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Kapriolen, Unwetter und Rekorde - Redaktion Harald Jeschke



 Im Juli 2021 gab es in Deutschland ein Plus von 40 Prozent bei den Niederschlägen

Deutschlandwetter im Juli 2021

Offenbach, 30. Juli 2021 - Der in Deutschland keine hochsommerlichen Gefühle weckende Juli 2021 führte die Starkregenepisoden der zweiten Junihälfte fort. Er brachte zunächst regional heftige, teils auch gewittrige Niederschläge samt Überflutungen. Mit Tief „Bernd“ aber änderte sich in der zweiten Monatsdekade die Wetterlage und damit einhergehend auch die Intensität und Großflächigkeit der Regenfälle.

Am 13. setzen in Nordrhein-Westfalen Regenfälle ein, die sich am 14. zwischen Kölner Bucht und Eifel ausweiteten und ein historisches Ausmaß annahmen. Es folgten in der Eifel verheerende Fluten, die zu einer der für Deutschland folgenreichsten Naturkatastrophen seit der Sturmflut 1962 führten. Auch bis Monatsende überwogen instabile und zu Unwetter tendierende Wetterlagen. Die Bilanz: Der Juli 2021 war deutlich zu nass, etwas zu warm und sonnenscheinarm. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Besonders in den östlichen Regionen oftmals sommerliche Temperaturen Der Temperaturdurchschnitt lag im Juli 2021 mit 18,3 Grad Celsius (°C) um 1,4 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 und traf zugleich genau das Mittel der aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020. Damit war der Monat sogar kühler und wenig sommerlicher als der Juni. Sommerfeeling kam insbesondere in den östlichen Bundesländern auf. Dort zählte man die meisten Sommer-, vor allem aber auch Hitzetage.
Brandenburg schaffte im Flächenmittel 2 bis 3 Tage mit Höchstwerten von über 30 °C. 6 heiße Tage gab es in Berlin-Tempelhof. Der Tageshöchstwert aber kommt aus Bayern und wurde am 6. mit 32,8 °C in Rosenheim datiert. Die westlichen Landesteile blieben dagegen von Hitze verschont. Am tiefsten sackte das Quecksilber am 21. in Deutschneudorf-Brüderwiese, Erzgebirge, als einstellige 4,3 °C gemessen wurden.

Immer wieder Starkregenfälle mit zum Teil katastrophalen Folgen
Im Juli fielen bundesweit im Mittel rund 110 Litern pro Quadratmeter (l/m²) und damit knapp 40 Prozent mehr Niederschlag als im Durchschnitt der Referenzperiode 1961 bis 1990 (78 l/m²). Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 lag das Plus bei fast 25 Prozent. In der zweiten Monatsdekade etablierte sich Tief „Bernd“ über Mitteleuropa und brachte vielerorts Starkregen, der nicht mehr lokal, sondern in Teilen großflächig niederprasselte.

- Am 14. nahm der Regen zwischen Kölner Bucht und Eifel eine derartig starke Intensität an, dass dieser als „Jahrhundertregen“ in die meteorologischen Geschichtsbücher eingegangen ist. Über 100 l/m² fielen während des Unwetters innerhalb von 24 Stunden. Den höchsten Tagesniederschlag einer DWD-Station übermittelte Wipperfurth-Gardeweg mit 162,4 l/m².
Kaum hatten sich die Regenwolken in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verzogen, öffnete „Bernd“ am 17. seine Schleusen im Chiemgau und Berchtesgadener Land - auch mit 24-stündigen Mengen von teils über 100 l/m². Dort fiel mit über 350 l/m² auch der meiste Monatsniederschlag. Am trockensten blieb es mit unter 20 l/m² in der Magdeburger Börde.

Von Südwest nach Nordost zunehmende Sonnenscheindauer
Mit 200 Sonnenstunden verfehlte die Sonnenscheindauer ihr Juli-Soll von 211 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 5 Prozent. Im Vergleich zur Periode 1991 bis 2020 betrug die negative Abweichung sogar 10 Prozent. Besonders die westlichen Landesteile zeigten in der Sonnenscheinbilanz ein großes Defizit. Nur 170 Stunden wurden dort verbreitet gezählt. Der Nordosten kam dagegen auf durchschnittlich 230 Stunden.

Nordrhein-Westfalen verbuchte im Juli 17,8 °C (16,9 °C). Am 13. setzte mit Tief „Bernd“ in der Mitte Starkregen ein, der sich am 14. verstärkte und südwestwärts Richtung Eifel zog. Von der Kölner Bucht bis zur Eifel fielen allein am 14. Rekordsummen von über 100 l/m². Hierbei registrierte Wipperfurth-Gardeweg mit 162,4 l/m² den deutschlandweit höchsten Tagesniederschlag.

Der Regen löste vor allem an den Flüssen Erft und Rur verheerende Fluten aus, die vielen Menschen das Leben kosteten. Zahlreiche Pegel registrierten extreme Abflussmengen, die bis dato noch nicht gemessen wurden. Neben Bayern war NRW mit fast 140 l/m² (82 l/m²) das zweitniederschlagsreichste Gebiet und mit gerade einmal 155 Stunden (187 Stunden) das sonnenscheinärmste Bundesland.




Mit 17,6 °C (17,1 °C) war Rheinland-Pfalz das kühlste Bundesland. In der Fläche fielen neben 190 Sonnenstunden (211 Stunden) ungewöhnliche 120 l/m² (72 l/m²) Niederschlag. Zurückzuführen ist diese hohe Niederschlagssumme vor allem auf Rekordregenfälle, die am 14. in der Eifel einsetzten und anschließend vor allem im Ahrtal eine katastrophale Flut auslösten. Mehr als 130 Menschen starben. 40.000 Menschen sind im Schadensgebiet betroffen.

Mehr Regen mit "Elektroschocks"

Wetterbeeinflussung in Dubai

Bonn/Duisburg, 29. Juli 2021 - In den Vereinigten Arabischen Emiraten regnet es zu wenig. Daher setzen die Scheichs auf künstlichen Regen. Diese Art der Wetterbeeinflussung gibt es schon lange, neu ist nur die Methode.

Regen gibt es in Dubai selten - gerade einmal knapp 100 Liter pro Quadratmeter im Jahr. Quelle: WetterOnline


Drohnen als Regenmacher
Mehr als 90 Prozent der Gesamtfläche Dubais ist Wüste. Folglich regnet es wenig. Und genau das soll mittels einer neuen Technologie geändert werden. In Dubai wird aktuell eine neue Methode ausprobiert, die mithilfe der britischen Universität Reading entwickelt wurde. Dabei werden Drohnen eingesetzt.  Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Voraussetzung zu dieser Art der künstlichen Erzeugung von Regen sind allerdings Wolken, die es selbst in den Emiraten immer wieder gibt. Ziel ist es, die kleinen Wolkentropfen mittels Drohnen elektrisch aufzuladen, sodass sie sich gegenseitig anziehen und zu größeren Tropfen zusammenwachsen. Diese sind dann groß genug, um als Regen zu Boden zu fallen, ohne dabei zu verdunsten.“ 

Voraussetzung zu der künstlichen Erzeugung von Regen sind Wolken. Quelle: WetterOnline


Nachweis erfolgreicher Wettermanipulation fraglich
Laut Berichten des dortigen Wetterdienstes sind in Dubai die Regenfälle Mitte Juli 2021 auf das "cloud seeding" (Wolkenimpfen) zurückzuführen. „Zumindest wurden Videos mit Regenfällen mit dem Hinweis auf die Wolkenimpfung veröffentlicht. Ob der Regen aber mittels Wettermanipulation entstanden ist oder auch ohne diese gefallen wäre, lässt sich schwer nachweisen“, merkt Goldhausen an und erklärt, wie viel es vor Ort ohne Fremdeinwirkung regnet: „Dubai als Teil der Vereinigten Arabischen Emirate kommt gerade einmal auf knapp 100 Liter pro Quadratmeter an Regen im Jahr. Zum Vergleich: Bei uns sind es meistens 500 bis 800 Liter.“ 

Forschungsgegenstand Regenerzeugung
Das Projekt der elektrostatischen Aufladung der Wolkentropfen ist übrigens nur ein Teil von insgesamt neun Projekten zur künstlichen Regenerzeugung in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Goldhausen erläutert: „Wie viele andere Länder auch, erproben die Emirate schon seit Jahrzehnten Technologien, Regen künstlich zu erzeugen. Besonders verbreitet ist dabei das Wolkenimpfen mittels Silberjodid, Trockeneis oder Stickstoff. In vielen Ländern, wird Geld in die künstliche Regengewinnung gesteckt. Darunter sind zum Beispiel die USA und China. Auch bei uns wird versucht, das Wetter zum Beispiel mittels Hagelfliegern zu manipulieren. Nachweisbar ist der Nutzen jedoch nicht.“

 

Sternschnuppennächte im August

In der Nacht zum 13. August erreichen die Perseiden den Höhepunkt 

Bonn/Duisburg, 28. Juli 2021 - Jedes Jahr bringt uns der Meteorstrom der Perseiden ein beeindruckendes Schauspiel an den nächtlichen Himmel. Bereits ab dem 17. Juli waren die Sternschnuppen über Deutschland zu sehen. In der Nacht zum 13. August steht der Höhepunkt bevor. Ein Blick in den Nachthimmel lohnt sich also auf jeden Fall und wer einen ausführlicheren Wunschzettel geschrieben hat, kann diesen dann gut abarbeiten.

Der Meteorstrom der Perseiden ergießt sich jedes Jahr in der ersten Augusthälfte über den Nachthimmel. Foto WetterOnline

 

Perseus und Swift-Tuttle

Der Meteorstrom der Perseiden ergießt sich jedes Jahr in der ersten Augusthälfte über den Nachthimmel. Er ist auf der gesamten Nordhalbkugel vom 9. bis zum 13. August am besten zu sehen. Der Strom kommt scheinbar aus Richtung des Sternbildes Perseus. Die Sternschnuppen strahlen von dort in alle Himmelsrichtungen aus. „Die Perseiden bestehen aus vielen kleinen, maximal zentimetergroßen Teilchen, die der Schweif des Kometen Swift-Tuttle in seiner Flugbahn hinterlässt. Die Erde bewegt sich auf ihrer Bahn um die Sonne jedes Jahr gegen Mitte August durch das Gebiet dieser kosmischen Teilchen. Sie schießen mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometer pro Sekunde in die Erdatmosphäre.

Durch die enorme Reibung an den Luftmolekülen werden die Teilchen abgebremst und verglühen binnen Sekunden. Ihre Bewegungsenergie wird dabei in Licht und Wärme umgewandelt“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Bis sie vollständig verglüht sind, legen sie oft noch Dutzende von Kilometern zurück. So entstehen die mehr oder weniger hellen Leuchtspuren am Nachthimmel. Die kleinsten Schnuppen verglühen so schnell, dass sie kaum wahrnehmbar sind. Die Leuchtpfade der größeren können ein paar Sekunden lang nachglimmen.  

Die Perseiden bieten ihr jährliches Himmelsspektakel. Foto WetterOnline


Beste Sicht

Die beste Beobachtungszeit ist immer in der zweiten Nachthälfte. In dicht besiedelten Gebieten mittlerer Breiten kann man höchstens 20 bis 50 Perseiden pro Stunde sehen. Das theoretische Maximum von 100 bis 120 Sternschnuppen, das Mitte August möglich wäre, wird in Mitteleuropa aus mehreren Gründen praktisch nie erreicht. „Um das Spektakel beobachten zu können, ist ein möglichst dunkles Plätzchen weitab von störenden Lichtquellen wichtig. Wer in der Stadt wohnt, sollte aufs Land fahren und auch dort möglichst abseits von Ortschaften bleiben“, raten die Meteorologen von WetterOnline. „Die beste Sicht hat man von unbewaldeten Bergkuppen aus. Die Augen benötigen etwa 15 Minuten Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Natürlich bedarf es ein wenig Geduld und natürlich auch etwas Wetterglück, denn das alles klappt natürlich nur dann, wenn Petrus auch die Bühne freigibt!“, sagt Goldhausen. 

Sternschnuppenglück und gute Wünsche

Allein das Beobachten des Himmelspektakels macht glücklich. Nun sollen die Sternschnuppen darüber hinaus Wünsche wahr werden lassen - vorausgesetzt man schickt sie rein gedanklich in den Himmel. „Niemand weiß so genau, woher der Aberglaube kommt, dass man sich bei einer Sternschnuppe etwas wünschen kann. Es ranken sich viele Legenden um Sternschnuppen. Die meisten von ihnen betrachten Sternschnuppen als Glücksbringer. So kehren nach einem alten schwäbischen Volksglauben verirrte Sterne an ihren Platz im Himmel zurück. Andernorts hält man Sternschnuppen für die verglühenden Dochte von Kerzen, die die Engel beim Sterneputzen fallen lassen“, erklärt der Pressesprecher.  

Übrigens werden die Perseiden auch „Laurentiustränen“ genannt. Diesen wenig fröhlichen Namen verdanken sie dem Umstand, dass sie am 10. August mit dem Fest des Märtyrers Laurentius zusammenfallen. 

 

Wahrscheinliche Anomalien
Deutscher Wetterdienst, Offenbach 22. Juli 2021 -





Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge durch Tiefdruckgebiet „Bernd“ vom 12. bis 19. Juli 2021

Deutscher Wetterdienst, Offenbach 22. Juli 2021 - Im Ereigniszeitraum traten Starkniederschläge verschiedener Andauer auf. Zu Beginn spielten kurze extreme Regenschauer eine Rolle (Dauerstufe D = 1 bis 6 Std.). Danach kam es zu einer Mischung von wiederkehrenden (mit Regenpausen) und anhaltenden Ereignissen (ohne Regenpausen). Beide Typen führten zu hohen Niederschlagssummen in den mittleren bis langen Andauerstufen (D = 9 bis 48 Std.). Die meisten Ereignisse in der ersten Phase (Mittel- und Westdeutschland) konnten mindestens als Jahrhundertereignis (Wiederkehrintervall T ≥ 100 Jahre) eingestuft werden (siehe Tab. 2 und Tab. 3, sowie Abb. 4). In vielen Teilen wurde diese Marke sehr deutlich überschritten. Bei den Ereignissen der zweiten Phase (Sachsen, Südbayern) war dies eher nicht der Fall.

Nach bereits mehreren Episoden mit Starkregen sorgte das Tief „Bernd“ für anhaltende bzw. wiederkehrende Starkniederschläge. Betroffen waren lokal die mittleren Landesteile, großflächig jedoch der Westen von Rheinland-Pfalz und die Südhälfte Nordrhein-Westfalens. In der Folge kam es zunächst örtlich zur Ausuferung kleiner Fließgewässer und Sturzfluten. Mit anhaltender Niederschlagstätigkeit traten auch mittlere und größere Flüsse wie Ahr, Emscher, Erft, Kyll, Lippe, Prüm, Ruhr, Rur, Sieg und Wupper über die Ufer.
Daraus entwickelte sich eine ausgedehnte Hochwassersituation von der Eifel (Rheinland-Pfalz) über das Rheinland und dem Ruhrgebiet bis hin nach Südwestfalen (Nordrhein-Westfalen). Neben immensen Sachschäden verloren über 160 Menschen (Stand 21.07.21) ihr Leben. Mit Abzug von Tief „Bernd“ waren außerdem das Osterzgebirge, die Lausitz und das Berchtesgadener Land betroffen. Auch hier kam es zu Starkniederschlägen, die regional zu Hochwasser führten.


Wetter- und Ausgangslage Die Wetterlage an den Tagen vom 12. bis 15.07.21 zeichnete sich vor allem durch tiefen Luftdruck über Mitteleuropa aus. In Verbindung mit einem Höhentief, das sich langsam von Frankreich her näherte, war die Troposphäre zunehmend instabil geschichtet. Warme und sehr feuchte Luftmassen gelangten aus dem Mittelmeerraum in einer Drehbewegung um das Bodentief „Bernd“ nach Deutschland. Durch erzwungene Hebung (orografisch und dynamisch) und leichte Staueffekte an den westlichen Mittelgebirgen (Sauerland, Westerwald und Eifel), kam es zunächst regional, später großflächig zu wiederkehrendem bzw. anhaltendem Starkregen. In den folgenden Tagen drängte Hoch „Dana“ Tief „Bernd“ in Richtung Südosteuropa ab. Dadurch kam es noch einmal zu anhaltenden Starkniederschlägen im Osterzgebirge und der Lausitz, sowie im Berchtesgadener Land. Ab dem 19.07.21 entspannte sich die Wettersituation etwas.


Neben der Wettersituation ist bei der Entstehung von Hochwassersituationen auch die momentane Bodenfeuchtesituation von Bedeutung. Denn der Boden kann einen Teil des Niederschlags speichern und zurückhalten. Dies funktioniert aber nur, wenn der Boden nicht zu feucht und nicht zu trocken ist. Die drei Wochen vor dem Hochwasserereignis waren in ganz Deutschland von wiederkehrenden Niederschlagsereignissen geprägt, die die Böden regional bereits gut gefüllt haben (Abb. 2).

Während in Rheinland-Pfalz und in Südwestfalen die Böden regional kaum noch Wasser aufnehmen konnten (teils weniger als 10 mm freier Bodenwasserspeicher), waren die Böden im Südwesten von Nordrhein-Westfalen noch bedingt aufnahmefähig (über 75 mm freier Bodenwasserspeicher). Ähnlich viel freier Speicher stand in Ostsachsen und Südostbayern zur Verfügung. Hinzu kommt, dass sehr intensiver Niederschlag meist nicht oder nur im geringen Maße von den Böden aufgenommen werden kann und somit direkt an der Oberfläche abfließt. Auch Talsperren übernehmen eine wichtige Funktion im Hochwasserschutz, da sie ebenfalls Wasser zurückhalten können. Laut einer Mitteilung des Wupperverbandes senkten Talsperren-Betriebe auf Grund der Vorwarnungen des DWD bereits ab dem 12.07.21 die Wasserpegel vorsorglich ab [14].

Zunächst waren ab dem 12.07.21 Baden-Württemberg (bis über 50 l/m² in 24 Std.), aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen (bis über 20 l/m² in 24 Std.) betroffen (Abb. 1). Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Kern des Tiefdruckgebietes nur langsam von Südwesteuropa weiter in Richtung Deutschland. Am 13.07. lag die Niederschlagstätigkeit vor allem in der Mitte Deutschlands (Abb. 1). Zum Beispiel fielen im Erzgebirge (Region Marienberg) laut Radarmessung bis 87 l/m² in 2 Stunden (Tab. 2).


Im Hofer Land (Oberfranken) fielen in Selbitz laut Radarmessungen 43 l/m² in nur 30 Minuten. In Querfurt (Saalekreis) wurden 66 l/m² in nur 2 Stunden an der Station MühleLodersleben registriert. Aber auch die nördlichen Teile von Hessen (Kreis WaldeckFrankenberg) und vor allem das Ruhrgebiet und Südwestfalen waren stark betroffen. Die Städte Solingen und Hagen, sowie Wuppertal waren stark von großen Überschwemmungen betroffen.
In Hagen wurden an einer Station des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) mehr als 241 l/m² Niederschlag in nur 22 Stunden gemessen [13]. Beginnend am 14.07.21 und bis in die Morgenstunden des 15.07.21 kam es dann zu ergiebigem Dauerregen, der lokal immer wieder durch Regenschauer verstärkt wurde. Der Schwerpunkt der Niederschlagstätigkeit erstreckte sich in einem Gebiet von Dortmund über Köln, Euskirchen, Gerolstein, Bitburg bis hin nach Trier (Abb. 3). Hier wurden weitflächig mehr als 100 l/m² Niederschlag in 72 Stunden registriert. Regional fielen sogar über 150 l/m² Niederschlag in 24 Stunden (siehe Tab. 2 und Tab. 3).

Durch den großflächigen und anhaltenden Starkniederschlag wurden große Teile von Flusseinzugsgebieten beregnet. Das Wasser sammelte sich und wurde teils in den engen Flusstälern kanalisiert. Die enormen Regenmengen, aber vor allem auch die orographischen Gegebenheiten und die gesättigten Böden führten zu einer Potenzierung der Schadenswirkung. Besonders das Ahrtal war von dieser Situation betroffen. Binnen kurzer Zeit entstanden hohe Personen- und Sachschäden. Alleine in diesem Landkreis sind über 110 Menschenleben zu beklagen.

In Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Schuld wurden viele Häuser komplett zerstört und es gab verheerende Schäden an der Infrastruktur. Im Ahrtal wurden sämtliche Bahnbrücken zerstört, Straßen und Schienen weggespült. Die Strom- und Trinkwasserversorgung sowie Kommunikationsmittel fielen aus. Im Kreis Euskirchen mussten mehrere Orte evakuiert werden, weil der Damm der Steinbachtalsperre zu brechen drohte. Ebenfalls betroffen waren Städte und Gemeinden an den Flüssen Erft, Swist und Rur.

In Köln, Leverkusen, Düsseldorf und längs der westfälischen Ruhr kam es ebenfalls nach den ergiebigen und andauernden Niederschlägen zu Personenschäden, zahlreiche Keller und Straßen wurden überflutet und teilweise mussten flussnahe Wohngebiete evakuiert werden. Die Talsperren der betroffenen Region konnten einen Teil des Niederschlages eine Zeit lang zurückhalten. Da aber der Zufluss aus den Einzugsgebieten den Ablauf um ein Vielfaches überstieg, liefen einige von ihnen über [14]. Mit dem Abzug von Tief „Bernd“ in Richtung Südosteuropa kam es noch einmal vom 15.07.21 bis 19.07.21 zu anhaltenden bzw. wiederkehrenden Starkniederschlägen in Ostsachen und Südbayern (Abb. 3).

Erneut verstärkte die Orographie (Erzgebirge, Lausitzer Gebirge, Alpen) die Niederschlagstätigkeit durch Staueffekte. In Sachsen kam es in den kleinen Oberläufen und engen Tallagen teils zu Sturzfluten und die Flüsse Sebnitz, Polenz und Wesnitz, sowie die Lausitzer Neiße führten kurze Zeit große Hochwässer. Im Süden Bayerns, insbesondere im Berchtesgadener Land, sorgten vor allem Starkniederschläge mit kurzen Andauerstufen (Dauerstufe D = 1 bis 3 Std.) für das schnelle Anschwellen von kleinen Gebirgsbächen. Damit verbunden waren auch kleinere Sturzfluten und Erdrutsche, die lokal zu erheblichen Schäden führten.

 

Auch wenn keine deutschlandweiten Allzeit-Rekorde eingestellt wurden (vgl. Tab. 4), ist zu bemerken, dass an einer ungewöhnlich großen Zahl von Stationen im Westen bisherige Rekorde weit übertroffen wurden. Innerhalb weniger Stunden oder Tage wurde im Mittel über ganze Flusseinzugsgebiete das 1,5 bis 2,0-fache des mittleren Niederschlages im Juli bezogen auf die Referenzperiode 1991-2020 erreicht (vgl. Tab. 1).

Die aufgetretenen Starkniederschläge ordnen sich in eine Serie von Ereignissen ein, die schon seit Mai 2021 anhält. Bereits jetzt rangiert das Jahr 2021 unter den Top 5 der Jahre mit den meisten aufgetretenen Einzelereignissen seit 2001 (siehe Abb. 5). Die meisten und intensivsten Starkniederschläge treten in der Regel in Deutschland zwischen Mai und September auf. Es ist also davon auszugehen, dass noch weitere Ereignisse in 2021 hinzukommen werden. Grundsätzlich kann Starkniederschlag an jedem Ort in Deutschland auftreten. Es gibt jedoch eine Tendenz, dass Extremereignisse mit steigender Dauerstufe vermehrt in den Mittel- und Hochgebirgsregionen auftreten.

Insbesondere während der letzten Jahrzehnte war weltweit und in Deutschland ein Temperaturanstieg zu beobachten [2], der nur durch den Anstieg der atmosphärischen Treibhausgaskonzentrationen erklärbar ist. Es stellt sich daher die Frage, wie sich dieser Klimawandel regional auf die Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignissen auswirkt. Analysen der letzten 70 Jahre auf Basis von Tagesdaten zeigen, dass die Intensität und die Häufigkeit von Starkniederschlagstagen (in [4] definiert als >20 l/m² pro Tag) in Deutschland geringfügig zugenommen haben. Die stärksten Änderungssignale zeigen sich für den Winter. Im Sommer gibt es noch kein klares Bild. Dies liegt vermutlich daran, dass hier zwei Effekte gegenläufig sind. Die Anzahl der Tage mit Niederschlag nimmt eher ab, während sich der Niederschlag selbst an den verbliebenen Tagen intensiviert [4].

Auf Basis von Klimaprojektionen kann abgeschätzt werden, dass sich diese Tendenz fortsetzt. Die Niederschlagsmengen an Starkniederschlagstagen im Sommer werden wahrscheinlich weiter steigen. Auch die maximalen 1-Tages- und 5-Tagesniederschlagssummen sollen zunehmen. Für subtägliche Andauern (D < 24 Std.) gibt es derzeit nur wenige Mess- und Modelldaten für Deutschland. Aber auch hier zeichnet sich in Modelldaten eine Tendenz zur Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Starkniederschlägen in der Zukunft ab [4].

Ein Grund, warum bei steigenden Temperaturen eine Zunahme von Starkniederschlägen erwartet werden kann, liegt im steigenden Aufnahmevermögen der Luft von Wasserdampf mit steigender Temperatur (Anstieg Sättigungsdampfdruck, Clausius-Clapeyron-Beziehung) [1]. Weiterhin verdunstet über wärmeren Meeresoberflächen mehr Wasser, wodurch sich ein Potential für diese zusätzliche Feuchtigkeitsaufnahme der Luft ergibt. Neben diesem Zusammenhang können aber auch Änderungen der Zirkulationsmuster in der Atmosphäre eine wichtige Rolle spielen.

