne bei offenem Fenster schläft, der sollte sich gut zudecken, denn besonders in Tälern und Mulden wird es mit Temperaturen unter 10 Grad empfindlich frisch.“  

Weichenstellung für den Sommer
Eine Umstellung der Großwetterlage Anfang Juli könnte für den weiteren Sommerverlauf von Bedeutung sein, da sich die Wetterlage in diesem Zeitraum häufig für einige Wochen stabilisiert. Das besagen die vielen Bauernregeln um den Siebenschläfer, bei denen man bedenken muss, dass der Lostag nach der Kalenderreform im 16. Jahrhundert erst am 7. Juli stattfindet und für die Wetterlage die Betrachtung eines Zeitraums sinnvoller ist.


Wetterexperte Björn Goldhausen blickt zurück: „In den letzten Jahren passte die Siebenschläferregel erstaunlich gut. Das muss allerdings für dieses Jahr nichts heißen, da die Regel nur in etwa zwei von drei Jahren zutrifft. Trotzdem verdichten sich die Hinweise auf eine kühlere Phase im Juli und die Langfristmodelle setzen das Muster der Großwetterlage in den folgenden Wochen fort. Kurze Hitzeschübe sind dabei aber vor allem im Süden dennoch möglich.“


Trockenheit bleibt ein Thema
Die Regenbilanz fällt im Juni in Deutschland sehr unterschiedlich aus. Regional brachten die Gewittergüsse zwar große Regenmengen, in einem breiten Streifen von der Ostsee bis ins nördliche Bayern gab es im ganzen Juni örtlich weniger als 10 Liter Regen pro Quadratmeter. Auch auf das gesamte Jahr gesehen gibt es in der Osthälfte Deutschlands zur Jahreshalbzeit ein Niederschlagsdefizit von 20 bis örtlich knapp 30 Prozent. Die Waldbrandgefahr ist besonders am Donnerstag aufgrund der trockenen Böden erhöht. Der Regen im Zusammenhang mit der Kaltfront am Freitag wird die Gefahr zumindest kurzfristig lindern. Durch den zunehmenden Einfluss des Azorenhochs sind allerdings in der nächsten Woche abgesehen vom Süden keine weiteren nennenswerten Niederschläge in Sicht. 

Regenmengen im Juni und Abweichung zum Klimamittel:
4 l/m2 (6%)            Leutenberg (Thüringen)
6 l/m2 (10%)          Wismar (Mecklenburg-Vorpommern)
8 l/m2  (11%)         Hannover (Niedersachsen)
22 l/m2 (29%)        Berlin 
79 l/m2 (112%)      Schleswig (Schleswig-Holstein)
249 l/m2 (147%)     Chiemsee (Bayern)

 
 Wildtieren durch die Hitze helfen - Soforthilfe für Igel, Vögel und Insekten

Bonn/Duisburg, 29. Juni 2022 - Hohe Temperaturen sind nicht nur für viele Menschen belastend, auch Tieren machen sie zu schaffen. Weil gerade für Wildtiere Trockenheit ein großes Problem ist, sind sie zunehmend auf unsere Unterstützung angewiesen. Die erste Hilfe ist das Aufstellen von Tränken. Dabei gibt es aber ein paar Dinge zu beachten. 

Wasserschalen sind die beste und willkommene Soforthilfe bei Hitze und Trockenheit für Wildtiere. Nicht nur Spatz und Stieglitz nutzen das Wasser zum Trinken und ausgiebigem Bad. Foto WetterOnline

Sommerliche Temperaturen über 25 Grad bringen Menschen ins Schwitzen und für viele wird es unerträglich heiß. Tieren macht die Hitze genauso zu schaffen. Sie müssen wie wir bei Hitze besonders viel trinken und suchen wie wir nach Abkühlung. Wildtiere aber leiden während der heißen Tage unter Wassermangel. Die wenigen verbliebenen natürlichen Wasserstellen, die besonders in Städten ohnehin rar sind, trocknen zunehmend aus. Die wichtigste Maßnahme ist deshalb, Trinkquellen anzubieten.  

Aber auch das Nahrungsangebot wird für die Wildtiere durch die Trockenheit immer knapper. Igel beispielsweise finden kaum die für sie wichtigen Regenwürmer, da diese nicht an die trockene Bodenoberfläche kommen. In trockengefallenen Feuchtgebieten gibt es für Störche und andere Tiere keine Nahrung in Form von Amphibien, Fischen und Insekten mehr. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Auch in den kommenden Tagen bleibt es sommerlich warm bis heiß. Gewitter und Regen können nur regional für eine Entspannung sorgen. “ 


Tränken auf dem Balkon und im Garten
Beim Aufstellen von Tränken sind einige Dinge zu beachten. Der Aufstellplatz sollte ruhig, schattig und vor Katzen sicher sein. Ideal sind flache Wasserschalen mit einem rauen Untergrund, damit die Tiere nicht rutschen. Die Schalen sollten möglichst wackelfrei und eben aufgestellt werden, damit kein Wasser ausläuft oder die Tiere irritiert werden. Kleine Inseln aus Steinen in der Schale bieten zusätzliche Sicherheit und einen Landeplatz für Insekten, die so ebenfalls ihren Durst löschen können. Die Schalen können auf der Fensterbank, dem Balkon und im Garten gleichermaßen aufgestellt werden.  

Von einer Tränke im Garten profitieren nicht nur Vögel und Insekten, sondern auch Igel und andere Tiere, die nicht einfach zur nächsten Wasserstelle fliegen können.  Wenn eine größere Tränke oder ein Gartenteich vorhanden ist, ist es sehr wichtig eine Ausstiegshilfe anzubieten, damit Tiere, die hineinfallen, nicht ertrinken. Ideal ist dafür eine flache Uferzone im Gartenteich. In größeren Schalen kann ein raues Brett als Rettungsleiter fungieren.

Zum Schutz vor Katzen sollte die Tränke nicht in der Nähe von Büschen, in denen sich die pelzigen Räuber gerne auf die Lauer legen, aufgestellt werden. Gerade Vögel nutzen die Wasserstellen und übrigens auch Sand zum ausgiebigen Bad und können dann leicht zum Opfer werden. Um zu verhindern, dass sich Krankheitserreger im Wasser ausbreiten, sollte das Wasser in den Schalen täglich gewechselt und diese gründlich gereinigt werden.

Wunderwerk Froschhaut im Sommer: Hautatmung und Fortpflanzung bei Hitze


Bonn/Duisburg, 29. Juni 2022 - Besonders Amphibien leiden unter starker Hitze. Denn ihre dünne Haut ist zwar ein Wunderwerk der Natur, aber überaus empfindlich und kann schnell austrocknen. Wie Frösche, Molche und Salamander durch den Sommer kommen und was es mit ihrer Zauberhaut auf sich hat, erklärt WetterOnline in Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf.

Bitte einmal tief einatmen – durch die Haut! Frosch- und Schwanzlurche haben eine sehr dünne Haut mit zahlreichen einzigartigen Eigenschaften: So können Amphibien neben der Lungenatmung auch Sauerstoff aus der Umgebung direkt über die Hautoberfläche aufnehmen. Unter der Hautoberfläche verläuft ein feines Netz aus Blutgefäßen, das den Sauerstoff, der durch die Haut eindringt, aufnimmt und weitertransportiert. Dadurch werden die Organe der Amphibien genauso mit Sauerstoff versorgt, als würde das Tier mit der Lunge atmen. 


Frösche und Kröten können über die Haut atmen. Aber nur, wenn die Haut sehr feucht ist oder sich das Tier im Wasser befindet. Bildquelle: Aquazoo Löbbeke Museum Düsseldorf


Das funktioniert dann, wenn die Haut sehr feucht ist oder sich das Tier im Wasser befindet. Doch der natürliche Lebensraum der Amphibien ist akut bedroht. Denn kleinere Tümpel und Seen führen während heißen Sommern oft kaum noch Wasser. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Die zunehmende Erwärmung von Erdoberfläche und Atmosphäre führt zu andauernden Hitze- und Trockenperioden. Der von Menschen gemachte Klimawandel ist real und gefährdet auch unsere heimischen Amphibien.“


Amphibienhaut: Genial und sensibel
Die amphibische Haut kann jedoch nicht nur atmen, sie ist auch mit vielen Drüsen ausgestattet, die sowohl Schleim als auch andere Substanzen wie Hautgifte abgeben. Der Schleim überzieht schützend die Oberfläche des Tieres und bietet einen zusätzlichen Austrocknungsschutz. Zudem schützen Hautgifte ganz unterschiedlicher Toxizität die Tiere vor Fressfeinden, aber auch vor Parasiten und Krankheitserregern wie Bakterien und Pilzen. 

Sandra Honigs, stellvertretende Direktorin und Kuratorin für den Landbereich im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf: „Normalerweise funktioniert der Spezial-Hautschutz relativ zuverlässig. Doch leider sind auch Amphibien gegen auftretende Veränderungen ihres Lebensraumes, die unter anderem dem Klimawandel geschuldet sind, und gegen neue Krankheitserreger nicht gewappnet.“ Nachteile der sehr dünnen Haut sind zudem, dass sie sehr empfindlich gegen mechanische Einflüsse ist und schnell austrocknen kann, wenn sie nicht stets feucht gehalten wird.


„Daher ist es für Frösche, Molche und Salamander besonders wichtig, ein schattiges und feuchtes Plätzchen als Unterschlupf zu finden, da sie sonst Gefahr laufen auszutrocknen oder zu ersticken“, so Honigs. Ohne Wasser keine Nachkommen  Alle heimischen Amphibien benötigen zudem Feuchtigkeit, um sich fortpflanzen zu können. Damit sich ihre gallertigen Eier entwickeln können, müssen sie in einer feuchten Umgebung in der Regel mindestens in einem Kleinstgewässer abgelegt werden.

Sandra Honigs: „Auf Amphibien warten viele Gefahren. Zahlreiche Gewässer werden bereits von hungrigen Fischen bewohnt, die nur darauf warten, sich über die munteren Amphibienlarven her zu machen. Und hat ein Frosch ein schmuckes temporäres Gewässer gefunden und besetzt, trocknet dieses möglicherweise bei der nächsten Hitzewelle gleich wieder aus. Da können wir Menschen nur mit Gießkanne und Gartenschlauch Entwicklungshilfe leisten.“

Hilfe für Frosch & Co. 
Hitzewellen und Trockenperioden machen insbesondere den Amphibien extrem zu schaffen, die in Städten und stark bebauten Gegenden leben. Grünflächen, Feuchtbiotope und amphibienfreundliche Plätze sind hier rar und jede feuchte Ecke kann in langen trockenen Sommern ihr Überleben sichern. „Daher ist es besonders wichtig, im Garten, in öffentlichen Parkanlagen und in Grünflächen Laub, Gehölz und Totholz liegen zu lassen und heimischen Tieren wie Amphibien, Insekten und auch Igeln so ein kühles, feuchtes und dunkles Versteck zu bieten“, so Honigs. „Ein amphibienfreundlicher Teich im eigenen Garten kann zudem die Fortpflanzung gefährdeter Arten unterstützen.“ 

Über die Kooperation von WetterOnline und dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf WetterOnline engagiert sich als Pate im Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf für den Artenschutz heimischer Amphibien. Denn WetterOnline hegt als Wetterdienstleister eine ganz besondere Beziehung zum Europäischen Laubfrosch – auch als Wetterfrosch bekannt – und möchte helfen, diesen Frosch und seine heimischen Artgenossen auch in Zukunft in Deutschland beheimatet zu wissen. Für die Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum hat sich WetterOnline bewusst entschieden: Der Aquazoo führt seit dem Jahr 2008 eine Zucht- und Schutzstation für Amphibien und setzt sich so in besonderem Maße für diese bedrohte Tiergruppe ein.

Deutschlandwetter im Juni: Sommerauftakt sonnig,  zu warm und zu trockenen

Offenbach/Duisburg, 29. Juni 2022 - Ohne Zögern startete der Juni 2022 als erster Sommermonat mit Vollgas in die warme Jahreszeit. Es standen aber nicht nur gemächliches Grill- und Badewetter auf dem Fahrplan. Beobachtet wurden auch heftige Gewitter, Starkregenfälle und Hagelschlag, vor allem in den südlichen Regionen Deutschlands, immer wieder auch mit Unwettercharakter. Die östlichen Regionen erlebten dagegen sengende Hitzetage und eine außergewöhnliche Trockenheit mit folgenschweren Waldbränden. Entsprechend reihte sich der diesjährige Juni als außergewöhnlich warmer, sehr trockener und überaus sonnenscheinreicher Sommermonat in die Klimastatistik ein.


Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen. Hochsommerlich mit teils extremen Hitzepeaks im Osten Der Temperaturdurchschnitt lag im Juni 2022 mit 18,4 Grad Celsius (°C) um 3,0 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung plus 2,0 Grad. Damit ist der Rosenmonat 2022 der sechstwärmste seit Messbeginn.


Den wärmsten Juni gab es 2019 mit 19,8 °C. Wer eine frische Brise suchte, war an den Küsten am rechten Platz. Sonst schaukelten die Temperaturen regelmäßig zwischen behaglicher Wärme und lästiger Hitze. Vor allem der Osten meldete brütend heiße Tage mit neuen Junirekorden in Sachsen und Brandenburg. am 19. wurden vom DWD 39,2 °C sowohl in Dresden-Strehlen als auch in Cottbus gemessen. Es waren die höchsten Werte deutschlandweit. Dagegen fühlte sich der nationale Tiefstwert vom 2. mit 1,1 in Gilserberg-Moischeid, 25 km nordöstlich von Marburg, fast „eisig“ an.

Viel Starkregen im Süden, teils extreme Trockenheit in der Mitte und im Osten
 Im Juni fiel mit annährend 60 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp ein Drittel weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 mit 85 l/m². Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 lag das Minus bei fast 20 Prozent. Niederschlagsgebiete gab es insbesondere in den südlichen Bundesländern.

Oft tobten dabei schadensreiche Gewitterzellen mit Hagelschlag, Sturm und Platzregen. Die Station Deuerling-Heimberg, westlich von Regensburg, erlebte am 5. mit 82,0 l/m² den bundesweit höchsten Tagesniederschlag. Am nassesten war es auf Monatssicht mit über 200 l/m² an den Alpen.

Im Kontrast dazu folgten in den östlichen Regionen Deutschlands auf die langanhaltende Trockenheit Waldbrände und sinkende Wasserstände. Gewitter und Regenfälle konnten zwar zum Monatsende den Wassermangel hier und da etwas lindern. In Teilen Nordbayerns und Thüringens aber blieb es mit weniger als 10 l/m² Juniregen bei den besagten „Tropfen auf den heißen Steinen“.

Sehr sonniger Sommerbeginn
Mit 275 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im Juni ihr Soll von 203 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 35 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 betrug die positive Abweichung 27 Prozent. In den östlichen Ländern summierte sich die Sonnenscheindauer auf zum Teil über 300 Stunden. Im äußersten Norden waren es etwa 80 Stunden weniger.


Für NRW berechnete der Deutsche Wetterdienst folgende Junibilanz: Bei 17,7 °C (15,4 °C) gab es 65 l/m² (84 l/m²) Niederschlag und überdurchschnittliche 265 Sonnenstunden (184 Stunden).


Alpen droht Rekordeisschmelze - Hitze lässt Gletscher schrumpfen 

Bonn/Duisburg, 23. Juni 2022 - Die Hitzewellen im Mai und Juni haben den Schweizer Gletschern massiv zugesetzt. Die Gletscher liegen zum kalendarischen Sommerbeginn bereits blank bis auf rund 3000 Meter, teilweise noch höher. In den Hochlagen der Alpen sieht es aus wie normalerweise Mitte August. 

Vor rund 30 Jahren ist man auf diesem Teil des Gletscherskigebiets von Zermatt noch den ganzen Sommer über Ski gefahren. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Foto: Dr. David Volken


Schneearmut und Gletscherschmelze auf hohem Niveau
Dieses Jahr hat eine intensive Hitzewelle bereits im Mai den Alpenraum erfasst. Die Folge war eine rasante Schnee- und Gletscherschmelze, die im Juni auf hohem Niveau voranschritt und einen vorläufigen Höhepunkt in der jüngsten Hitzewelle vom letzten Wochenende fand. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „In der Schweiz wurde der zweitwärmste Mai seit dem Jahr 1864 aufgezeichnet. Auch im Juni gab es in den Tälern schon viele Tage mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke.  