So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob im Rahmen des Klimawandels eine Veränderung in der Verweildauer einzelner Wetterlagen festzustellen ist. Eine Auswertung zum Wissensstand über sogenannte blockierende Wetterlagen [15] kommt allerdings zu keiner eindeutigen Bewertung bezüglich entsprechender Trends und zur Schlussfolgerung, dass die natürliche Variabilität in den nächsten Jahrzehnten dominieren wird. Weiterhin haben sich verschiedene Studien der Frage gewidmet, ob der stärkere Temperaturanstieg in der Arktis zu verändertem Verhalten der Wetterlagen führen kann. Dabei ist die Annahme, dass die veränderten Temperaturunterschiede zwischen hohen und mittleren Breitengraden Auswirkungen auf die Eigenschaften des um den Nordpol verlaufenden Starkwindbands („Jetstream“) haben und über diesen Mechanismus auch die Persistenz von Wetterlagen in den mittleren Breiten beeinflusst wird. Auch hier kommen allerdings Bestandsaufnahmen der vorhandenen Studien nicht zu einer eindeutigen Schlussfolgerung [16, 17].

Allgemein sind extreme Einzelereignisse zunächst kein direkter Beleg für den Klimawandel. Nur langjährige Beobachtungen können zeigen, ob die Häufigkeit bestimmter Ereignisse zugenommen hat oder nicht. Gerade bei extremen Ereignissen, die also nur selten vorkommen, ist es besonders wichtig, einen sehr langen Zeitraum zur betrachten. Ob der Klimawandel nun ein bestimmtes Unwetterereignis verstärkt hat, kann nicht ohne weiteres oder gar pauschal beantwortet werden. Zwar konnte bereits mittels Attributionsforschung für ausgewählte Extremereignisse (z. B. Hitzewellen) gezeigt werden, dass durch den Klimawandel die Eintrittswahrscheinlichkeit erhöht wurde; dies bedarf aber im Einzelfall umfangreicher Untersuchungen [5].

Für den Parameter Niederschlag zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie zu täglichen Maxima des Niederschlags auf globaler Ebene, dass die Intensivierung von Starkniederschlägen, zum Beispiel in Mitteleuropa, zumindest teilweise durch den anthropogenen Klimawandel verstärkt wurde [3]. Eine Attributionsstudie zum aktuellen Ereignis wird derzeit durch das World Weather Attribution Project vorbereitet [18].


Außer Deutschland waren auch unsere Nachbarländer zum Teil sehr stark vom Unwetter betroffen. Das Hauptniederschlagsgebiet setzte sich vom Westen Deutschlands noch weiter in die Benelux-Länder, nach Frankreich und in die Schweiz fort (Abb. 6), später auch weiter südostwärts bis zum Balkan. Einen weiteren Schwerpunkt gab es aber auch im östlichen Mitteleuropa, besonders über Polen (Abb. 7). Insgesamt kann ein Gebiet von Frankreich bis Polen deutlich abgegrenzt werden, wo die Wochenniederschläge flächendeckend mehr als doppelt so hoch, teilweise mehr als viermal so hoch waren wie im klimatologischen Mittel.

Starkniederschläge traten lokal meist im Zusammenhang mit Gewittern auf, darunter gab es auch ausgeprägte Multi- und Superzellengewitter. Darüber hinaus gab es in Großbritannien lediglich lokale Starkniederschläge. Aus den einzelnen Ländern liegen folgende Informationen vor:

Großbritannien: In Großbritannien ereigneten sich einige isolierte Starkregenfälle, insbesondere in London, wo am 12.07.21 über 54 l/m² in einer Stunde gemessen wurden. Sturzfluten setzten Straßen in London unter Wasser, auch der öffentliche Nahverkehr war stark beeinträchtigt [12].

Niederlande: In der Region Limburg ereigneten sich Überschwemmungen in Gebäuden und auf Straßen. Auch Teile der Autobahn A79 waren unter Wasser. Militär wurde zur Evakuierung von Hochwassergeschädigten eingesetzt. An den beiden Tagen 13. Und 14.07.21 zusammen sind in Limburg an einigen Stellen mehr als 150 l/m² gefallen. Das ist mehr als das Doppelte der normalen Niederschlagsmenge im Juli [6], [12].


Belgien: Neben Deutschland war auch der Osten von Belgien stark von diesem Ereignis betroffen. Nach Starkregen war am Morgen des 14.07.21 der Schienenverkehr in den Provinzen Namur und Lüttich unterbrochen. Auch hier gab es schwere Überflutungen, auf einigen Straßen stand das Wasser 2 Meter hoch. In Lüttich mussten ca. 2.000 Personen evakuiert werden. Insgesamt wurden aus Belgien mindestens 27 Todesopfer gemeldet. Die an Stationen gemessenen 48- stündigen Niederschlagsmengen erreichten bis 271,5 l/m² in Jalhay mit einer Wiederkehrzeit von mehr als 100 Jahren [7], [12].

Luxemburg: An der Station Luxemburg-Findel wurde der Julirekord sowohl für die 12- als auch die 24- stündige Niederschlagssumme gebrochen mit 74,2 bzw. 79,4 l/m² am 14. bzw. 15.07.21 [8], [12].

Frankreich: Teile Frankreichs waren auch von Überschwemmungen betroffen, nachdem innerhalb von zwei Tagen Regenmengen fielen, die sonst üblicherweise innerhalb von zwei Monaten fallen. Innerhalb von drei Tagen (12. bis 15.07.21) fielen im Osten von Frankreich flächendeckend über 100 l/m² Niederschlag, örtlich über 150 l/m². Hohe Niederschläge bis über 70 l/m² in 2,5 Stunden wurden insbesondere im Elsass gemessen [9], [12].

Schweiz: Die Schweiz war in einigen Gegenden von intensiven Regenfällen betroffen mit Niederschlagssummen um 26 l/m² in 30 Minuten in den Kantonen Zürich und Aargau in der Nacht vom 12. zum 13.07.21, im Einzelfall sogar 27 l/m² in 10 Minuten an der Station Zürich- 13 Affoltern. Im ganzen Monat Juli fallen hier normalerweise 112 l/m² Regen. Somit fiel hier innerhalb von 10 Minuten ein Viertel des normalen Juli-Niederschlags. Schwere Sturmböen ließen Bäume umstürzen, Straßen waren blockiert, es gab Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen. Für den Bahnverkehr waren mehrere Gebirgspässe und Tunnel gesperrt.
Der Starkregen verursachte auch Erdrutsche, da die gesättigten Böden kein Wasser mehr aufnehmen konnten. Einige Seen in der Schweiz hatten die höchste oder zweithöchste Hochwasserwarnstufe, allen voran der Vierwaldstätter See in der Zentralschweiz. Auch an der Alpensüdseite gab es heftige Niederschläge, im Tessin bis über 140 l/m² in 3 Stunden. Für den Zeitraum der ersten beiden Juliwochen (01. bis 14.07.21) wurden beachtliche Rekorde vermeldet. An der Station Sedrun im Vorderrheintal wurden knapp 300 l/m² in diesem Zeitraum gemessen – etwa das Doppelte des bisherigen Rekords in der 60-jährigen Messreihe [11], [12].

Italien: Der Tiefdruckkomplex breitete sich bis zum 13.07.21 auch nach Norditalien aus, wo sich im Bodendruckfeld ein neuer Tiefdruckkern ausbildete. Auch dort traten intensive Gewitter auf, insbesondere in der Lombardei, in Emilia-Romagna und im Piemont mit Hageldurchmessern bis zu 7 cm und Starkregen bis über 83 l/m² in 30 Minuten. Schwere Sturmböen ließen Bäume entwurzeln und deckten Dächer ab [12].

Österreich: In Österreich gab es nach intensivem Regen einen größeren Erdrutsch im Ötztal (Tirol). 5 Meter hohes Geröll blockierte die Ötztal-Bundesstraße. In Niederösterreich wurden Überflutungen von Straßen und Hagelkörner bis zu 8 cm Durchmesser beobachtet. Auch hier führten Sturmböen zu Schäden an Gebäuden und blockierten Straßen. In der Region Wien blieben nach Blitzeinschlägen etwa 3.000 Haushalte ohne Strom. Am 17.07.21 gab es weitere Erdrutsche besonders in der Region Salzburg. An der Hohen Warte in Wien wurden am gleichen Tag 77 l/m² Niederschlag in 3 Stunden gemessen [12].

Quellen und weitere Informationen [1]: Becker P., Becker A., Dalelane C., Deutschländer T., Junghänel T., und Walter A., 2016: Die Entwicklung von Starkniederschlägen in Deutschland. Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung. [LINK] [2] Kaspar F, Friedrich K, Imbery F, 2020: 2019 global zweitwärmstes Jahr: Temperaturentwicklung in Deutschland im globalen Kontext. Bericht des Deutschen Wetterdienstes. [LINK] [3] Madakumbura G. D., Thackeray C. W., Norris J., Goldenson N. and Hall, A., 2021: Anthropogenic influence on extreme precipitation over global land areas seen in multiple observational datasets. Nat Commun 12, 3944, [DOI] [4] Rauthe M., Brendel C., Helms., Lohrengel A.-F., Meine L., Nilson E., Norpoth M., Rasquin C., Rudolph E., Schade N. H., Deutschländer T., Forbriger M., Fleischer C., Ganske A., Herrmann C., Kirsten J., Möller J., Seiffert R., 2020: Klimawirkungsanalyse des Bundesverkehrssystems im Kontext Hochwasser: Schlussbericht des Schwerpunktthemas Hochwassergefahren (SP-103) im Themenfeld 1 des BMVI-Expertennetzwerks. [DOI] [5] van Oldenborgh G.J., van der Wiel K., Kew S. Philip S., Otto F., Vautard R., Andrew King A., Lott F., Arrighi J., Singh R., van Aalst M., 2021: Pathways and pitfalls in extreme event attribution. Climatic Change, 166, 13. [DOI] [6] Online-Angebot Königliches Niederländisches Meteorologisches Institut (KNMI) [LINK] [7] Online-Angebot Königliches Meteorologisches Institut von Belgien (KMI) [LINK] [8] Online-Angebot MeteoLux [LINK] [9] Online-Angebot Meteo France [LINK] [10] Online-Angebot Meteo Paris [LINK] [11] Online-Angebot Meteo Schweiz [LINK], [LINK], [LINK] [12] Online-Angebot European Severe Weather Data Base (ESWD) [LINK] [13] Online-Angebot Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW [LINK] [14] Online Angebot Wupperverband [LINK], [LINK] [15] Woollings T., Barriopedro D., Methven J., Son S. W., Martius O., Harvey B., Sillmann J., Lupo A. R., Seneviratne S., 2018: Blocking and its response to climate change. Current climate change reports, 4(3), 287-300. [DOI] [16] Stendel, M., Francis, J., White, R., Williams, P. D., & Woollings, T., 2021: The jet stream and climate change. In Climate Change (pp. 327-357). Elsevier. [DOI] 16 [17] Cohen J., Screen J. A., Furtado J. C., Barlow M., Whittleston D., Coumou D., Francis J., Dethloff K., Entekhabi D., Overland J., Jones J., 2014: Recent Arctic amplification and extreme mid-latitude weather. Nature geoscience, 7(9), 627-637. [DOI] [18] Online Angebot des World Weather Attribution Project [LINK], [LINK]

 

Analyse der Hochwasser-Katastrophe

Wetter oder Klimawandel 

Bonn/Duisburg, 15. Juli 2021 - Eine extreme Wetterlage ist die Ursache für das extreme Hochwasser Mitte Juli 2021 gewesen. Solche Naturkatastrophen hat es schon immer gegeben. Die Expertinnen und Experten von WetterOnline analysieren, wie es zu diesem Extremereignis kam, bei dem auch der Klimawandel eine Rolle spielt.

Besonders hart traf es unter anderem das Ahrtal in Rheinland-Pfalz. Dort gab es ein katastrophales Hochwasser historischen Ausmaßes. Quelle: WetterOnline



Warmfeuchte Luft und blockierende Wetterlage
Die Berechnungen der massiven Niederschläge haben die Meteorologen bereits im Vorfeld zu Warnungen alarmiert. Einer genauen Vorhersage des tatsächlichen Ausmaßes der dann folgenden katastrophalen Überflutungen sind jedoch auch meteorologischen Berechnungen Grenzen gesetzt.  

Wie es zu der extremen Wetterlage kam, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Der Auslöser war Tief BERND, das sich ab dem 13. Juli vom Golf vom Genua nach Mitteleuropa schob. Das Tief führte warme und feuchte Luft vom Mittelmeer über den Balkan nordwärts. Auf dem Balkan wurden zeitgleich hohe Temperaturen nahe 40 Grad gemessen. BERND lenkte anschließend die Luft weiter über Polen, Ostdeutschland und über die südliche Ostsee in den Westen Deutschlands. Dort traf nun die energiegeladene Luft auf kühlere und damit schwerere Luft. ‚Zutat‘ Nummer 1 für die Unwetterlage war also die warmfeuchte Luft.“


Zu dieser Zutat kam noch eine weitere entscheidende hinzu. Goldhausen: „Das zweite Element ist eine sogenannte blockierende Wetterlage. Tief Bernd war umzingelt von zwei Hochdruckgebieten und kam kaum von der Stelle. Von Dienstag bis zum Wochenende kreiste es mehr oder weniger über dem gleichen Längengrad. Somit brachte es zunächst dem Westen und am Wochenende auch in Sachsen sowie in den Alpen kräftige Niederschläge. Diese Blockadewetterlage entsteht dann, wenn der Jetstream stark mäandriert.“ 

Ergebnis: Extreme Regenfälle 
„Wir Meteorologen waren nicht überrascht, dass es viel regnet. Die Niederschlagsmengen und das Gebiet waren Tage vorher perfekt vorhergesagt, aber dass die Ausmaße so folgenreich waren, hätte niemand erwartet. Wir haben es mit einem Jahrtausendereignis zu tun“, sagt Goldhausen und fährt fort: „Im Westen kamen von Mittwoch, den 14. Juli, bis Donnerstag flächig von der Eifel über die Kölner Bucht bis ins Sauerland mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in nur 24 Stunden zusammen, örtlich sogar noch mehr. An der Wetterstation Köln-Stammheim wurden bis Donnerstagmorgen um 8 Uhr 153,5 Liter innerhalb eines Tages registriert, davon allein 83 Liter am Mittwoch zwischen 14 und 20 Uhr. Ebenfalls über 100 Liter pro Quadratmeter zeigt die Regenradar-Analyse von Samstag, den 17. Juli, auf Sonntag im Berchtesgadener Land. In allen genannten Regionen hatte es in den Tagen zuvor schon geregnet, sodass die Böden nahezu gesättigt waren.“ 

Das hat der Klimawandel damit zu tun
Solche Naturkatastrophen hat es schon immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. „Was hat nun der Klimawandel damit zu tun? Das Ereignis ist zunächst einmal Wetter, in diesem Fall eine Naturkatastrophe. Laut einer Rekonstruktion von historischen Hochwassern an der Ahr könnte es zum Beispiel im Jahre 1910 oder 1804 vergleichbare Hochwasser gegeben haben. Genau lässt sich das im Nachhinein aber nicht mehr vergleichen“, so Goldhausen. 

Letztlich ist es schwierig zuzuordnen, welchen Anteil das Wetter und welchen der Klimawandel hat. Stand der Wissenschaft ist jedoch, dass mit der Erderwärmung Niederschlagsextreme wahrscheinlicher werden. Dies entspricht auch dem physikalischen Grundverständnis, dass warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. 

Klimamodelle deuten auf Niederschlagsextreme hin
Auch die aktuellen regionalen Klimamodelle zeigen laut nationalem Klimareport 2020 eine Tendenz zur weiteren Zunahme von Niederschlagsextremen und auch die Analysen der seit 20 Jahren flächendeckend vorliegenden Radardaten in Deutschland deuten darauf hin. Die Datenreihe ist aber noch zu kurz und damit nicht statistisch aussagekräftig. 

Problematik: Begradigte Flüsse und Versiegelung 
Neben dem Wetter und dem Klimawandel spielten für das extreme Hochwasser laut Experten auch andere Faktoren eine Rolle. Goldhausen erklärt: „In begradigten und kanalisierten Bächen und Flüssen fließt das Wasser viel schneller ab und stromabwärts steigt die Überschwemmungsgefahr. Zudem werden immer mehr Flächen versiegelt. Wasser, das nicht im Boden versickern oder sich über Auenflächen ausbreiten kann, schwillt zu einer oberirdischen Flut an, die sich dann durch asphaltierte Straßen ihren Weg bricht.“

Klimamodelle deuten auf Niederschlagsextreme hin. Quelle: WetterOnline

 

Was sind die Hundstage?  

Tierische Hitze Ende Juli und im August

Bonn/Duisburg, 15. Juli 2021 - 35 bis 40 Grad – umgangssprachlich sind die Hundstage die heißeste Zeit des Jahres. Doch dies ist längst nicht immer so. Den Namen verdanken die Hundstage dem Sternbild „Großer Hund“.

Vier Wochen Hitzewelle
Die Hundstage dauern jedes Jahr vom 23. Juli bis zum 23. August und gelten als heißeste Phase des Sommers. Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline: „In den vergangenen Jahren stiegen die Temperaturen während der Hundstage mehrmals auf 35 bis 40 Grad. Am 25. Juli 2019 wurde in Duisburg und Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen mit 41,2 Grad sogar extreme Hitze gemessen.“ Im Kernzeitraum der Hundstage vom 25. Juli bis zum 7. August kommt es aber statistisch gesehen auch immer wieder zu unbeständigen Südwestwetterlagen, die kühleres Regenwetter bringen. „Es ist laut Statistik kein Muss, dass es in der Zeit der Hundstage tierisch heiß ist. Die Urlaubsplanung rein nach den Hundstagen auszurichten, gleicht somit einem Lotteriespiel “, so Goldhausen.

Die Hundstage haben ihren Namen vom Sternbild Canis Major (Großer Hund). Es wird jedes Jahr im Sommer, vom 23. Juli bis 23. August, am Himmel sichtbar. Quelle: WetterOnline

Großer Hund: Das Sternbild prägt den Namen
Der Name Hundstage geht nur indirekt auf die Vierbeiner zurück. Gemeint ist damit in unserem Sprachgebrauch der Zeitraum, in dem das Sternbild Canis Major (Großer Hund) am Nachthimmel sichtbar ist.  Seit der Antike wurden Sterngruppen mythischen Gestalten, Gegenständen oder Tieren zugeordnet. Das Sternbild Großer Hund erscheint jedes Jahr im Sommer für vier Wochen am Himmel und kreative Menschen können in ihm die Figur eines Hundes erkennen. Der hellste Stern dieser Konstellation wird Sirius oder auch Hundsstern genannt. Dieser war zur Zeit der Römer jedes Jahr etwa ab dem 23. Juli bei Sonnaufgang auf der Erde sichtbar. Bis das gesamte Sternbild am klaren Nachthimmel erschien, vergingen vier Wochen, die „Tage des großen Hundes“, vom 23. Juli bis zum 23. August.

So ergab sich auch die genau definierte Zeitspanne für die Hundstage, die bis heute erhalten geblieben ist. Aber Goldhausen weiß: „Der Aufgang des Sirius hat sich im Laufe der Jahrhunderte jedoch um einen Monat verschoben. Dies ist der Eigenbewegung des Sternbildes und der Richtungsänderung der Erdachse geschuldet. Sirius erscheint deshalb heutzutage erst Ende August am Morgenhimmel.“ Die Hundstage müssten demnach – astronomisch gesehen – eigentlich erst Ende August beginnen.

Bauernregel: „Hundstage heiß, Winter lange weiß“
Um das Sternbild Großer Hund rankten sich früher allerhand Mythen. So machte der Aberglaube die Hundstage für die Römer zu einer unheilvollen Zeit: Menschen, die während der Hundstage geboren wurden, galten als Unglücksboten. Die Griechen erklärten sich die Hundstage damit, dass der Stern Sirius die Strahlkraft der Sonne beeinflusse und deshalb für die sommerliche Hitze verantwortlich sei. Auch in zahlreichen Bauernregeln finden die Hundstage Beachtung.

So heißt es zum Beispiel „Hundstage heiß, Winter lange weiß“. Björn Goldhausen: „Diese Regel ist allerdings kaum belastbar. Sollte an den Hundstagen also der Schweiß fließen, dann ist panisches Schneeschaufelhorten sicherlich keine gute Idee.“ Die Bezeichnung „Hundstage“ für die Zeitspanne brütender Hitze hält sich jedoch in der Umgangssprache bis heute.

Eine Abkühlung tut immer gut, wenn die Hitze während der Hundstage im Sommer zu groß wird. Quelle: WetterOnline


 

Versicherungsirrtümer bei Hochwasser

Das sollten Eigenheimbesitzer wissen

Bonn/Duisburg, 13. Juli 2021 - Der Unwettersommer 2021 geht weiter und die Hochwassergefahr steigt deutlich. Bei Hochwasser und Überflutungen glauben viele Eigenheimbesitzer, gut abgesichert zu sein. Doch häufig ist dem nicht so.

Wenn  das Haus oder die Wohnung durch Unwetter unter Wasser stehen, dann hilft nur eine Elementarversicherung. Bild WetterOnline

Irrtum Nr. 1: Meine Gebäudeversicherung sichert Hochwasser ab
Bei Schäden durch Sturm, Blitz oder Hagel zahlt die Wohngebäude- und/oder Hausratversicherung. „Kommt es allerdings zu Überflutungen und der Keller oder gar das Erdgeschoss laufen voll, dann ist von der Versicherung nichts zu erwarten. Für solche Fälle von Naturgewalten gibt es die Elementarversicherung“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Nur etwa 40 Prozent aller Gebäude sind in Deutschland entsprechend abgesichert.

Irrtum Nr. 2: Ich wohne nicht an einem Fluss
Viele Menschen glauben, dass es nur an den Flüssen zu Hochwasser kommen kann. Goldhausen weist darauf hin: „Dies ist ein Irrtum. Scheinbar kleine Bäche werden bei Unwettern immer wieder zu reißenden Flüssen und die Fluten sorgen für massive Schäden. Diese sind, bezogen auf ein einzelnes Haus, nicht selten weitaus höher als Hochwasserschäden an den großen Flüssen. Dort kommt das Wasser nämlich langsam und meist ohne große Kraft. So können sich die Bewohner deutlich besser darauf vorbereiten.“

Irrtum Nr. 3: Wenn es hart auf hart kommt, hilft der Staat
„Bis zum Jahr 2017 war dies in der Tat nicht selten der Fall. Danach beschlossen Bund und Länder allerdings nur noch jenen zu helfen, die sich erfolglos um eine Versicherung bemühten oder bei denen diese maßlos überteuert war. Dies müssen Geschädigte im Schadensfall nachweisen. Kann man dies nicht, geht man leer aus“, erläutert der Meteorologe.


Doch das Wetter birgt noch weitere Gefahren: Gewitter mit Blitzen, Hagel und Sturmböen können Hausdächer oder Autos beschädigen und Keller volllaufen lassen.


Sturmschäden
„Die Versicherung zahlen für Sturmschäden in der Regel ab Windstärke 8, was einer Windgeschwindigkeit von mehr als 62 Stundenkilometern entspricht. Für den Nachweis kann man zum Beispiel das Archiv der aktuellen Windspitzen von WetterOnline nutzen“, erklärt Björn Goldhausen.


Schäden am Gebäude
Für zerborstene Glasscheiben oder abgedeckte Dächer zahlt die Wohngebäudeversicherung.


Schäden am Auto
Die Teilkaskoversicherung erstattet in der Regel die kompletten Kosten für verbeultes Blech, kaputte Scheiben oder Überschwemmungsschäden am Auto. Die Versicherung kürzt jedoch die Leistungen, wenn trotz Warnung das Auto nicht aus einem Hochwasser-Gefahrengebiet weggefahren wurde.


Schäden am Auto zahlt die Teilkaskoversicherung, sofern es vorher keine Hochwasserwarnung gab. Bild WetterOnline

Schäden an der Wohnungseinrichtung
Wenn Möbel oder Haushaltsgeräte durch Blitzschlag oder infolge einer zerborstenen Scheibe beschädigt wurden, dann zahlt die Hausratversicherung.


Wenn ein Baum aufs Haus stürzt
Wenn ein gesunder Baum auf das eigene Haus stürzt, zahlt in der Regel die eigene Wohngebäudeversicherung den Schaden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den eigenen Baum oder den eines Nachbarn handelt. Anders sieht es aus, wenn der Baum bereits einen Vorschaden hatte.


Für Detailfragen wenden Sie sich direkt an Ihre Versicherung.


Unwetter bringen Hochwasser - Dauerthema: Starkregen, Hagel und Sturm

Bonn/Duisburg, 12. Juli 2021 - Mit Tief BERND braut sich schon die nächste Unwetterlage zusammen. Besonders Hochwasser wird in einigen Landesteilen in den kommenden Tagen zum Problem, da in kurzer Zeit so viel Regen fällt, wie durchschnittlich in zwei Monaten.

BERND bringt viel Wasser
Nach einem ruhigen Montag braut sich sehr bald wieder richtig was zusammen und die Hochwassergefahr steigt massiv. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Tief BERND vermischt feuchtwarme Sommerluft mit kühler Atlantikluft. So wird ein äußerst brisanter Wettercocktail zusammengemischt. Besonders am Mittwoch sind heftige Gewitter und sintflutartiger Regen die Folge. Wo es im Detail am heftigsten schüttet, steht zwar noch nicht fest, aber vieles deutet darauf hin, dass es von der Eifel bis zum Schwarzwald mancherorts wieder Landunter heißt.“ 

Heftige Gewitter und sintflutartiger Regen werden auch in den nächsten Tagen unser Wetter dominieren.
Foto WetterOnline

Verlauf des Unwettergeschehens
Am späten Montagabend ziehen im Südwesten bereits neue Schauer und Gewitter auf. Vom Südschwarzwald bis zur Schwäbischen Alb besteht dabei örtlich Unwettergefahr durch Starkregen, Hagel und Sturmböen. Bis Mitternacht breiten sich die Schauer und Gewitter etwa bis zu einer Linie von Trier bis Stuttgart aus. Am Dienstagmorgen erreichen die Regengüsse auch Nordrhein-Westfalen. Richtung Alpen sind dann schon neue Gewitter mit dabei. Abends sind von Nordrhein-Westfalen bis nach Nordbayern und Sachsen zahlreiche kräftige Schauer und Gewitter unterwegs.

Nach einer kurzen Beruhigung lebt schon in der Nacht zum Mittwoch die Schauer- und Gewitteraktivität von Nordrhein-Westfalen über die Landesmitte bis nach Bayern wieder auf. Nachmittags wird die Lage dann brisanter. Am Mittwochabend schüttet es besonders in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen heftig. Weiter im Norden sind teils unwetterartige Gewitter unterwegs. 

Starkregen führt zu Hochwasser
Während am Mittwoch in der Landesmitte und im Osten kräftige Gewitter mit Platzregen, Hagel und Sturmböen für Probleme sorgen, spitzt sich besonders im Westen die Starkregenlage zu.  

Der Meteorologe erläutert: „Bis Donnerstagmorgen kommen in der Westhälfte verbreitet 20 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen. Vom Schwarzwald bis zur Eifel sind örtlich Mengen von 100 bis 200 Liter möglich. Zum Verleich: In Trier kommen in einem ganzen Juli durchschnitlich knapp 80 Liter zusammen.“ Aufgrund der heftigen Regengüsse steigt die Hochwassergefahr massiv an. „Besonders Besucher von Campingplätzen an Flüssen in den betroffenen Regionen sollten das Wetter unbedingt im Blick behalten“, rät Goldhausen.   

Aufgrund der heftigen Regengüsse steigt die Hochwassergefahr massiv an. Auch der Rhein tritt über die Ufer. Foto WetterOnline

Massive Unwetterlage am Donnerstag: Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturm 

Extreme Wettererscheinungen möglich

Bonn/Duisburg, 7. Juli 2021 – Am Donnerstag braut sich eine deftige Unwetterlage zusammen. Von Norditalien über die Alpen und den Südosten Deutschlands bis nach Tschechien und Polen drohen gewaltige Gewitter. Es herrscht sogar Tornadogefahr.

Am Donnerstag entladen sich heftige Unwetter im Süden und Südosten Deutschlands.  Foto WetterOnline

Im Süden und Südosten Deutschlands kocht die Wetterküche bis zum Siedepunkt. Am Donnerstag entladen sich heftige Unwetter. Im Bereich der stärksten Gewitter kommt es zu extremen Wettererscheinungen in Form von sehr großem Hagel, Starkregen und schweren Sturmböen. Punktuell sind sogar Tornados möglich. 
Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Verantwortlich an der Misere ist die jetzige Großwetterlage. Während über Südosteuropa eine Hitzewelle voll im Gange ist, ist es in West- und Mitteleuropa meist nur mäßig warm. Genau zwischen der Hitze und der kühleren Luft fühlen sich Schauer, Gewitter und Dauerregen so richtig wohl und drehen voll auf.“ 

Im Bereich der stärksten Gewitter kommt es zu sehr großem Hagel, Starkregen und schweren Sturmböen. Punktuell sind sogar Tornados möglich.  Foto WetterOnline
 
Höhepunkt Donnerstag Nachmittag
„Schon in der Nacht zum Donnerstag sind besonders über der Schweiz viele Schauer und Gewitter unterwegs. Auch über Süddeutschland scheppert es örtlich, teils regnet es aber auch länger anhaltend. Ab den späten Vormittagsstunden bilden sich von Norditalien bis in den Südosten Bayerns teils heftige Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturm. Am Nachmittag legen die Gewitter dann so richtig los: Von Südostbayern und Österreich bis nach Tschechien ist die Unwettergefahr sehr hoch. Abends erreichen Blitz und Donner dann auch Polen“, erläutert Goldhausen.

Punktuell sind sogar Tornados möglich. 
Auch in der Nacht zum Freitag kracht es in einem breiten Streifen von der Schweiz bis nach Polen noch örtlich. Die Unwettergefahr nimmt aber langsam ab. 

Starre Wetterlage verantwortlich
Auf die Frage, warum sich nun zum x-ten Mal so heftige Gewitter in denselben Gebieten entwickeln, antwortet der Meteorologe: „Dafür ist die in Stein gemeißelte Wetterlage verantwortlich.
Während vom Mittelmeer über Osteuropa bis weit in den hohen Norden hoher Luftdruck das Sagen hat, fühlen sich die Tiefs über Westeuropa so richtig wohl. Und genau dazwischen verläuft der sogenannte Jetstream. Dieser ist ein Starkwindband in großer Höhe.
Es trennt beständiges und warmes Sommerwetter im Süden von kühlem Juliwetter weiter nördlich.  Und genau dort auf der Trennlinie, also sozusagen zwischen den Stühlen, ist es warm und dann wieder wechselhaft. So haben jetzt zum Beispiel Teile Skandinaviens mit Spitzenwerten nahe 35 Grad eine historische Hitzewelle erlebt. Wer also nach dem Klimawandel schreit und diesen zwangsläufig mit Wärme und Hitze verbindet, der kann diese am Polarkreis finden.“ 

 

CO2-Konzentration hoch wie nie

Neuer Rekord in der Atmosphäre

Bonn/Duisburg, 6. Juli 2021 – Die Kohlendioxid (CO2)-Konzentration in unserer Atmosphäre hat einen neuen Rekordwert erreicht. Seit Beginn der Aufzeichnungen steigt der CO2-Gehalt im Mittel kontinuierlich an und das hat Folgen für unser Klima.

Die Zusammensetzung der Gase in der Atmosphäre hat sich seit Beginn der Industrialisierung vor allem durch das menschliche Wirken verändert. Quelle: WetterOnline

CO2-Anstieg auch im Pandemie-Jahr 2020
Im Mai 2021 wurde die höchste Kohlendioxid-Konzentration in unserer Atmosphäre seit Beginn der Aufzeichnungen vor 63 Jahren verzeichnet. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, merkt dazu an: „Auch wenn die Vermutung nahe liegt, dass in dem durch die Pandemie bestimmten Jahr 2020 die CO2- Konzentration geringer geworden ist, oder zumindest stagnierte, sieht die Realität anders aus. Es wurden im Durchschnitt rund 419 CO2-Teilchen pro eine Million Luftteilchen (ppm) gemessen. Im vergangenen Jahr waren es noch 417 gewesen.“ 

Die hohe Kohlendioxid-Belastung entsteht u.a. durch die Emissionen aus kohlenstoffbasierten fossilen Brennstoffen, zum Beispiel für Autos oder Flugzeuge. Quelle: WetterOnline

CO2-Gehalt steigt kontinuierlich
In den 1950er-Jahren lag der Kohlendioxid-Wert bei weniger als 320 ppm. Seit Messbeginn im Jahr 1958 steigt die Kurve kontinuierlich an. Goldhausen: „US-Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der CO2-Gehalt seit Beginn des Industriezeitalters Ende des 18. Jahrhunderts fast verdoppelt hat.“  Mensch gemachter Rekord Die Zusammensetzung der Gase in der Atmosphäre hat sich seit Beginn der Industrialisierung vor allem durch das menschliche Wirken verändert.

Der Meteorologe erklärt: „Die hohe Kohlendioxid-Belastung entsteht unter anderem durch die Emissionen aus kohlenstoffbasierten fossilen Brennstoffen, zum Beispiel für Autos, Flugzeuge, die Herstellung von Zement und die Stromerzeugung. Aber auch das Waldsterben und die Landwirtschaft haben Einfluss auf die CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Zusammen mit anderen Treibhausgasen führt Kohlendioxid dazu, dass Wärme schwerer ins Weltall abstrahlen kann.“ 

Übrigens: Da die CO2-Kurve in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich stieg, kann man das eigene Geburtsjahr eindeutig auf diese Werte übertragen. Menschen, die 1985 das Licht der Welt erblickten, können so zum Beispiel auch sagen, sie wären bei 345,72 ppm geboren. 

Drittwärmster Juni in Deutschland seit 1881

Offenbach, 29. Juni 2021 – In der ersten und letzten Junidekade lag Mitteleuropa zeitweilig unter dem Einfluss hohen Luftdrucks, der jedoch regelmäßig heranziehenden Tiefdruckgebieten Platz machen musste. Dies führte lokal immer wieder zu heftigen Gewittern, kräftigen Niederschlägen, Hagel und schweren Sturmböen.
Zur Monatsmitte machten die Tiefs dann einen Bogen um Mitteleuropa, so dass viel Sonnenschein mit teilweise großer Hitze dominierte. Die Folge: Der Juni 2021 ist in Deutschland der drittwärmste seit Beginn kontinuierlicher Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Er war zugleich niederschlagsreich und sehr sonnig. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Erste Hitzewelle des Jahres Mitte Juni
Mit 19,0 Grad Celsius (°C) lag der Temperaturdurchschnitt im Juni 2021 um 3,6 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961-1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991-2020 betrug die positive Abweichung 2,6 Grad. Die durchweg sommerlichen, zur Monatsmitte hin hochsommerlichen Werte führten zum nach 2019 (19,8 °C) und 2003 (19,4 °C) drittwärmsten Juni seit Messbeginn 1881. I

n der zweiten Monatsdekade brachte die erste Hitzewelle des Jahres die Bundesbürger kräftig ins Schwitzen: In Berlin-Tempelhof und Baruth, südlich davon, kletterte das Thermometer am 19. mit jeweils 36,6 °C am höchsten. Einige DWD-Stationen meldeten Tropennächte: In Berlin-Marzahn, Berlin-Tempelhof und Lindenberg, weiter südöstlich, gab es je vier Nächte mit einem Minimum von über 20 °C. Bad-Kreuznach, südwestlich von Mainz, zählte acht heiße Tage (≥ 30 °C).

Am 1. verzeichnete Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge mit 0,5 °C den tiefsten Monatswert. Im Süden schwere Gewitter mit oft großen Regenmengen, im Osten Trockenheit Der Juni 2021 übertraf mit rund 95 Litern pro Quadratmeter (l/m²) sein Niederschlagssoll (85 l/m²) der Referenzperiode 1961-1990 deutlich. Verglichen mit der Periode 1991-2020 lag das Plus sogar bei knapp 20 l/m². Kennzeichnend waren vor allem die örtlich kräftigen, teils auch extrem heftigen Gewitter. Diese führten, oft begleitet von Starkregen, großkörnigem Hagel sowie schweren Sturmböen, hauptsächlich im Süden in der ersten und letzten Dekade zu großen Niederschlagsmengen.

In den betroffenen Gebieten kam es zu teils katastrophalen Verhältnissen. Die höchste Tagesmenge meldete am 23. Nürtingen-Reudern, südöstlich von Stuttgart, mit 115,0 l/m². Insgesamt fiel in Oberschwaben und an den bayerischen Alpen mit teils über 250 l/m² der meiste Niederschlag. Im Großraum Berlin, dem mittleren Brandenburg und der Uckermark wurden dagegen mancherorts kaum 5 l/m² gemessen.

Die anhaltende Trockenheit führte hier bereits zu den ersten großen Waldbränden. Der Juni war vor allem im Nordosten sehr sonnenscheinreich Mit rund 260 Stunden übertraf die Sonnenscheindauer im Juni 2021 ihr Soll von 203 Stunden (Periode 1961-1990) um 28 Prozent, also recht deutlich. Im Vergleich zur Periode 1991-2020 lag die positive Abweichung bei gut 20 Prozent. Sehr sonnig war es auf Rügen sowie an der vorpommerschen Küste mit teils mehr als 330 Sonnenstunden. In Nordfriesland und in den zentralen Mittelgebirgen kamen dagegen örtlich nur rund 210 Sonnenstunden zusammen.

NRW erreichte eine durchschnittliche Temperatur von 18,9 °C (15,4 °C) und rund 85 l/m² (84 l/m²) Niederschlag. Mit einer Sonnenscheindauer von gut 235 Stunden (184 Stunden) zählte Nordrhein-Westfalen zu den vergleichsweise sonnenscheinarmen Bundesländern. Am 4. sorgte ein Unwetter in Lanzenbach, östlich von Bonn, durch Starkregen für reißende Wassermassen und schwere Schäden. In einem kräftigen Gewitter entwickelte sich bei Sundern im Sauerland am 20. kurzzeitig ein Tornado der Stärke F1 (117-180 km/h). Dieser führte kleinräumig zu umgestürzten Bäumen und abgedeckten Dächern.

Achtung Sommer-Gewitter! Vorsorge- und Verhaltenstipps bei Unwetter

Bonn/Duisburg, 28. Juni 2021 – Die Sommermonate locken viele Menschen nach draußen ins Freie, um die Natur zu genießen. Doch der warme Jahresabschnitt bringt nicht nur Sonnenschein, sondern läutet auch die Hauptsaison für Gewitter ein. Warum es im Sommer besonders häufig blitzt und was man bei Gewitter beachten sollte, erklären die Expertinnen und Experten von WetterOnline.

Sommerzeit ist Gewitterzeit
Damit Gewitter entstehen können, muss die Luft in der Nähe des Bodens warm und feucht sein. Das ist vor allem im späten Frühling und im Sommer der Fall, wenn die Sonne den Boden aufheizt. Dann steigt die warme, feuchte Luft in Form von winzigen Wassertropfen in den Himmel und kühlt dort in der Höhe wieder ab – Wolken entstehen. Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline erklärt: „In der Gewitterwolken, dem Cumulonimbus, herrschen starke Auf- und Abwinde. Hier wirbeln Wassertropfen und Eiskristalle umher, stoßen zusammen und reiben aneinander. Durch die Reibungsenergie werden elektrische Ladungen aufgebaut, die sich, ähnlich wie bei einer Batterie, in zwei Pole aufteilen: positiv und negativ. Typischerweise ist der untere Teil der Gewitterwolke negativ geladen. Der obere Teil ist, genau wie der Erdboden, positiv geladen. Ist der Spannungsunterschied groß genug, entlädt er sich – es blitzt.“

Ein Blitz erhitzt die Luft in weniger als einer Sekunde auf bis zu 30.000 Grad Celsius. Dadurch dehnt sie sich explosionsartig aus und der Knall des Donners entsteht – ein Phänomen, das sich besonders häufig im Sommer beobachten lässt. Bildquelle: WetterOnline/Björn Goldhausen

Darum gewittert es meist nachmittags und abends
Über den Tag heizt die Sonne die Luft auf und bringt somit viel Energie in die Atmosphäre. Das schafft Gewitterpotential. Die maximalen Werte werden in Deutschland gegen 17 bis 18 Uhr erreicht, also erst einige Stunden nach dem Sonnenhöchststand. Aus diesem Grund gewittert es auch meistens am späten Nachmittag oder abends – dann ist durch die Wärme der Sonne besonders viel Energie in der Luft, die sich wieder entladen möchte.

Richtig schützen bei Gewitter
Der wichtigste Tipp zum Schutz vor Gewittern ist, gar nicht erst in ein Gewitter hinein zu geraten. Damit das gelingt, ist es sinnvoll, vor dem Verlassen des Hauses einen Blick auf den aktuellen Wetterbericht zu werfen. Werden Blitz und Donner angekündigt, sollte ein Ausflug im Freien am besten verschoben werden. Auch unterwegs lassen sich aktuelle Daten jederzeit über die WetterOnline App abrufen. Wer dennoch in ein Unwetter gerät, sollte einige Verhaltensweisen beachten, um sich vor gefährlichen Blitzeinschlägen zu schützen.

Wer in ein Unwetter gerät, sollte einige Verhaltensweisen beachten, um sich vor gefährlichen Blitzeinschlägen zu schützen. Bildquelle: WetterOnline

Die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählen: Vergehen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, ist das Gewitter näher als zehn Kilometer. Höchste Zeit also, sich in Sicherheit zu bringen.


Unterschlupf suchen: Offene Felder, Wälder oder wasserführende Bereiche sind bei Gewittern sehr gefährlich. Wer kann, entfernt sich unverzüglich von diesen Gefahrenstellen und sucht einen Unterschlupf in Gebäuden, Grill- oder Schutzhütten. Auto, Bus und Bahn sind mit geschlossenen Fenstern besonders sicher bei Gewittern. Wer auf dem Motorrad oder Fahrrad unterwegs ist, sollte in jedem Fall absteigen und mindestens fünf Meter Abstand zu seinem Zweirad einnehmen. Auch ein Regenschirm ist bei Gewitter nicht ratsam, da Metallstangen Blitze anziehen können und Blitze immer in die höchsten Objekte einschlagen. Strommasten, Bäume und andere hohe Objekte sollten daher ebenfalls gemieden werden.

Schutzhaltung einnehmen: Ist kein Unterschlupf in Sicht, ist eine Schutzhaltung einzunehmen. Für diese mit angezogenen Beinen und Armen auf die Fußspitzen kauern – am besten auf einer isolierenden Unterlage (z.B. leere Tasche oder Rucksack). So bietet der Körper möglichst wenig Angriffsfläche und zwischen den Füßen entsteht keine lebensgefährliche Schrittspannung.

Ist bei Gewitter kein Unterschlupf in Sicht, sollte unverzüglich eine Schutzhaltung eingenommen werden. Bildquelle: WetterOnline


Was ist der Siebenschläfertag?

Der 27. Juni und seine Bedeutung fürs Wetter

Bonn/Duisburg, 24. Juni 2021 – „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“ – so lautet eine von vielen Bauernregeln zum Siebenschläfertag am 27. Juni.

Ein blauer Himmel am Siebenschläfertag kann ein Hinweis für einen sonnigen Sommer sein. Quelle: WetterOnline


Siebenschläfertag: Bauernregeln und ihre Zuverlässigkeit 
Zum Siebenschläfertag gibt es zahlreiche Bauernregeln. Sie alle sagen mehr oder weniger das Gleiche aus: Das Wetter am Siebenschläfer, dem 27. Juni, bestimmt das Wetter der folgenden sieben Wochen. Doch wie zuverlässig ist diese überlieferte Prognose? Das weiß Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Wenn wir die Bauernregel zum Siebenschläfertag an einen einzigen Tag wie den 27. Juni knüpfen, trifft sie nicht zu.“
Dies liegt vor allem daran, dass am Ende des 16. Jahrhunderts der Kalender geändert und zehn Tage gestrichen wurden. Der eigentliche Termin des Siebenschläfertages müsste also heute der 7. Juli sein. Goldhausen weiter: „Bezieht man die Bauernregel aber auf den Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli, so kann sie tatsächlich einen Hinweis auf den weiteren Wetterverlauf liefern. Denn in diesem Zeitraum stellt sich oftmals eine stabile Wetterlage ein, die danach tatsächlich über einen längeren Zeitraum besteht.“

Jetstream sorgt für stabile Wetterlage
Grund für eine häufig recht stabile Wetterlage im Hochsommer ist der sogenannte Jetstream, ein Luftstrom in rund zehn Kilometern Höhe. Dieser stabilisiert sich um die Zeit des Siebenschläfertags herum und bestimmt dadurch das Wetter der folgenden Wochen. Wetterexperte Björn Goldhausen: „Vor allem im Süden Deutschlands trifft die Siebenschläfer-Regel recht häufig zu. Denn der Jetstream zieht sich in den Sommermonaten nicht selten weit in den hohen Norden zurück. Ist die Wetterlage im Süden um den Monatswechsel herum also stabil und sonnig, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies auch über den Hochsommer so bleibt.“

Aber es geht auch genau anders herum: Heißt es am 27. Juni also „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass“, empfiehlt es sich, südlich des Mains in den darauffolgenden Wochen zur Sicherheit einen Regenschirm Griffbereit zu halten. Denn ein zum Monatswechsel sehr südlich gelegener Jetstream deutet auf wechselhafte Hochsommerwochen hin.


Wie kam der Siebenschläfertag zu seinem Namen?
Seinen Namen verdankt der Siebenschläfertag übrigens nicht dem possierlichen Nagetier, dem Siebenschläfer, sondern einer christlichen Legende. Dieser zufolge retteten sich im Jahre 251 sieben Jünglinge vor der Christenverfolgung in eine Höhle bei Ephesus. Dort schliefen sie laut Legende mit Gottes Hilfe 195 Jahre lang, bis sie von Hirten am 27. Juni im Jahr 446 auferweckt wurden und somit den christlichen Glauben an die Wiederauferstehung bestätigten. Um ihrer zu gedenken, wurde der Siebenschläfertag ins Leben gerufen. Das Wetterphänomen richtet sich also nur zufällig nach diesem Tag, da die Menschen damals um den Tag der Siebenschläfer herum das gleichbleibende Wetter beobachteten und dies in Bauernregeln festhielten.

Der Siebenschläfertag verdankt seinen Namen nicht dem Nagetier. Was es mit dem Tag auf sich hat, erklärt das WetterWissen-Video von WetterOnline: https://www.youtube.com/watch?v=n7SNKIBzn48 Quelle: WetterOnline


Bestes Grill- und Badewetter - Viel Sonne und heiße Tage

Bonn/Duisburg, 9. Juni 2021 – Hoch XENIA übernimmt das Wettergeschehen. Die Gewitter ziehen sich in die Alpen zurück. Im Rest des Landes gibt es viel Sonne und Spitzenwerte um 30 Grad werden immer wahrscheinlicher.

Juni dreht das Thermostat auf Hoch
XENIA breitet sich in den kommenden Tagen von Westen her über Deutschland aus. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Endlich kann der Grill angeworfen und das Grillgut sogar im Trockenen genossen werden, denn die Sonne scheint immer häufiger. Schauer und Gewitter ziehen nach und nach Richtung Alpen ab. Außerdem sinkt die Unwettergefahr durch Starkregen allmählich.
Am Wochenende nähert sich zwar von der Nordsee eine schwache Wetterfront, diese bringt aber nur kurzzeitig leichten Regen. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 22 und 28 Grad, wobei es in Brandenburg und Baden-Württemberg am wärmsten wird. Somit steht auch dem Planschen im Garten oder einem mutigen Hüpfer in den noch etwas kühlen Badesee nichts mehr im Weg.“ 

Planschen endlich möglich: Die 30-Grad-Marke rutscht in greifbare Nähe. Quelle: WetterOnline

Erster heißer Tag in Sicht
Den ersten heißen Tag des Jahres gibt es dann in der neuen Woche. „Noch ist allerdings nicht sicher, ob die Spitzenwerte bereits zum Wochenstart oder erst zur Wochenmitte die 30-Grad-Marke knacken. Nachts kühlt es nur langsam ab, in den Ballungsgebieten sind tropische Nächte wahrscheinlich. Dann sinkt die Temperatur nicht mehr unter 20 Grad. Es gibt aber auch einen Hoffnungsschimmer für die, denen es schnell zu heiß wird, denn es nähern sich auch wieder Atlantiktiefs mit kühlerer Luft“, so Goldhausen. 


Vom Wohnzimmer in die Wetter-Welt: 25 Jahre WetterOnline

Bonn/Duisburg, 8. Juni 2021 –  Was im heimischen Wohnzimmer begann und zunächst eine Vision von einem Wetter-Angebot im damals noch wenig verbreiteten Internet war, ist inzwischen zu einer weltweiten Online-Wetter-Erfolgsgeschichte geworden: Heute zählt das Bonner Unternehmen WetterOnline mit rund 150 Beschäftigten zu den größten weltweit agierenden Anbietern für Nachrichten rund um das Thema Wetter. Die WetterOnline App ist in über 40 Ländern weltweit und mehr als 30 Sprachen verfügbar. Beim Start von WetterOnline 1996 rechnete Firmengründer und Geschäftsführer Joachim Klaßen nicht mit einem solchen Erfolg: „Seit der ersten Stunde leisteten wir zwar Pionierarbeit im Wetter-Internet, an unsere heutige Marktposition hatte ich damals aber gar nicht gedacht “, sagt Klaßen. 

Komplexes Wetter einfach erklärt

Eines ist von Anfang an stets gleichgeblieben: Das Ziel, das komplexe und chaotische Thema Wetter einem breiten Publikum einfach und verständlich zu präsentieren. Hierzu müssen unzähligen Rohdaten für den Nutzer aufbereitet werden. Auch das Thema KI (Künstliche Intelligenz) wird bei WetterOnline großgeschrieben. Sei es im einzigartigen WetterRadar oder in der WetterOnline-App: Die Wetter-Systeme lernen ständig dazu.

365 Tage im Jahr Wettertainment
Egal ob Schneesturm, Tornado, Klimawandel oder Hitzeperiode - ein Team aus journalistisch geschulten Meteorologinnen und Meteorlogen liefert Nachrichten für die WetterOnline-Anwendungen an 365 Tagen im Jahr - und das nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen Ländern.

Weltweite Wetter-Prognosen : Neben zwei Firmensitzen in Bonn betreibt WetterOnline auch eigene Büros in Großbritannien und den USA. Quelle: WetterOnline


Kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial - Überflutungen möglich

Bonn/Duisburg, 2. Juni 2021 – Das freundliche Sommerwetter geht nun langsam, aber sicher zu Ende. Das Gewitterrisiko ist in den kommenden Tagen deutlich erhöht. Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller sind ebenfalls zu erwarten.


 Unwettergefahr: Straßen können überflutet werden. Quelle: WetterOnline

 


Schwülwarme Luft aus Südwesteuropa
In der Atmosphäre steckt in den kommenden Tagen viel Energie für potenzielle Gewitter. Ursache für die erste größere Gewitterlage des Jahres ist schwülwarme Luft, die aus Südwesteuropa zu uns gelangt. Diese gewitteranfällige Luft strömt in die Westhälfte und dann weiter in den Osten Deutschlands. Das Gewitterrisiko steigt in der Folge rasch an. 