Der in diesem Jahr ohnehin sparsam gefallene Schnee schmilzt seit Mai nun auch noch rasant und schützt das Eis nicht mehr vor der Wärmeeinstrahlung. Viele tieferliegende Gletscherzungen wie beispielsweise der Gorner-, Fiescher- oder Aletschgletscher lagen in der Folge außergewöhlich früh bereits Ende Mai schon bis in Höhenlagen von 2500 Meter schneefrei da. Im Juni ging die Schmelze ungebremst weiter und die zuletzt sehr hohen Temperaturen setzten noch eins drauf. Da die Gletscher bereits bis in Höhenlagen von rund 3000 Metern schneefrei sind, schmolz in den vergangenen heißen Tagen viel Eis weg. Entsprechend präsentieren sich die Hochlagen der Alpen aktuell bereits wie in einem durchschnittlichen August.“ 

Abfluss von Wassermengen immens
Das durch die rekordverdächtige Schneearmut fehlende Schmelzwasser führt zu Trockenheit und niedrigen Wasserständen. Die Eisströme der Alpen schrumpfen zunehmend. Das Kühlsystem verliert somit an Kraft. Der beschleunigte Verlust an Süßwasservorrat durch große Abflussmengen führt unter anderem zum Rückgang der Artenvielfalt und auch die Landschaft der Alpen ändert sich.

Laut dem Klimaexperten und Meteorologen Dr. David Volken lag der Spitzenabfluss am Grossen Aletschgletscher beispielsweise am Nachmittag des 20. Juni 2022 bei 82.000 Liter Wasser pro Sekunde. Im Tagesmittel waren es immer noch 66000 Liter pro Sekunde. Dies entspräche einem Abfluss von 5,7 Milliarden Liter Wasser pro Tag. Im Vergleich wäre das jeden Tag eine Wassermenge in einer vollen 0,7 Liter-Flasche für jeden Erdbewohner. 


Entspannung nicht in Sicht
Die Wetteraussichten lassen bisher keine Hoffnung auf eine Unterbrechung der Schmelze zu. Goldhausen: „Für die kommende Woche gibt es schon Anzeichen, dass ein Schwall heisser Mittelmeerluft den Alpenraum erneut erfasst.“ Mit diesen Aussichten geht die Gletscherschmelze ungebremst weiter. Zudem sagen viele Klimamodelle einen sehr warmen und trockenen Sommer für Mitteleuropa bis Ende August voraus. Somit werden die Schweizer Gletscher diesen Sommer überdurchschnittlich viel Eismasse verlieren. Es besteht sogar das Risiko, dass der Rekord-Schmelzsommer aus dem Jahr 2003 überboten wird. Damals sind drei bis vier Prozent des Gletschervolumens verloren gegangen. 

Der Driestgletscher oberhalb des Grossen Aletschgletschers im Kanton Wallis ist bereits jetzt im Juni schneefrei. Foto: Dr. David Volken

Was ist dran am Siebenschläfertag? - Der 27. Juni und seine Bedeutung fürs Wetter

• Kalenderreform führte zu Terminverschiebung
• Zeitraum Ende Juni – Anfang Juli wichtig
• Jetstream als Ursache für konstante Wetterlagen
• So kommt der Siebenschläfertag zu seinem Namen


Bonn/Duisburg, 22. Juni 2022 - Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“ — so lautet eine von vielen Bauernregeln zum Siebenschläfertag am 27. Juni. Die Überprüfung dieser These führt zu einem eindeutigen Ergebnis. Namensgeber des Siebenschläfertags sind andere als zunächst vielleicht gedacht.

Ein blauer Himmel am Siebenschläfertag kann ein Hinweis für einen sonnigen Sommer sein. Quelle: WetterOnline 


Siebenschläfertag: Bauernregeln und ihre Zuverlässigkeit
Der Siebenschläfertag ehrt, um es gleich vorwegzunehmen, kein kleines wuscheliges Säugetier unserer Wälder und Gärten. Er hat eine ganz spezielle Bedeutung als Stichtag einer volkstümlichen Wettervorhersage mit zahlreichen Bauernregeln. Sie alle sagen mehr oder weniger das Gleiche aus: Das Wetter am Siebenschläfer, dem 27. Juni, bestimmt das Wetter der folgenden sieben Wochen.

Doch wie zuverlässig ist diese überlieferte Prognose?
Das weiß Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Wenn wir die Bauernregel zum Siebenschläfertag an einen einzigen Tag wie den 27. Juni knüpfen, trifft sie nicht zu.“ Dies liegt vor allem daran, dass am Ende des 16. Jahrhunderts der Kalender geändert und zehn Tage gestrichen wurden. Der eigentliche Termin des Siebenschläfertages müsste also heute der 7. Juli sein. Goldhausen weiter: „Bezieht man die Bauernregel aber auf den Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli, kann sie in der Meteorologie Hinweise auf den weiteren Wetterverlauf liefern. Denn ab dieser Zeitspanne stellt sich oftmals eine stabile Wetterlage ein, die danach tatsächlich länger andauert.“

Jetstream sorgt für stabile Wetterlage
Grund für die über eine längere Phase gleichbleibende Wetterlage ab Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli ist der sogenannte Jetstream, ein Starkwindband in rund zehn Kilometern Höhe. Die genaue Lage des Jetstreams verändert sich zwar eigentlich oft.  Im Sommer aber bleibt er häufiger mal konstant in seinem Verlauf. Er beeinflusst die Zugbahn der Hoch – und Tiefdruckgebiete und ist damit für das Wetter verantwortlich. Verläuft der Jetstream weiter nördlich, dominieren Hochdruckgebiete das Wetter.  

Wetterexperte Björn Goldhausen: „Die Trefferquote für die Siebenschläferregel liegt bei überschaubaren 55 bis 60 Prozent. Nur im Süden ist sie etwas höher – aber auch nur, wenn man den Zeitraum von sieben Wochen auf drei bis vier verkürzt. Heißt es am Siebenschläfertag also ‚Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass‘, schadet es auch dort nicht, in den darauffolgenden Wochen zur Sicherheit einen Regenschirm im Gepäck zu haben. In den vergangenen Jahren passte die Siebenschläferregel in weiten Landesteilen aber erstaunlich gut.“ 

Wie kam der Siebenschläfertag zu seinem Namen?
Seinen Namen verdankt der Siebenschläfertag übrigens nicht dem possierlichen Nagetier, dem Siebenschläfer, sondern einer christlichen Legende. Dieser zufolge retteten sich im Jahre 251 sieben Jünglinge vor der Christenverfolgung in eine Höhle bei Ephesus. Dort schliefen sie mit Gottes Hilfe 195 Jahre lang, bis sie von Hirten am 27. Juni im Jahr 446 auferweckt wurden und somit den christlichen Glauben an die Wiederauferstehung bestätigten.
Um ihrer zu gedenken, wurde der Siebenschläfertag ins Leben gerufen. Das Wetterphänomen richtet sich also nur zufällig nach diesem Tag, da die Menschen damals um den Tag der Siebenschläfer herum das gleichbleibende Wetter beobachteten und dies in Bauernregeln festhielten. 

Der Siebenschläfertag verdankt seinen Namen nicht dem possierlichen Nagetier. Quelle WetterOnline


Was hilft gegen Kreislaufprobleme bei Hitze? - 5 Tipps für die heißen Tage

Gesundheitsrisiko Hitze ab gefühlter Temperatur von 32 Grad
Kühlsystem des Körpers stark gefordert
Körper unterstützen durch Flüssigkeit, Wechselduschen, leichtes Essen und andere Maßnahmen


Bonn/Duisburg, 15. Juni 2022 - Die erste Hitzewelle schwappt aus Spanien heran. Für unseren Körper bedeutet die Hitze Arbeit auf Hochtouren, um seine Temperatur auf konstanten 37 Grad zu halten. Nicht selten führen hohe Temperaturen daher zu Unwohlsein und Kreislaufproblemen.

Wie kommt es zu Kreislaufproblemen?
Freibad, Grillen und ganz viel Sonne: Mit dem Sommer beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres. Einige Menschen haben jedoch Probleme mit den hohen Temperaturen. Sie kämpfen mit Schwindel und Übelkeit und sind einfach nur platt. Besonders für alte und kranke Menschen stellt die Hitze ein Gesundheitsrisiko dar. Bei einer gefühlten Temperatur von 32 Grad ist der Körper einer starken Wärmebelastung, bei einer gefühlten Temperatur von 38 Grad einer extremen Wärmebelastung ausgesetzt. Wenn das Kühlsystem des Körpers versagt, droht im schlimmsten Fall ein Hitzschlag. Um bei Hitze Körperwärme abzugeben, weiten sich unsere Blutgefäße. Dadurch sinkt der Blutdruck und das Blut zirkuliert schlechter.

Die Folgen: Unser Körper erhält weniger Sauerstoff und der Kreislauf wird schwächer. Dies führt zu Kopfschmerzen, schweren Beinen, Übelkeit oder Schwindel und manchmal auch zu einer Ohnmacht. „In den nächsten Tagen werden wir zum ersten Mal in diesem Jahr mit einer thermischen Belastung durch Temperaturen deutlich über 30 Grad zu tun haben“, sagt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline, und erklärt: „Größere Hitzewellen, die vielen Menschen zu schaffen machen, haben wir in Deutschland immer wieder. Eine markante Hitzewelle, die noch vielen im Gedächtnis ist, hatten wir zum Beispiel 2018 mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad an 20 Tagen. Der letzte Hitzerekord wurde am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad in Duisburg aufgestellt.“ Um Kreislaufproblemen bei Hitze vorzubeugen, gibt es ein paar einfache Tipps. 

Ausreichend Flüssigkeit
Viel zu trinken ist sehr wichtig. Besonders Mineralwasser, Saftschorlen oder alkoholfreies Bier enthalten Elektrolyte, die dabei helfen, Flüssigkeiten besser im Körper zu verteilen. Alkohol hingegen weitet die Blutgefäße und entwässert den Körper, was den Kreislauf zusätzlich belastet. 


Anregende Wechseldusche
Am Morgen und am Abend eignet sich eine kurze Wechseldusche, um einem niedrigen Blutdruck entgegenzuwirken. Einfach mehrmals zwischen warmem und kaltem Wasser wechseln. Wichtig: Langsam an die unterschiedlichen Temperaturen herantasten, um den Kreislauf nicht zu überfordern. 

Sanfte Bewegung
Auch etwas Bewegung in den kühleren Morgenstunden oder am späten Abend empfiehlt sich, um den Kreislauf anzuregen, ohne den Körper zu überhitzen. Sport oder größere Anstrengungen in den Stunden der intensivsten Sonneneinstrahlung rund um die Mittagszeit erhöhen das Risiko von Kreislaufproblemen. An sonnigen Tagen wird die Höchsttemperatur erst am späten Nachmittag erreicht, körperliche Anstrengung sollte dann unbedingt vermieden werden.  


Frische Luft
Die Klimaanlage sollte im Sommer nur mit Vorsicht genutzt werden. Denn plötzliche Temperaturunterschiede stellen eine hohe Belastung dar. Ein offenes Fenster hingegen sorgt für ausreichend Luft und hilft dem Körper, den Kreislauf in Gang zu halten. Ventilatoren bieten sich ebenfalls für eine gute Luftzirkulation an.  


Leichtes Essen
Grillfans, für die ein Steak an einem heißen Sommertag einfach dazugehört, sollten wissen: Das tierische Eiweiß regt die körpereigene Wärmeproduktion an. Leichtes Essen wie Salat, Obst oder rohes Gemüse hingegen bieten eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr und versorgen den Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. 
  

Ein schattiges Plätzchen und ein Getränk helfen bei Hitze, den Kreislauf in Schwung zu halten. Quelle: WetterOnline

Große Hitze am Wochenende - Massive Gletscherschmelze in den Alpen

Hochsommerlich heißes Wochenende Höchstwerte oft 30 bis 35 Grad
Von Nordwesten her ab Sonntag Abkühlung
Extrem wenig Schnee in den Alpen Massive Gletscherschmelze steht bevor

Der große Aletschgletscher in der Schweiz ist bereits Mitte Juni ohne Schneedecke der starken Sonne ausgesetzt. Quelle WetterOnline


Bonn/Duisburg, 13. Juni 2022 - Die spanische Hitzeglocke macht sich über Frankreich auf den Weg und erreicht zum Wochenende Deutschland. Regional wird die 35-Grad-Marke geknackt. In den Alpen liegt kaum noch Schnee, der die Gletscher vor der Hitze schützt.

Besonders im Süden sehr heiß
Zum Wochenende steigen die Temperaturen in Deutschland verbreitet auf ein hochsommerliches Niveau. Derzeit lauert knapp 45 Grad heiße Luft in Spanien und macht sich auf den Weg zu uns. Die Vorhut der Hitze erreicht etwa ab der Wochenmitte den Südwesten des Landes. Während es in der Südhälfte mehrere Tage am Stück heiß werden kann, kühlt es sich wahrscheinlich im Norden bereits Sonntag wieder ab. Dazu gibt es meist freundliches und überwiegend trockenes Wetter, am Sonntag steigt allerdings die Gewittergefahr.

Am Wochenende wird es heiß: Regional sind mit mehr als 35 Grad neue Rekordwerte für Mitte Juni möglich. Quelle WetterOnline



Was für Sommer-Sonnen-Fans eine gute Nachricht ist, ist für die Gletscher jedoch eine schlechte, denn die Hitze beschleunigt die Schmelze. Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline: „Kurz vor dem kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni zeigt der junge Sommer schonmal was er kann. Rund 30 Stunden brennt die Sonne am Wochenende bei oft mehr als 30 Grad vom Himmel. Das ist bestes Badewetter und die Badeseen bieten mit knapp unter 20 Grad auch noch eine herrliche Erfrischung.“
In der Spitze könnten entlang des Oberrheins sogar mehr als 35 Grad gemessen werden. Für Mitte Juni ist das ungewöhnlich warm und lokal könnten sogar neue Rekordmarken gesetzt werden. 

Abkühlung von Nordwesten her
Derzeit sieht es jedoch nicht nach einer längeren Hitzewelle aus, denn mit einer Winddrehung auf Nordwest sinken die Temperaturen ab Sonntagabend schon wieder. „Für die Nordhälfte ist der Temperatursturz schon ziemlich sicher. Hier werden die Temperaturen ordentlich in den Keller rauschen. Anders sieht es im Süden aus, hier könnte sich die heiße Luft noch etwas länger halten. Ob es dann im Übergangsbereich der Luftmassen ordentlich kracht, ist zum jetzigen Stand aber noch unsicher“, bekräftigt Goldhausen. Flächendeckender Regen ist aber in den nächsten Tagen nicht in Sicht. Daher verschärft sich die regionale Trockenheit in Deutschland weiter und es muss mit einem Anstieg der Waldbrandgefahr gerechnet werden. 

Gletscherschmelze wie im Hitzesommer 2003 droht
Auch die Alpen sind von der Hitzewelle mit Temperaturen bis über 35 Grad in den Tallagen betroffen. Selbst in den Gletschergebieten setzt starkes Tauwetter ein. Durch das sehr warme und trockene Frühjahr liegt im gesamten Alpenraum so wenig Schnee, wie in den letzten 20 Jahren noch nie im Juni. Der große Aletschgletscher in der Schweiz ist bereits zu einem großen Teil schneefrei. Die hohen Temperaturen zum Zeitpunkt des Sonnenhöchststandes könnten für die Gletscher aufgrund der Ausgangslage große Verluste bedeuten.

Sollte es im Juli und August ebenfalls sehr warm bleiben, droht den Gletschergebieten eine Rekordschmelze wie im Hitzesommer 2003. Damals verloren die Schweizer Gletscher über vier Prozent ihres Eises. In einigen Gletschergebieten Frankreichs und Österreichs wurde aufgrund der Schneelage der Sommerski-Betrieb abgesagt. Auch die Zugspitze könnte in den nächsten Tagen schon schneefrei sein.

„Das ist im Juni sehr selten, normalerweise liegt zu dieser Jahreszeit noch meterhoch Schnee aus dem Winter. Eine schneefreie Zugspitze im Juni gab es zuletzt 1964“, so Goldhausen. Aufgrund des fehlenden Schmelzwassers führen einige Flüsse in der Schweiz Niedrigwasser und auch der Rheinpegel liegt schon deutlich unterhalb des Mittelwertes. In der Po-Region in Norditalien erreicht die Dürre schon jetzt Ausmaße, wie es sie seit 70 Jahren nicht mehr gab.