Ab der zweiten Wochenhälfte entwickeln sich zunehmend kräftige Schauer und Gewitter mit Unwetterpotenzial. Quelle: WetterOnline


Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Auch Unwetter mit großen Regenmengen von mehr als 30 Liter pro Quadratmeter in sehr kurzer Zeit, kleinem Hagel und Sturmböen sind örtlich möglich. Diese können punktuell zu Überschwemmungen führen. Das liegt daran, dass die Gewitterwolken nur sehr langsam ziehen oder im schlimmsten Fall sogar ortsfest bleiben. Dadurch kann es am selben Ort über einen längeren Zeitraum hinweg Starkregen geben. Ein erhöhtes Risiko für kräftige Gewitter besteht vor allem in den westlichen Mittelgebirgen.
Insgesamt wird es aber viele Orte geben, wo es keine Unwetter gibt. Wo sich exakt die kräftigsten Gewitter bilden, kann auch einen Tag vorher nicht genau vorhergesagt werden. Die Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, wieviel Energie den Gewittern wirklich zur Verfügung steht.“ 

Blitz und Donner bleiben unberechenbar
Wetter ist ein natürliches und chaotisches System. Auch die besten Wettermodelle können einen so komplexen natürlichen Prozess wie das Wetter nicht in seiner Gesamtheit erfassen. „Noch komplizierter sieht es bei Gewittern aus: Grundsätzlich ist die Wetterlage gut im Voraus erkennbar. Das heißt, wir können angeben, dass Gewitter in einer bestimmten Region sehr wahrscheinlich sind. Welcher Ort aber vom Gewitter getroffen wird, ist nicht vorhersagbar. Dies ändert sich erst dann, wenn ein Gewitter entstanden und auf dem WetterRadar erkennbar ist. Dann lässt sich abschätzen, welche Orte und Städte in den nächsten Minuten und Stunden getroffen werden können“, erklärt Björn Goldhausen.

„Klar aber ist, bei Gewitter werden niemals alle Orte in einer Region davon getroffen. Diejenigen, die kein Gewitter erlebt haben, denken dann, die Prognose sei falsch - dabei hat es vielleicht schon wenige Kilometer weiter ein heftiges Unwetter gegeben.“ 

Kochtopf Wetterlage 
Die Entwicklung einer gewittrigen Wetterlage ist mit einem Topf Wasser vergleichbar, den man auf die Herdplatte stellt. Goldhausen: „Wir alle wissen, dass irgendwann Blasen aufsteigen werden, wenn das Wasser zu kochen beginnt. Wo hingegen im Topf genau eine Blase entsteht, das lässt sich nicht vorhersagen. Erst wenn sich diese am Boden des Topfes gebildet hat, so kann man sagen, wo diese Blase die Wasseroberfläche im Kochtopf erreichen wird. Genauso ist es mit den Gewittern. Wir Meteorologen wissen im Voraus sehr genau, wo das Potential für Gewitter vorhanden ist. Ihre konkreten Koordinaten hingegen können wir im Voraus nicht benennen.“  

- Magischer Silberschleier am Nordhimmel
- Im Sommer unbeschwert Sonne tanken

Leuchtende Nachtwolken
Bonn/Duisburg, 1. Juni 2021 –  In den kommenden Wochen können Nachteulen in wolkenfreien Nächten mit etwas Glück ein ganz besonderes Himmelsspektakel bestaunen: Hell schimmernde, feinste Wolkenschleier erleuchten bis etwa Mitternacht und dann wieder ab etwa 3 Uhr morgens den Nordhimmel. Was es mit diesem Phänomen auf sich hat, erklärt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.

Das Licht der Sonne wird von den Leuchtenden Nachtwolken noch reflektiert. Das passiert nur kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang. Quelle: WetterOnline


Was sind Leuchtende Nachtwolken?
Wolken entstehen normalerweise nur in den untersten Schichten der Atmosphäre bis in eine Höhe von etwa 13 km. Im Sommer jedoch können bei entsprechenden Bedingungen Leuchtende Nachtwolken beobachtet werden, die in der Mesosphäre in einer Höhe von etwa 81 bis 85 km entstehen. Sie bestehen aus kleinsten Eiskristallen und sind so dünn und transparent, dass sie tagsüber unsichtbar sind.  

Wie entstehen Leuchtende Nachtwolken?
Kurioserweise ist der Entstehungsprozess von Leuchtenden Nachtwolken bis heute nicht vollkommen geklärt. Klar ist, dass zu ihrem Entstehen Feuchtigkeit, Staubteilchen und extreme Temperaturen von weniger als minus 120 Grad benötigt werden. Staubpartikel dienen als Kondensationskerne. Sie sind winzige Reste von in der Erdatmosphäre verglühten Meteoren oder feinste Rückstände gewaltiger Vulkanausbrüche.
Im Gegensatz zu erdnahen Luftschichten heizt sich die Mesosphäre im Sommer nicht auf, sondern kühlt im Gegenteil sogar stark ab. Daher wird die für die Entstehung der Leuchtenden Nachtwolken benötigte extrem niedrige Temperatur nur im Hochsommer erreicht. Leuchtende Nachtwolken sind deshalb ausschließlich rund um die Sommersonnenwende im Juni und Juli zu beobachten. 

 Wo entstehen Leuchtende Nachtwolken?
Leuchtende Nachtwolken bilden sich meist über polaren Regionen, weil dort die Mesosphäre am kältesten ist. Dort können sie allerdings nicht beobachtet werden, da die Sonne in den nördlichen Breiten im Sommer nicht untergeht. Es ist dann schlicht zu hell und die Leuchtenden Nachtwolken bleiben unsichtbar.

Warum leuchten die Leuchtenden Nachtwolken?
Damit Leuchtende Nachtwolken sichtbar werden, muss es einerseits dunkel genug sein, anderseits muss Sonnenlicht noch die Eiskristalle in großer Höhe erreichen. Diese Bedingungen sind gegeben, wenn die Sonne nachts mindestens 6 Grad und maximal 16 Grad unter dem Horizont steht, also kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang. Nur dann wird das Licht der Sonne von den Leuchtenden Nachtwolken noch reflektiert. 

Welche Farben und Formen haben Leuchtende Nachtwolken?
Leuchtende Nachtwolken erscheinen überwiegend in silbrigen Blautönen und gelegentlich auch noch in blass gelblichen Farbtönen. Alle anderen Farbbestandteile des Lichtes werden durch die Erdatmosphäre und die Ozonschicht gefiltert. Unmittelbar über dem Horizont erkennt man oft auch noch einen rötlichen Schimmer, der aber durch die Morgen- bzw. Abenddämmerung in der unteren Atmosphäre entsteht und nicht die Leuchtenden Nachtwolken erreicht.
Diese erscheinen oft als leuchtende Schleier mit faserigen Strukturen. Sie können aber auch als Streifen, Bänder, Wirbel und Wellen mit diffusen oder scharfen Kanten auftreten. Für den Betrachter am Erdboden ergibt sich immer ein beeindruckender Farbverlauf mit faszinierenden Mustern.

Im Juni und Juli kann man Leuchtende Nachtwolken beobachten. Quelle: WetterOnline

Im Sommer unbeschwert Sonne tanken
Intensiver UV-Strahlung aus dem Weg gehen und Sonnenbrand vorbeugen

Die Wärme der Sonne streichelt die Haut und verursacht ein wohliges Gefühl. Doch mit erhöhter UV-Strahlung steigt auch das Risiko für einen Sonnenbrand. Wer sich jedoch nicht nur im Schatten aufhalten möchte, hat mehrere Möglichkeiten, seine Haut zu schützen. Sonnencreme: mehr ist mehr Neben langärmeliger Kleidung und einer Sonnenbrille bietet vor allem Sonnencreme einen effektiven Hautschutz.

Zum Sonnenhöchststand, zur Sommerzeit circa 13 Uhr bis 14 Uhr, ist die Konzentration der UV-Strahlen am stärksten. Bildquelle: WetterOnline

Damit sie jedoch richtig wirken kann, sind vor allem zwei Dinge wichtig: ein hoher Lichtschutzfaktor und die richtige Dosierung. Die empfohlene Menge ist nämlich deutlich größer als viele es allgemein erwarten würden. Etwa zwei Gramm, also einen gehäuften Teelöffel, sollten Erwachsene alleine für das Gesicht verwenden. Dabei ist es sinnvoll, exponierte Körperstellen wie Stirn, Nase, Nacken und Ohren besonders sorgfältig einzucremen, denn hier zeigt sich ein Sonnenbrand meist zuerst. Da die Sonnencreme mit der Zeit an Wirkung verliert, sollte sie regelmäßig alle zwei Stunden neu aufgetragen werden. Dies gilt vor allem für die empfindliche Haut von Kindern. Sie sollten daher schon beim Spielen im Garten ausreichend dick mit Sonnenschutz eingecremt werden, denn ihre Haut ist noch anfälliger für Sonnenbrand als die Erwachsener.


Eine dichte Wolkendecke bedeutet keinen Sonnenschutz
Wer sich im Sommer viel an der frischen Luft bewegt oder gerne im Freien entspannt, sollte sich auch bei bewölktem Himmel vor der Sonne schützen. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „UV-Strahlen durchdringen selbst dichte Wolkendecken. Die Wolken bestehen aus kleinsten Wassertropfen, die das Sonnenlicht reflektieren und es in konzentrierter Form auf die Erde lenken und somit auf unsere Haut. Dort können sie zu Sonnenbrand führen.“

Die empfohlene Menge Sonnenschutz ist ein gehäufter Teelöffel – allein für das Gesicht einer erwachsenen Person. Bildquelle: WetterOnline

 UV-Konzentration bei Sonnenhöchststand zwischen 13 und 14 Uhr am stärksten

Im Hochsommer empfiehlt es sich, während der Mittagszeit eher drinnen zu bleiben. Meteorologe Björn Goldhausen erklärt: „Zum Sonnenhöchststand ist die Konzentration der UV-Strahlen am stärksten. Dieser ist wegen der Zeitverschiebung bei uns im Sommer nicht etwa um 12 Uhr, sondern zwischen 13 und 14 Uhr.“ Am wärmsten ist es jedoch übrigens nicht zur Mittagszeit, sondern erst am Nachmittag oder am frühen Abend.
Goldhausen: „Die maximalen Werte werden erst einige Stunden nach dem Sonnenhöchststand erreicht, wenn sich der Boden und anschließend die Luft am meisten erhitzt haben.“

UV-Strahlung auch an schattigen Orten und mit langer Kleidung Schutz finden
Sonnenliebhaberinnen und -liebhaber bei großer Hitze und hoher Sonneneinstrahlung drinnen oder im Schatten. Aber auch hier ist Vorsicht ratsam, denn im Schatten reflektieren vor allem helle Oberflächen das Licht und transportieren es zu etwa 50 Prozent auf unsere Haut. Kleidung, die möglichst vor UV-Strahlung schützt, sollte am besten langärmlig und dicht gewebt sein. Dünnere und damit durchlässige Baumwolle, die häufig als Sommerkleidung getragen wird, hilft hingegen kaum, um Sonnenbrand vorzubeugen.

Die Sonne in Maßen genießen
Trotz aller Schutzmaßnahmen ist es ratsam, ein Sonnenbad nicht zu lange auszudehnen. Schon leichte Rötungen der Haut, die noch keine Schmerzen verursachen, gelten als Sonnenbrand. Wer doch mal in der Sonne eingeschlafen ist und krebsrot wieder aufwacht, kann die Schmerzen durch kalte Umschläge mit feuchten Handtüchern lindern. Dem Körper und der Haut helfen bei der Regeneration auch Feuchtigkeit in Form von Aloe Vera oder Bodylotion. Zudem ist es ratsam, viel Wasser zu trinken. 
Zum Sonnenhöchststand, zur Sommerzeit circa 13 Uhr bis 14 Uhr, ist die Konzentration der UV-Strahlen am stärksten.


Kältester Frühling seit 2013 - aber durchschnittlich sonnig

Offenbach/Duisburg, 31. Mai 2021 – Der Frühling 2021 war deutlich zu kühl. Damit endete die seit 2013 andauernde Serie zu warmer Frühjahre in Deutschland. Vor allem kühle Nordwinde im April und der Zustrom frischer Meeresluft im Mai drückten das Temperaturniveau. Es gab nur eine kurze Stippvisite des Sommers. Während die Niederschlagsmenge unter dem vieljährigen Mittel blieb, lag die Sonnenscheindauer geringfügig über ihrem Klimawert. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Einem milden März folgte ein deutlich unterkühlter April und Mai
Mit 7,2 Grad Celsius (°C) lag im Frühling 2021 der Temperaturdurchschnitt um 0,5 Grad unter dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zu aktuellen Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung -1,7 Grad. Ausschlaggebend für die negative Abweichung war der kälteste April seit 40 Jahren sowie der kühle Mai. Zuvor hatte der März ein häufiges Auf und Ab der Temperaturen gebracht.
Zum Muttertag am 9. Mai durften sich die Bundesbürger nur kurzzeitig über ein hochsommerliches Intermezzo erfreuen. Hierbei verzeichnete Waghäusel-Kirrlach, südwestlich von Heidelberg, mit 31,3 °C den ersten heißen Tag (> 30 °C) des Jahres 2021 sowie den bundesweit höchsten Frühlingswert. Am tiefsten sank die Temperatur dagegen am 6. April in Meßstetten auf der Schwäbischen Alb mit -13,6 °C.

Foto DWD

Im Nordosten wenig, im Süden viel Niederschlag
Bereits zum 8. Mal in Folge konnte der Frühling sein Soll von 186 Litern pro Quadratmeter (l/m²) nicht erfüllen: Mit rund 175 l/m² erreichte er 2021 nur 93 Prozent seines vieljährigen Durchschnitts. Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 erzielte das Frühjahr fast genau seinen Klimawert von 171 l/m². Insgesamt blieb es im März und April zu trocken, während im Mai im Vergleich zu den Vorjahren ungewöhnlich viel Niederschlag fiel.

Im Frühling dominierten zumeist Tiefdruckgebiete, die besonders im Süden mehrfach größere Niederschlagsmengen brachten. So meldete Sankt Blasien-Menzenschwand im Südschwarzwald am 6. Mai mit 76,7 l/m² die bundesweit höchste Tagesmenge. Der insgesamt meiste Niederschlag fiel im Frühjahr 2021 im Schwarzwald sowie am unmittelbaren Alpenrand mit teilweise über 500 l/m². Erheblich zu trocken verlief die Jahreszeit vor allem im Lee des Harzes, dem Thüringer Becken und der Uckermark, wo örtlich weniger als 75 l/m² zustande kamen. Vor allem im April und Mai entwickelten sich gebietsweise kräftige Gewitter. Am 25. Mai gab es in Borken-Weseke, an der niederländischen Grenze, sogar einen Tornado der Stärke F1.

 Sonnenscheinbilanz leicht positiv
Mit rund 500 Stunden übertraf die Sonnenscheindauer im Frühling ihr Soll von 467 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um 7 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 gab es eine negative Abweichung um gut 4 Prozent. Am längsten zeigte sich die Sonne auf der Ostseeinsel Arkona und in der Bodenseeregion mit teils über 620 Stunden, am wenigsten dagegen in Ostfriesland, im Teutoburger Wald und dem Sauerland mit örtlich weniger als 390 Stunden.

In Nordrhein-Westfalen lag die Mitteltemperatur bei 7,6 °C (8,3 °C), der Niederschlag summierte sich auf fast 190 l/m² (205 l/m²), die Sonne schien gut 470 Stunden (441 Stunden). Der April 2021 war der kühlste seit 1977. Am 25. Mai gab es in Borken-Weseke nahe der Niederlande einen Tornado der Stärke F1, der Dächer abdeckte und Bäume umstürzte.


Vorerst noch Aprilwetter im Mai

Bis Donnerstag bleibt das Wetter seiner wechselhaften Linie treu.

Bonn/Duisburg, 25. Mai 2021 – Die kühlen, nassen und windigen Tage sind gezählt! Richtung Wochenende bringt ein Hoch mehr Sonne und die Temperaturen machen Freudensprünge. Nächste Woche steigen die Chancen auf Sonnenschein und Sommerwärme, allerdings gibt es noch einige Fragezeichen.

„Immer wieder kommt es zu Regengüssen, teils sind auch Blitz und Donner dabei. Dazu ist meist schon bei rund 15 Grad Schluss. Ab Freitag übernimmt ein Hochdruckgebiet. Die Tropfen werden seltener, wobei man den Schirm im Osten und in Bayern am längsten griffbereit haben sollte“, sagt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Im Laufe des Wochenendes sieht es immer freundlicher aus und vor allem im Westen und Norden wird an vielen Orten die 20-Grad-Marke überschritten.

T-Shirt-Wetter ab dem Wochenende
Für die nächste Woche deutet sich beim Wetter dann ein regelrechter Paukenschlag an. Goldhausen erklärt: „Pünktlich zum Start in den meteorologischen Sommer am 1. Juni sieht es nach Spitzenwerten von 25 Grad und mehr aus. Kleine Störenfriede, sogenannte Kaltlufttropfen, lassen jedoch noch viel Spielraum. Diese könnten von Osteuropa her die Temperaturen auch auf niedrigerem Niveau halten.“ Auch wenn also das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: Insgesamt sieht es mit dem Start in den Juni nach einer deutlichen Erwärmung aus.   

Was ist ein Kaltlufttropfen?
Als Kaltlufttropfen wird ein mehrere 100 bis etwa 1500 Kilometer großes Gebiet mit besonders kalter Luft in etwa 4000 bis 9000 Meter Höhe über dem Erdboden bezeichnet. Ähnlich wie bei einem Fettauge auf einer Suppe schwimmt dieses Höhentief oberhalb wärmerer Luft durch die Atmosphäre. Wegen der großen Temperaturdifferenz zwischen Boden und der kalten Schicht weiter oben bilden sich im Sommer kräftige Schauer und Gewitter. Schon gewusst? Die Zugrichtung eines Kaltlufttropfens lässt sich nur schwer vorhersagen.


Pfingstwochenende stürmisch mit Schauern

Aprilwetter im Mai setzt sich fort

Bonn/Duisburg, 20. Mai 2021 – Das derzeit wechselhafte und kühle Wetter hält weiter an. Am Pfingstwochenende wird es dabei teils sogar stürmisch. Danach zeigt in einigen Regionen der Temperaturtrend wieder etwas nach oben. 

Stürmischer Start ins Pfingswochenende – Tief MARCO kommt. Bildquelle: WetterOnline


Pfingsten: Stürmisch mit Höchstwerten von 15 Grad
Zum Pfingstwochenende bringt Sturmtief MARCO turbulentes und oft nasses Wetter mit sich. So weht am Samstag ein kräftiger bis stürmischer Wind und in Schauer- und Gewitternähe sind einzelne Sturmböen über 75 Kilometer pro Stunde möglich. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe bei WetterOnline, erklärt: „Trotz leichter Wetterberuhigung bleibt es auch am Pfingstsonntag weiterhin unbeständig. An der Temperaturverteilung ändert sich kaum etwas. Die Höchstwerte liegen meist um 15 Grad.“

Zum Ende des langen Wochenendes fließt am Pfingstmontag wärmere Luft in die Süd- und Osthälfte des Landes. Trockener wird es dadurch aber nicht, sodass auch im weiteren Wochenverlauf das für diese Jahreszeit eher kühle Wetter weiterhin erhalten bleibt. Goldhausen: „Schauer werden uns nach aktuellem Stand auch in den nächsten Tagen weiterhin begleiten. Jedoch sind auch immer mal wieder sonnige Abschnitte mit dabei.“ Richtung Monatsende geht es mit den Temperaturen dann regional wieder über die 20-Grad-Marke. „Insgesamt lässt sich nach derzeitigem Stand aber noch kein Aufwärtstrend zu beständigem Frühsommerwetter erkennen“, so Meteorologe Björn Goldhausen.

Nasser Mai macht der Natur Freude
In den ersten 20 Maitagen hatte sich der Wonnemonat Mai eher in Form des typischen Aprilwetters präsentiert und vielerorts für ergiebige Regenschauer gesorgt. Björn Goldhausen: „Bis zum 20. sind im Mai durchschnittlich rund 70 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Damit ist die Regenmenge eines durchschnittlichen Mais bereits fast erreicht.“ Besonders im Schwarzwald, entlang der Alpen sowie im Bayerischen Wald kam dabei reichlich Regen zusammen, örtlich wurden teilweise über 200 Liter gemeldet. Auch regional im Norden und Osten fiel bereits so viel Regen wie sonst im gesamten Monat Mai üblich. Während das anhaltende Aprilwetter nicht bei allen Menschen in den vergangenen Tagen für Freude sorgte, kann sich zumindest die Natur über den häufigen Niederschlag freuen. So kommt der Regen Bäumen und Pflanzen zugute, die in den letzten Monaten und dem vergangenen Jahr mit zunehmend großer Trockenheit zu kämpfen hatten.

In den ersten 20 Maitagen hatte sich der Wonnemonat Mai eher in Form des typischen Aprilwetters präsentiert und vielerorts für ergiebige Regenschauer gesorgt. Bildquelle: WetterOnline

Welche Kaulquappe schwimmt denn da?

Frösche und Kröten an Gewässer, Farbe, Schwanzlänge bestimmen

Bonn/Duisburg, 12. Mai 2021 – Auf den ersten Blick gleicht eine Kaulquappe der anderen. Wie die verschiedenen Frosch- und Krötenarten erkannt werden können und welche Auswirkungen der Klimawandel auf ihren Lebensraum hat, erklären die Expertinnen und Experten von WetterOnline in Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf.

Der Teichfrosch (Rana esculenta): seine Larve ist an der olivfarbenen Haut und dem langen Schwanz zu erkennen. Bildquelle: Aquazoo Löbbecke Museum



Kaulquappen anhand des Gewässers unterscheiden
Ein Großteil der in Deutschland heimischen Frösche und Kröten laicht im Frühjahr. Danach beginnt die Zeit, in der sich mit geschultem Auge der Nachwuchs dieser Amphibien beobachten lässt. In den ersten Wochen nach dem Schlüpfen weisen alle Kaulquappen einen oval geformten Körper ohne Extremitäten sowie einen langen Ruderschwanz auf, der den gesamten Körper durch das Wasser manövriert. Dies macht es besonders in den frühen Entwicklungsstadien schwierig, die Kaulquappen ihrer Art zuzuordnen. Vor allem, da Unterscheidungsmerkmale wie die Form des Flossensaums mit bloßem Auge meist unmöglich zu erkennen sind.
Einen ersten Hinweis zur Bestimmung liefert jedoch der Gewässertyp: Temporäre Pfützen, Wagenspuren oder Überschwemmungsflächen werden beispielsweise von verschiedenen Unken- und Krötenarten wie auch vom Laubfrosch als Kinderstube genutzt. Größere Seen und Weiher sind hingegen der bevorzugte Aufzuchtplatz von Fröschen und Erdkröten.

Bestimmung der Arten: Auf die Farbe achten
Neben dem Gewässertyp, kann auch die Farbe der Kaulquappen dabei helfen, die Frosch- und Krötenarten zu bestimmen. Zwar müsste man für manche Kaulquappen den eigenen Kopf unter Wasser tauchen, um sie eindeutig zu erkennen, wie etwa bei dem Europäischen Laubfrosch, dessen Kaulquappen mit fortschreitender Entwicklung einen golden schimmernden Bauch entwickeln. Doch andere Arten lassen sich einfacher bestimmen.

Sandra Honigs, stellvertretende Direktorin und Kuratorin für den Landbereich im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf, erklärt: „Wer Kaulquappen sieht, deren Körperfarbe schwarz oder grau ist, hat möglicherweise den Nachwuchs von Kröten entdeckt. Treten sie dann noch in großer Zahl auf, könnte es sich zum Beispiel um Larven der Erdkröte handeln. Olivfarbene Kaulquappen sind den Fröschen zuzuordnen. Ist hier der Schwanz nahezu doppelt so lang wie der Rumpf, kommt eigentlich nur ein Wasserfrosch in Frage.“

Arten schützen und Lebensräume erhalten
Amphibien sind natürliche „Schädlingsbekämpfer“ und wichtig für ein funktionierendes Ökosystem. Da auch in Deutschland die Amphibienpopulationen zurückgehen und bereits viele Arten bedroht sind, ist es wichtig, die Kaulquappen und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Der menschengemachte Klimawandel beeinflusst die Laichgewässer der Amphibien stark. Wetterextreme wie Hitze und Trockenheit verstärken zudem negative Auswirkungen von Pestiziden, die durch den landwirtschaftlichen Einsatz von Insektiziden ins Wasser gelangen.“

Sandra Honigs ergänzt: „Jeder kann durch einen persönlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz mithelfen, Amphibien zu schützen. Es hilft es den Kaulquappen zudem, wenn sie in ihren natürlichen Lebensräumen belassen werden. Alle heimischen Amphibien gehören zu den geschützten Arten."


Die fast schwarzen Larven der Erdkröte (Bufo bufo) treten nicht selten in großer Zahl auf und sind Allesfresser. So ernähren sie sich beispielsweise auch von ins Wasser geworfenem Brot. Bildquelle: Aquazoo Löbbecke Museum

Die „Eisheiligen“ kommen! Auf sommerlichen Muttertag folgt Temperatursturz

Bonn/Duisburg, 6. Mai 2021 – Wenn es im Wonnemonat Mai noch einmal so richtig kalt wird, wissen wir: Die Eisheiligen sind da. Auch in diesem Jahr kommen sie mehr als pünktlich. Nach bis zu 30 Grad am Muttertag rauschen die Temperaturen erneut in den Keller.


Frostblume - Bildquelle: WetterOnline


So werden die Eisheiligen 2021
„Eisheiligen“ nennt man die Tage vom 11. bis zum 15. Mai. An diesen fünf Tagen kann es mitten im Frühling noch einmal richtig frostig werden. Das liegt an der kalten Luft, die im Mai manchmal aus den Polargebieten in Schüben zu uns herübergeweht wird. Doch finden die kalten Tage nicht nur an den „Eisheiligen“ statt – manchmal treten sie auch früher oder später auf. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Erst mal geht es an diesem Wochenende mit den Temperaturen steil bergauf. Passend zum Muttertag am Sonntag wird es mit 25 bis rund 30 Grad sommerlich warm. Doch dies ist nur ein Intermezzo: Nächste Woche rauschen die Temperaturen pünktlich zu den Eisheiligen erneut in den Keller. Am längsten warm bleibt es noch im Südosten. Ganz so kalt wie zuletzt wird es aber wohl nicht mehr und auch Nachtfröste sind derzeit eher unwahrscheinlich.“

Wer sind die „Eisheiligen“?
Doch wer oder was sind eigentlich die „Eisheiligen“ und warum haben sie den Ruf, uns kaltes und frostiges Wetter zu bringen? Die Eisheiligen wurden nach fünf Heiligen der katholischen Kirche benannt: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia. Mit Kälte haben diese Heiligen aber nichts zu tun – ihre Gedenktage lagen bis zur Gregorianischen Kalenderreform im 16. Jahrhundert nur rein zufällig genau auf den Tagen, an denen es im Mai häufig letzmalig richtig kalt wird.

Pflanze nie vor der kalten Sophie
Manche Forscher gehen davon aus, dass die Bezeichnung "Eisheilige" im Mittelalter entstanden ist. Die Menschen beobachteten die Natur und wägten die beste Zeit für Aussaat ab. Dabei merkten sie sich wiederkehrende Wettererscheinungen wie die typischen Kälterückfälle im Mai und benannten diese nach den Gedenktagen der Heiligen. Sie stellten fest, dass dieser Rhythmus gewissen Regeln folgte und hielten ihn in ihren Beobachtungen fest. Diese kennen wir heute als Bauernregeln. Eine dieser Bauernregel lautet beispielsweise: „Pflanze nie vor der kalten Sophie“ und besagt, dass Bauern ihre Saat nicht vor dem 15. Mai ausbringen sollten – also dem Tag der Heiligen Sophia, der letzte Tag der „Eisheiligen“. Erst nach dem 15. Mai sollen sie davon ausgehen können, dass ihre Pflanzen vor Nachtfrost geschützt sind. Und damit liegen auch Hobbygärtnerinnen und -gärtner gar nicht so falsch. Denn rein statistisch gesehen nimmt die Wahrscheinlichkeit für Nachtfröste nach Mitte Mai immer weiter ab.

Die kalten Tage im Mai werden mit frostigen Nächten nicht selten zu einer großen Gefahr für die Obstblüte. Bildquelle: WetterOnline

Kältester April in Deutschland seit 40 Jahren

Deutschlandwetter im April 2021 Offenbach, 29. April 2021 – Die sommerliche Rekordwärme Ende März 2021 und der warme Start in den April ließen auf einen weiteren warmen Frühling hoffen. Doch die Strömung drehte rasch auf nördliche Richtungen, so dass der April 2021 mit den eingeflossenen kühlen und trockenen Luftmassen einen merklich kühleren Verlauf nahm. Unter dem Strich gab es seit 1980, also 40 Jahren, keinen so kühlen April mehr.

Uwe Kirsche, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD): „Auch in Zeiten der Erderwärmung ist ein deutlich zu kühler Monat zwar seltener, aber immer möglich. Dieser April ändert nichts am Trend. Seit Aufzeichnungsbeginn 1881 hat sich die Monatsmitteltemperatur im April in Deutschland um knapp zwei Grad erhöht.“ Zugleich war der April 2021 deutlich zu trocken und recht sonnig. Das meldet der DWD nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Ein deutlich zu kühler April mit außergewöhnlich vielen Frosttagen
Der Temperaturdurchschnitt lag im April 2021 mit 6,1 Grad Celsius (°C) um -1,3 Grad unter dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung -2,9 Grad. Die Wärme im Übergang zum April brachte am 1. dem Südwesten des Landes noch frühsommerliche Temperaturen. In Müllheim, südlich von Freiburg, gab es mit 25,9°C den Monatshöchstwert. Das war nur ein kurzes sommerliches Intermezzo. Schnell übernahmen kühle Nordwinde die Vorherrschaft und drückten das Temperaturniveau deutlich herab.

Nach Jahren sehr warmer Aprilmonate war der diesjährige Ostermonat am Ende der kühlste seit 1980. Auch die Frosthäufigkeit nahm ein ungewöhnliches Ausmaß an. Mit knapp 13 Frosttagen im Mittel aller DWD-Stationen war es nach 1929 hierzulande der zweitfrostreichste April. Am eisigsten wurde es am 6. mit -13,6 °C auf der Schwäbischen Alb in Meßstetten. Am 11. trennte eine Luftmassengrenze über Deutschland den Spätwinter im Nordwesten vom Frühsommer im Südosten des Landes. Während dabei an der Nordsee Höchstwerte von 5 °C gemessen wurden, stieg das Quecksilber in Ober- und Niederbayern über 22°C.

Seit 2009 war jeder April in Deutschland zu trocken
Im April fiel mit rund 35 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 40 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 mit 58 l/m². Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 lag das Minus bei fast 25 Prozent. Damit war seit 2009 jeder April in Deutschland zu trocken. 2008 waren im April noch 80 l/m² gefallen. Ausgeprägte Niederschlagsaktivitäten waren vor allem in der ersten Monatshälfte vorzufinden. Schnee- und Graupelschauer verwandelten das Bergland und Flachland vorübergehend noch einmal in eine Winterlandschaft.
In Oberstdorf im Allgäu lagen beispielsweise am 7. 40 cm Schnee, der Kahle Asten im Sauerland meldete am 8. 34 cm. Aber auch Gewitter waren mit von der Partie. So meldete Waldeck-Alraft, westlich von Kassel, aufgrund eines Starkregengewitters am 20. mit 32 l/m² den bundesweit höchsten Tagesniederschlag. Die größte Monatssumme wurde an der Station Kreuth-Glashütte im oberbayerischen Landkreis Miesbach mit nahezu 100 l/m² beobachtet. Am trockensten blieb es unter anderem im Donauumfeld. Hier fielen stellenweise keine 15 l/m².

Weitgehend sonniger April, nur in östlichen Regionen recht trüb Mit 185 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im April ihr Soll von 154 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 20 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 war die Sonnenscheindauer mit 185 Stunden ausgeglichen. Mehr als 200 Stunden bekamen die Küsten und der Südwesten des Landes die Sonne zu Gesicht. In den östlichen Regionen zeigte sie sich dagegen teilweise nur halb so lang.

NRW erlebte mit 6,1 °C (7,9°C) den kältesten April seit 1977
Mit einer mittleren Anzahl von fast 12 Frosttagen war es darüber hinaus dort der frostreichste Ostermonat seit Messbeginn. Als zweitniederschlagsreichstes Bundesland ermittelte NRW knapp 45 l/m² (62 l/m²). Dazu zeigte sich die Sonne fast 175 Stunden (148 Stunden).

Sommerprognosen bieten trügerische Aussichten - So wird der Sommer - oder eben nicht!

 Langfristvorhersagen: Vorsicht ist geboten

Bonn/Duisburg, 28. April 2021 - Das lange Warten auf sommerliches Wetter und die damit verbundenen Annehmlichkeiten strapaziert die Geduld und viele möchten wissen, wie er nun wird, der Sommer 2021. „Um eines vorwegzunehmen: Niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit sagen, wie sich der Sommer 2021 entwickelt. Sowohl große Trockenheit inklusive Hitze als auch ein regenreicher Sommer sind derzeit im Gespräch. Allein dieser Widerspruch lässt erahnen, dass solche Schlagzeilen mit Vorsicht zu genießen sind“, sagt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. 

Modelle liefern scheinbar genau Prognosen

Viele Aussagen über das Sommerwetter 2021 beruhen auf Berechnungen von Wettermodellen. Goldhausen erklärt: „Einfach gesagt werden die Computer dabei mit ganz vielen aktuellen Wetterdaten gefüttert. Hinzu kommt eine Vielzahl statistischer Berechnungen.“ Das Ergebnis: Scheinbar detaillierte Prognosekarten für mehrere Monate im Voraus. Dabei liefern die Modelle visuelle Darstellungen verschiedener Parameter wie Temperatur oder Niederschlag für fast jeden Fleck auf der Erde. Derzeit deuten die Berechnungen auf einen überdurchschnittlich warmen Sommer 2021 hin. Goldhausen merkt an: „In Zeiten des Klimawandels und aufgrund der warmen bis heißen Sommer der vergangenen Jahre ist dies allerdings keine allzu gewagte Aussage.“ 

Niederschlagsprognose Sommer 2021

Für den Niederschlag gibt es ebenfalls erste Prognosen. „Auch hier suggerieren die Berechnungen wieder eine Genauigkeit, die es gar nicht gibt. Besonders im Sommer ist das Wetter von Schauerniederschlägen geprägt. Dabei ist es gut möglich, dass ein Regenguss binnen weniger Stunden eine ganze Monatsration an Regen abwirft, während es wenige Kilometer weiter fast trocken bleibt“, erläutert der Meteorologe. Wann und wo diese Niederschläge fallen, kann niemand mit Gewissheit sagen. 


Berechnungen irren nicht selten

Der April 2021 hat gezeigt, wie ungenau langfristige Wetterprognosen sind: Noch vor wenigen Wochen deuteten die Berechnungen auf einen überdurchschnittlich warmen Monat hin. Heraus kam der kälteste April seit 40 Jahren. Schnee und sehr viele Frosttage erstickten dabei sämtliche Sommergefühle im Keim. Goldhausen betont: „Die Modelle liefern keine gültigen Voraussagen, sondern nur vage Tendenzen. Diese können sich tatsächlich wöchentlich ändern und manchmal liegen sie auch komplett daneben.“ Auch die an den Modellen beteiligten Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Vorhersagen experimentell sind und noch sehr viel Forschungsarbeit hin


Wie warm der Sommer 2021 wird, kann leider niemand sagen. Quelle: WetterOnline

 

 Das Märchen vom pinken Supermond - Ein Vollmond fast wie immer

 Pinker Mond geht auf Pflanzenblüte zurück

Bonn/Duisburg, 26. April 2021 - Der Mondkalender verrät es: Am 27. April um 5:33 Uhr ist Vollmond. „Derzeit ist dabei oft vom Pinken Vollmond die Rede, dies hat aber nichts mit der Farbe des Erdtrabanten zu tun. Die Ureinwohner Nordamerikas tauften den April-Vollmond auf Pink Moon und benannten ihn damit nach den pinkfarbenen Flammenblumen (Phlox), die zu dieser Jahreszeit blühen“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Andere Namen für den Vollmond im April in Nordamerika sind je nach Region Egg Moon oder Fish Moon.

„Farbige Mondbezeichnungen“ immer beliebter
Bei uns in Deutschland sind diese Bezeichnungen bisher nicht üblich. Goldhausen: „Häufiger verwendet wird mittlerweile der ebenfalls aus Amerika stammende Begriff Blue Moon für den zweiten Vollmond in einem Monat, blau ist aber auch dieser Mond nicht. Ebenfalls aus Nordamerika kommend wird immer häufiger der Erdbeermond (Strawberry Moon) für den Vollmond im Juni in genannt. Auch der Begriff Supermond wird immer gebräuchlicher“.

Supermond oder super Mond?
Als Supermond (engl. Super Moon) wird der größte Vollmond des Jahres bezeichnet. Da die Bahn des Mondes um die Erde nicht kreisförmig, sondern elliptisch ist, befindet sich der Mond dann am erdnächsten Punkt. Dieses Jahr ist er im April und im Mai der Erde besonders nah. Mit bloßem Auge macht dies aber kaum einen Unterschied zu einem durchschnittlichen Vollmond aus, immerhin ist er etwas heller.

„Auch wenn der Vollmond also weder pink noch super wird, so ist der Blick zum Erdtrabanten immer lohnenswert, zumal das Wetter in weiten Landesteilen auch mitspielt“, so der Meteorologe.  Ob der Nachthimmel klar bleibt, erfährt man auf www.wetteronline.de, mit der WetterOnline App oder durch einen Blick auf die neue Wetterstation wetteronline home, ausgezeichnet mit dem „German Design Award 2020“ und dem „German Innovation Award 2020“.

So pink wie in dieser Fotomontage sieht der Mond sicherlich nicht aus. Quelle WetterOnline

Die WetterRadar-Prognose zeigt einen vielfach klaren Nachthimmel. Quelle WetterOnline

 

 „Rettet-die-Frösche-Tag“  - In Nordeuropa mehr Märzschnee

„Rettet-die-Frösche-Tag“

Bonn/Duisburg, 20. April 2021 - Am 24. April 2021 findet der internationale „Save The Frogs Day“ statt. Der zu Deutsch „Rettet-die-Frösche-Tag“ wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen und macht seitdem jährlich auf die weltweit zurückgehenden Amphibienpopulationen aufmerksam. In Deutschland sind vor allem Lurche vom Aussterben bedroht, wie etwa der europäische Laubfrosch oder der Feuersalamander. Warum das so ist und wie jeder bei der Arterhaltung mithelfen kann, verraten die Expertinnen und Experten von WetterOnline in Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf.

Der Laubfrosch ist der einzige Froschlurch in Europa, der klettert. Er fühlt sich ausschließlich in naturbelassenen Landschaften wohl. Einst in Deutschland weit verbreitet, ist er heute in seinem Bestand bedroht. Bildquelle: Aquazoo Löbbecke Museum


Naturbelassene Landschaften und Gewässer: der bedrohte Lebensraum des Laubfrosches
Als Wetterfrosch und Froschkönig genoss der Laubfrosch in der Vergangenheit große Bekanntheit und war in der Natur häufig anzutreffen. Heute ist der bis zu fünf Zentimeter große Froschlurch zwar in unseren Köpfen immer noch das Bild eines Frosches schlechthin, aber in Deutschland ist er auf Wiesen und in Tümpeln nur noch selten zu sehen. Denn sein Lebensraum ist bedroht. Sandra Honigs, stellvertretende Direktorin und Kuratorin für den Landbereich im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf, erklärt: „Die Lebensgrundlage des Laubfrosches verschwindet zunehmend in vielen Teilen Europas. Dies liegt vor allem an der Entwässerung von feuchten Wiesen, Trockenlegungen von Kleingewässern, Abholzungen von Sträuchern und Hecken sowie der steigenden Umweltverschmutzung.“ Um zu überleben, benötigt der Laubfrosch ausschließlich naturbelassene Landschaften wie Weidetümpel, Hecken, Büsche oder Bäume. Das wechselwarme Tier fühlt sich beim Sonnenbaden auch in Brombeersträuchern wohl. Zwischen den Dornen kann der Laubfrosch geschützt auf Futterinsekten lauern. Kleine Tümpel, Sümpfe und temporäre Gewässer dienen dem grasgrünen Frosch zudem als Laichgewässer.

Der Feuersalamander, der Chytridpilz und die weltweite Amphibienkrise
Seit einigen Jahrzehnten gefährdet eine tödliche Krankheit, hervorgerufen durch den Chytridpilz, sämtliche Lurcharten weltweit. In Deutschland ist vor allem der Feuersalamander durch eine Variante dieses Pilzes akut bedroht. Der Hautpilz wurde durch menschliche Verschleppung beinahe weltweit verbreitet, eine Heilung oder Impfung ist bisher nicht in Sicht. Während zahlreiche Forschungsteams auf der ganzen Welt an dieser Krankheit forschen, versuchen zoologische Institutionen und engagierte Privathalter, den Amphibien eine letzte Chance zu bieten, indem sie sie züchten, erforschen und in Menschenhand erhalten, bevor sie für immer verschwinden. Ziel ist dabei stets, die Tiere eines Tages wieder in eine möglichst intakte Natur ansiedeln zu können.

Gefahren für Amphibien: Klimawandel und Umweltverschmutzung
Viele der über 8.000 bekannten Amphibienarten sind heute stark gefährdet. Von den noch existierenden Lurchen gelten etwa über 40 Prozent als vom Aussterben bedroht – Krankheiten, der zunehmende Lebensraumverlust und auch der immer stärker ausgeprägte Klimawandel sind die Hauptgründe für diese Entwicklung. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Der weltweite Klimawandel ist ein reales Problem. Das zeigt sich unter anderem an sich häufenden Extremwetterlagen und Naturkatastrophen. Inwieweit der Klimawandel Einfluss auf Extremwettereignisse hat, lässt sich mittlerweile mit Hilfe der sogenannten Attributionsforschung feststellen.“ Damit gute Lebensbedingungen und der Lebensraum für Amphibien in Zukunft nicht vollständig verschwinden, kann jeder helfen, Umweltverschmutzungen zu vermeiden, die Natur zu schützen und somit aktiv zur Artenerhaltung beizutragen.


In Nordeuropa mehr Märzschnee - Effekt des Klimawandels 
Mehr Schnee im Frühling und das in Zeiten des Klimawandels? Das muss sich nicht ausschließen. In manchen Regionen Europas begünstigt der Klimawandel den Frühlingsschnee, wie eine neue Studie zeigt.


Vor allem in Nordeuropa bringt der Klimawandel mehr Märzschnee - Quelle: WetterOnline


Paradox: Extreme Schneefälle und abnehmende Schneemenge 
Der Klimawandel begünstigt in Nord- und Osteuropa extreme Schneefälle im Frühling. „Das klingt auf den ersten Blick ein wenig paradox. Aber laut einer kürzlich veröffentlichten Studie in der Zeitschrift Nature Geoscience zeigen Wetterdaten, dass die Schneemenge in dieser Region seit 1979 zwar stetig abgenommen, aber im März zugenommen hat“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.


Eisschmelze in der Arktis 
Als Begründung nennen die Forscher die zunehmende Eisschmelze in der Arktis und das vor allem in der Barentssee. Goldhausen: „Dieser an Skandinavien und Russland grenzende Bereich hat durch den Klimawandel besonders viel Eis verloren. Fehlt das Eis, dann kann mehr Wasserdampf in die Atmosphäre entweichen. Nach Berechnungen der Forscher steigt pro verschwundenem Quadratmeter Meereis die Verdunstung um rund 70 Kilogramm Wasserdampf an.“

Barentssee ist Feuchtelieferant
Eine zunehmend eisfreie Barentssee ist somit vor allem im Frühling ein wichtiger Feuchtelieferant, wenn die Sonneneinstrahlung und somit die Verdunstung zunehmen. „Dies lässt sich auch an Einzelereignissen festmachen. So gab es im Frühling 2018 in weiten Teilen Europas einen Schnee- und Kälteeinbruch. Unter anderem mithilfe einer Isotopenanalyse fanden die Forscher heraus, dass etwa 90 Prozent des gefallenen Schnees in Nordeuropa aus der Barentssee stammten“, so der Meteorologe. 

Er weist aber ausdrücklich darauf hin: „Für Mitteleuropa gibt die Studie keine Aussage. Allerdings deuten andere Studien im Zusammenhang mit dem Klimawandel auf mehr Extremwetter-Ereignisse im Winter hin. Ursache könnte ein geschwächter Polarwirbel aufgrund des Klimawandels sein. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für sogenannte Polarwirbel-Splits und damit die für Wintereinbrüche.“ 

Eine zunehmend eisfreie Barentssee ist somit vor allem im Frühling ein wichtiger Feuchtelieferant. Etwa 90 Prozent des gefallenen Schnees in Nordeuropa stammen aus der Barentssee. Quelle: WetterOnline


 

Kühler Frühlingsstart Normalfall 

Aprilwetter und Kartenglück wechseln jeden Augenblick

Bonn/Duisburg, 19. April 2021 - Ein kühler Aprilmonat ist eigentlich der Normalfall. Dass wir ihn in diesem Jahr als besonders ungemütlich empfinden, liegt zum einen daran, dass er bisher auch tatsächlich ungewöhnlich kalt ist. Zum anderen wird deutlich, wie sehr wir uns bereits an den Klimawandel gewöhnt haben.

Kräftige Aprilschauer bis in tiefe Lagen herab brachten Schnee und machten es den Frühlingsboten schwer. Quelle WetterOnline

Wärmere Luft auf Stippvisite

Der Frühling kommt auch in dieser Woche nur zeitweise in Gang. „In dieser Woche setzt sich etwas wärmere Luft durch. Bis zur Wochenmitte gibt es immerhin zwei frühlingshaft warme Tage für fast alle. Bei Temperaturen zwischen 14 und 18 Grad entwickeln sich jedoch von der Landesmitte bis in den Süden immer wieder Schauer und einzelne Gewitter, sodass die Frühlingsgefühle dort sehr gedämpft ausfallen. Zum Donnerstag rauscht dann erneut kältere Luft vom Nordmeer heran und drückt die Höchstwerte meist in den einstelligen Bereich. Wer jetzt denkt, das sei aber ganz außergewöhnlich ungemütlich für einen April, der irrt nicht ganz. Kühles und nasses Wetter ist im April eigentlich ganz typisch. Wir haben nur aus der der globalen Klimaerwärmung geschuldeten Häufung von recht warmen Aprilmonaten eine falsche Erwartung an den Frühlingsmonat entwickelt. Der April macht einfach, was er will und 2021 ist er bisher eben besonders kühl“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. 

Wärmste Aprilmonate setzen keinen Standard

Sechs der sieben wärmsten Aprilmonate der vergangenen 140 Jahre wurden in Deutschland innerhalb der letzten 14 Jahre registriert. Der April 2018 war mit einer Mitteltemperatur von 10,5 Grad sogar der wärmste seit Messbeginn. Zudem brachte der zentrale Frühlingsmonat meist viel Sonne und so wenig Regen, dass die Natur schon früh an Wassermangel litt. Goldhausen: „Der rote Faden der Aprilwärme zieht sich aber nicht zwingend weiter durch. In diesem Jahr ist nämlich alles ganz anders: Späte Schneefälle und deftige Nachtfröste drückten die Temperaturen im April bisher auf ein deutlich unterdurchschnittliches Niveau.“
 

Kühlster April 2021 seit über 20 Jahren möglich

„Zugleich ließ sich die Sonne in der ersten Monatshälfte seltener blicken und zumindest im Norden und in der Landesmitte war es in dieser Zeit auch feuchter als im Mittel der Jahre. Und beim Blick auf die Wetterentwicklung der nächsten Zeit deutet sich noch keine deutliche Trendwende an. So scheint sich der April in diesem Jahr also nicht nur als unterkühlter, sondern auch als unfreundlicher und besonders wegen oft ruppigen Windes sehr launischer Frühlingsmonat zu etablieren. Er könnte sich durchaus zum kühlsten April seit mehr als 20 Jahren mausern“, so der Meteorologe. 

Launisches Aprilwetter ist Regelfall

Doch wechselhaftes Aprilwetter ist auf lange Sicht gesehen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. „So sind sonnige und warme Tage ebenso "normal" wie nasskaltes Schauerwetter mit spätem Flockenwirbel und nächtlichem Reif. Einzig und allein die Windrichtung bestimmt, welche Luftmasse und welcher Wettertyp sich durchsetzen kann“, erklärt Goldhausen.

Dass wir gerade einen besonders kalten April zu erleben glauben, liegt aber nicht nur daran, dass der Wind immer wieder aus Norden kommt. Auch die Häufung sonniger und warmer Aprilmonate in den vergangenen 14 Jahren trägt zu diesem Empfinden bei. Sie könnte bereits Folge der globalen Klimaerwärmung sein. Der April 2021 ist aber bisher wirklich recht kalt und fühlt sich daher besonders "eisig" an.  


Der April 2021 ist bisher nicht nur kalt gewesen, sondern auch schneereich. Quelle WetterOnline


 

Birkenpollen: Sie sind wieder da!

 Für Pollenallergiker beginnt schlimmste Zeit des Jahres

Bonn/Duisburg, 13. April 2021 - 9ie Birkenpollen gehören zu den aggressivsten Pollen überhaupt. In der Hauptblütezeit werden große Mengen davon freigesetzt. Regional werden bereits hohe Pollenkonzentrationen in der Luft erreicht. Allergiker reagieren auf die Pollen mit Jucken, Niesattacken und tränenden Augen, manch einer sogar mit Atemproblemen. 

Birken produzieren große Pollenmengen, die über 300 Kilometer weit fliegen können.  Foto WetterOnline


Birkenpollenkonzentration nimmt zu
Auch wenn man es aufgrund der aktuellen Temperaturen kaum glauben mag: Der Flug der Birkenpollen hat begonnen. „Noch ist die Birkenpollenkonzentration in den meisten Landesteilen nur leicht bis mäßig, im Laufe der Woche nimmt die Konzentration aber überall zu und zum Wochenende haben wir es fast im ganzen Land mit starkem Birkenpollenflug zu tun. Nur an den Küsten, in den Mittelgebirgen und am Alpenrand ist die Belastung etwas geringer,“ so Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.

Birken produzieren große Pollenmengen, die über 300 Kilometer weit fliegen können. Ein einzelner Birkenbaum hält in seinen männlichen Kätzchen viel Blütenstaub bereit, um ihn an den ersten sehr milden Frühlingstagen auszustreuen. Mit rund fünf Millionen Pollenkörnern pro Kätzchen übertrifft die Birke die meisten anderen Bäume. Weil Birken nicht über Insekten, sondern ausschließlich über den Wind bestäubt werden, geben sie im Vergleich zu anderen Bäumen große Mengen an Pollen frei. 

Birkenpollen - Hochpotentes Allergen 
Der Pionierbaum Birke ist ein Überlebenskünstler. Goldhausen: „Die Birke ist nicht nur äußerst robust und wächst enorm schnell, sondern auch hochpotent in Sachen Pollenproduktion. Zudem sind ihre Pollen hoch allergen. Birkenpollen zählen zu den aggressivsten und stärksten Baumpollenallergenen überhaupt. Rund 25 Prozent aller Pollenallergiker reagieren auf Birkenpollen.“
Allgemeines Krankheitsgefühl, rote, tränende und juckende Augen, geschwollene Lider, Heuschnupfen und Kopfschmerzen - das sind die typischen Symptome einer Pollenallergie. Eine Birkenpollenallergie kann die unteren Atemwege in Mitleidenschaft ziehen und zu Asthma führen. Deshalb sollten Allergiker die Symptome unbedingt frühzeitig mit einem Arzt abklären.  

 Klimawandel und Birkenpollen
Durch die steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels ist mit höheren Pollenkonzentrationen und einer längeren Vegetationszeit zu rechnen. Björn Goldhausen: „Bei einem milden Verlauf des Winters verkürzt sich die vegetationsfreie Zeit, sodass die Pollensaison schon früh im Jahr beginnen kann. Meist ebbt der Pollenflug der Birke im Tiefland schon ab Ende April ab. Im Bergland kann er jedoch noch bis in den Frühsommer hineindauern.