 

Erde im CO2-Rausch - CO2-Konzentration auf Rekordniveau  

Bonn/Duisburg, 9. Juni 2022 - Durch unverändert hohe CO2-Emissionen erreicht die Konzentration des Klimagases einen neuen Höchststand von 421 Parts pro Million. So hoch war die Konzentration in der Erdatmosphäre seit mehreren Millionen Jahren nicht mehr.

Durch die Verbrennung fossiler Energieträger gelangen große Mengen an CO2 in die Erdatmosphäre.
Quelle WetterOnline


Erde hat 0,4 Promille 
Laut Messungen des Mauna Loa Observatoriums auf Hawaii lag der neue Höchstwert der CO2-Konzentration im Mai bei 421 Parts pro Million (Teile pro Millionen). Vor der industriellen Revolution war dieser Wert lange stabil bei etwa 280 Parts pro Million. Damit liegt nun ein Anstieg von mehr als 50 Prozent vor.
Björn Goldhausen, Pressesprecher von WetterOnline ordnet den Anstieg ein: „Unsere Erde hat sich einen ordentlichen CO2-Drink genehmigt und ist quasi angeschwipst! Ihr aktueller Promille-Wert beträgt 0,421. Die meisten Menschen würden jetzt schon nicht mehr ins Auto steigen, aber unser Planet dreht weiter seine Kreise. Notgedrungen nimmt er dabei weitere CO2-Cocktails in sich auf. Die absolute „Drehuntüchtigkeit“ ist aber nicht mehr weit. 


CO2-Konzentration steigt seit Jahrzehnten stark an
Schaut man sich die Klimageschichte unseres Planeten an, ist ein rasanter und vor allem unnatürlicher CO2-Anstieg zu beobachten. Der Grund ist das Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. Da die weltweiten CO2-Emissionen durch die Corona-Pandemie nur kurzzeitig zurückgegangen waren, zeigt die Kurve weiter steil nach oben. Außerdem kann CO2 durchaus mehrere Jahrhunderte in der Atmosphäre bleiben und hat deshalb eine große Klimawirkung.“

Durch die erhöhte Konzentration der Treibhausgase, zu denen auch noch Methan und Lachgas zählen, wird mehr Wärme in der Erdatmosphäre gehalten und kann nicht ins All entweichen. Durch diesen Effekt ist die Temperatur auf der Erde gegenüber dem vorindustriellen Niveau um etwa 1 Grad und in Deutschland sogar bereits um 1,5 Grad angestiegen. 

Jahreszeitliche Schwankungen sind normal
Die globale CO2-Konzentration schwankt innerhalb eines Jahres mit einem Maximum im Winter und einem Minimum im Sommer. Das liegt an der Ausbreitung der Vegetation auf der Nordhalbkugel in den Sommermonaten, welche über die Photosynthese CO2 aufnimmt. Um den langjährigen Trend ohne große Schwankungen erkennen zu können, eignet sich der Messstandort auf Hawaii sehr gut. Hier gibt es auf einem Vulkangipfel nur wenig Vegetation und auch keine weiteren Schadstoffquellen.


Björn Goldhausen: „Vergleicht man die Kurve zum Beispiel mit Messungen vom Hohenpeißenberg in Bayern, sieht man in Deutschland zwar deutlich größere Schwankungen, der steigende Trend bis über einen Mittelwert von 420 Parts pro Million ist aber auch hier eindeutig zu erkennen.“

Permafrostböden tauen unaufhaltsam
Ein weiterer bedeutender Aspekt für den Anstieg der Treibhausgase ist das Auftauen von dauerhaft gefrorenen Böden. Diese gelten als einer der größten Kohlenstoffspeicher der Erde. Außerdem wird beim Auftauprozess neben CO2 auch das noch klimaschädlichere Methan freigesetzt. Die Regionen mit Permafrostböden nehmen aktuell noch rund 25 Prozent der Erdoberfläche ein und sind vor allem in Sibirien, Kanada und Alaska zu finden. Aber auch im Norden Skandinaviens gibt es noch Permafrostböden.

Die Permafrostböden tauen durch die Erderwärmung immer weiter auf und setzen dabei Treibhausgase frei. Quelle WetterOnline

„Diese sind laut einer Studie der University of Leeds allerdings besonders bedroht. Selbst im Szenario mit nur moderater Erderwärmung könnte es bis 2040 dort so warm sein, dass der Permafrost komplett verschwindet“, so Goldhausen. Sollten die CO2-Emissionen jedoch in den nächsten Jahrzehnten stark verringert werden, könnte ein Teil der Permafrostböden bis zum Ende des Jahrhunderts noch gerettet werden.

 

Leuchtende Nachtwolken - Magischer Silberschleier am Nordhimmel

In den kommenden Wochen sind Leuchtende Nachtwolken zu beobachten
Antworten auf: Was sind Leuchtende Nachtwolken? 
Wie, wo und warum entstehen und leuchten Leuchtende Nachtwolken?
Welche Farben und Formen haben Leuchtende Nachtwolken?

Das Licht der Sonne wird von den Leuchtenden Nachtwolken noch reflektiert. Das passiert nur kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang. Foto WetterOnline

Bonn/Duisburg, 4. Juni 2022 -
In den kommenden Wochen können Nachteulen in wolkenfreien Nächten mit etwas Glück ein ganz besonderes Himmelsspektakel bestaunen: Hell schimmernde, feinste Wolkenschleier erleuchten bis etwa Mitternacht und dann wieder ab etwa 3 Uhr morgens den Nordhimmel.

Was sind Leuchtende Nachtwolken?
Björn Goldhausen, , Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline: „Wolken entstehen normalerweise nur in den untersten Schichten der Atmosphäre bis in eine Höhe von etwa 13 km. Im Sommer jedoch können bei entsprechenden Bedingungen Leuchtende Nachtwolken beobachtet werden, die in der Mesosphäre in einer Höhe von etwa 81 bis 85 km entstehen. Sie bestehen aus kleinsten Eiskristallen und sind so dünn und transparent, dass sie tagsüber unsichtbar sind“.  

Wie entstehen Leuchtende Nachtwolken?
Björn Goldhausen: „Kurioserweise ist der Entstehungsprozess von Leuchtenden Nachtwolken bis heute nicht vollkommen geklärt. Klar ist, dass zu ihrem Entstehen Feuchtigkeit, Staubteilchen und extreme Temperaturen von weniger als minus 120 Grad benötigt werden. Staubpartikel dienen als Kondensationskerne. Sie sind winzige Reste von in der Erdatmosphäre verglühten Meteoren oder feinste Rückstände gewaltiger Vulkanausbrüche.

Im Gegensatz zu erdnahen Luftschichten heizt sich die Mesosphäre im Sommer nicht auf, sondern kühlt im Gegenteil sogar stark ab. Daher wird die für die Entstehung der Leuchtenden Nachtwolken benötigte extrem niedrige Temperatur nur im Hochsommer erreicht. Leuchtende Nachtwolken sind deshalb ausschließlich rund um die Sommersonnenwende im Juni und Juli zu beobachten.“  

Wo entstehen Leuchtende Nachtwolken?
Björn Goldhausen: „Leuchtende Nachtwolken bilden sich meist über polaren Regionen, weil dort die Mesosphäre am kältesten ist. Dort können sie allerdings nicht beobachtet werden, da die Sonne in den nördlichen Breiten im Sommer nicht untergeht. Es ist dann schlicht zu hell und die Leuchtenden Nachtwolken bleiben unsichtbar.“  

Im Juni und Juli kann man Leuchtende Nachtwolken beobachten. Foto WetterOnline



Warum leuchten die Leuchtenden Nachtwolken?
Björn Goldhausen: „Damit Leuchtende Nachtwolken sichtbar werden, muss es einerseits dunkel genug sein, anderseits muss Sonnenlicht noch die Eiskristalle in großer Höhe erreichen. Diese Bedingungen sind gegeben, wenn die Sonne nachts mindestens 6 Grad und maximal 16 Grad unter dem Horizont steht, also kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang. Nur dann wird das Licht der Sonne von den Leuchtenden Nachtwolken noch reflektiert.“  

Welche Farben und Formen haben Leuchtende Nachtwolken?
Björn Goldhausen: „Leuchtende Nachtwolken erscheinen überwiegend in silbrigen Blautönen und gelegentlich auch noch in blass gelblichen Farbtönen. Alle anderen Farbbestandteile des Lichtes werden durch die Erdatmosphäre und die Ozonschicht gefiltert.
Unmittelbar über dem Horizont erkennt man oft auch noch einen rötlichen Schimmer, der aber durch die Morgen- bzw. Abenddämmerung in der unteren Atmosphäre entsteht und nicht die Leuchtenden Nachtwolken erreicht. Diese erscheinen oft als leuchtende Schleier mit faserigen Strukturen. Sie können aber auch als Streifen, Bänder, Wirbel und Wellen mit diffusen oder scharfen Kanten auftreten. Für den Betrachter am Erdboden ergibt sich immer ein beeindruckender Farbverlauf mit faszinierenden Mustern.“ 

 

Donnerwetter zu Pfingsten - Unwettergefahr durch Starkregen

Bonn/Duisburg, 2. Juni 2022 - Pünktlich zum meteorologischen Sommerstart wird es in der zweiten Wochenhälfte landesweit wieder wärmer und freundlicher. Bereits zum Pfingstwochenende drohen aber von Südwesten her neue Gewitter. Auch in den letzten Jahren krachte es zu Pfingsten häufig. Pfingsten fällt regional ins Wasser Nach einer kurzen Wetterbesserung in der zweiten Wochenhälfte stehen am Pfingstwochenende kräftige Gewitter und Regengüsse an. Ab Freitag steigt dabei vor allem im Süden und Westen Deutschlands das Unwetterpotential in schwüler Luft deutlich an.

Am Pfingstwochenende entstehen in schwülwarmer Luft gebietsweise kräftige Schauer und Gewitter mit lokalem Unwetterpotential. Foto WetterOnline


„Das Besondere bei dieser Wetterlage ist, dass es gleich an mehreren Tagen hintereinander kräftige Gewitter geben kann. Die Entwicklung bezüglich Starkregen muss man dabei auf jeden Fall im Auge behalten“, so Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Am wärmsten wird es am Samstag entlang des Oberrheins und am Pfingstsonntag im Osten mit knapp 30 Grad. Dann breiten sich Gewitter und Regenfälle weiter Richtung Nordosten aus, sodass es sich bis Dienstag wahrscheinlich auf rund 20 Grad abkühlt.  


Wetterlage „Tief Mitteleuropa“ bringt viel Regen
Normalerweise ziehen Tiefdruckgebiete in unseren Breiten rasch von West nach Ost durch. Ein kräftiger Höhenwind treibt diesen Prozess in der Regel an. Im Sommer nehmen jedoch die Luftdruckunterschiede und somit auch der Wind ab. „Dann kann es passieren, dass die Tiefs nur sehr langsam ziehen und sich an Ort und Stelle abregnen. Die schwülwarme Luft wird sozusagen wie ein vollgesogener Schwamm mehrmals ausgequetscht.“, erklärt Björn Goldhausen. Besonders Landwirte und Hobbygärtner dürfte die kommende feuchtwarme Witterung nach den trockenen Frühlingsmonaten aber freuen. Dabei werden jedoch bei Schauern und Gewittern längst nicht alle Regionen gut bewässert.  

Während am Ort A wahre Sturzfluten vom Himmel kommen, bleibt es am nur wenige Kilometer entfernten Ort B bei wenigen Tropfen, typisch Schauer und Gewitter eben. Tendenziell bleibt es in der nächsten Woche unter Tiefdruckeinfluss weiterhin unbeständig mit zeitweiligen Regenschauern. Die Unwettergefahr nimmt dann aber ab.

Vorsicht bei Großveranstaltungen an Pfingsten
Bei Veranstaltungen unter freiem Himmel sollte die Wetterentwicklung besonders aufmerksam verfolgt werden. So besteht zum Beispiel bei Rock am Ring auf dem Nürburgring oder dem Ikarus Festival im Allgäu am Wochenende auch in diesem Jahr wieder Gewittergefahr. In der Vergangenheit gab es bei Festivals immer wieder Verletzte durch Blitzschlag oder Sturmböen.

„Auch im Vorfeld des Pfingstunwetters Ela 2014 über Nordrhein-Westfalen wurden Open-Air Veranstaltungen abgesagt. Auch wenn die Gewitter an diesem Wochenende weniger heftig ausfallen werden, sollten die Veranstalter das WetterRadar sowie den Himmel ständig im Blick behalten.“ Über zu kaltes Wetter brauchen sich die Festival-Besucher jedoch keine Sorgen machen: Bei schwülwarmen Höchstwerten um 25 Grad und milden Nächten ist eher Schwitzen angesagt.  

Bei Open-Air Veranstaltungen sollte Regenkleidung auf jeden Fall mit im Gepäck landen. Auch Gewittergefahr besteht besonders im Süden und Westen. Foto WetterOnline

 

 

Schwalben leiden unter Trockenheit - Sommerboten bedroht

Bonn/Duisburg, 30. Mai 2022 - Für Mehlschwalben und Rauchschwalben werden die Lebensbedingungen immer schlechter. Auch die Trockenheit der letzten Jahre ist eine Ursache für den Schwund unserer Sommerboten. Den Vögeln fehlt neben ausreichender Nahrung auch das Baumaterial für ihre Nester. 

Mehlschwalben-Junge blicken aus einem Nest unter einem Dachvorsprung. Für den Nestbau wird feuchter Lehm benötigt. Foto WetterOnline

Familiengründung erschwert
Die Schwalbe, die als Sommerbote gilt, als Glücksbringer und Wetterprophetin, ist bedroht. Die kleinen Kunstflieger, die schon lange in Koexistenz mit uns Menschen leben, brauchen Unterstützung. Der Bestandstrend von Mehl- und Rauchschwalben ist seit Jahren abnehmend. Die Ursachen sind vielfältig. Die Trockenheit ist neben Futtermangel durch das Insektensterben oder Akzeptanzproblemen eine davon.

Die Bedrohung der Schwalben beginnt schon vor dem Start in ein neues Leben, denn Schwalben sind zum Nestbau auf lehmhaltige Erde angewiesen. Diese lässt sich nur feucht gut zum Nestbau verwenden. Die Gründung einer neuen Schwalbenfamilie ist demnach durch Wassermangel erschwert bis unmöglich.  

Unseren Mehl- und Rauchschwalben fehlt schlichtweg schon das Baumaterial für Ihre Nester. Feuchter Lehm ist selten zu finden oder existiert einfach nicht. Ist es den Tieren dennoch gelungen, ein Nest zu bauen, trocknet es durch niedrige Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen aus und verliert an Stabilität. So kann es sein, dass die Nester mit den immer schwerer werdenden Jungen abbrechen. 


Dauerthema Trockenheit
Die Problematik der Trockenheit ist mittlerweile seit Jahren zu einem Dauerthema geworden. Die Sorge vor trockenen und sehr heißen Sommern ebenso. Flora und Fauna leiden. Das ist unter anderem deutlich am Fichtensterben und dem Schwund unserer heimischen Vögel wie hier exemplarisch auch an den Schwalben zu erkennen. „Sicher sind Trockenheit oder sogar Dürren nicht der alleinige Grund für den Artenschwund, hier gibt es viele und vor allem auch menschengemachte Ursachen“, räumt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, ein und erklärt: „Der anhaltende Wassermangel und Temperaturanomalien führen zu massiven Problemen.

Hinter uns liegt eine Trockenperiode, die in mehrfacher Hinsicht einzigartig für Europa war. In den Jahren 2018 bis 2020 herrschte zudem eine Dürre, deren Dauer und Flächenausdehnung außergewöhnlich war. Es war selten so heiß. Im Vergleich zu den Trockenperioden der letzten 250 Jahre wichen die Temperaturen um 2,8 Grad nach oben ab. Das Jahr 2021 war zwar etwas feuchter, was für die Landwirtschaft gut war, aber die Feuchtigkeit ist nicht bis in tiefere Bodenschichten gedrungen.