Höhere Temperaturen regen die Keimungsprozesse und das Wachstum an
Wissenschaftler haben festgestellt, dass durch den Klimawandel die Vegetationszeit im langjährigen Vergleich immer länger dauert. Das gilt auch für Birken. Ihre Pollen fliegen tendenziell früher als noch vor 20 Jahren. In erster Linie spielt hier die Temperatur eine Rolle, insbesondere dann, wenn diese in den Monaten unmittelbar vor Blühbeginn höher liegt als im Klimamittel. Ferner fanden Wissenschaftler heraus, dass die Pollenzahl insgesamt zugenommen hat und dass es generell mehr Tage mit erhöhter Pollenkonzentration gibt.“ 

 Birkenpollen zählen zu den aggressivsten und stärksten Baumpollenallergenen überhaupt. Foto WetterOnline

 


Teilzeitfrühling am Wochenende 

Auf mild folgt kalt - April bleibt sich treu 

Bonn/Duisburg, 07. April 2021 - Am Wochenende geht es regional steil bergauf mit den Temperaturen und dort knacken wir sogar wieder die 20-Grad-Marke. Doch die Freude währt nur kurz: Schon nächste Woche breitet sich aus Nordwesten Polarluft wieder im ganzen Land aus. Der Spätwinter gibt dann mancherorts erneut ein Gastspiel.

In der Südwesthälfte setzt sich in den kommenden Tagen deutlich mildere Luft durch. Quelle WetterOnline


Am Wochenende wird es kurzzeitig frühlingshaft warm. Quelle WetterOnline

Erst 20 Grad, dann Schnee
Die Temperaturunterschiede am Wochenende sind sehr groß. Eine Luftmassengrenze trennt Frühling von Winter. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Der Lenz grüßt leider nur in der Südwesthälfte. Dort setzt sich in den kommenden Tagen deutlich mildere Luft durch. Die Temperaturen klettern kurzzeitig auf Spitzenwerte um 20 Grad. Im Norden ist weiterhin Winterkleidung angesagt, denn dort bleibt es mit einstelligen Werten deutlich kälter.
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erantwortlich für die strikte Trennung ist eine sogenannte Luftmassengrenze, an der die kalte Luft von der Frühlingsluft getrennt wird. An ihr bilden sich gebietsweise kräftige Niederschläge. Im Nordwesten kann es auch schneien. In der neuen Woche setzt sich dann die Polarluft landesweit durch und es gibt noch mal Flocken bis in die Niederungen.“ 

Unbeständig, aber zunehmend trockener

Bis zur Wochenmitte bleibt das Wetter unbeständig, besonders im Südosten ziehen wiederholt Regen- und Schneeschauer durch. Die Sonne bekommt jedoch häufiger eine Chance und es wird im Wochenverlauf zunehmend trockener. Nach derzeitigem Stand zeigt der Temperaturtrend auch wieder nach oben. Doch atlantische Tiefs und Polarluft stehen weiterhin in Lauerstellung. Eines ist sicher: Frühlingswetter mit tagelangem Sonnenschein und Frühsommerwärme ist vorerst nicht in Sicht.  

April, April - der macht, was er will!

Das ist Aprilwetter

Bonn/Duisburg, 07. April 2021 - Ein munteres Auf und Ab der Temperaturen. Schnee- und Schneeregenschauer, Graupelgewitter, Wolken und Sonne – so abwechslungsreich ist der April. Warum die Wetterlaunen für diesen Frühlingsmonat so typisch sind, wissen die Expertinnen und Experten von WetterOnline.

Typisch für Aprilwetter sind Regenbögen zwischen den Schauern am späten Nachmittag. Quelle: WetterOnline

Rascher Wetterwechsel

Wenn sich das Wetter in relativ kurzer Zeit ändert, dann bezeichnet man das als Aprilwetter. Auf Sonnenschein folgen Wolken, die kurze Regen-, Schnee- oder Graupelschauer hinterlassen. Danach schaut die Sonne wieder heraus und das Spiel beginnt von Neuem. Oft begleitet ein böiger Nordwestwind den raschen Wechsel. Auch die Temperaturen fahren regelrecht Achterbahn. So ist es auch in den nächsten Tagen.

„Kalte und warme Luft kämpfen derzeit um die Vorherrschaft und die kalte Luft gibt einfach noch nicht auf. Daher geht es mit den Temperaturen mal nach oben und dann wieder nach unten. Tagsüber wird es ab Freitag spürbar wärmer, nachts bleibt es aber oft frostig. Im Süden sind am Wochenende wieder frühlingstaugliche 20 Grad zu erwarten. Aber nicht zu früh freuen: Schon im Laufe des Wochenendes drängt die kalte Luft von Nordwesten her die mildere Luft wohl erneut zurück. Im Übergangsbereich der beiden Luftmassen kann es teils kräftig regnen. Nicht ausgeschlossen, dass auch Frau Holle wieder mitmischt. Eines ist sicher: Aprilsommer, wie in den vergangenen Jahren, ist bis auf Weiteres nicht in Sicht“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. 

So entsteht Aprilwetter

Goldhausen: „Für das klassische Aprilwetter sind große Temperaturunterschiede verantwortlich. Während die Sonne im April schon richtig Kraft hat und den Erdboden stark erwärmt, ist die Luft in der Höhe nicht selten noch voll im Wintermodus. Dreht der Wind auf Nordwest, dann wird besonders in einigen Kilometern Höhe richtig kalte Luft zu uns geführt, die über der Nordsee zusätzlich Feuchtigkeit tankt. Im Laufe des Tages werden die Temperaturunterschiede zwischen dem Erdboden und der Höhe also immer größer. In der Folge schießen dicke Quellwolken in die Höhe und kräftige Schauer bilden sich. Wenn der Wind jedoch aus südlichen Richtungen kommt, bringt er oft schon frühsommerlich warme Luft aus Spanien oder vom Balkan mit sich.

Je nachdem, wie Tiefs über Mitteleuropa ziehen, kann sich aber die Windrichtung innerhalb eines Tages schnell ändern. Es folgt ein rasches Auf und Ab der Temperaturen.“ 

Aprilwetter: Nach der Rekordwärme in der vergangenen Woche (27,2 Grad) ist der Winter mit Schnee und Frost zurückgekehrt. Quelle: WetterOnline


Typisches Aprilwetter seltener

„Seit etwa 20 Jahren ist ein typisch launenhafter April nur phasenweise zu beobachten. In den vergangenen Jahren gab es sogar sehr trockene Perioden. In einigen Regionen Deutschlands kam in manchen Jahren nur sehr wenig Regen im ganzen Monat zusammen. So herrschte 2019 verbreitet große Trockenheit mit Waldbränden.
Im Folgejahr war der April der dritttrockenste seit Messbeginn. Vor allem in der zweiten Monatshälfte erinnerte das Wetter in den vergangenen Jahren eher an den Frühsommer als an die aprilwettertypischen Wintereinbrüche. Oftmals sprach man schon von einem Aprilsommer mit Höchstwerten bis nahe 30 Grad“, erläutert der Meteorloge.

Ob es sich bei langen Trockenperioden im April um Auswirkungen des Klimawandels handelt, ist noch Gegenstand der Forschung. Vermutet wird, dass ein schwächerer Jetstream Wetterextreme fördern kann.



 Das Wetter zu Ostern: Rangelei zwischen Hoch und Tief

Bonn/Duisburg, 30. März 2021 - Pünktlich zum Start ins Osterwochenende ist die große Frühlingswärme wieder verschwunden. Den Regenschirm braucht man aber nur selten. Mit etwas Glück beschert uns der Osterhase doch noch schöne Feiertage.  Gründonnerstag und Karfreitag Ab Gründonnerstag strömt in den Norden des Landes Polarluft ein. Am Karfreitag liegen die Höchstwerte nur noch um 10 Grad. Dort überwiegen die Wolken, aber nur gebietsweise regnet es etwas.

Die Aussichten für Ostersonntag sind gar nicht so schlecht. Quelle: WetterOnline


„Länger hält sich wohl die Frühlingswärme südlich von Main und Mosel, wo es bei viel Sonnenschein erneut auf 19 bis 25 Grad hinaufgeht. Am Freitag sind es immer noch angenehme 15 bis 20 Grad. Allerdings können sich im Tagesverlauf einzelne Schauer und Gewitter entwickeln“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. 

Temperatursturz am Karsamstag 

Erst am Karsamstag flutet wahrscheinlich die kühle Luft auch den Süden des Landes. „Die Temperaturen rauschen in den Keller und das geht mit vielen Wolken, aber nur wenig Regen einher. In den höheren Lagen können sogar ein paar Schneeflocken rieseln. Ob es aber tatsächlich länger bewölkt bleiben wird, hängt davon ab, wie sich ein Hoch über Westeuropa positioniert“, weiß der Meteorologe. 

Ostereiersuche mit Schal und Mütze?
Goldhausen: „Für die beiden Ostertage gibt es unterschiedliche Szenarien. Nach einem dehnt sich das Hoch nach Osten aus, sodass sich die Wolken meist auflösen. Dementsprechend kühlt sich die Luft in der Nacht stark aus. Am Morgen des Ostersonntags gibt es recht verbreitet Frost. Bei der Suche nach den versteckten Ostereiern sind Schal, Mütze und warme Kleidung daher ratsam. Dafür wird es tagsüber fast überall schön und bei 10 bis 15 Grad ist es gar nicht so kühl. Es gibt allerdings ein noch wärmeres Szenario.“ 

Auf das Wettermodell kommt es an
Nach einem anderen Wettermodell formiert sich ein kräftiges Tief über dem Ostatlantik und Nordmeer. Es lenkt an seiner Vorderseite Mittelmeerluft nach Norden. „Sollte es tatsächlich so kommen, dann würden die Temperaturen auch in Deutschland rasch ansteigen. Im Süden sind am Ostersonntag Spitzenwerte um 20 Grad nicht auszuschließen, von den Mittelgebirgen bis zu den Küsten reicht es vielleicht für 12 bis 17 Grad“, sagt der Pressesprecher. Aber er dämpft darauf die Freude etwas: „Da sich die Tiefausläufer nähern, kippt das Wetter ab Ostermontag. Welche Variante sich durchsetzen wird, ist jedoch noch unsicher.“ 

 Kälteeinbrüche - Für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich
In den vergangenen Tagen wurden immer wieder Kaltlufteinbrüche über die Ostertage simuliert. Nach jetzigem Stand gibt es ein Auf und Ab der Temperaturen ab Gründonnerstag. Gut möglich ist auch ein Gastspiel des Spätwinters am Ostermontag. Dann könnte es bis in tiefere Lagen schneien. Ungewöhnlich ist solch ein Kälteeinbruch um diese Jahreszeit jedoch nicht. Besonders im April findet immer mal wieder Luft aus polaren Regionen den Weg nach Mitteleuropa. Dies war zum Beispiel in den Jahren 2017 und 2018 der Fall. 

Bei der morgendlichen Suche nach den versteckten Ostereiern sind Schal, Mütze und warme Kleidung ratsam. Quelle: WetterOnline

Deutschlandwetter: Ein kontrastreicher März, mit viel Sonnenschein und zu wenig Niederschlag

 Offenbach/Duisburg, 30. März 2021 – Im März 2021 befand sich Deutschland oftmals im Einflussbereich von Hochdruckgebieten. Nur zur Monatsmitte konnte sich vorübergehend eine Westströmung aufbauen, mit der mehrere Sturm- sowie größere Niederschlagsgebiete über die Bundesrepublik rauschten und sich anschließend mit auf Nord drehenden Winden verfrühtes „Aprilwetter“ einstellte. In der aus polaren Regionen eingeströmten Kaltluft kam es zu Graupelgewittern, sowie zu Schneefällen und Sturmböen.

Zum Monatsende verabschiedete sich der erste meteorologische Frühlingsmonat mit frühsommerlicher Wärme. Im Ergebnis war es ein warmer, niederschlagsarmer und recht sonniger März. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen. Große Temperaturgegensätze - von Polarluftvorstößen zu Frühsommergefühlen Der Temperaturdurchschnitt lag im März 2021 mit 4,6 Grad Celsius (°C) um 1,2 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990.

Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 wurde exakt der vieljährige Mittelwert erreicht. Einen nachhaltigen Frühlingsdurchbruch gab es im März erst zum Monatsende. Wiederholt fuhren die Temperaturen Achterbahn. Polarluftvorstöße mit mäßigen Nachfrösten in der ersten und zum Ende der zweiten Dekade sowie frühsommerliche Wärme am Monatsausklang erteilten dem Lenzmonat einen wechselhaften Charakter.

Am 19. wurde mit -13,1 °C der deutschlandweit tiefste Wert aus Oberstdorf übermittelt. Am höchsten stiegen die Temperaturen am 30. und 31. mit sommerlichen Werten um 25 Grad. Zeitweise „Aprilwetter“ mit Schnee- und Graupelschauern, aber insgesamt zu trocken Im März fiel mit rund 45 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 25 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 mit 57 l/m².

Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 lag das Minus ebenfalls bei rund 25 Prozent. Tiefdruckgebiete brachten allenfalls ab der zweiten Monatsdekade bedeutenden Niederschlag. Anfänglicher Regen ging in polarer Kaltluft, aber teilweise in Schnee- und Graupelschauer über. Regional entluden sich sogar Gewitter. In Lagen oberhalb 500 m zeigte sich zudem nochmal der Winter. Teilweise erreichte die Neuschneedecke in den Mittelgebirgen sowie in den Alpen mehr als 20 cm. Sankt Blasien-Menzenschwand (Südschwarzwald) meldete am 11. mit 46,9 l/m² den höchsten Tagesniederschlag.

Die höchste Monatssumme wurde in Ruhpolding-Seehaus (Chiemgauer Alpen) mit fast 190 l/m² beobachtet. Am trockensten blieb es im Lee des Harzes. Hier fielen kaum 15 l/m². Ein sonniger erster Frühlingsmonat Mit 144 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im März ihr Soll von 111 Stunden Periode 1961 bis 1990) um fast 30 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 betrug die positive Abweichung etwa 18 Stunden. Im Südwesten schien die Sonne mit bis zu 200 Stunden am häufigsten. Von der Lüneburger Heide bis zum Emsland war sie mit rund 100 Stunden seltener zu sehen.

NRW war neben Bremen mit 5,7 °C (4,5°C) das zweitwärmste und mit einer Niederschlagsmenge von fast 60 l/m² (71 l/m²) ein regenreiches Bundesland. Dazu zeigte sich die Sonne aufgerundet 140 Stunden (103 Stunden). Am 11. tobte Sturmtief „Klaus“ über die Region und sorgte mit Böen zwischen 80 und 100 km/h für umgestürzte Bäume, herabfallende Dachziegel und Behinderungen im Bahn- und Straßenverkehr.
(In Klammern die vieljährigen Mittelwerte der internationalen Referenzperiode 1961-1990. Der Vergleich aktueller mit diesen vieljährigen Werten ermöglicht eine Einschätzung des längerfristigen Klimawandels.)

Können Frösche das Wetter vorhersagen?

Wie der Laubfrosch zum Wetterfrosch wurde

Bonn/Duisburg, 23. März 2021 - Rundlicher Kopf, große Augen und eine freundliche grasgrüne Farbe werden mit dem Laubfrosch verbunden – ebenso der Volksglaube, er könne das Wetter vorhersagen. Was es mit den Wetterprognosen der Frösche auf sich hat und was die Amphibien so besonders macht, verraten die Expertinnen und Experten von WetterOnline in Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf.

Der Volksglaube besagt: Wenn der Laubfrosch oben auf der Leiter sitzt, wird das Wetter sonnig, sitzt er unten, wird es regnerisch. Bildquelle: Aquazoo Löbbecke Museum

Was es mit dem Volksglauben auf sich hat
In der Vergangenheit besagte der Volksglaube, dass der Laubfrosch das Wetter vorhersagen könne. Die Tiere wurden daher oft in Einmachgläsern mit kleinen Leitern gehalten. Die Vorstellung: Kletterte der Laubfrosch die Leiter nach oben, sollte das Wetter schön werden, blieb er am Fuß der Leiter sitzen, wurde das als Vorhersage für schlechtes Wetter gedeutet. Doch in Wirklichkeit ist der Laubfrosch alles andere als ein Wetterprophet.
Zwar lässt sich eine wetterbedingte Kletterei des Frosches beobachten, dabei reagiert er aber vielmehr indirekt auf das aktuelle Wetter. Das wechselwarme Tier folgt nämlich der Sonne und seiner Leibspeise, flugfähigen Insekten. Diese halten sich bei sonnigem Wetter in oberen Luftschichten auf, bei Regenwetter befinden sie sich eher am Boden. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Bei einer sonnigen Hochdruckwetterlage steigt warme Luft nach oben und mit dieser steigen auch die flugfähigen Insekten auf, die sich von der Luft tragen lassen. Bei einem geringeren Hochdruckeinfluss verlagern sich die Luftschichten und somit auch die Insekten nach unten.“ Nach und nach entstand schließlich das Bild, dass die Frösche das Wetter nicht nur anzeigen, sondern auch vorhersagen könnten.


In der Natur folgt der Laubfrosch seiner Leibspeise, den Insekten. Bei einer Hochdruckwetterlage steigen diese mit der Luft auf, bei geringerem Hochdruckeinfluss verlagern sie sich nach unten – daher klettert auch der „Wetterfrosch“ nach oben oder unten. Bildquelle: Aquazoo Löbbecke Museum

Kletterkünstler statt Wetterfrosch
Dass der Laubfrosch den Insekten überhaupt in verschiedenen Höhenlagen nachstellen kann, liegt an seinen einzigartigen Kletterkünsten. Sandra Honigs, stellvertretende Direktorin und Kuratorin für den Landbereich im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf, weiß: „Laubfrösche folgen ihrer Nahrung weit hoch in die Vegetation, wo andere Amphibien nicht hingelangen, denn der Laubfrosch kann als einzige Amphibienart Europas klettern – und das ganz exzellent. Seine Haftscheiben an den Zehen- und Fingerenden machen es möglich. Und weil auch seine Bauchseite haftet, kann sich der Frosch sogar an besonders glatten Untergründen festhalten.“

Einmachglas, Wiese oder Wald: Wo der Laubfrosch lebt
Der eigentliche Lebensraum des Laubfrosches ist selbstverständlich nicht das Einmachglas. Laubfrösche bevorzugen ursprüngliche Landschaften, wie feuchte Wiesen, Auwälder oder Waldränder, in denen sie auf ihren Hochsitzen im Gebüsch oder auf Bäumen, die Sonne genießen können. Im Winter verbirgt sich der Laubfrosch in Stein-, Holz- und Laubhaufen. Im Frühjahr, wenn die Tage wärmer werden, macht er sich von Ende März bis Anfang April auf den Weg zu seinen Laichgewässern. War er früher in Feld und Flur sehr häufig anzutreffen, ist er heute im Bestand bedroht. Unter anderem deshalb, da Fische in den eigentlich fischfreien Laichgewässern ausgewildert werden. Daher ist es wichtig, den Laubfrosch und seinen natürlichen Lebensraum zu schützen.



Das Pollenjahr: Wann blüht was? 

Der Pollenflug von Frühjahr bis Winter im Überblick

Bonn/Duisburg, 16. März 2021 - Spätestens im Frühling ist es soweit: Allergiegeplagte haben juckende Augen und bewaffnen sich mit Taschentüchern. Denn Pollen von Gräsern, Bäumen oder Kräutern machen ihnen zu schaffen. WetterOnline erklärt, wann die Pollen im Jahr fliegen und gibt Tipps, wie Allergikerinnen und Allergiker sich schützen können.

Der Pollenflug im Überblick
Die Blühzeiten der verschiedenen Pollenarten verschieben sich je nach Wetter- und Temperaturverlauf von Jahr zu Jahr. Sogenannte Frühblüher beginnen zumeist am Ende des Winters, Blütenstaub freizusetzen. Das heißt, spätestens ab Januar und Februar streuen Hasel und Erlen ihre Pollen aus. Ende Februar und Anfang März folgen Esche, Pappel und Weide. Die aggressiven Birkenpollen schwärmen in der Regel Ende März/Anfang April aus. Ab Mai gesellen sich noch Gräserpollen hinzu. Diese können oftmals bis in den frühen Herbst hinein fliegen.

Im Juni, Juli, August und September sind auch Pollen von Roggen, Weizen, Sauerampfer und Spitzwegerich sowie regional Beifuß und Ambrosia in der Luft. Ab Oktober lassen sich dann nur noch vereinzelte Gräser- und Kräuterpollen ausfindig machen und im November ebbt der Pollenflug nahezu vollständig ab. Ab Dezember sind dann wieder erste Hasel- und Erlenpollen möglich.

Mit einem Pollenkalender Auslöser für Beschwerden erkennen
Personen, die ihre Allergien genau kennen, können mit bestimmten Maßnahmen dafür sorgen, möglichst unbeschwert durch das Jahr zu kommen. Menschen, die ihre Pollenallergie noch nicht zugeordnet haben, empfiehlt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline: „Wer noch nicht genau weiß, auf welche Pollen er reagiert, kann mithilfe eines Pollenkalenders Rückschlüsse darauf ziehen, welche Blüten und Gräser gereizte Augen und Niesattacken auslösen. Der Kalender zeigt an, welche Pollen aktuell vermehrt im Umlauf sind. Dadurch ist es einfacher, den Kontakt mit Allergenen zu vermeiden.“ Aktuelle Prognosen zur Pollenbelastung und einen Pollenkalender finden Interessierte auf der Webseite von WetterOnline unter www.wetteronline.de/pollenvorhersage.

Für Allergikerinnen und Allergiker, die trotz Pollenbelastung ins Freie gehen, ist es ratsam, sportliche Aktivitäten einzuschränken, die Kleidung nach dem Aufenthalt im Freien nicht im Schlafzimmer auszuziehen und sich vor dem Zubettgehen die Haare zu waschen. Dort setzen sich nämlich häufig Pollen fest, die zu Beschwerden führen können. Wer starke allergische Symptome hat, sollte zudem einen Arzt aufsuchen.

Im Frühling beginnt bei den meisten Pflanzen die Hauptblühperiode und damit für viele Menschen die Allergiezeit - Quelle: WetterOnline



Auf Sturm folgt Spätwinter - LUIS weht kalte Luft ins Land

Statt Frühling: Sturm und Schnee

Bonn/Duisburg, 11. März 2021 -  Ein weiterer Sturm am Wochenende bringt erneut reichlich Regen und hat deutlich kältere Luft im Schlepptau. Dabei wird es nächste Woche im Bergland sogar noch mal winterlich. „Nach dem Sturm ist vor dem Sturm und nach dem Winter ist vor dem Winter. Das fasst die Aussichten beim Wetter in der nächsten Zeit ziemlich treffend zusammen“, sagt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.
„Von frühlingshaftem und windstillem Hochdruckwetter sind wir derzeit meilenweit entfernt. Nachdem der wilde KLAUS uns verlassen hat rauscht auch schon der stürmische LUIS heran. Dieser hat nicht nur viel Wind im Gepäck, sondern er läutet auch eine spätwinterliche Phase ein.“ 

Sturm am Samstag: Auf den Bergen Orkanböen
In der Nacht zum Samstag frischt der Wind im Westen wieder auf und gegen Morgen setzt Regen ein. In den Hochlagen der Mittelgebirge schneit es. Am Vormittag erreicht die Kaltfront von LUIS dann den Westen. Dahinter reißt der Himmel kurzzeitig auf, rasch folgen aber Schauer und einzelne Gewitter.  Goldhausen: „Nach derzeitigem Stand rechnen wir im Laufe des Samstags in weiten Landesteilen mit Spitzenböen zwischen 70 und 90 Kilometer pro Stunde. Im Bereich von Schauern sind im Westen auch Böen um Tempo 100 mit dabei. Oben auf den Mittelgebirgen fegt LUIS wohl mit voller Orkanstärke. Dort sind in Spitzen 130 bis 150 Stundenkilometer zu erwarten. Im Laufe des Samstagabends wird der Wind dann langsam wieder schwächer.“ 

In der Folge Spätwinter 
LUIS hat den Spätwinter im Gepäck. „Mit dem Durchzug von LUIS dreht die Strömung Stück für Stück von West immer mehr auf nördliche Richtungen. Dabei bleiben die Luftdruckgegensätze zwischen einem Hoch auf dem Atlantik und einem Tief über Skandinavien groß. Aus Norden werden dabei immer wieder kleine Tiefs in Richtung Mitteleuropa gedrückt. Die Folge bei uns ist äußerst wechselhaftes Wetter mit freundlichen Abschnitten, Schauern und anhaltenden Niederschlägen. Die Schneefallgrenze sinkt dabei immer weiter ab. In den Mittelgebirgen lässt der Spätwinter seine Muskeln spielen und zumindest zeitweise wird’s dort wieder weiß“, erläutert der Meteorologe.  Dieser kalte und wechselhafte Witterungsabschnitt bleibt uns wohl eine Weile erhalten.   

Nach einem stürmischen Wochenende geht es mit den Temperaturen deutlich bergab. Dabei wird es im Bergland sogar noch mal winterlich. Quelle: WetterOnline



Viel zu wenig Niederschlag

Verbreitet herrscht weiterhin Trockenheit

Bonn/Duisburg, 09. März 2021 -  Dies mag man aufgrund der zurückliegenden Monate allerdings kaum glauben. Warum es aber viel zu wenig geregnet hat und wie es „im Boden“ aussieht, erklärt Björn Goldhausen. 

Trockene Böden: Die Regenmenge reicht noch nicht zur Durchfeuchtung tieferer Bodenschichten. Quelle: WetterOnline

Trockenheit bleibt Dauerbrenner
Hochwasser, Dauerregen und Schneemassen sind die Wetterthemen, die uns in den letzten Wochen präsent gewesen sind. So mag es überraschend sein, dass das Thema „Trockenheit“ weiter an Brisanz zunimmt. „Regenmengen mit etwas mehr als 100 Prozent dessen was im Winter üblich ist, kamen im zurückliegenden Winter und 84 Prozent im Herbst des letzten Jahres zusammen.

Die Regenmengen reichen bisher nicht aus, um die Trockenheit zu besiegen. Quelle: WetterOnline


Unterm Strich war die Zeit demnach von September bis Februar im Landesmittel also mit 90 % der Regenmenge etwas trockener als im Durchschnitt. Im ersten Moment erscheint das gar nicht so wenig bis ausreichend Niederschlag zu sein. Aber der Schein trügt. Der Erdboden gibt Auskunft über die tatsächliche Trockenheit“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. 

Trockene Böden
Goldhausen: „Wenn man sich die Oberböden bis 25 Zentimeter Tiefe ansieht, zeigt sich, dass sie fast im ganzen Land - zumindest was das Mittel anbetrifft - ausreichend nass sind. Wenn wir aber den ganzen Boden von den obersten Schichten bis weit runter untersuchen, dann sieht das Ganze in der Tat anders aus. Denn vor allen Dingen in den tieferen Schichten bis 1,8 Meter Tiefe ist es im Vergleich zum langjährigen Mittel deutlich trockener als im Schnitt.“ Besonders in der Nordhälfte herrscht im Unterboden verbreitet immer noch eine schwere bis außergewöhnliche Trockenheit. 

Was ist zu erwarten?
Eine Aussage darüber, wie es in Punkto Trockenheit im Frühling und Sommer weitergeht, sind unter Zuhilfenahme von Langfrist-Wettermodellen nur vage zu treffen. Der Meteorologe erläutert: „Das europäische Modell gibt bis Mai eher durchschnittliche Mengen an. Den Juni zeigt es deutlich trockener. Ähnlich sieht es auch das amerikanische Modell. Dort folgt einem durchschnittlich nassen Frühling ein trockenerer Frühsommer und Sommer.“  

Regenmengen im Durchschnitt: In der Zeit von Ende März bis Ende September mit 61 bis 78 Prozent viel trockener als im Mittel. Quelle: WetterOnline 

Schlechte Voraussetzungen für 2021 
„Viel kann man aus solchen modellierten Prognosen natürlich nicht ableiten, da genau diese zuletzt häufig daneben lagen“, schränkt der Pressesprecher ein. Eines ist ihm aber sicher: „Auch im Jahr 2021 starten wir mit eher schlechten Voraussetzungen ins Sommerhalbjahr, in dem die Trockenheit naturgemäß auch viel schneller sichtbar wird. Betrachtet man rein die Jahressummen der Niederschläge der Jahre 2018 bis 2020, so war es mit 75 bis 94 Prozent zwar trockener als im Schnitt, jedoch abgesehen von 2018 eigentlich gar nicht viel.

 Die Trockenheit bleibt bestehen: Nur der Oberboden ist zurzeit ausreichend nass.  Quelle: WetterOnline

Wenn man aber die Sommer und Winterhalbjahre einzeln betrachtet, wird schnell klar, wo das Problem liegt. In allen drei Jahren war es in der Zeit von Ende März bis Ende September mit 61 bis 78 Prozent der durchschnittlichen Regensumme viel trockener als im Mittel.“ Bleibt auf ein nasses Frühjahr und einen nassen Sommer zu hoffen, damit sich die Trockenheit der letzten Jahre nicht ungehindert fortsetzen wird. 



Stürmische Zeiten beim Wetter - Ab Donnerstag wird es turbulent

Bonn/Duisburg, 08. März 2021 - Eine zunehmend turbulente Woche steht vor der Tür. Die Sturmgefahr steigt ab der Wochenmitte deutlich an. Auch ein schwerer Sturm mit Windspitzen um 100 Kilometer pro Stunde ist möglich. 

Sturmlage ab Wochenmitte
Die Wetterlage stellt sich nun nachhaltig um. Atlantische Tiefs übernehmen die Regie und bringen Regen und viel Wind nach Deutschland. Voraussichtlich gleich mehrere Sturmtiefs bescheren uns ab der Wochenmitte Regen und viel Wind mit Böen um 100 Kilometer pro Stunde und Regen. Es wird also ordentlich turbulent.

Am Donnerstag sind örtlich Windböen um 100 Kilometer pro Stunde möglich. Quelle: WetterOnline

„In der neuen Woche erfassen erste Wetterfronten zunächst die Nordhälfte Deutschlands mit Regen und zum Teil auch Schnee bis in tiefere Lagen. Dort, wo es trocken bleibt, scheint zum Teil noch längere Zeit die Sonne. Die Temperaturen bewegen sich aber meist nur zwischen 5 und knapp 10 Grad. In der zweiten Wochenhälfte wird das Wetter deutlich unangenehmer. Die Luftdruckgegensätze über Deutschland verschärfen sich und ab Donnerstag droht Sturm mit heftigen Windböen im Westen und Norden des Landes. Allerdings gibt es noch große Unsicherheiten hinsichtlich der Stärke“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.

Wettermodelle weichen ab
Das europäische Wettermodell berechnet im Nordwesten Windspitzen über 100 Kilometer pro Stunde, etwas schwächer sieht das amerikanische Wettermodell den Sturm. „Wie stark das Sturmtief am Ende sein wird, lässt sich derzeit noch nicht zu 100 Prozent beantworten. Fest steht: Es wird ziemlich ungemütlich! Ein großer Sturm oder gar Orkan ist allerdings nicht zur erwarten. Dennoch ist Vorsicht geboten, besonders in den geschwächten Wäldern“, sagt der Meteorologe. 

Nach Monatsmitte geht’s bergauf
Goldhausen: „In den Wettertopf kommt auch einiges an Regen. Das windige bis stürmische und nasse Wetter hält voraussichtlich mehrere Tage lang an, denn eine ganze Reihe von Sturmtiefs nimmt nach derzeitigem Stand Mitteleuropa ins Visier. Für alle Frühlingsliebhaber gibt’s aber auch den sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont: Nach Monatsmitte steigt der Luftdruck. Regen und Wind lassen dann langsam nach. Auch mit den Temperaturen geht es dann wohl wieder deutlich bergauf.
 
Ab der Wochenmitte wird das Wetter mit Regen und Sturm richtig ungemütlich. Quelle: WetterOnline

Das Saharastaub-Experiment

So viel Staub ist in einem Eimer Schnee

Der Staub ist im Eimer: Für die Berechnung der Staubmenge wurde eingestaubter Schnee entnommen und geschmolzen. Quelle: WetterOnline

Bonn/Duisburg, 05. März 2021 - Farbenfrohe Sonnenaufgänge und -untergänge, ein gelber Himmel und ständig verschmutzte Autos und Fenster. Seit Februar weht immer wieder Saharastaub von Nordafrika nach Mitteleuropa. Die Meteorologen von WetterOnline sind mit einem Experiment der Frage nachgegangen, wieviel Staub bei uns angekommen ist. 

Staubmenge
Mit kräftigen Südwinden sind zuletzt wieder große Mengen Staub direkt aus der Sahara zu uns nach Mitteleuropa gelangt. „Gesehen haben wir dies alle, entweder durch den gelblichen Himmel, durch verdreckte Autos oder durch gelblich-roten Schnee. Aus diesem Grund wollten wir einmal wissen, wie viel Staub lag da eigentlich in der Luft?“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.
Um den Versuch einfach zu veranschaulichen, haben wir unseren Schweizer Kollegen Dr. David Volken hoch in die Schweizer Alpen geschickt. „Dort sammelte er einen 10-Liter-Eimer voll gefärbtem Schnee. Danach ging’s wieder ab ins Tal und der Schnee wurde geschmolzen. Das Ergebnis war eine braune Brühe. Dieses unansehnliche Gemisch wurde dann in einem Topf zum Kochen gebracht, bis sämtliches Wasser verdunstet war.

Das Ergebnis: 3 Gramm feinster Wüstenstaub und das in nur einem Eimer Schnee“, so Goldhausen. „Natürlich ist es schwer, dies auf die Fläche Deutschlands hochzurechnen, da die Staubkonzentration über Mitteleuropa sehr unterschiedlich war. Setzt mal allerdings 1 Gramm Staub pro Quadratmeter an, so kommt man für Deutschland auf eine Staubmenge von 350.000 Tonnen“, erklärt der Meteorologe. 

Wüstenstaub
Saharastaub in der Luft ist bei uns gar nicht ungewöhnlich. Mehrmals pro Jahr wird aus Nordafrika feinster Sand bis nach Mitteleuropa transportiert. Insgesamt werden jährlich etwa 500 Millionen Tonnen des Staubes auf der Erde verteilt. Für den Amazonas-Regenwald, aber auch für die Iberische Halbinsel ist dieser Wüstenstaub sehr wichtig, da er für die vielfach kargen Böden die Hauptnährstoffquelle ist.  Interessante Randnotiz: Im Wüstenstaub konnte auch Radioaktivität nachgewiesen werden. In der festgestellten Dosis ist diese allerdings nicht gefährlich. Ursache für die Radioaktivität im Wüstenstaub sind französische Atomtests in den 1960er Jahren in Algerien. 

Sichtbares Versuchsergebnis: Dieses kleine aber dennoch beeindruckende Häufchen Saharastaub ist der Anteil in einem 10-Liter-Eimer voll Blutschnee. Quelle: WetterOnline

Märzwinter-Intermezzo - Frühlingsgefühle bekommen Dämpfer

Frühlingsgefühle bekommen Dämpfer

Bonn/Duisburg, 01. März 2021 - Nach einem vielfach sonnigen meteorologischen Frühlingsanfang am 1. März rauschen die Temperaturen in der zweiten Wochenhälfte in den Keller. Eine späte kalte Wetterphase bremst das Frühlingsfeeling so vorübergehend aus – typisch März! Warum das so ist, erklärt Björn Goldhausen.

Der Märzwinter macht’s möglich: Schneemänner und Schneefrauen im Frühling. Quelle: WetterOnline

Abkühlung in Sicht

Auch wenn in der Natur die Zeichen mittlerweile auf Frühling stehen, ist das Winterwetter noch nicht vorbei. „Am Donnerstag überquert uns aus Norden eine Kaltfront und die Temperaturen sinken deutlich. Zum Start ins Wochenende sind dann sogar Schneeschauer bis in tiefe Lagen möglich“, sagt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline. „Diese Rückkehr zum Winterwetter ist für diesen Monat allerdings so wenig ungewöhnlich, dass wir Wetterfrösche dafür sogar einen eigenen Namen haben: ‚Märzwinter‘.“ 

Was ist der Märzwinter?

Als Märzwinter wird eine in Mitteleuropa häufig vorkommende Wetterlage bezeichnet, die mit einem Wintereinbruch in der ersten Märzhälfte verbunden ist. Der Meteorologe erklärt: „Dabei wird in den meisten Fällen Polarluft aus Ost- und Nordosteuropa herangeführt. Besonders nachts friert es dann häufig. Eistage sind aber selten, da die Sonneneinstrahlung zunimmt und die Tage immer länger werden. Schneedecken in tieferen Lagen halten sich in der Regel nur ein bis zwei Tage. Wenn es im vorangehenden Zeitraum schon relativ warm war und die Natur sich bereits auf den nahenden Frühling eingestellt hat, kommt es häufig zu einer Entwicklungsverzögerung der Vegetation.“ 

Aussicht

Am ersten Märzwochenende vertreibt ein neues Hoch die Schauerwolken. Nach frostigen Morgenstunden bleibt es mit Höchstwerten um 5 Grad auch am Tag empfindlich kühl. Goldhausen: „Wie es anschließend weitergeht, ist noch unsicher: Einerseits ist es möglich, dass atlantische Tiefs über Westeuropa in Richtung Mittelmeer vorstoßen. Andererseits könnten die Tiefs einen nördlicheren Weg wählen, was für uns deutlich wechselhafteres Wetter mit Regen und Schnee zur Folge hätte. Eines haben beide Varianten gemeinsam: Warmes Frühlingswetter ist vorerst nicht mehr zu erwarten.“ 

Auch wenn in der Natur die Zeichen mittlerweile auf Frühling stehen: Besonders im Bergland könnte es noch mal schneien, was dort jedoch nicht ungewöhnlich ist. Quelle: WetterOnline

Ein außergewöhnlich schneereicher Winter

Deutschlandwetter im Winter 2021/21

Ofenbach/Duisburg, 26. Februar 2021 - Der Winter 2020/2021 war hierzulande der zehnte zu warme Winter in Folge Offenbach, 26. Februar 2021 – Der Winter 2020/21 war in Deutschland bei durchschnittlichem Niederschlag und einem deutlichen Sonnenscheinplus wieder zu warm. Das Klimaarchiv des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigt: Es war hierzulande der zehnte zu warme Winter in Folge. Zahlreiche Sturmtiefs, die über Nordeuropa ostwärts zogen, brachten im Dezember und Januar sehr feuchte, oft nasskalte Luftmassen. Das führte im Dezember vor allem in den Alpen, ab Januar häufig auch in den Mittelgebirgen, zu herrlichem Winterwetter.

Anfang Februar stellten sich den nordeuropäischen Sturmtiefs Hochdruckgebiete in den Weg. Über Mitteleuropa bildete sich eine Luftmassen-grenze, die kalte Luft aus dem Norden von milder im Süden trennte und nur langsam südwärts vorankam. An ihrem Übergangsbereich traten ungewöhnlich starke Schneefälle mit gebietsweise enormen Schneeverwehungen auf. Klare Nächte führten dort zu sehr strengen Frösten. Ab Mitte Februar gab es landesweit schon frühlingshafte Temperaturen. Das meldet der DWD nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Foto DWD

Besonders im Februar extreme Temperaturunterschiede
Mit 1,8 Grad Celsius (°C) lag der Temperaturdurchschnitt im Winter 2020/21 um 1,6 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung immer noch +0,4 Grad. Im Dezember und Januar wechselten sehr milde und nasskalte Witterungsabschnitte häufig einander ab. Von Anfang bis Mitte Februar gelangte vor allem der Norden, später auch das gesamte Land in den Einflussbereich skandinavischer Hochdruckgebiete, die es vorübergehend unter eisiger Kälte erstarren ließen. Gebietsweise trat sehr strenger Frost von unter -20 °C auf.

Mühlhausen-Görmar, nordwestlich von Erfurt, registrierte am 10. Februar mit -26,7 °C den tiefsten Wert des Winters. Zwei Wochen später schnellten die Temperaturen deutlich in die Höhe und er-reichten das andere Extrem. Am höchsten kletterte das Quecksilber am 25. Februar in Ohlsbach bei Offenburg auf außergewöhnliche 22,0 °C. In Deutschland stieg das Thermometer an 6 Tagen in Folge auf über 20 °C. Seit Messbeginn 1881 hatte es dies in einem Winter maximal nur 3 Tage am Stück gegeben, wie zuletzt vom 26.2. bis 28.2.2019.

Ein außergewöhnlich schneereicher Winter
Der Winter 2020/21 erreichte mit knapp 180 Litern pro Quadratmeter (l/m²) fast genau seinen Klimawert (1961-1990) von 181 l/m². Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 gab es ein Defizit von knapp 10 l/m². Bereits gefallene Schneemengen in den Alpen und später auch den Mittelgebirgen führten Ende Januar mit einsetzendem Tauwetter und kräftigen Regenfällen im Westen und Süden zu großem Hochwasser.
Am 28. Januar fiel in Bernau-Goldbach im Südschwarzwald mit 87,4 l/m² die größte Tagesmenge. Im Schwarzwald wurde auch mit lokal um die 585 l/m² die deutschlandweit größte Gesamtsumme gemessen. In Teilen von Sachsen, Thüringen und Brandenburg blieb es im ganzen Winter dagegen bei kaum 50 l/m². An einer Luftmassengrenze fielen am 7. und 8. Februar vom Münsterland bis nach Thüringen verbreitet große Schneemengen, die durch den Ostwind gebietsweise zu enormen Schneeverwehungen führten.

Verbreitet sehr sonnig, der Süden deutlich im Vorteil
Mit über 175 Stunden überschritt die Sonnenscheindauer im Winter 2020/21 ihr Soll von 153 Stunden (Periode 1961 bis 1990) deutlich. Im Vergleich zur Periode 1991 bis 2020 lag sie gering-fügig über dem Klimawert von 170 Stunden. Am meisten zeigte sich die Sonne am Alpenrand mit bis zu 285 Stunden, am wenigsten im äußersten Norden, dem Taunus sowie dem Sauerland mit teils weniger als 125 Stunden.

Nordrhein-Westfalen war im Länderranking mit einer Mitteltemperatur von knapp 3,3 °C (1,7 °C) das zweitwärmste Bundesland. Mit abgerundet 220 l/m² (223 l/m²) gehörte es zu den niederschlagsreichen Gebieten. An einer Luftmassengrenze entwickelten sich am 7. und 8. Februar besonders im Norden und Osten sehr kräftige Schneefälle; Bielefeld-Deppendorf meldete hierbei 43 cm. Die Sonne zeigte sich hier annähernd 160 Stunden (151 Stunden).

 

Achtung Krötenwanderung!

Von Mitte Februar bis Anfang Mai gehen heimische Amphibien auf Wanderschaft

Bonn/Duisburg, 23. Februar 2021 – Wenn es draußen wieder frostfrei und milder wird, gehen Frösche und Kröten auf Wanderschaft, um sich fortzupflanzen. Wann die Krötenwanderung beginnt, welches Wetter sie bevorzugen und was jeder Einzelne für den Artenschutz tun kann, verraten die Expertinnen und Experten von WetterOnline in Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf.

An vielen Wegen und Straßen weisen spezielle Schilder im Frühling auf die Krötenwanderungen hin. Bildquelle: WetterOnline

Frostfreie Nächte und Temperaturen über 5 Grad geben den Start zur Wanderung
Zweimal im Jahr begeben sich in Deutschland heimische Frösche und Kröten auf Wanderschaft. Nachdem sie den Winter meist in frostfreien Verstecken überdauert haben, zieht es sie im Frühjahr zum Wasser. Fast immer mit dem gleichen Ziel: das Laichgewässer, dem die Amphibien einst selbst entstiegen sind. Dort treffen sie ihre Artgenossen und pflanzen sich fort. Einige unter ihnen, wie der Grasfrosch, begeben sich bereits mit dem auslaufenden Winter und den damit verbundenen ersten frostfreien Nächten auf Tour, andere warten auf deutlich höhere Temperaturen im zeitigen Frühjahr.

Immer häufiger müssen Amphibien auch Straßen überqueren. Wer die Geschwindigkeit beim Autofahren anpasst, kann die Tiere auf der Straße frühzeitig erkennen – wie zum Beispiel die Erdkröte. Bildquelle: Aquazoo Löbbecke Museum




Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Gegen Ende des Winters nehmen die frostfreien Nächte zu. Der Februar ist dabei noch ein echter ‚Winterling‘, eine Mischung aus Winter und Frühling. Von über plus 20 Grad bis zu bitterkalten Nächten mit Wind und Schnee ist alles möglich. Ab März wird es dann deutlich milder und die Tage wieder spürbar länger.“ Die Hauptwanderzeit der Amphibien ist in Deutschland von Mitte Februar bis Anfang Mai.

Wer wandert denn da?
Sandra Honigs, Stellvertretende Direktorin und Kuratorin für den Landbereich im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf, erklärt: „Die noch relativ häufige Erdkröte dominiert die sogenannten Krötenwanderungen. Sie legt dabei oft weite Strecken von mehreren hundert Metern und in Einzelfällen sogar bis zu drei Kilometern zurück. Der Europäische Laubfrosch hingegen ist in Deutschland selten geworden. Vor allem in westlichen Bundesländern sind seine einstigen Lebensräume durch Straßen, einseitige Kulturlandschaften und Trockenlegung von Kleingewässern nahezu völlig verschwunden.“ Dort, wo der grüne Klettermeister noch vorkommt, kann auch er im Frühjahr auf Straßen und Wegen unterwegs sein.

Jeder kann helfen – Vorsicht auf den Straßen und Wegen
Heutzutage müssen Amphibien immer häufiger auch Straßen überqueren, oft zu einem hohen Preis, denn alljährlich bezahlen unzählige Amphibien die Wanderung mit ihrem Leben. Unüberwindbare Barrieren wie hohe Bordsteinkanten und Gebäude leiten die Tiere zudem in Gullys oder andere ausweglose Sackgassen. Dabei kann jeder mithelfen, die Tiere zu schützen. Hinweisschilder machen auf Wegen und Straßen auf die Wanderungen aufmerksam. Wer die Geschwindigkeit beim Autofahren nachts zwischen 19.00 und 07.00 Uhr anpasst, kann die Amphibien auf der Straße frühzeitig erkennen und bestenfalls umfahren.

Daneben bieten viele örtliche Umweltvereine Interessierten die Möglichkeit, aktiv am Amphibienschutz teilzunehmen – zum Beispiel durch das Anlegen und Pflegen von Krötenzäunen. Ende November zieht es die Tiere übrigens wieder zurück in ihre Winterquartiere und es beginnt die zweite Wanderung des Jahres. Auch dann heißt es auf den Straßen wieder: Achtung, Krötenwanderung!

Über die Kooperation von WetterOnline und dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf
WetterOnline engagiert sich als Pate im Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf für den Artenschutz heimischer Amphibien. Denn WetterOnline hegt als Wetterdienstleister eine ganz besondere Beziehung zum Europäischen Laubfrosch – auch als Wetterfrosch bekannt – und möchte helfen, diesen Frosch und seine heimischen Artgenossen auch in Zukunft in Deutschland beheimatet zu wissen. Für die Kooperation mit dem Aquazoo Löbbecke Museum hat sich WetterOnline bewusst entschieden: Der Aquazoo führt seit dem Jahr 2008 eine Zucht- und Schutzstation für Amphibien und setzt sich so in besonderem Maße für diese bedrohte Tiergruppe ein.



Vorfrühling löst Rückreisewelle aus - „Vögel des Glücks“ nutzen Wetter

Bonn/Duisburg, 22. Februar 2021 – Es wird deutlich milder und das lassen sich die Kraniche nicht zweimal sagen. Sie sind bereits gestartet, um die Brutplätze im Norden zu besetzen, denn der frühe Vogel kriegt den besten Platz. In diesen Tagen sind sie vor allem über dem Himmel im Westen zu sehen und zu hören. Hand aufs Herz: Wer schafft es schon, nicht die Augen zum Himmel zu richten und über die eleganten Vögel zu staunen, wenn ihr lautes Trompeten zu vernehmen ist?

Zugvögel kommen aus dem Süden zurück
Kraniche werden, weil sie als Vorzeichen des Frühlings gelten, auch „Vögel des Glücks“ genannt. Die ersten Zugvögel kehren Ende Februar und Anfang März aus dem Süden zurück nach Deutschland. Auch die Kraniche verlassen dann ihre Winterquartiere in Frankreich und Spanien.

Ein Anblick, der glücklich macht: Kraniche fliegen in typischer V-Formation oder in schrägen Reihen, um Energie zu sparen. Mit lautem Trompeten geht es Richtung Nord- Nordost. Quelle WetterOnline

„Je nach Witterung kann die Rückreisewelle der Vögel aber bereits im Januar starten. Durch den derzeitigen Vorstoß des Vorfrühlings haben sich auch Kraniche bereits auf den Weg nach Deutschland gemacht, um dort möglichst als erste wieder im Brutgebiet anzukommen und die besten Plätze zu besetzen. Der Wettbewerb um die besten Brutreviere hat somit schon begonnen. Aus diesem Grund hört und sieht man zurzeit die Schwärme der majestätischen Tiere in ihrer typischen V-Formation wieder am Himmel“, erklärt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher bei WetterOnline. 

Vogelzug hängt vom Wetter ab
Wenn das Wetter zum Milden umschlägt und die Bedingungen dadurch deutlich besser werden, nimmt die Stärke des Vogelzuges zu. Die warmen Südwestwinde dienen dann regelrecht als Turbo für die Federtiere. Genau eine solche Witterung wie derzeit löst am Himmel dann eine regelrechte Rückreisewelle aus.  Ein Wintereinbruch jedoch, wie wir ihn in den letzten Wochen oder im März 2013 hatten, veranlasst auch Vögel, die hier überwintert haben, zu sogenannten Kälte-Ausweichflügen in mildere Gefilde, die auf dem Einreiseflug befindlichen Schwärme sogar zu einem Umkehrzug.

Goldhausen: „Unsere Zugvögel haben unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit Wetterkapriolen umzugehen. Sind die Bedingungen zum Beispiel wegen eines Kälteeinbruchs zu ungünstig geworden, drehen sie einfach ein Stück um, bis sie wieder mildere Gefilde erreicht haben, wo dann Staugefahr herrscht. Deshalb konnte man in den letzten Wochen, als eine Luftmassengrenze quer über Deutschland lag, auch Kranichzüge in gegensätzliche Richtungen beobachten.“ 

Das bedeutet allerdings nicht, dass den Tieren ein später Wintereinbruch nichts ausmacht. Gerade den Vögeln, die den Winter hier verbracht haben, fehlt es dann schnell an Energie. Da das Nahrungsangebot über den Winter naturgemäß geschrumpft ist. Für die Zugvögel bedeutet ein Ausweich- oder Umkehrzug natürlich auch einen höheren Energieverbrauch, als bei einer pünktlichen Landung ihres Langstreckenflugs. 

Durch den derzeitigen Vorstoß des Vorfrühlings haben sich auch Kraniche bereits auf den Weg nach Deutschland gemacht, um dort möglichst als erste wieder im Brutgebiet anzukommen.  Quelle WetterOnline

Studie: Schädliches Ozon nimmt durch Lockdowns auf der Nordhalbkugel ab

Ozonforschung
Hohenpeißenberg/Offenbach/Duisburg, 17. Februar 2021 – Um durchschnittlich sieben Prozent ging das für den Menschen schädliche Ozon in der freien Troposphäre bis etwa 10 km Höhe auf der Nordhalbkugel im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres zurück. Dies ist das Ergebnis einer begutachteten Studie, die unter der Federführung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) soeben veröffentlicht wurde.


Insgesamt wurden dazu die Daten von 45 Messstationen weltweit ausgewertet, an denen Ballonsondierungen und Fernerkundungen zur Messung des Ozongehalts in der gesamten Atmosphäre durchgeführt werden. Weniger Stickoxid, weniger Ozon Verkehr ist eine Hauptquelle von Stickoxid in der Atmosphäre. Mit den coronabedingten Lockdowns hat die Pandemie dafür gesorgt, dass weltweit deutlich weniger Verkehr unterwegs ist.