Die Dürre der Vorjahre hat Folgen und nächste Dürren sind nicht auszuschließen. Wir müssen uns auf eine Zunahme von Wetterextremen einstellen. Nun bedeutet das aber nicht unweigerlich, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern zu handeln – wie durch aktiven Naturschutz.“ 

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer 
Sprüche und Bauernregeln zeigen die traditionelle Verbundenheit der Menschen mit den Schwalben. Lange lebten Mensch und Schwalbe in einem Win-win-Verhältnis zusammen. Die Vögel fingen lästige Mücken, Fliegen und Blattläuse, die Menschen ließen sie dafür im Stall und an der Hauswand ihre Nester bauen. Aber das Blatt hat sich zu Ungunsten der Schwalbe gewendet. Laut Julia Ehritt von der Zentrale Schwalben-Koordinationsstelle des NABU gehen die Bestände von Rauch- und Mehlschwalben immer mehr zurück. Mit jeweils etwa 700.000 Brutpaaren gibt es nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren.

Schwalben sind Flugkünstler. Eine Rauchschwalbe nimmt im Flug Wasser auf. Foto WetterOnline

Die Mehlschwalbe ist gefährdet, die Rauchschwalbe steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Viele Hausbesitzer fürchten sich vor dem Schmutz, den die Tiere hinterlassen, und vergrämen die Vögel. Wer jedoch die Schwalben gerne bei sich ansiedeln möchte, kann zum einen Nisthilfen oder Kunstnester erwerben und unter dem Dachvorsprung anbringen. Zum anderen kann auch eine Schüssel mit nassem Lehm, die an einer vor Katzen sicheren Stelle auf dem Boden oder einem Carport positioniert wird, für Baumaterial sorgen.

Wichtig ist, dass der Lehm während der gesamten Brutperiode nass gehalten wird. Mit montierten Kotbrettchen wird die Reinigung unter einem Nest erleichtert. Wer einen Stall oder Schuppen hat, kann Rauchschwalben die Errichtung ihrer Kinderstuben ermöglichen, indem einfach die Fenster einen Spaltbreit aufgelassen werden, damit die Schwalbe ein- und ausfliegen kann. Viele Infos und Tipps finden Sie dazu beim NABU unter
www.nabu.de/schwalben. 

 "Schwalben sind für uns Wetterfrösche einfach besondere Tiere. Sie sind durch Sprüche und Regeln wie ‚Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen‘ quasi unsere Vorgänger in Sachen Wettervorhersagen. Auch wenn es im Falle des Tiefflugs nicht immer regnet, ist ein wahrer Kern an der Regel. Bei nahendem Tiefdruck fliegen Insekten in Bodennähe, bei Hochdruck werden sie von der warmen Luft hinaufgetragen. Die Schwalben fliegen einfach da, wo ihr Futter ist,“ erklärt Goldhausen.

 

 Ein warmer, viel zu trockener und sonnenscheinreicher Mai

Deutschlandwetter im Mai 2022
Offenbach, 30. Mai 2022 – Hoher Luftdruck, der sich von Mittel- nach Nordeuropa verlagerte, sorgte in Deutschland für einen sehr sonnenscheinreichen und warmen Mai 2022. Heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel gelangten von Süden zeitweilig bis in die Mitte und den Westen Deutschlands. Sie sorgten vor allem in Nordrhein-Westfalen für Tornados bis zur Stärke F2 sowie für Millionenschäden und viele Verletzte.

Den Osten erreichten die Niederschläge meist nicht, so dass dort weiterhin große Trockenheit herrschte. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen. Anfangs vereinzelt noch frostig, später teils hochsommerlich warm Mit 14,4 Grad Celsius (°C) lag der Temperaturdurchschnitt im Mai 2022 um 2,3 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990.

Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020 betrug die positive Abweichung 1,3 Grad. Zum Monatsbeginn sank das Thermometer unter Hochdruckeinfluss, oft klarem Himmel und der damit verbundenen nächtlichen Ausstrahlung im Norden sowie im Süden Deutschlands teils in den leichten Frostbereich. Faßberg in der Lüneburger Heide verbuchte dabei am 4. mit -2,5 °C den bundesweit tiefsten Wert.

Die „Eisheiligen“ blieben dieses Jahr aus; im Gegenteil: Hoch „Wolf“ und Nachfolger „Xenophon“ bescherten uns in der zweiten Monatsdekade frühsommerliche Temperaturen mit knapp an die 30 °C. Durch den Zustrom subtropischer Luftmassen aus Nordafrika steigerte sich die Hitze vor allem im Süden weiter. Örtlich gab es Rekordtemperaturen für den Mai. Dabei registrierte Ohlsbach, nordöstlich von Freiburg im Breisgau, am 20. mit 33,7 °C den deutschlandweit höchsten Messwert. Hier wurden im Wonnemonat 13 Sommertage (>25 °C) und vier heiße Tage (> 30 °C) verzeichnet.

Doch das hochsommerliche Intermezzo blieb nur von kurzer Dauer, denn nachfolgend sorgte eine Nordwestströmung für kühlere Temperaturen. Anhaltende Trockenheit im Osten – Mitte Mai im Süden und Westen heftige Gewitter Der Mai 2022 fiel mit rund 50 Litern pro Quadratmetern (l/m²) deutlich zu trocken aus und erreichte nur 70 Prozent seines Niederschlagsolls von 71 l/m² der Referenzperiode 1961 bis 1990.

Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 waren es nur 71 Prozent. Die Niederschläge verteilten sich sehr ungleichmäßig: Ausreichend fielen sie nur im äußersten Süden mit regional über 180 l/m² und in Gebieten, die von Gewittern mit Starkregen getroffen wurden. So meldete Bad Bayersoien, nordöstlich von Füssen im Allgäu, am 4. 108,7 l/m² und damit die bundesweit höchste Tagesmenge. Besonders benachteiligt blieben die Regionen im Lee der zentralen Mittelgebirge mit örtlich kaum 10 l/m².

Zu kräftigen Gewittern mit Starkregen, Sturmböen und Hagel kam es besonders in der ersten und zweiten Monatsdekade: In Teilen Nordrhein-Westfalens entwickelten sich am 20. sogar mehrere Tornados, die mit einer Stärke bis F2 eine Schneise der Verwüstung hinterließen. Hierbei kam es zu vielen Verletzen und Millionenschäden. Deutlich mehr Sonnenschein als im Durchschnitt Mit rund 250 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im Mai ihr Soll von 202 Stunden (Periode 1961 bis 1990) recht deutlich um 24 Prozent.


Im Vergleich zu 1991 bis 2020 betrug die positive Abweichung gut 18 Prozent. Begünstigt waren dabei die Ostseeinsel Rügen, die Oberlausitz und Rheinhessen mit teils nahezu 300 Sonnenstunden. In den Hochlagen der Mittelgebirge und im Allgäu kamen dagegen örtlich nur rund 170 Sonnenstunden zusammen.


NRW
erreichte eine Temperatur im Flächenmittel von 14,6 °C (12,4 °C), über 45 l/m² (72 l/m²) Niederschlag und aufgerundet 240 Stunden (148 Stunden) Sonnenschein. Innerhalb eines kurzen sommerlichen Intermezzos meldete am 19. sowohl Essen-Brederney mit 20,3 °C als auch Gevelsberg-Oberbröking, nordöstlich von Wuppertal, mit 20,2 °C eine Tropennacht (Minimumtemperatur > 20 °C).

In der ersten und zweiten Monatsdekade kam es gebietsweise zu kräftigen Gewittern, die mit Starkregen in den betroffenen Regionen für Überschwemmungen sorgten. Besonders heftig traf es am 20. Paderborn und Lippstadt sowie Lütmarsen bei Höxter: hier entwickelten sich Tornados die mit einer Stärke bis F2 eine Schneise der Verwüstung hinterließen. Es kam zu vielen Verletzen und Millionenschäden.

 

Dürre setzt sich fort - Regional trockenster Frühling seit Jahrzehnten

Außergewöhnlich trockener Frühling
Große Unterschiede durch Schauer und Gewitter
Osten Deutschlands besonders von Dürre betroffen
Niedrige Grundwasserstände
Häufiger Frühjahrstrockenheiten

Bonn/Duisburg, 25. Mai 2022 - Trotz zuletzt heftiger Gewittergüsse war das Frühjahr in Deutschland insgesamt außergewöhnlich trocken. In einigen Landesteilen fiel weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Regens. Die Chancen auf eine kurzfristige Besserung sind sehr gering. Unterschiede auf kleinem Raum enorm

Das Frühjahr war in Deutschland insgesamt sehr trocken.
Auch die kräftigen Regengüsse der vergangenen Unwetter konnten daran nichts ändern. Die Grundwasserstände sind immer noch niedrig. Besonders groß war das Niederschlagsdefizit in Teilen des Nordostens, in Berlin fiel weniger als die Hälfte des in einem durchschnittlichen Frühling zu erwartenden Regens. Lange Hochdruckperioden mit viel Sonnenschein begünstigten die Trockenheit. In den Monaten März, April und Mai fielen nur rund 60 Prozent des mittleren Frühlingsniederschlags.

„Der durchschnittliche Niederschlag des ganzen Landes ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn Regen ist gerade durch die im Frühling zunehmende Schauer- und Gewittertätigkeit regional sehr unterschiedlich verteilt“, bemerkt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. „Sehr deutlich sind in diesem Jahr zum Beispiel die Unterschiede im Norden: An der Nordsee gab es teils über 150 Liter Regen pro Quadratmeter, während es rund um Greifswald seit Ende Februar mancherorts kaum 30 Liter waren.

Zum Vergleich: An einem sonnigen Maitag können ohne weiteres 5 bis 8 Liter Wasser pro Quadratmeter verdunsten. Somit sind die gerade einmal drei Gießkannen Regen pro Quadratmeter binnen weniger Tage rein rechnerisch wieder verdunstet.“

Auch rund um Berlin gab es mit etwa 50 Liter pro Quadratmeter eines der trockensten Frühjahre der letzten Jahrzehnte. Einige kurze Schauer in den nächsten Tagen werden die Niederschlagsbilanz wohl nur noch wenig verändern.

Eine überdurchschnittliche Sonnenscheindauer führt zu stärkerer Verdunstung. Dadurch trocknen die Böden noch schneller aus. Quelle: WetterOnline


Weiterhin niedrige Grundwasserstände
Am stärksten von der Dürre betroffen ist ein Gebiet im Osten Deutschlands, welches von Sachsen-Anhalt über Berlin und Brandenburg bis in die Lausitz reicht. Besonders in der Magdeburger Börde sind die Böden bis in zwei Meter Tiefe sehr trocken. Das liegt vor allem an der Dürre von 2018 bis 2020, die laut einer Studie vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung bezüglich der Ausdauer und Intensität in den letzten 250 Jahren in Europa einmalig war.

Auch wenn im letzten Jahr in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich viel Regen fiel, ist das Defizit der vorangegangenen Dürrejahre noch nicht wieder beglichen. Dies wirkt sich auch auf die Grundwasserstände aus: In Sachsen unterschreiten zum Beispiel aktuell 78 Prozent der Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand. Die Tiefstwerte aus dem Jahr 2020 sind aber noch nicht wieder erreicht.

Frühjahrstrockenheit tritt häufiger auf
Allein in den letzten dreizehn Jahren gab es in Deutschland lediglich ein Frühjahr mit überdurchschnittlichem Niederschlag (plus 13 Prozent im Jahr 2013). Besonders trocken war es 2011, als verglichen mit dem Klimamittel weniger als die Hälfte an Regen fiel. Björn Goldhausen: „So wie es aussieht, müssen wir uns an ausgedehnte Trockenperioden im Frühjahr gewöhnen. Verglichen mit dem Klimamittel 1961 bis 1990 hat es im letzten Jahrzehnt im Frühling fast 30 Liter weniger Regen gegeben. Gleichzeitig war es 1,2 Grad wärmer und die Sonne schien 15 Prozent  länger, wodurch noch mehr Wasser verdunstet ist.“

Eine Vorhersage für den kommenden Sommer lässt der trockene Frühling allerdings nicht zu. Durch die hohe Verdunstung in den warmen Sommermonaten bleibt die Lage aber zumindest regional angespannt. 

Die Trockenheit setzt sich besonders im Nordosten Deutschlands fort. Im Frühling fiel in einigen Regionen weniger als die Hälfte des mittleren Niederschlags. Quelle: WetterOnline



Mehrere Tornados am Freitag - Nehmen die heftigsten Windsysteme der Erde zu?

Bonn/Duisburg, 23. Mai 2022 - Kaputte Dächer, Fensterscheiben und Autos, mindestens 50 Verletzte: Heftige Unwetter mit gleich mehreren Tornados haben am Freitag in Deutschland gewütet.
Wirbelstürme in Deutschland Gewitter mit Starkregen, Hagel und Orkanböen haben in Teilen Deutschlands schwere Schäden verursacht. Stark betroffen waren in Nordrhein-Westfalen Paderborn und Lippstadt sowie Lütmarsen bei Höxter. Die beiden ersten Städte liegen nur knapp 20 Kilometer voneinander entfernt.

Auf seiner Zugbahn knickt ein Tornado Bäume wie Streichhölzer um, oder entwurzelt sie gleich vollständig. Foto WetterOnline


Bestätigt wurden für das Unwetterereignis am 20. Mai 2022 bisher sechs Tornados. Es ist allerdings nicht ganz klar, wie viele einzelne Wirbelstürme es genau waren. Eine generelle Häufung von solchen Sturmereignissen in Deutschland ist statistisch nicht zu belegen. Auch als eine Konsequenz des Klimawandels sind die Ereignisse bisher nicht nachweisbar. Aus diesen Gründen muss man auch sehr vorsichtig sein, den Klimawandel als Verursacher oder gar Auslöser dieser Katastrophen heranzuziehen.  

Wie häufig entstehen mehrere Wirbelstürme während eines Unwetters?
Björn Goldhausen: „Im Zeitalter des Smartphones, in dem Wettereignisse von jedem und überall blitzschnell dokumentiert werden können, ist es schwer zu beurteilen, ob es zu mehr Ereignissen oder schlicht zu mehr Nachweisen kommt. Eine Zunahme von solch kleinräumigen Wetterphänomenen wie Wirbelstürmen ist statistisch, anders als es bei Großwetterlagen der Fall wäre, bisher nicht nachweisbar. Solche Untersuchungen wären höchst komplex und könnten ganz theoretisch und wenn überhaupt erst nach mehreren Jahrzehnten Ergebnisse liefern. Ob diese dann belastbarer wären, steht jedoch auf einem anderen Blatt.“  

Ist ein Tornado ein seltenes Ereignis in Deutschland?
Björn Goldhausen: „Tornados kommen in Deutschland immer wieder vor. Die Forschung kann bisher auch keinen Zusammenhang zwischen einer Zunahme von Tornados in Deutschland und dem Klimawandel belegen. Durch den Klimawandel liegt zwar eine wärmere Luftmasse vor. Diese allein reicht aber nicht, damit sich Tornados bilden. Dafür braucht es noch weitere Zutaten.“ 

In jüngerer Vergangenheit verursachte ein Tornado bei Viersen im Mai 2018 in Nordrhein-Westfalen schwere Schäden. Im März 2019 verwüstete ein Tornado Teile des Ortes Roetgen in der Eifel und im Juni 2019 fegte ein Tornado durch Bocholt. Aber auch in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten haben Tornados immer wieder Teile von Deutschland heimgesucht. Überliefert sind sogar mehrere F4-Stürme und sogar zwei F5-Tornados der höchsten Kategorie mit errechneten Windgeschwindigkeiten über 418 Kilometer pro Stunde.

Neben diesen großen und sehr zerstörerischen Tornados gab es schon immer zahllose weitere, schwächere Wirbelstürme. Allein aufgrund der geringen Besiedlungsdichte wurden in früheren Tagen nur vergleichsweise wenige dieser Fälle bekannt. So schätzten Experten die Zahl der Tornados in Deutschland lange Zeit nur auf 10 bis 20 Fälle pro Jahr. Die Anzahl der in den vergangenen Jahren gesicherten Beobachtungen deutet heute auf mindestens 30 bis 40 Fälle jährlich hin.“ 

Was waren die Bedingungen für die Tornados am Freitag?
Björn Goldhausen: „Die Wetterlage am Donnerstag und Freitag ließ bereits eine größere Tornado-Wahrscheinlichkeit erkennen. Die Wirbelstürme in Westfalen entstanden am Rande heftiger Gewitter, die am Freitagnachmittag über Nordrhein-Westfalen hinweggezogen waren. Die kräftigen Gewitter wurden maßgeblich von einem besonders großen Temperaturunterschied über Deutschland angetrieben.

Im äußersten Südwesten zeigten die Thermometer am Freitag Höchstwerte um 34 Grad an. Ganz im Norden war es bis zu zwanzig Grad kühler. Über der Landesmitte trafen diese beiden unterschiedlichen Luftmassen aufeinander. Grund für die großen Kontraste war zudem das kleine Gewittertief EMMELINDE, das viel Bewegung und noch zusätzliche Energie für die Gewitter in unsere Atmosphäre brachte. Zudem sorgte es für eine ordentliche Portion Windscherung, einer Hauptzutat für die Entstehung von Tornados. Die Unwetter fielen dadurch an vielen Orten besonders heftig aus.“ 


Wie stark waren die Tornados von Paderborn und Lippstadt? 
Björn Goldhausen: „Die Tornados sind am Freitagnachmittag durch Lippstadt und Paderborn im östlichen Nordrhein-Westfalen gezogen. Umgestürzte Bäume und umhergewirbelte Gegenstände haben für große Schäden gesorgt. Es gab viele Verletzte, davon 43 alleine in Paderborn. Die Tornados erreichten nach ersten Einschätzungen von Experten die Stärke F3 auf der Fujita-Skala. Dies entspricht Windgeschwindigkeiten von deutlich über 250 Kilometer pro Stunde.  

Was ist die Fujita-Skala? Björn Goldhausen: „Die Fujita-Skala beschreibt die Stärke eines Tornados unter den Aspekten Windgeschwindigkeit und Zerstörungsgrad. Im Allgemeinen werden für die Tornado-Klassifikation die Stärken F0 für Windgeschwindigkeiten von 116 Kilometer pro Stunde mit leichten Schäden bis F5 für Windgeschwindigkeiten über 418 Kilometer pro Stunde und verheerenden Verwüstungen benutzt, teilweise wird auch noch F6 hinzugenommen.“ 

Was ist ein Tornado?
Björn Goldhausen: „Tornados, die heftigsten Windsysteme der Erde, sind im Unterschied zu den bis zu 1.000 Kilometer Durchmesser erreichenden Hurrikans oder auch Taifunen, sehr kleinräumige Wirbelstürme, die nur selten einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer erreichen. Ihr schlauchartig von Gewitterwolken bis auf den Erdboden herabreichender Sturmrüssel erinnert vom Aussehen an den rotierenden Wasserstrudel über einem Badewannenabfluss. Wegen den enormen Windgeschwindigkeiten, die innerhalb der kreisenden Luftsäule bis über 500 Kilometer pro Stunde erreichen können, hinterlassen Tornados entlang ihrer Zugbahn oft eine Schneise der Verwüstung.“

Umherfliegende Gegenstände führen während eines Wirbelsturms zu teils massiven Schäden. Foto WetterOnline


Erneut schwere Unwetterlage - Gefahr von Orkanböen und Hagel

Einzelne Tornados sind nicht ausgeschlossen
Bonn/Duisburg, 18. Mai 2022 - Nach kräftigen Gewittern zum Wochenstart wird es auch zum Ende der Arbeitswoche heftig krachen. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag besteht besonders über der Landesmitte hohes Unwetterpotenzial. Auch einzelne Tornados sind nicht ausgeschlossen.

Am Donnerstag und Freitag entladen sich örtlich heftige und blitzintensive Gewitter. Quelle: WetterOnline


Unwetter in schwülheißer Luft
In den nächsten Tagen sind erneut schwere Gewitter zu erwarten. Gut beraten ist dann, wer die Wetterlage im Blick hat, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen.  Schon am Donnerstag steigt die Unwettergefahr in den Nachmittagsstunden in der gesamten Westhälfte deutlich an. Björn Goldhausen, Pressesprecher von WetterOnline erklärt: „Gut möglich, dass sich im Westen des Landes sogar eine regelrechte Perlenschnur aus Gewittern bildet. Diese breiten sich etwa von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz weiter Richtung Osten aus. Dabei könnte mit orkanartigen Böen um 110 Kilometer pro Stunde ordentlich die Post abgehen. Auch die Gefahr vor heftigem Starkregen und Hagel ist gegeben. Bevor es gewittert, erwärmt sich die Luft landesweit auf schweißtreibende 26 bis 32 Grad. Die höchsten Werte werden entlang des Oberrheins erreicht.“

Freitag andauernde Unwetterlage 
In der Nacht zum Freitag nimmt die Gewittergefahr zwar vorübergehend ab – das ist aber nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm. „Schon ab Freitagmittag wird’s erneut turbulent. Aus Westen steigt mit einem neuen Tief die Unwettergefahr dann abermals deutlich an. Dabei muss in einem breiten Streifen quer über die Landesmitte mit schweren Unwettern inklusive heftigem Platzregen, großem Hagel und Orkanböen gerechnet werden. Das Unwetterrisiko ist noch etwas höher als am Donnerstag. Sogar die Bildung einzelner Tornados ist nicht ausgeschlossen“, so Meteorologe Goldhausen.

Über den zeitlichen Ablauf sowie die räumliche Eingrenzung bestehen an beiden Tagen noch Unsicherheiten. Die Atmosphäre bietet in jedem Fall aber alle Zutaten für die bisher heftigste Unwetterlage in diesem Jahr. Am Wochenende ist die Gewittergefahr deutlich geringer und es kühlt sich auf 20 bis 25 Grad ab. 


Verhalten bei Gewittern
Von den erwarteten Gewittern gehen viele Gefahren aus. Um sich angemessen zu schützen, ist es fast am wichtigsten, rechtzeitig gewarnt zu sein. Verfolgen Sie die Gewitter daher am besten mit unserem WetterRadar. Schließen Sie im Falle eines Unwetters bitte alle Fenster sowie Außentüren und sichern Sie draußen Gegenstände vor dem Herumfliegen und vor Hagelschlag. Sollten Sie dennoch im Freien von einem Gewitter überrascht werden, suchen Sie Schutz!

„Das Befolgen sprichwörtlicher Ratschäge ‚Buchen sollst du suchen - Eichen sollst du weichen‘ kann fatal sein“, warnt Björn Goldhausen. Er rät: „Begeben Sie sich so schnell wie möglich in feste Gebäude mit geschlossenen Fenstern. Am sichersten ist man vor Blitzentladungen aufgrund des physikalischen Prinzips des Faradayschen Käfigs im Auto. Die Fenster müssen dabei geschlossen bleiben.

Aber Achtung: Geringeren Schutz bieten Fahrzeuge mit Glasfaser-Karosserie wie Cabriolets ohne Überrollbügel oder Wohnmobile ohne Metallkarosserie. Gibt es keine Möglichkeit mehr, in ein Gebäude oder Auto zu gelangen, dann kauern Sie sich am besten in eine Bodenmulde. Dabei in die Hocke gehen, Füße unbedingt geschlossen halten und die Arme um die Knie legen, den Kopf dann darauf. Wichtig ist, dass Sie mindestens einen Meter, besser sogar drei Meter Abstand zu anderen Menschen oder Tieren halten.“ 

Durch schwere Sturmböen muss mit Schäden und Behinderungen auf den Straßen gerechnet werden, auch durch umgestürzte Bäume.  Quelle: WetterOnline

Schwere Gewitterlage zum Wochenanfang - Starkregen und Hagel möglich

- Unwetter zum Wochenanfang - Starkregen und Hagel möglich
- Schwergewitter können bis zur Landesmitte auftreten
- schwülwarme Witterung ab Montag - Gewittervorhersage komplex

Bonn/Duisburg, 13. Mai 2022 - Nach dem sonnigen Wochenende wird es in der neuen Woche voraussichtlich turbulent in der Wetterküche. Möglicherweise bahnt sich eine Gewitterlage mit erhöhter Unwettergefahr an.

Gewittertief zieht von Frankreich auf
Zum Wochenstart lenkt ein Tief von Frankreich her schwülwarme Luft nach Deutschland, in der schwere Gewitter mit Unwetterpotential entstehen können. Von kräftigen Schauern und örtlich Blitz und Donner bis hin zu Starkregen und Hagel ist alles möglich. Es ist noch unsicher, wie weit etwaige Schwergewitter bis in die Landesmitte vorankommen.

Eine schwere Gewitterlage ist zum Wochenanfang möglich. Während eines Gewitters können neben Blitz und Donner auch Starkregen und Hagel dabei. Foto WetterOnline


„Am Montag ist das Gewitterrisiko regional sehr hoch und lokal besteht Unwettergefahr. Dann kann es ganz schön krachen, auch Starkregen und kleinkörniger Hagel können mit von der Partie sein. Die Gewitter breiten sich von Südwesten her Richtung Mitte des Landes aus. Über welchen Orten genau aber sie sich entladen, kann man nicht exakt vorhersagen. Wie viel Karacho sie im Gepäck haben, können wir Meteorologen im Voraus nur grob abschätzen,“ warnt Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.

Ob sich die Gewitter bis in den Nordosten Deutschlands ausbreiten, ist derzeit noch unsicher. Im weiteren Wochenverlauf sieht es zumindest im Südwesten nach einer Fortdauer der gewittrigen und feuchtwarmen Wetterlage bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad aus. Sicher ist, dass es auch längere Episoden mit viel Sonnenschein gibt.

Zum Start in die neue Woche drohen schwere Gewitter. Regional besteht in schwülheißer Luft sogar Unwetterpotenzial. Foto WetterOnline


Blitz und Donner bleiben unberechenbar
Wetter ist ein natürliches und chaotisches System. Auch die besten Wettermodelle können einen so komplexen natürlichen Prozess wie das Wetter nicht in seiner Gesamtheit erfassen. „Noch komplizierter sieht es bei Gewittern aus: Grundsätzlich ist die Wetterlage gut im Voraus erkennbar. Das heißt, wir können angeben, dass Gewitter in einer bestimmten Region wahrscheinlich sind. Welcher Ort aber vom Gewitter getroffen wird, ist nicht vorhersagbar. Dies ändert sich erst dann, wenn ein Gewitter entstanden und auf dem WetterRadar erkennbar ist. Dann lässt sich abschätzen, welche Orte und Städte in den nächsten Minuten und Stunden getroffen werden können“, erklärt der Meteorologe.

„Klar aber ist, bei Gewitter werden niemals alle Orte in einer Region davon getroffen. Diejenigen, die kein Gewitter erlebt haben, denken dann, die Prognose sei falsch - dabei hat es vielleicht schon wenige Kilometer weiter ein heftiges Unwetter gegeben.“

Kochtopf Wetterlage 
Die Entwicklung einer gewittrigen Wetterlage ist mit einem Topf Wasser vergleichbar, den man auf die Herdplatte stellt. Goldhausen: „Wir alle wissen, dass irgendwann Blasen aufsteigen werden, wenn das Wasser zu kochen beginnt. Wo hingegen im Topf genau eine Blase entsteht, das lässt sich nicht vorhersagen.
Erst wenn sich diese am Boden des Topfes gebildet hat, so kann man sagen, wo diese Blase die Wasseroberfläche im Kochtopf erreichen wird. Genauso ist es mit den Gewittern. Wir Meteorologen wissen im Voraus sehr genau, wo das Potential für Gewitter vorhanden ist. Ihre konkreten Koordinaten hingegen können wir im Voraus nicht benennen.“ 


Jubiläum: Deutscher Wetterdienst wird 70 Jahre alt

Offenbach, 11. Mai 2022 – Der Deutsche Wetterdienst (DWD) feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum: Der Deutsche Bundestag verabschiedete am 11. November 1952 das Gesetz über den Deutschen Wetterdienst – heute in genau sechs Monaten kann der Deutsche Wetterdienst (DWD) seinen 70. Geburtstag begehen.

Früher Handarbeit, heute digital
Wettervorhersage früher (manuell) © DWD (Quelle DWD)
Zur Einstimmung auf das Jubiläum hat der DWD - Fotos DWD - soeben eine Zeitreise durch sieben Jahrzehnte veröffentlicht: In knapp zehn Minuten zeigt eine Slideshow, die der DWD auf seinem YouTube-Kanal publiziert hat, die wichtigsten Entwicklungen und Ereignisse in Wort und Bild.

Wetterbericht im Fernsehen früher © DWD (Quelle DWD)Der Bewegtbild-Clip steht in deutscher und englischer Sprache sowie jeweils in einer barrierefreien Version zur Verfügung. Waren Wettervorhersage, Warnungen und Klimaservices in den 1950er bis Mitte der 1960er Jahre überwiegend wissenschaftliche Handarbeit - Foto DWD -, hat sich in den vergangenen rund 55 Jahren das Tempo der technologischen Entwicklung in Meteorologie und Klimatologie deutlich erhöht.

DWD-Präsident Prof. Dr. Gerhard Adrian, der gleichzeitig auch das Amt des Präsidenten der Prof. Dr. Gerhard Adrian © DWD (Quelle DWD)Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bekleidet: „Die Jahre 1965/66 stellen den Beginn einer enormen Entwicklung dar:
Erstes numerisches Vorhersagemodell, erster Großrechner, erstmals Empfang von Daten der Wettersatelliten und Start des ersten Wetterradars – damit war der Grundstein für eine rasante Entwicklung gelegt, deren Ende noch nicht absehbar ist.
Zum einen betrifft dies die hohe zeitliche und räumliche Auflösung, mit der wir heute Wetter vorhersagen, Warnungen aussprechen und die Klimaveränderung bewerten und abschätzen können. Zum anderen zeigt sich die hohe Digitalisierung auch in der Zuverlässigkeit unserer Prognosen:
Eine Wettervorhersage für sieben Tage im Voraus ist heute so gut wie die Vorhersage für einen Tag vor 50 Jahren.“
Wettervorhersage heute (digital) © DWD (Quelle DWD)
Weitere Aktivitäten Kürzlich ist eine Sonderbeilage „70 Jahre DWD“ des Behörden Spiegel veröffentlicht worden. Neben einem Interview mit dem DWD-Präsidenten beinhaltet die Beilage auch ein Grußwort von Dr. Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr (BMDV), zu dessen Ressort der DWD gehört. Außerdem werden Zukunftsthemen vorgestellt, an denen der DWD derzeit arbeitet, wie ein weiterentwickeltes Warnmanagement, Klimawandel und Luftfahrt oder die Erweiterung des Radarverbundes. Eine Online-Version dieser Publikation kann unter
https://issuu.com/behoerden_spiegel/docs/2022_april aufgerufen werden.
DWD-TV-Studio heute © DWD (Quelle DWD)
Wettervorhersagen und Präsentation heute

Der Höhepunkt der Aktivitäten rund um „70 Jahre DWD“ wird im Frühjahr 2023 stattfinden: Dann wird der DWD seine Geschichte, Aufgaben und Leistungen im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages in Berlin präsentieren. Die eigens für den Bundestag konzipierte Ausstellung wird insbesondere die Themen Warnmanagement, Unterstützung der Energiewende und Erforschung des Klimawandels in den Vordergrund rücken.

„Als nationaler Wetterdienst leisten wir einen signifikanten Beitrag zum Wohle der Menschen in Deutschland. Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Expertise in diesem prominenten Rahmen zeigen können,“ so Gerhard Adrian weiter. Im Anschluss an die Ausstellungszeit im Paul-Löbe-Haus soll die Schau auf Reisen gehen. Die genauen Termine wird der DWD rechtzeitig bekannt geben.

Klimaservices heute © DWD (Quelle DWD)

Eckdaten zur Geschichte des DWD
Bereits zum 1. April 1952 wurde der nationale Wetterdienst aus dem Deutschen Wetterdienst in der US-Zone mit Sitz in Bad Kissingen, dem Meteorologischen Amt für Nordwestdeutschland (MANWD) der britischen Zone in Hamburg sowie den drei französischen Landeswetterdiensten Württemberg-Hohenzollern, Rheinland-Pfalz und Baden gebildet. Seit 1954 befindet sich der Sitz des DWD in Offenbach am Main. Zum 1. Januar 1950 war in der sowjetisch besetzten Zone bereits der Meteorologische Dienst (MD) der DDR gestartet, der im Zuge der Wiedervereinigung 1990 mit dem DWD zusammengeführt wurde.

 

Sommerfeeling am Wochenende:  Sonne satt bei bis zu 28 Grad 

Bonn/Duisburg, 11. Mai 2022 - Nach einem kurzen Dämpfer in der Nordhälfte des Landes verspricht das Wochenende abseits der Küsten frühsommerliches Wetter. Eine deutliche Abkühlung ist auch in der nächsten Woche nicht in Sicht. Der fehlende Regen macht aber besonders im Nordosten der Natur zu schaffen.

Regional knapp 30 Sonnenstunden am Wochenende
Nach dem bisher wärmsten Tag des Jahres am Mittwoch lässt der Nachschlag nicht lange auf sich warten. Das Hoch XENOPHON verlagert sich zum Wochenende nach Deutschland und beschert vielen Landesteilen sonniges Wetter. Dabei liegen die Höchstwerte meist bei 20 bis 25 Grad, entlang des Oberrheins sind am Sonntag sogar bis zu 28 Grad möglich. Auch in der kommenden Woche bleibt es mit regionalen Ausnahmen sommerlich. Trockenheit ist weiterhin ein Thema.

Der Wonnemonat Mai macht sich an diesem Wochenende mit Temperaturen bis zu 28 Grad alle Ehre. Wer mutig ist, kann auch schon im noch kühlen Badesee planschen. Foto WetterOnline

Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline ist sich sicher: „Der Wonnemonat Mai macht sich an diesem Wochenende alle Ehre. Die Sonne scheint oft von einem blank geputzten Himmel - und das mittlerweile bis zu 15 Stunden am Tag. Wer mutig ist, kann auch schon im noch kühlen Nass eines Schwimmbads oder Badesees planschen. Während viele Freibäder schon ihre Pforten geöffnet haben, muss man auf Badewetter an Nord- und Ostsee noch etwas länger warten. Dort weht noch ein frischer Seewind und die Temperaturen erreichen gerade mal die 15-Grad-Marke.“ 

Frühling besonders im Nordosten bisher sehr trocken
Was für Grillfreunde und Sonnenanbeter eine gute Nachricht ist, ist für Flora und Fauna eine schlechte. Björn Goldhausen erklärt: „Am Donnerstag und Freitag beschränken sich Schauer und Gewitter auf den Alpenrand und am Wochenende bleibt es ohnehin trocken. In Teilen des Ostens erreicht die Waldbrandgefahr schon die höchste Stufe. Auch im März und April gab es hier schon wenig Regen. In Berlin sind zum Beispiel seit Anfang März nur rund 30 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das entspricht weniger als einem Drittel der zu erwartenden Menge.“

In weiten Teilen von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen ist es ähnlich trocken. „Beim Grillfest am Wochenende sollte man generell den Funkenflug gut im Auge behalten und das Feuer anschließend immer ausreichend löschen,“ rät der Meteorologe. 


Nächste Woche weiterhin sehr warm 
Zu Beginn der neuen Woche macht sich von Spanien und Frankreich schon der nächste Schwall sehr warmer bis heißer Luft auf den Weg nach Deutschland. In der Folge würden die Temperaturen auf sommerlichem Niveau verbleiben. Goldhausen: „Unsicher ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch, ob sich durch leichten Tiefdruckeinfluss regional kräftige Gewitter ausbilden können. Insgesamt liegen die Nachttemperaturen nur noch selten unter 5 Grad, was Balkon- und Terrassengärtner besonders freuen wird.

Gerade den Nachtschattengewächsen wie Tomaten und Paprika, die keinen Frost vertragen, kommen die nächtlichen Temperaturen zugute. Übrigens tragen diese ihren Namen nicht, weil sie nur in der Nacht oder im Schatten wachsen. Ganz im Gegenteil sind die meisten dieser Pflanzen Sonnenliebhaber. Vielmehr handelt es sich beim ‚Nachtschatten‘ um nächtliche Albträume. Im Mittelalter wurden einige dieser Pflanzen dazu verwendet, um schlechte Träume zu vertreiben.“ 


 Bildquelle: WetterOnline

Eisheilige kommen ins Schwitzen: Nächste Woche mehr als 25 Grad möglich 

Bonn/Duisburg, 6. Mai 2022 - Ausgerechnet zu den Eisheiligen in der nächsten Woche könnte es einen ersten Vorgeschmack auf den Frühsommer geben. Denn erste Sommergrüße im Mai sind gar nicht so selten.

Zu den Eisheiligen in der nächsten Woche könnte es einen ersten Vorgeschmack auf den Frühsommer geben. Die 25-Grad-Marke rückt in greifbare Nähe. Foto WetterOnline


Eisheilige machen Sommerurlaub
Ein wetterbestimmendes Hoch wandert zu Beginn der kommenden Woche langsam über Deutschland hinweg, sodass feuchtwarme Luft von Frankreich und Spanien heranströmt. Der Bauernregel zum Trotz zeichnet sich genau im Zeitraum der Eisheiligen dann eine erste sommerliche Wetterlage mit Höchstwerten über 25 Grad ab.

Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „In den vergangenen Jahren gab es zwar häufiger pünktlich zu den Eisheiligen Nachtfröste, aber bereits im letzten Jahr fielen diese aus. In der nächsten Woche wird es wahrscheinlich auch keine eiskalten Nächte geben und tagsüber kann es sogar sommerlich warm werden, sodass die Kalte Sophie ganz ordentlich ins Schwitzen kommt.“ In Bezug auf die Intensität und Dauer der ersten Wärmewelle bestehen allerdings noch Unsicherheiten. Voraussichtlich wird es im Südwesten entlang des Rheins mehrere Sommertage geben. 

Wonnemonat oft sommerlich
Im Mai treten Hitzetage mit über 30 Grad regelmäßig auf.  „Der Wonnemonat kann das Thermometer immer mal wieder ganz schön aufdrehen. Ende Mai 2005 wurden auch schon bis zu 35 Grad gemessen. In der kommenden Woche geben nicht nur die Temperaturen einen Vorgeschmack auf den Sommer, sondern auch die Luftfeuchtigkeit. Es wird schwülwarm, womit die Eisheiligen eher zu den ‚Schweißheiligen‘ werden. Die feuchtwarme Luft wird auf der Vorderseite eines Tiefs über dem Ostatlantik aus Süden nach Deutschland transportiert. Temperatur und Feuchte steigen dann deutlich an und dadurch wird es drückender. Ob sich für große Landesteile anschliessend eine kräftige Gewitterlage einstellt, ist noch sehr unsicher“, so Goldhausen. 

Im Wonnemonat Mai kann es schon sommerlich warm werden. Da schmelzen nicht nur die Eisheiligen dahin. Foto WetterOnline  


Eisheilige statistisch nicht nachweisbar
Die sogenannten Eisheiligen, die nach den fünf Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia benannt sind, beginnen in Norddeutschland schon am kommenden Mittwoch mit dem Erzbischof Mamertus. In Süddeutschland dagegen erst am 12. Mai mit dem heiligen Pankratius und enden am 15. Mai mit der Kalten Sophie.

Verschiedene regionale Bauernregeln zu den Eisheiligen stammen aus dem Mittelalter. Regeln wie „Pflanze nie vor der kalten Sophie“ sind allerdings nur bedingt in die heutige Zeit zu übertragen, da sie vor der gregorianischen Kalenderreform im 16. Jahrhundert aufgestellt wurden. Durch die Reform wurden zehn Tage gestrichen. Zählte man sie wieder dazu, gäbe es die Eisheiligen also eigentlich erst Ende Mai. Allerdings ist beiden Zeiträumen keine statistische Häufung von Kaltlufteinbrüchen zuzuordnen. Vielmehr steigen die Tiefsttemperaturen im Laufe des Monats mehr oder weniger kontinuierlich an und die Frostgefahr nimmt ab. Dennoch gehört auch Frost bis Mitte Mai zum Wettergeschehen dazu. 


 Bildquelle: WetterOnline

Die Eisheiligen: Alles nur Aberglaube? 

Frost kommt häufig, aber nicht immer pünktlich

Besonders gefährlich sind späte Frostnächte für die Obstblüte. Kälterückfälle gibt es manchmal bis in den Mai hinein. Die „Kalte Sophie“ am 15. Mai ist darum besonders bei Obstbauern gefürchtet. Foto WetterOnline

Bonn/Duisburg, 5. Mai 2022 - „Die Kalte Sophie macht alles hie“ lautet ein Sprichwort, das sich auf die einzige Dame in einer Gruppe bezieht, die vor allem bei Gärtnern und Landwirten gefürchtet ist. Die Rede ist von den Eisheiligen, die vom 11. bis 15. Mai für Kälteeinbrüche mit Nachtfrösten verantwortlich gemacht werden. Doch was ist eigentlich dran an der weitverbreiteten Bauernregel? Das wissen die Expertinnen und Experten von WetterOnline.

Heiliger Bimbam!
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia: Für jeden Tag im Zeitraum vom 11. bis 15. Mai gibt jeweils ein frühchristlicher Bischof oder Märtyrer seinen Namen – mit Kälte haben diese Heiligen aber eigentlich nichts zu tun. Ihre Gedenktage lagen nach dem julianischen Kalender, der bis zum Jahr 1582 galt, nur rein zufällig genau auf den Tagen, an denen es im Mai häufig noch einmal richtig kalt wurde. Im Zuge der anschließenden gregorianischen Kalenderreform, wurden zehn Tage aus dem Kalender gestrichen. Demnach dürften die Eisheiligen heutzutage erst gegen Ende Mai Nachtfröste über das Land schicken. Doch auf was kann man sich nun verlassen?

Unzuverlässige Eisheilige 
Um es gleich vorwegzunehmen: Meteorologische Messungen über die letzten 50 Jahre zeigen, dass die Eisheiligen sich nicht an ein bestimmtes Datum halten. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Während in manchen Jahren im Mai keine Kaltluftvorstöße zu verzeichnen sind, gibt es in anderen Jahren gleich mehrere Phasen mit Kälte und Nachtfrösten, teilweise sogar bis in den Juni hinein. Das liegt an kalter Luft, die aus den Polargebieten in Schüben zu uns herübergeweht wird. In der Regel nehmen die Tage mit Nachtfrösten im Laufe des Mais jedoch ab.“

Wachsam bleiben
Sinn macht die Bauernregel der Eisheiligen trotzdem, auch wenn sie sich nicht exakt auf ein Datum terminieren lässt. Sie erinnert Obstbauern und Gärtnerinnen daran, im Mai ein besonderes Augenmerk auf den Entwicklungsstand ihrer Pflanzen zu werfen, beziehungsweise empfindliche Pflanzen erst nach drohenden Nachtfrösten ins Freiland zu setzen.

„Verlässliche Auskunft über Kälteperioden im Mai liefern weniger die Eisheiligen als vielmehr das aufmerksame Verfolgen der Wetterprognose“, so Goldhausen. Tipps zum Schutz vor Frost Frost schädigt insbesondere die zarten Blüten der Obstbäume, was zu Ernteausfällen führen kann. Hilfe bieten Frostschutzkerzen, die bei eisigen Temperaturen in der Nähe der Bäume aufgestellt werden und die Umgebungstemperatur gerade um so viel steigen lässt, dass junge Triebe und Blüten geschützt werden.

Empfindliche Pflanzen sollten bis zu den Eisheiligen nachts abgedeckt werden, beispielsweise mit einem Frostschutzvlies. Die richtige Zeit, um Kübel- und Topfpflanzen durchgängig ins Freie zu stellen, ist ab Mitte Mai. Auch bei der Bepflanzung von Beeten mit frostempfindlichen Pflanzen sollte bis zu diesem Zeitpunkt gewartet werden.

Wärmeliebende Pflanzen können bei späten Nachtfrösten im Mai vor allem dann Schaden nehmen, wenn sie sich zuvor aufgrund guter Wachstumsbedingungen bereits weit entwickelt haben. Foto: WetterOnline


 Bildquelle: WetterOnline

Der April 2022 bot ein breitgefächertes Wettersortiment

Offenbach, 29. April 2022 – Als Brückenmonat zwischen Spätwinter und Frühsommer ließ der April 2022 von seinem verfügbaren Wetterspektrum nichts unberücksichtigt. Mit stürmischen Episoden, regionalen Starkschneefällen, tiefen Nachtfrösten und ersten Sommertagen zeigte sich der Ostermonat in den ersten zwei Wochen launisch und bunt. Im Verlauf der zweiten Dekade setzte sich dann aber eine stabile und trockene Witterung durch. Es folgten ein sonniges Osterfest sowie das weitere Erwachen der Flora und Fauna.

Ende des Monats läutete ein kleines Tief über dem Süden die bevorstehende Starkregen- und Gewittersaison so langsam ein. Unter dem Strich war der April etwas zu warm und bei ausgewogenem Flächenniederschlag recht sonnig. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Anfängliche große Temperaturschwankungen verfestigten sich rasch aufs Mittelmaß
Das Temperaturmittel lag im April 2022 mit 7,8 Grad Celsius (°C) um 0,4 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung -1,2 Grad. Zunächst pendelte die Temperaturkurve auf und ab. Dabei gab teils tiefe Fröste und gebietsweise schon den ersten Sommertag. In der zweiten Monatsdekade konsolidierten die Werte aber auf ein durchschnittliches Aprilniveau.
Das deutschlandweite Minimum wurde am 4. mit -14,6 °C in Meßstetten auf der Schwäbischen Alb gemessen. Das Monatsmaximum meldete das rund 60 km westlich gelegene Wolfach, mittlerer Schwarzwald, am 13. mit 26,0 °C.

Niederschlagsreicher Auftakt, dann längere Trockenphase
Im April fiel mit rund 55 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 5 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 mit 58 l/m². Er war damit der 14. zu trockene April in Folge. Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 gab es ein Plus von fast 25 Prozent.

In der ersten Monatsdekade beförderte tiefer Luftdruck reichlich Niederschlag über weite Landesteile hinweg. Dabei traten am 2. und am 9. in der Mitte sogar Rekordschneehöhen auf. In der Nacht zum 9.4. gab es in einem schmalen Streifen über Rheinland-Pfalz und Südhessen zum Teil höhere Neuschneemengen als im gesamten Winter. In Ruppertsecken (RLP) wurden 16 cm, in Beerfelden (Odenwald) wurden 27cm Schnee gemessen, was dort einen neuen Schneerekord für den Monat April bedeutet.

Am 8. meldete Baden-Baden-Geroldsau, Nordschwarzwald, mit 59,9 l/m² den bundesweit höchsten Tagesniederschlag. In den letzten Tagen des Monats drehte über Süddeutschland ein kleines Tief seine Kreise und beendete dort mit gebietsweisem Starkregen und örtlichen Gewittern die Trockenheit. Dagegen meldete der Nordosten teilweise mit Monatsmengen von unter 25 l/m² ein fortbestehendes Niederschlagsdefizit. Im Schwarzwald kamen über 150 l/m² zusammen.

Sonnige Küstenregionen und wolkiges Mittelgebirgsland
Mit 195 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im April ihr Soll von 154 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 20 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 betrug die positive Abweichung 5 Prozent. Nach trüben Tagen konnte die Sonne ab Ostern verlorenes Terrain wieder gut machen. Besonders privilegiert wurden im April die Küsten mit über 200 Stunden, an der Ostsee schien die Sonne sogar über 250 Stunden, in den Mittelgebirgen mit 150 Stunden deutlich seltener.

NRW war mit 8,6 °C (7,9°C) ein eher warmes Bundesland und mit 65 l/m² (62 l/m²) konnte eine ausgewogene Niederschlagsbilanz ermittelt werden. 190 Stunden (148 Stunden) erbrachte die Sonnenscheindauer unterm Strich. Am 7. stürmte „Nasim“ über die Region, entwurzelte örtlich Bäume und fegte vereinzelt Ziegel von den Dächern.


Haare und Luftfeuchte - eine zweischneidige Angelegenheit

Warum die Wettermessunghaarig ist
- Haarlänge abhängig von Luftfeuchte
- Bei feuchter Luft sind Haare deutlich länger
- Wetterfrösche nutzen diese Eigenschaft in Messinstrumenten
- Blonde Haare sind dabei beliebter

Haare verändern sich je nach Luftfeuchtigkeit. Sie dehnen sich aus und werden bis zu 2,5 Prozent länger. Quelle: WetterOnline

Bonn/Duisburg, 26. April 2022 - Haare haben eine besondere Eigenschaft: Sie reagieren auf Änderungen der Luftfeuchte. Was die frisch geföhnte Frisur zunichte macht, macht sich die Meteorologie zunutze.


Haare für die Wettermessung
Haare reagieren unmittelbar auf die Luftfeuchte. Frisuren und Wetter vertragen sich oft nicht. Diese Erfahrung hat jeder schon einmal gemacht, der mit frisch gestylter Frisur das Haus verlassen hat. Ein Sturzregen ruiniert die Pracht sofort, aber auch Nieselregen und höhere Luftfeuchtigkeit setzen ungewollte Akzente als Kräusel oder generellem Formverlust. Die Eigenschaft von Haaren, unmittelbar auf die Luftfeuchte zu reagieren, hat sich die Meteorologie für die Messung der Luftfeuchte zunutze gemacht.

Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Für uns Wetterfrösche ist das menschliche Haar etwas ganz besonderes, denn es hat eine spezielle Eigenschaft. Es dehnt sich bei feuchter Luft aus und bei trockener Luft zieht es sich wieder zusammen. Dass sich die Haare je nach Luftfeuchtigkeit verändern, ist Menschen auch früher nicht entgangen. Auch der schweizer Physiker Horace-Bénédict de Saussure fand das heraus und stellte bereits 1783 das erste Messgerät zur Messung der Luftfeuchte vor– das Haarhygrometer.“  


Blond bevorzugt
In einem Haarhygrometer befinden sich menschliche Haare als wichtigstes Hilfsmittel. Je nach Feuchte dehnt Haar sich aus oder zieht sich zusammen. Das Messgerät nutzt die Reaktion des Haares auf die Luftfeuchtigkeit aus und zeigt diese an. Goldhausen erläutert: „Steigt die relative Feuchte von 0 auf 100 % an, so werden menschliche Haare um 2,5 Prozent länger. Bei der Suche nach dem idealen Haar für das Haarhygrometer stellte sich heraus, dass blondes Frauenhaar im Ranking deutlich vor braunem oder schwarzem, vor Männer- oder Tierhaar liegt. Denn blondes Frauenhaar ist besonders fein und reagiert deshalb stärker auf die Veränderungen der Luftfeuchtigkeit.

In dem Messgerät ist nicht nur ein einziges menschliches Haar aufgespannt, sondern gleich ein ganzes Bündel. Verändert sich die Luftfeuchte, wird die sich ändernde Haarlänge über ein Hebelwerk umgesetzt und auf einer Skala angezeigt oder mechanisch aufgezeichnet. Solche Hygrographen findet man heutzutage in Bibliotheken und Museen, wo eine gleichbleibende Luftfeuchtigkeit wichtig ist und akribisch auf eine konstante Feuchte geachtet wird. Das Haarhygrometer wird heutzutage aber in der Regel durch moderne elektronische Messgeräte ersetzt.“ 

Darum kräuseln sich Haare durch hohe Luftfeuchte
Die Haare werden nicht nur länger, wenn sie Nieselregen oder Schnee ausgesetzt sind. Auch wenn sie vorher noch so umgestylt sind: Sie kräuseln oder glätten sich auch je nach ihrer Veranlagung, wenn sie feucht werden. Der Grund liegt in ihrer Struktur. Der Querschitt der Haare ist nicht rund, sondern oval und jedes Haar besteht aus feinen miteinander verdrehten Keratinsträngen und vielen kleinen Keratinschuppen, die übereinander wie Dachziegel liegen.

Nimmt das Haar nun die Feuchtigkeit aus der Luft auf, so wird diese in dieser filigranen Struktur des einzelnen Haares ungleichmäßig aufgenommen. Der Durchmesser des Haares wird somit nicht gleichmäßig größer. Lockiges Haar wird dadurch kraus und glattes Haar fällt wieder in sich zusammen. 

Das Haarhygrometer nutzt die Reaktion des menschlichen Haares auf die Luftfeuchtigkeit aus. Solche Hygrographen findet man heutzutage noch in Bibliotheken und Museen. Quelle: WetterOnlin

 

Noch quaken sie: Amphibien stark bedroht 
„Save The Frogs Day“ am 30. April

Bonn/Duisburg, 25. April 2022 - Am 30. April 2022 ist internationaler „Save The Frogs Day“. Seit 2009 macht er jährlich auf den weltweiten Rückgang der Amphibienpopulationen aufmerksam. In Deutschland sind zahlreiche heimische Lurche vom Aussterben bedroht, wie etwa der europäische Laubfrosch oder der Feuersalamander. Im Frühling sind in der Nähe von Teichen und Tümpeln noch gelegentlich Froschkonzerte zu hören. Was es mit den Gesängen auf sich hat, erklären die Expertinnen und Experten von WetterOnline in Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf.

Frühlingsgefühle bei den Amphibien
Wenn der Frühling vor der Türe steht, gibt es kein Halten mehr. Wechselwarme Amphibien nehmen geringste Temperaturveränderungen wahr und reagieren darauf. Nach den anstrengenden und gefährlichen Wanderungen zu ihren Laichgewässern beginnen die männlichen Lurche nun mit der Brautwerbung und jeder tut, was er kann. Bei den Molchen wird getanzt und geschwänzelt, bei den Fröschen gequakt. Foto Aquazoo Löbbecke Museum

Eingebauter Lautsprecher
Da Schwanzlurche, wie die heimischen Teichmolche und Feuersalamander, nicht quaken können, setzen sie auf Pheromone und führen ein rituelles Spektakel in Form eines Balztanzes im Wasser auf. Froschlurche hingegen rufen meist lautstark ihre Partnerin herbei. Dabei hilft ihnen die Schallblase, eine ballonartige Hautausstülpung, die bei manchen Arten wie den Wasserfröschen an beiden Seiten der Mundwinkel angeordnet ist. Der europäische Laubfrosch hingegen besitzt eine einzelne große Schallblase im Kehlbereich.  

Je lauter, desto besser: der Laubfrosch
Die Lautstärke der Töne, die durch die Stimmbänder erzeugt werden, wird durch das Volumen der Schallblase enorm verstärkt. Der Ruf des heimischen Laubfroschs ist von Mai bis Juni in der Nacht weithin zu hören. Mit seinem bis zu 90 Dezibel lautem Quaken lockt er ein paarungswilliges Weibchen zu seinem Laichplatz. Dies entspricht der Lautstärke eines Kammerorchesters.  

Stille Vertreterin: die Erdkröte
Manche Froschlurche sind etwas ruhiger unterwegs, da ihnen eine äußere Schallblase fehlt. So auch die Erdkröte, die über eine innere Schallblase verfügt. Ihr Ruf muss auch nicht allzu laut erklingen: Zahlreiche Erdkröten finden sich ohnehin alljährlich wieder an ihrem angestammten Laichgewässer ein. Ein Krötenmännchen kann mit einem Ruf kundtun, dass ihm ein Weibchen gehört. Da die Rufe artspezifisch sind, kann es nicht zu Missverständnissen kommen. Sandra Honigs, stellvertretende Direktorin und Kuratorin für den Landbereich im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf: „Erdkröten ergreifen alles, was sie im Laichgewässer umklammern können. Grund dafür ist eine geringe Anzahl an laichbereiten Weibchen, da diese nur alle paar Jahre ablaichen.“ Mit den Rufen lockt die Erdkröte jedoch nicht nur Partnerinnen an, sondern verteidigt auch Reviere oder tut Missbilligungen kund.

Konzerte am Tag und in der Nacht
Während Grünfrösche tagsüber rufen, dazu gehören die Teich-, See- und Wasserfrösche, sorgen die übrigen Froschlurche vom frühen Abend bis in die Nacht für die besondere Abendstimmung an Teich und Tümpel. Oft zum Unmut der menschlichen Nachbarschaft. Allerdings sind diese Froschkonzerte ein Grund zur Freude, denn sie sind ein lebendiger Bestandteil der gesunden Umwelt und gerade in einer Zeit, in der es umso vieles stiller an den Teichen geworden ist, ein positives Zeichen dafür, dass diese Tiergruppe noch nicht ganz verschwunden ist.      

Klimawandel und Umweltverschmutzung gefährden Amphibien
Viele der über 8.000 bekannten Amphibienarten sind heute stark gefährdet. Von den noch existierenden Lurchen gelten etwa über 40 Prozent als vom Aussterben bedroht – Hauptgründe sind Krankheiten, der zunehmende Lebensraumverlust und der Klimawandel. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Dass der weltweite Klimawandel ein reales Problem ist, zeigt sich unter anderem an immer häufiger auftretenden Extremwetterlagen. Einen kausalen Zusammenhang können wir heute mit Hilfe der Attributionsforschung herstellen.“
Kröten, Frösche und Molche sind dem Klimawandel besonders stark ausgesetzt, da sie aufgrund ihrer biologischen Voraussetzungen nur bedingt in der Lage sind, in geeignetere Regionen zu wandern. Aktiv zur Arterhaltung beitragen kann jeder, indem beispielsweise im eigenen Garten Lebensräume für Amphibien geschaffen werden und auf den Einsatz chemischer Hilfsmittel weitestgehend verzichtet wird. 

Über die Kooperation von WetterOnline und dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf
WetterOnline engagiert sich als Pate im Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf für den Artenschutz heimischer Amphibien. Denn WetterOnline hegt als Wetterdienstleister eine ganz besondere Beziehung zum Europäischen Laubfrosch – auch als Wetterfrosch bekannt – und möchte helfen, diesen Frosch und seine heimischen Artgenossen auch in Zukunft in Deutschland beheimatet zu wissen. Für die Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum hat sich WetterOnline bewusst entschieden: Der Aquazoo führt seit dem Jahr 2008 eine Zucht- und Schutzstation für Amphibien und setzt sich so in besonderem Maße für diese bedrohte Tiergruppe ein. 

 

Nächste Woche über 20 Grad möglich - Frühlingswetter zu den Osterferien

Bonn/Duisburg, 07. April 2022 – In der kommenden Woche machen die Temperaturen einen deutlichen Sprung nach oben. Höchstwerte über 20 Grad sind dann im Bereich des Möglichen. Anfangs scheint dabei auch häufig die Sonne.

Zum Anfang der Woche wird das Wetter angenehmer und es setzt sich ein sonniger Frühling durch.  Foto WetterOnline

Sonnig und warm nach unruhigem Wochenende
Zum Anfang der Woche wird es wieder angenehmer und es setzt sich ein sonniger Frühling durch, dabei wird es zunehmend wärmer. Bis Samstag bleibt uns jedoch das turbulente Wetter mit viel Regen, Schnee und Sturm erhalten, es droht regional Hochwassergefahr. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „In der neuen Woche zeigt sich der Frühling endlich von seiner versöhnlichen Seite. Die Temperaturen steigen bereits zum Wochenstart verbreitet auf über 15 Grad an. Bei viel Sonnenschein kann es auch mehr werden. Im weiteren Wochenverlauf sind sogar über 20 Grad drin. Nach dem für die Natur lang ersehnten Regen und der dann folgenden Frühlingswärme werden wir dann zu den Osterferien auch mit einem rundum frühlingshaften satten Grün und vielen Blüten verwöhnt.“  

Regen, Schnee und Sturm
Nach dem Motto „Augen zu und durch“ muss noch ein turbulentes Wochenende überstanden werden. Goldhausen: „Jetzt müssen wir aber erst einmal tapfer sein, denn vom Bilderbuchfrühling mit Sonne und Wärme sehen wir bis zum Wochenende nichts. Am Freitag prallt im Süden warme Mittelmeerluft auf kalte Polarluft. Dabei können große Niederschlagsmengen zusammenkommen. Zugleich zieht im Süden ein kleines Sturmtief durch. Die Wettermodelle berechnen ab Freitagabend eine deutliche Windzunahme mit den kräftigsten Böen vom Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald.“ 

Hochwassergefahr
Das Wetter-Radar sieht die kräftigsten Regenfälle derzeit im Südwesten. Der Meteorologe Goldhausen weist auf dort mögliches Hochwasser hin: „Die Hochwassergefahr nimmt demnach vor allem im Schwarzwald und im Allgäu zu. Dort können bis Samstagmorgen 50 bis 90 Liter Regen pro Quadratmeter vom Himmel kommen, örtlich ist auch noch mehr möglich. Auch in den Mittelgebirgsregionen sind bis zu 50 Liter nicht auszuschließen. Bei solch hohen Niederschlagssummen ist mit stark steigenden Pegelständen an Bächen und kleineren Flüssen besonders im Schwarzwald und an den Alpen zu rechnen. Örtlich kann es zu Überflutungen kommen.“ 

Schnee
Nach derzeitgem Stand schneit es sogar im Bereich der Mittelgebirge. „Vor allem in der Nacht zum Samstag kann es in einem Streifen vom Saarland bis zur Oberpfalz und dem Erzgebirge ab etwa 300 bis 400 Meter Höhe weiß werden. Bis Samstagmorgen breiten sich Schnee und Regen dann etwas weiter südwärts aus“, erläutert der Pressesprecher. 


Hochsaison: Birkenpollen in der Luft - Tipps und Tricks für Allergiegeplagte

Bonn/Duisburg, 06. April 2022 – Die Nase läuft und ist verstopft, die Augen tränen und jucken, das Atmen fällt schwer: Es ist Pollenflugzeit. Viele Allergikerinnen und Allergiker reagieren besonders stark auf Birkenpollen, die Anfang April ihre Hochsaison einläuten. Sie gehören zu den aggressivsten Baumpollen, die zudem in einer besonders hohen Anzahl produziert werden und bis zu 300 Kilometer weit fliegen können. Zur Linderung der Symptome helfen jedoch nicht nur Medikamente. Wer eine Reihe nützlicher Tipps beachtet, kann sich etwas Erleichterung verschaffen.  

Die Birke gehört zu den aggressivsten Baumpollenallergenen. Sie produziert eine besonders hohe Zahl von Allergenen, die bis zum 300 Kilometer weit fliegen können. Quelle: WetterOnline

Birkenpollen
Birkenpollen zählen zu den aggressivsten und stärksten Baumpollenallergenen und treten in einer gigantischen Anzahl auf. Bei oft trockenem Wetter sind besonders viele Birkenpollen in der Luft. Im April ist die Hochsaison für den Flug der Birkenpollen. Milde Winter aber verkürzen die vegetationsfreie Zeit, sodass die Pollensaison schon früher im Jahr beginnen kann. Dies ist ein Trend, den man in Zeiten der globalen Erwärmung bereits klar erkennt. Dazu kommen längere Trockenphasen im Frühjahr. 


Der erste Weg führt zum Spezialisten 
Wer befürchtet, an einer Pollenallergie zu leiden, umgangssprachlich auch Heuschnupfen genannt, sollte sich zunächst an einen Arzt oder eine Allergologin des Vertrauens wenden. Denn bei rund 30 Prozent der Pollenallergikerinnen und -allergiker wird aus einem harmlosen Heuschnupfen im Laufe der Jahre ein chronisches Asthma. Ärztliches Fachpersonal kann eine gesicherte Diagnose stellen und eine geeignete Therapie einleiten, damit auch Allergiker den Frühling in vollen Zügen genießen können. Wer zusätzlich zum ärztlichen Rat einige einfache Regeln beachtet, kann sich zudem die Pollenzeit etwas erleichtern. 


Taktisch lüften 
Im Frühling das Haus nicht zu verlassen, ist keine Option. Doch den Pollen den Weg ins Haus so schwer wie möglich zu machen, durchaus. Es ist ratsam, die Wohnung in ländlichen Gebieten zwischen 19 und 24 Uhr zu lüften, in der Stadt hingegen zwischen 6 und 8 Uhr morgens. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline erklärt „Auf dem Land ist die Pollenkonzentration in den Morgenstunden hoch, weil die Pollen vermehrt bis zur Mittagszeit freigesetzt werden und in höhere Luftschichten aufsteigen. In den Städten speichern Beton und Asphalt zusätzlich die Wärme, daher ist die Thermik dort viel ausgeprägter und die Pollenkonzentration abends am höchsten.“
Ganz geschlossen halten sollten Menschen mit Pollenallergie die Fenster bei starkem Wind, denn dann fliegen die kleinen Allergieauslöser rund um die Uhr.

Das pollenfreie Schlafzimmer 
Da Pollen auf der Kleidung haften, ist es ratsam, zu Hause angekommen, zügig die Kleidung zu wechseln. Dies sollte nicht im Schlafzimmer geschehen, um diesen Raum pollenfrei zu halten. Auch sollten getragene Kleidungsstücke nicht im Schlafzimmer aufbewahrt werden. Idealerweise macht dabei auch der Partner mit. Ein mindestens wöchentlicher Wechsel von Bettwäsche und Handtüchern trägt zudem ebenso zum Wohlbefinden der Heuschnupfen-Geplagten bei wie das Duschen und Haarewaschen vor dem Zubettgehen. 

Frühjahrsputz für Allergiker
Der Frühjahrsputz fällt für Allergiker besonders intensiv aus: In der pollenintensiven Zeit sollte täglich Zeit für ein gründliches Staubsaugen aller Böden, Polstermöbel und Teppiche eingeplant werden. Auch das feuchte Abwischen der Oberflächen aller Möbel gehört auf den Putzplan. Während des Pollenflugs ist es für Allergiker ratsam, ihre Wäsche nicht im Freien zu trocknen, da sich die Pollen in der Wäsche verfangen können.


Sport auf Sparflamme
Regelmäßiger Sport stärkt das Immunsystem und macht uns weniger anfällig für Krankheiten und Allergien. Doch aufgepasst: Während der intensiven Pollenflugzeit sollten Pollenallergiker möglichst keinen Sport im Freien treiben. Je nach Pollenkonzentration ist bestenfalls in den frühen Morgenstunden bzw. späten Abendstunden eine Jogging-Runde im Park drin. Eine andere Möglichkeit ist es, seinen Sport ins Fitnessstudio oder ins Hallenbad zu verlegen. 


Wirksame Hausmittel
Nasenduschen und Dampfbäder verschaffen Pollengeplagten verlässlich Erleichterung, denn sie befeuchten die Schleimhäute und lindern den Juckreiz. Einfach in 500 bis 750 Milliliter kochendes Wasser ein bis zwei Teelöffel hochwertiges Salz einrühren und rund zehn Minuten inhalieren. Nach dem Abkühlen kann die Flüssigkeit für eine wohltuende Nasenspülung verwendet werden. Juckende Augen freuen sich über kühlende und feuchte Kompressen, die nach etwa einer Viertelstunde für spürbare Erleichterung sorgen.
In Kombination mit einem schleimlösenden Vollbad mit Pfefferminzöl eine wahre Wohltat.  Tipp: Wer die Pollen im Blick behalten möchte, kann sich unter www.wetteronline.de/pollenvorhersage tagesaktuell drüber informieren, welche Pollen derzeit fliegen.


Aprilwetter der wilden Art - Regen, Sturm und dann wieder Schnee

Klatschnasse Aussichten:  
- Bis Samstag verbreitet 20 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter 
- Sturmgefahr am Donnerstag: Regional Böen um Tempo 100, Hotspots im Norden und Süden
- Schnee: Mancherorts wieder dicke Schneedecke möglich
- Vorosterwoche deutlich wärmer: Erreichen der 25-Grad-Marke nicht ausgeschlossen

Bonn/Duisburg, 05. April 2022 – "April! April! Der weiß nicht, was er will." Diese Woche könnte das Gedicht von Heinrich Seidel (1842 - 1906) kaum besser passen, denn der April tobt sich tüchtig aus. Es ist sehr nass, es droht Sturm und zum krönenden Abschluss könnten wieder Flocken rieseln. Für nächste Woche gibt es aber Hoffnung! 

Der April macht in den nächsten Tagen mit Regen, Wind und vielleicht auch Schnee, was er will. Zusätzlich zu viel Regen hat der April Sturm im Gepäck. Am Donnerstag drohen regional Böen um Tempo 100. Quelle: WetterOnline


Launenhafte Wetterwoche
Nach dem makellosen März wird der April nicht müde, uns zu zeigen, was er kann - und das ist nicht wenig. Ein Tief nach dem anderen rauscht von West nach Ost über uns hinweg. Im Gepäck haben die Tiefs viel Regen und eine ordentliche Portion Wind. Am Donnerstag besteht Sturmgefahr. Der launenhafte Frühlingsmonat bietet uns in dieser Woche damit einen wilden Wechsel aus fast allem außer Sonnenschein und Wärme über 20 Grad.  


 Klatschnasse Aussichten
Die in den vergangenen Wochen anhaltende Trockenheit wird nun durch sehr viel Regen gemildert. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Bis Samstag kommen verbreitet 20 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen. In den Mittelgebirgen erwarten uns klatschnasse Tage. Dort schüttet es immer wieder und bis zum Wochenende sind stolze Regenmengen von über 60 Liter möglich, im Schwarzwald sogar rund 100 Liter. An kleineren Bächen und Flüssen schwellen bei solchen Regenmengen die Wasserstände dann rasant an. Die Natur benötigt das viele Nass allerdings dringend, denn gerade jetzt in der beginnenden Wachstumsphase brauchen alle Pflanzen reichlich Wasser.“ 

Sturmgefahr am Donnerstag - Regional Böen um Tempo 100
Zusätzlich zum Regen hat der April Sturm im Gepäck. Goldhausen: „Es bleibt nicht beim Regen, sondern im Wochenverlauf kommt auch noch Sturm dazu. Dann peitscht uns das Wasser am Donnerstag fast waagerecht ins Gesicht und für viele Regenschirme hat das letzte Stündlein geschlagen. In Sachen Sturm gibt es am Donnerstag zwei Hotspots. Im Norden erwarten wir teils schwere Sturmböen zwischen 90 und 100 Kilometer pro Stunde.  


Aber auch im Süden legt der Wind ordentlich zu und es ist mit Sturmböen, oder sogar schweren Sturmböen zu rechnen. Nur dazwischen wird es einen schmalen Streifen geben, in dem Wind keine große Rolle spielt. Wo allerdings genau die Übergangsbereiche zwischen Sturm und lauem Lüftchen liegen werden, lässt sich noch nicht genau sagen.“  


Nach dem Sturm wieder Schnee?
Schnee ist Ende der Woche durchaus eine Option. „Zwar zieht sich der Sturm am Freitag in den Süden zurück, dafür schüttelt Frau Holle dem April aber die Kissen auf. Nach derzeitigem Stand bildet sich irgendwo über der Südhälfte eine Luftmassengrenze. Diese trennt kalte Polarluft im Norden von deutlich milderer im Süden. Dort, wo sich beide Luftmassen treffen, kommt dann einiges an Niederschlag vom Himmel. 


Am Nordrand der Luftmassengrenze sinken die Temperaturen womöglich in Gefrierpunktnähe und aus dem Regen wird wieder Schnee“, erläutert der Meteorologe. Nach einigen Berechnungen wäre mancherorts wieder eine dicke Schneedecke möglich. Aber auch beim Thema Schnee lässt sich nicht sagen, wo genau der Übergang von Nass zu Weiß sein wird und ob es überhaupt für Schnee reicht. 


Nächste Woche deutlich wärmer
Im Laufe des Wochenendes beruhigt sich das Wetter dann ganz langsam. Es sind aber noch Schnee-, Regen und Graupelschauer unterwegs. Aus Norden schiebt sich allerdings wieder ein Hoch zu uns rein. Dieses gibt Hoffnung auf warmes Frühlingswetter.
Goldhausen: „Nächste Woche könnten die Temperaturen nach oben schnellen. Nicht ausgeschlossen, dass wir in der Vorosterwoche in den wärmsten Regionen an der 25-Grad-Marke kratzen. Damit hätte der April uns in nur wenigen Tagen dann sein ganzes Können gezeigt.“ 



Räumlich hoch aufgelöste Pollenflugvorhersagen für Deutschland

Deutscher Wetterdienst rechnet Pollenflugvorhersagen mit ICON-ART operationell

Freiburg/Offenbach, 05. April 2022 – Die Birkenblüte hat begonnen und damit auch die Leidenszeit vieler Menschen mit Pollenallergie. Pollen gehören zu den häufigsten Auslösern von Allergien. Unter den allergologisch bedeutsamen Pflanzen sind in Deutschland vor allem Pollen von Frühblühern (Hasel, Erle, Birke, Esche), Gräsern und Kräutern (Beifuß und Ambrosia). Bereits geringe Konzentrationen können unterschiedlich starke allergische Reaktionen hervorrufen.

Abbildung 1: Modellgebiet der Pollenflugvorhersage mit ICON-ART beim DWD © DWD (Quelle DWD)

Modellgebiet der Pollenflugvorhersage mit ICON-ART beim DWD © DWD


„Eine gezielte Medikation kann helfen, allergische Beschwerden zu begrenzen. Dazu sind Informationen über den zu erwartenden Pollenflug essenziell – möglichst hochaufgelöst in Raum und Zeit“, erläutert Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Um die Information über die zu erwartenden Belastungen zu verbessern, erweitert der Deutsche Wetterdienst seine Pollenflugvorhersage um eine numerische Vorhersage auf Basis von ICON-ART, einem Ausbreitungsmodell für feste und flüssige Luftbeimengungen und Gase. In einer räumlichen Auflösung von 6,5 km x 6,5 km stehen Prognosen der Pollenkonzentration für die nächsten sechs Tage in Form von Tagesmittelwerten derzeit für vier Pollenarten zur Verfügung: Erle, Birke, Gräser und Ambrosia.
Abbildung 2: Hänge Birke zum Beginn der Blüte. Foto: Hans-Richard Henkes © DWD (Quelle DWD)

:Hänge Birke zum Beginn der Blüte. Foto: Hans-Richard Henkes © DWD


„So können allergiegeplagte Menschen bereits sechs Tage im Voraus verfolgen, ob und wann beispielsweise höhere Konzentrationen von Birkenpollen an ihrem Wohnort zu erwarten sind und entsprechende Vorkehrungen treffen“, so Christina Endler zu den Vorteilen des neuen Vorhersagemodells. Auch Ferntransport von Pollen über mehrere hundert Kilometer, der bei Birke und Ambrosia eine große Rolle in Deutschland spielen kann, wird mit ICON-ART berücksichtigt.

So können bei einer Nord- oder Nordost-Strömung im späten Frühjahr oder Frühsommer Birkenpollen aus Skandinavien in den Norden Deutschlands transportiert werden. Das führt zu einem nochmaligen Anstieg der Pollenkonzentrationen, obwohl die Blüte in Deutschland bereits abklingt oder sogar abgeschlossen ist.
In Hinblick auf Ambrosia können bei entsprechender Wetterlage Pollen z. B. aus Ungarn, Serbien, Frankreich (Rhône-Tal) oder Italien (Poebene), die große Ambrosia-Bestände aufweisen, die Belastung in Deutschland erhöhen.

Wie funktioniert die Pollenflugvorhersage mit ICON-ART?
Die neue Pollenflugvorhersage wurde von den nationalen Wetterdiensten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt. Basis ist das am KIT entwickelte Ausbreitungsmodell ART (Aerosols and Reactive Trace gases), welches an ICON – das derzeit operationelle Wettervorhersagemodell des Deutschen Wetterdienstes – gekoppelt ist. Bei der Modellierung der Pollen mit ICON-ART wird zunächst die Blühbereitschaft der Pflanzen für jeden Modellgitterpunkt berechnet.

Sind die Pflanzen blühbereit, können Pollen freigesetzt werden – sofern das Wetter es zulässt: Grundsätzlich begünstigen hohe Temperaturen, trockenes und leicht windiges Wetter die Pollenfreisetzung. Freigesetzte Pollen werden vom Wind transportiert – auch über längere Distanzen (Ferntransport) – und können an einem anderen Ort wieder zu Boden sinken oder werden vom Niederschlag ausgewaschen. Weitere Informationen zu ICON-ART:
https://www.imk-tro.kit.edu/5925.php Die ICON-ART-Pollenprognosen für Deutschland können auf der Website des DWD sowie über den Open-Data-Zugriff abgerufen werden: https://opendata.dwd.de/climate_environment/health/forecasts/pollen/ https://www.dwd.de/DE/leistungen/pollen/pollenforschung.html

Sonnigster März seit Aufzeichnungsbeginn, insgesamt mild und erheblich zu trocken

Offenbach, 30. März 2022 – Den ersten Frühlingsmonat 2022 prägte eine außergewöhnlich lange Schönwetterperiode. Hoher Luftdruck mit verbreitet neuen Rekordwerten über dem nördlichen Mitteleuropa regenerierte sich immer wieder. Er ließ der West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete kaum eine Chance, sodass uns deren Ausläufer nur kurzzeitig erreichten. Dies führte zu einer ungewöhnlich langen trockenen und sehr sonnigen Witterungsphase. Unterm Strich ergab dies einen milden, sehr niederschlagsarmen und außergewöhnlich sonnigen ersten Frühlingsmonat.

„Der März 2022 war mit sehr deutlichem Abstand zum bisherigen Spitzenreiter aus dem Jahre 1953, der sonnenscheinreichste seit Aufzeichnungsbeginn 1951 und übertraf damit sogar den vieljährigen Mittelwert für den Juli“, sagt DWD Pressesprecher Andreas Friedrich. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Einem kühlen Monatsstart folgte frühlingshafte Wärme
Der Temperaturdurchschnitt lag im März 2022 mit 5,1 Grad Celsius (°C) um 1,6 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung +0,5 Grad. In der ersten Dekade blieb es trotz viel Sonnenschein noch relativ kalt und die Nächte fast landesweit frostig. Reit im Winkl verzeichnete am 1. mit -11,2 °C den tiefsten Monatswert.


Der März verbuchte im Mittel 18 Frosttage und war damit der frostreichste Monat im Winterhalbjahr. Nachfolgend wurde es aus Südwesten vor allem tagsüber spürbar milder, wodurch auch die Natur aus ihrem Winterschlaf erwachte. In der dritten Monatswoche erreichten die Temperaturen im Einflussbereich des stabilen Hochs „Peter“ ein frühlingshaftes Niveau. Hierbei stieg das Thermometer in Regensburg am 28. mit 23,0 °C bundesweit am höchsten.


Zum Monatsende ging „Peter“ jedoch langsam die Puste aus und von Norden sickerten allmählich kältere Luftmassen ein, welche auch im Süden die frühlingshafte Wärme beendete und teilweise für Neuschnee sorgte. Verbreitet erheblich zu trocken; regional hohe Waldbrandgefahr Der März 2022 fiel mit aufgerundet 20 Litern pro Quadratmeter (l/m²) deutlich zu trocken aus und erreichte nur 35 Prozent des Solls der Referenzperiode 1961 bis 1990 (57 l/m²).

Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 waren dies ebenfalls nur 35 Prozent. Damit zählte der März zu den trockensten seit Beginn kontinuierlicher Wetteraufzeichnung 1881. Schuld an den oftmals niederschlagsarmen Witterungsabschnitten waren ausgedehnte Hochdruckgebiete, die in manchen Regionen, besonders im Nordosten, die Regenmesser regelrecht einstauben ließen. Gebietsweise kam dort kein messbarer Niederschlag zustande. Hier war die Waldbrandgefahr bereits sehr hoch, es kam zu ersten kleinräumigen Bränden.

Tage, an denen in Deutschland regional nennenswerter Niederschlag fiel, ließen sich an einer Hand abzählen. Dies war um die Monatsmitte sowie zum Monatsende, vor allem in einem breiten Streifen vom Westen bis in den Südosten der Fall. Hier kam es Mitte März aufgrund des Zustroms von Saharastaub und der Auswaschung durch den Regen gebietsweise zu Ablagerungen auf Gegenständen und Schneeflächen.


Am meisten Niederschlag gab es im äußersten Südosten Bayerns mit teils 30 l/m². Hier wurde am 15. in Marktschellenberg mit 25,4 l/m² auch die größte Tagesmenge für den März gemessen (Stand 29.3.2022). Sonnigster März seit Messbeginn 1951 Mit über 235 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im März ihr Soll von 111 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um mehr als das Doppelte.

Im Vergleich zu 1991 bis 2020 betrug die positive Abweichung gut 85 Prozent. Aufgrund dessen war der Märzmonat 2022 der mit Abstand sonnenscheinreichste seit Messbeginn 1951 und lag damit deutlich über dem bisherigen Rekord von 195 Stunden im März 1953. Im Süden schien die Sonne mit bis zu 250 Stunden am häufigsten. In der Lüneburger Heide, dem Thüringer Wald und dem Frankenwald war sie mit rund 200 Sonnenstunden etwas seltener zu sehen.

NRW war nach dem Saarland mit 6,6 °C (4,5°C) das zweitwärmste und mit einer Sonnenscheindauer von abgerundet 245 Stunden (103 Stunden) das sonnigste Bundesland. Damit übertraf der März 2022 den bisherigen Rekordhalter von 2011 mit abgerundet 190 Sonnenstunden sehr deutlich. Die Niederschlagsausbeute kam auf knapp 10 l/m² (71 l/m²).