Im Mittel gingen 2020 die weltweiten Emissionen durch Landverkehr um rund 14 Prozent, beim Flugverkehr sogar um 40 Prozent zurück. In Ballungsgebieten mit stark verschmutzter Luft wurde allerdings weltweit eine Zunahme bodennaher Ozonwerte infolge der Lockdowns registriert. Denn in verschmutzter Luft, nahe an den Emissionsquellen, zerstört Stickoxid Ozon, die Reduzierung von Stickoxid-Emissionen führt dann zu mehr Ozon.

In quellferner Luft, wie in der freien Troposphäre, führt dagegen weniger Stickoxid auch zu weniger Ozon – so wie jetzt auf der Nordhalbkugel beobachtet. Mit den Lockdowns wurde weniger Stickoxid in die Atmosphäre emittiert und deswegen in der freien Troposphäre weniger Ozon produziert. Ungeplanter ,Corona-Großversuch‘ „Dies ist ein bemerkenswert großer und großräumiger Rückgang“, sagt Dr. Wolfgang Steinbrecht, Leiter des Regionalen Ozonzentrums am Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg (MOHp) des DWD und Lead-Autor der Studie.

„Am Hohen Peißenberg haben wir beispielsweise zuletzt 1976 so wenig Ozon in der freien Troposphäre im Sommer gemessen, wie 2020 nach den Lockdowns. Der ungeplante weltweite ‚Corona-Großversuch‘ zeigt deutlich, wie komplex die Atmosphäre auf Emissionsminderungen reagieren kann. Er zeigt aber auch, was mit international abgestimmten Maßnahmen für die weltweite Luftqualität erreichen werden könnte.“ Die Studie wurde nach der erfolgten Peer-Review-Prüfung soeben in Geophysical Research Letters unter dem DOI https://doi.org/10.1029/2020GL091987 in englischer Sprache veröffentlicht, oder kann über www.dwd.de/presse heruntergeladen werden.


Hintergrundinformationen zu Ozon
Ozon ist ein wichtiges Spurengas in der Erdatmosphäre. Rund 90 Prozent des Ozons befindet sich in der stratosphärischen Ozonschicht zwischen 10 und 50 km Höhe. Diese Ozonschicht schützt als natürliche „Sonnenbrille“ das Leben auf der Erdoberfläche, indem sie harte und gefährliche UV-Strahlung von der Sonne fast völlig blockiert. Ausreichend Ozon in der Stratosphäre ist grundlegend wichtig für das Leben auf der Erde. Rund 10 Prozent des Ozons befinden sich in der Troposphäre, d.h. vom Boden bis in 10 km Höhe.
In der Troposphäre ist Ozon ein wichtiges Treibhausgas. Als starkes Oxidationsmittel kann es bei höheren Konzentrationen zu Reizung und Schädigung der Atemwege von Menschen und Tieren führen, bei Pflanzen zu Schädigungen und Ernteausfällen. Der Idealzustand wäre: viel Ozon in der Stratosphäre und wenig Ozon in der Troposphäre. Menschliche Aktivitäten haben jedoch in den letzten hundert Jahren zu einem weltweiten Rückgang des stratosphärischen Ozons und zur Zunahme des troposphärischen Ozons geführt.
Beim stratosphärischen Ozon hat das weltweite Verbot der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) durch das Montrealer Protokoll (1987) eine langsame Erholung der Ozonschicht seit etwa 2000 eingeleitet, die aber noch 50 bis 100 Jahre brauchen wird. Beim troposphärischen Ozon haben Entstickung von Kraftwerken oder die Einführung von Katalysatoren die vorherige starke Zunahme in der westlichen Welt seit den 1990er Jahren weitgehend gestoppt. Stickoxid-Emissionen, wie beispielsweise von älteren Diesel-Fahrzeugen, sind aber nach wie vor ein Problem.

Vom Staubkorn zum Eiskristall: So entsteht Schnee

Wie sich Schnee bildet und warum er knirscht

Bonn/Duisburg, 12. Februar 2021 – Zurzeit hüllt der Winter weite Teile Deutschlands in eine dichte Schneedecke. Doch wie entsteht die weiße Pracht eigentlich und warum knirscht Schnee, wenn man auf ihn tritt? Das erklären die Expertinnen und Experten von WetterOnline. 

Luftfeuchtigkeit und Kondensationskerne

Damit Schnee entstehen kann, muss die Luft ausreichend Feuchtigkeit und Kondensationskerne enthalten. Das können zum Beispiel kleine Staub- oder Rußpartikel sein, die in der Luft schweben. Sinkt die Temperatur in der Höhe weit genug ab, so frieren die Wassermoleküle in der Luft an einem Kondensationskern fest und bilden ein Eiskristall. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Damit Schnee entsteht, müssen die Temperaturen in den Wolken etwa minus 12 Grad betragen. Haben sich die Eiskristalle gebildet und sind schwer genug, fallen sie aufgrund der Schwerkraft langsam auf die Erde. Auf diesem Weg verhaken sich einzelne Kristalle miteinander und bilden so die typischen Schneeflocken.“

Damit Schnee entsteht, muss nicht nur die Temperatur, sondern auch die Luftfeuchtigkeit stimmen. Bildquelle: WetterOnline

Kunstwerke aus Eis
Jeder Schneekristall ist dabei einzigartig und seine Form abhängig von der Temperatur. Bei tiefen Temperaturen entstehen eher Schneeplättchen und -prismen. Ist es wärmer, bilden die Kristalle eine Sternform aus. Björn Goldhausen ergänzt: „Die Größe der Schneeflocke hängt von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab: Je kälter es ist, desto weniger Luftfeuchtigkeit ist vorhanden und es entstehen nur kleine Flocken. Bei höheren Temperaturen und einer höheren Luftfeuchtigkeit bilden sich hingegen größere Schneeflocken.“ Genau wie Wasser sind Schneekristalle transparent. Sie wirken jedoch wie kleine Spiegel, die das Licht reflektieren und streuen. Schnee erscheint daher weiß.

Die Eiskristalle brechen, der Schnee knirscht
Sobald der Schnee gefallen ist, lassen sich beim Gehen auf der Schneedecke knirschende Schrittgeräusche wahrnehmen. Björn Goldhausen: „Schnee besteht zu 90 Prozent aus Luft und ist aufgrund seiner geringen Dichte eigentlich ein perfekter Schalldämpfer. Auf der Erde fügen sich die Schneekristalle nach einiger Zeit aber zu festen Verbindungen zusammen. Tritt man nun auf den Schnee, zerbrechen diese. Ein einziger Bruch wäre dabei für unsere Ohren zu leise. Da aber mit jedem Schritt Millionen dieser Verbindungen gleichzeitig zerbrechen, entsteht das für Schneespaziergänge so typische Knirschen.“


Je kälter, desto lauter der Schnee
Wie laut Schnee knirscht (Bildquelle: WetterOnline), hängt nicht nur davon ab, wie lange er bereits auf dem Boden liegt, sondern auch davon, wie kalt es draußen ist. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind die Eiskristalle noch flexibler und können sich trotz des Drucks unserer Füße verformen. Ab etwa minus sieben Grad hingegen, werden die Kristalle spröde und können scharf abbrechen. „Je kälter es ist, desto lauter knirscht es auch beim Gang über die Schneedecke“, fasst Meteorologe Björn Goldhausen zusammen. „Sobald der Schnee wieder taut, wird auch das Knirschen wieder leiser. Das liegt daran, dass sich die Eiskristalle durch das Schmelzwasser wieder mühelos gegeneinander verschieben lassen – so lange, bis der Schnee irgendwann ganz geschmolzen ist.“


So extrem ist das Extremwetter

Eine Einordnung 

Bonn/Duisburg, 10. Februar 2021 – Schneemassen, Eisregen und bittere Kälte. Wie extrem war und ist das Wetter wirklich? Während die einen betonen, dass ein Winter halt so ist, sehen andere dramatische Abweichungen von der Norm. Björn Goldhausen von WetterOnline ordnet die Wetterlage ein.

In einem Streifen von Nordrhein-Westfalen über das nördliche Rheinland-Pfalz bis nach Hessen kam es am Wochenende zu extremem Eisregen. Äste bekamen dicke Eispanzer. Bildquelle Quelle: WetterOnline


Ist die Wetterlage extrem?

Seit dem letzten Wochenende ist der Winter mit meterhohen Schneeverwehungen, Eisglätte und klirrender Kälte über große Teile des Landes hereingebrochen. Nach vielen überdurchschnittlich milden Wintern lässt das niemanden unbeeindruckt. Und das Bedürfnis nach einer Einordnung in extremes, „unnormales“ oder ganz „normales“ Wetter entsteht unweigerlich.  

Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline: „Um zu bewerten, ob die Wetterlage ‚unnormal‘ oder extrem ist, muss zunächst geklärt werden, was das ist. ‚Normal‘ ist nur ein statistischer Mittelwert, an den sich das Wetter in den seltensten Fällen hält. Meist sind die Abweichungen nach oben oder nach unten groß und manchmal eben, so wie derzeit, sehr groß - also extrem. Damit das aktuelle Wettergeschehen eingeordnet werden kann, bieten sich drei Parameter an: Schneehöhe, Eisregen und Temperatur.“ 

Schneehöhe von 0 bis 200 Zentimeter

Vom Münsterland bis nach Sachsen liegen jetzt verbreitet 20 bis 50 Zentimeter Schnee. Goldhausen: „Für diese Regionen ist das an vielen Orten extrem. Viele Stationen melden hier neue Allzeit- oder zumindest Monatsrekorde. Seit dem Januar 1947 wurden in Bramsche bei Osnabrück in Niedersachsen die aktuell gemessenen 54 Zentimeter Schneehöhe nicht erreicht. Ähnlich sieht es in Gröningen in Sachsen-Anhalt aus. Dort werden 43 Zentimeter gemessen, was der höchste Wert seit Januar 1969 ist. Fazit: Die Schneemengen sind für diese Regionen extrem und an vielen Orten sind es die höchsten seit Messbeginn.“ 

Schneehöhenangaben wenig aussagekräftig

„Die Schneehöhenmeldungen stammen jedoch von Automaten und diese sind nicht wirklich belastbar. Sie messen in einem eng begrenzten Radius. Fällt nun viel Schnee in Verbindung mit ordentlich Wind, dann entstehen große Verwehungen. Während es mancherorts dann quasi schneefrei ist, türmt sich die weiße Pracht wenige Meter weiter zwei Meter hoch auf.  Entsprechend wenig repräsentativ sind diese automatischen Messungen derzeit. Große Abweichungen, sowohl nach unten als auch nach oben, sind die Regel“, merkt der Meteorologe kritisch an.  

Eisregen hat beinahe zu großem Stromausfall geführt

In einem Streifen von Nordrhein-Westfalen über das nördliche Rheinland-Pfalz bis nach Hessen kam es am Wochenende zu extremem Eisregen. Dort ist alles teils Zentimeter dick in Eis eingepackt. In den Wäldern stürzten viele Bäume um und es besteht noch immer Lebensgefahr. Auswertungen ergaben Eisansätze an Gegenständen von 6 bis 20 Millimetern. „Um solch eine Eisregenlage zu finden, muss man schon weit in den Wettergeschichtsbüchern zurückblättern. Eine ähnlich heftige Lage in der Region gab es zuletzt am 2. März 1987. Entsprechend ist auch dieses Ereignis als extrem einzustufen. In einigen Regionen ist man nur knapp an großflächigen Stromausfällen vorbeigeschrammt“, so Goldhausen. 

Temperaturen unter minus 25 Grad

Der Parameter Temperatur ist noch nicht final auszuwerten, da das Ereignis noch andauert. Björn Goldhausen: „So viele Nächte am Stück mit Tiefstwerten unter minus 15 Grad im Flachland gab es schon lange nicht mehr. Auch muss man weit zurückblicken, um tagsüber im Flachland Spitzenwerte von an die minus 10 Grad zu finden. Da auch die kommenden Nächte besonders über Schnee eisig werden, ist davon auszugehen, dass es mancherorts zumindest neue Monatsrekorde in Sachen Tiefsttemperatur geben wird. Die Allzeitrekorde werden aber wohl meist nur knapp verfehlt. Allein diese Feststellung macht die aktuellen Temperaturen ebenfalls zum Extremereignis.“

Fazit: Die Neuschneemengen, der Eisregen und auch die Temperaturen waren mancherorts extrem! „Unnormal“ aber waren sie nicht, denn Extreme gehören zum Wetter einfach dazu. Dennoch geht das Wetterereignis in den jeweiligen Regionen als Extremwetter in die Geschichtsbücher ein, weil es so nur alle 20 bis 50 Jahre, oder noch seltener zu beobachten ist. 

Spitzenwerte im Flachland von an die minus 10 Grad: Man muss weit zurückblicken, um ähnliche Werte zu finden. Bildquelle Quelle: WetterOnline


Wie entsteht Glätte?

Von Blitzeis bis Schneeglätte: Darum werden die Straßen im Winter zur Rutschpartie

Bonn/Duisburg, 09. Februar 2021 – Schlittschuhlaufen in der Eishalle oder auf dem See ist bei vielen im Winter sehr beliebt. Doch manchmal verwandelt sich in der kalten Jahreszeit auch der normale Gehweg oder die Straße ganz plötzlich zu einer spiegelglatten Eisfläche. Wie sie entsteht und welche Arten von Glätte es gibt, wissen die Expertinnen und Experten von WetterOnline. 


Eine plötzliche Glättebildung kann durch Regen, der auf einen kalten Untergrund fällt, oder auch durch ein schlagartiges Gefrieren einer nassen Fläche entstehen. Bildquelle: WetterOnline

Wird man von Glätte überrascht, ist es als Fußgänger ratsam, sich langsam mit kleinen, watschelnden Schritten fortzubewegen und das Körpergewicht nach vorne zu verlagern. So ist die Sturzgefahr geringer. Bildquelle: WetterOnline

Glatteis: Wenn Wasser am Boden gefriert
Wenn sich flüssiges Wasser auf gefrorenem Untergrund absetzt, bildet sich oft eine geschlossene Eisschicht. Gefährlich glatte Straßen sind die Folge. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Glatteis tritt besonders dann auf, wenn eisige Luft aus Nordosten auf laue Südwestwinde trifft.  Die leichte Warmluft mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt schiebt sich über die bodennahe schwere Kaltluftschicht. Fällt Schnee in die Warmluftschicht taut er und fällt als Regen. Am Boden angekommen, gefriert dieser sofort, die Folge ist Glatteis.“ Eine plötzliche Glättebildung kann durch Regen, der auf einen kalten Untergrund fällt, oder auch durch ein schlagartiges Gefrieren einer nassen Fläche entstehen. Dieses sogenannte „Blitzeis“ kann so manch einen Verkehrsteilnehmer unterwegs eiskalt erwischen.

Glatteis, Eisglätte, Reifglätte und Schneeglätte
Grundsätzlich unterscheiden Wetterkundige zwischen Glatteis und Eisglätte. Beide Namen klingen ähnlich und bewirken das Gleiche. Dennoch setzt Eisglätte, im Gegensatz zu Glatteis, keinen unmittelbaren Niederschlag voraus. Björn Goldhausen: „Eisglätte entsteht, wenn Wasser gefriert, das sich bereits am Boden befindet, dies kann Schmelzwasser, Schneematsch oder schlichtweg Regen sein. Eisglätte tritt häufig nachts auf, wenn es tagsüber geregnet hat oder Schnee geschmolzen ist und es abends frostig wird.“

Neben diesen beiden Phänomenen gibt es noch die Reifglätte. Dabei gefriert Wasserdampf aus der Luft unmittelbar auf den Straßen und Wegen. Auch Schneeglätte ist möglich. Sie entsteht, wenn Schnee durch Druck zusammengepresst wird – zum Beispiel durch fahrende Autos.

Bei Glätte sollte das Auto in der Garage bleiben. Ist dies nicht möglich, gilt es, langsam zu fahren und plötzliche Lenkbewegungen sowie abruptes Bremsen zu vermeiden. Bildquelle: WetterOnline

Winter macht jetzt richtig Ernst - Eisige Aussichten: Bis minus 25 Grad

Bonn/Duisburg, 08. Februar 2021 – Tagelang Tiefstwerte von minus 10 bis minus 20 Grad und jede Menge Schnee. Das gab es schon lange nicht mehr. Der Winter scheint in diesem Jahr nachholen zu wollen, was er in den vergangenen Jahren verpasst hat. Und er ist längst noch nicht fertig!

Mit klirrender Kälte und Schnee hat der Winter die meisten Teile Deutschlands fest im Griff. Foto WetterOnline


Winterwetter dominiert landesweit

Der Winter hat die meisten Teile Deutschlands fest im Griff. „Von Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen türmt sich der Schnee mittlerweile 20 bis 50 Zentimeter hoch auf. Dazu gibt es meterhohe Verwehungen. Die Temperaturen sind regelrecht in den Keller gefallen. Das Thermometer zeigt am Dienstagmorgen vom Sauerland bis nach Sachsen eisige Temperaturen von unter minus 15 Grad an, “ sagt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Er weiß: „Die kommenden Nächte werden noch kälter: Fast landesweit sinken die Werte dann unter minus 10 Grad. Bei klarem Himmel sind über Schnee sogar unter minus 20 Grad zu erwarten.“  

Nachts über Schnee örtlich minus 25 Grad

Goldhausen: „Und wer nun glaubt, der strenge Frost wäre nur eine Eintagsfliege, der irrt: Bis mindestens zum Wochenende geht es bitterkalt weiter. Sobald es abends dunkel wird, rauschen die Temperaturen nach unten. Über Schnee sind viele Nächte am Stück mit Tiefstwerten von rund minus 15 Grad zu erwarten. Nicht ausgeschlossen, dass es mancherorts sogar bis runter auf minus 25 Grad geht. Nicht ganz so kalt erwischt es einen, wo kein Schnee liegt. Dort wird es nachts zwar auch frostig, aber eben nicht ganz so eisig wie in den Schneelandschaften.“  

Wetterphänomen bringt erneut viel Schnee

Der Dauerschneefall lässt in den meisten Regionen nach. „Dennoch gibt es Ecken, wo es in Sachen Schnee erst jetzt richtig losgeht“, merkt der Meteorologe an. „Dies betrifft vor allem die Regionen von Schleswig-Holstein bis Rügen. Dort sorgt der sogenannte Lake-Effekt örtlich und eng begrenzt für extrem heftige und anhaltende Schneeschauer. Nicht ausgeschlossen, dass da bis Donnerstag mancherorts 50 Zentimeter Schnee fallen, während es wenige Kilometer weiter nur ein paar Flocken gibt.“   

Lake-Effekt kommt voll in Fahrt

Als Lake-Effekt wird ein meteorologisches Phänomen bezeichnet, das auftritt, wenn im Winter kalte Winde über große Wasserflächen mit warmem Wasser strömen und dabei Wasserdampf aufnehmen, der dann als intensiver Niederschlag fällt. „Die regional heftigen Schneeschauer dieser Tage entstehen, weil kalte Luft aus Osten über die recht milde Ostsee gepumpt wird. Über dem warmen Wasser saugt sich die Luft mit Feuchtigkeit voll und steigt auf. In der Folge bilden sich immer neue kräftige Schneeschauer. Die weiße Ladung wird dann regelrecht an den Küsten abgeladen. Auch im Süden kommt bald neuer Schnee auf. Zur Wochenmitte nähert sich aus Richtung Frankreich nämlich wieder ein Tief. Dieses beschert dann der Südhälfte Schneefälle“, so Goldhausen. 


Von Schleswig-Holstein bis Rügen sorgt der sogenannte Lake-Effekt örtlich und eng begrenzt für extrem heftige und anhaltende Schneeschauer.

Gute Laune im Winter

Licht, Bewegung und feste Strukturen gegen den Winterblues

Bonn/Duisburg, 04. Februar 2021 – In den Wintermonaten sind die Tage merklich kürzer, die Temperaturen niedrig und Regen oder Nebel gehören zum Wetterbericht dazu. Viele Menschen fühlen sich deshalb oft niedergeschlagen oder antriebslos. Ein paar einfache Tipps können jedoch dabei helfen, das Stimmungstief zu überwinden und schnell wieder gute Laune zu tanken.

Sonnenlicht sorgt für gute Laune
Dass viele Menschen sich in den dunkleren Wintermonaten häufig niedergeschlagen fühlen, liegt oft an zu wenig Sonnenlicht. Dieses sorgt nämlich im Körper dafür, dass das Glückshormon Serotonin produziert wird. Um also genug Sonnenlicht zu bekommen, ist es ratsam, sich viel an der frischen Luft zu bewegen. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Selbst bei einem bedeckten Himmel ist es tagsüber draußen heller als drinnen bei künstlichem Licht.“ Bewegung im Freien lässt sich einfach in den Tagesablauf integrieren. Im Büro oder Homeoffice kann zum Beispiel die Mittagspause für einen Spaziergang draußen genutzt werden. Die körperliche Bewegung kurbelt zudem zusätzlich die Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin an. Daher kann auch regelmäßiger Sport an der frischen Luft für eine stimmungsaufhellende Wirkung sorgen.

Sich glücklich essen
Auch gesunde Ernährung kann das Wohlbefinden steigern. Einige Lebensmittel gelten sogar als regelrechte Stimmungsmacher. Das sind zum Beispiel Erdnüsse, Bananen, Feigen oder Fisch. Weniger gesund, aber auch kurzfristige Gute-Laune-Booster, sind Süßigkeiten. Besonders dunkle Schokolade wirkt sich mit ihrem hohen Kakaoanteil positiv auf das Gemüt aus.

Auch im Homeoffice: Struktur und Ruhepausen gegen den Winterblues
In Zeiten von Homeoffice helfen auch feste Strukturen dabei, einer depressiven Winterstimmung vorzubeugen. Das Aufstehen, Essen, Arbeiten und Zubettgehen sollten etwa einem festen Tagesablauf folgen. Zudem sind regelmäßige Ruhepausen wichtig, da sie Stress vermindern und somit ausgeglichener und belastbarer machen. Auch ausreichend lange Schlafphasen gehören dazu, denn sie sorgen für einen gestärkten und gut gelaunten Start in den Tag.

Hellt die Stimmung im Winter auf: Spaziergänge in der Mittagspause an der frischen Luft oder kleine Ausflüge in die Natur am Wochenende. Quelle: WetterOnline

Schneesturm, Dauerregen und 15 Grad - Am Wochenende drohen Unwetter 

Bonn/Duisburg, 03. Februar 2021 – Die Temperaturgegensätze zwischen Nord und Süd werden größer und damit wird das Wetter wieder turbulent. Zum Wochenende drohen mit jeder Menge Schnee, massiven Verwehungen und Hochwasser sogar Unwetter, wie wir sie schon lange nicht mehr gesehen haben.

Die Wettermodelle berechnen sehr große Neuschneemengen. Auch im Flachland sind örtlich 20 bis 40 Zentimeter Schnee denkbar. Quelle: WetterOnline



Von Polar- bis Frühlingsluft
Die Wettergegensätze über Deutschland bleiben groß und nehmen sogar noch zu. „Bis zum Wochenende präsentiert sich das Wetter in den meisten Landesteilen wechselhaft und mild. Aber im äußersten Norden hält sich die Polarluft wacker. Dort schneit es sogar immer wieder. Zum nächsten Wochenende werden die Gegensätze dann noch größer“, weiß Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.  

Niederschläge an Luftmassengrenze
Eine Luftmassengrenze genau über Deutschland trennt dann eisige Polarluft im Norden von sehr milder Frühlingsluft im Süden. Dort, wo beide Kontrahenten aufeinanderprallen fällt kräftiger Niederschlag.  Goldhausen: „Während es auf der ‚warmen Seite‘ länger anhaltend und kräftig regnet, schneit es auf der ‚kalten Seite‘ meist. Nach derzeitigem Stand berechnen die Wettermodelle dabei sehr große Neuschneemengen. Selbst im Flachland wären demnach regional 20 bis 40 Zentimeter Schnee möglich, örtlich kommt es auch zu gefrierendem Regen.“ 

 
Wind: stark auffrischend bis stürmisch
Aufgrund der großen Temperaturgegensätze wird auch der Wind ein Thema. „Besonders auf der kalten Seite der Luftmassengrenze frischt dieser nämlich immer mehr auf. Selbst ein ausgewachsener Schneesturm mit gefühlten Temperaturen im zweistelligen Minusbereich ist dann denkbar“, erläutert der Meteorologe. Zudem ist an der Ostsee bei stürmischem Ostwind und deutlichen Minusgraden mit Hochwasser zu rechnen. An den Küsten entstehen durch die Gischt dann wahre Eislandschaften.

Goldhausens Fazit ist: „Was wir wissen: Zum Wochenende werkelt das Wetter an einer Unwetterlage, wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt haben. Unsicher ist, wo genau der Übergangsbereich zwischen warm und kalt liegen wird und somit wo genau mit viel Schnee und Sturm zu rechnen ist. Am wahrscheinlichsten ist dies im Norden der Fall, es gibt aber auch Lösungen, wo eher die Landesmitte betroffen ist. Aus diesem Grund sind belastbare Prognosen für das Wochenende derzeit noch kaum möglich."


Durch die großen Temperaturgegensätze ist an der Luftmassengrenze ein ausgewachsener Schneesturm mit gefühlten Temperaturen im zweistelligen Minusbereich möglich.  Quelle: WetterOnline

Der Januar war grau und nass mit Dauerwinter in den Bergen

Offenbach/Duisburg, 29. Januar 2021 – Im Januar 2021 karrten Tiefdruckgebiete immer wieder Niederschläge, vorübergehend ungewöhnlich milde Luft und phasenweise kräftigen Wind über das Land hinweg. Am 21. tobte ein Sturmfeld von „Goran“ über der Nordwesthälfte Deutschlands. Vor allem in den Bergen herrschte meist Winterwetter wie aus dem Bilderbuch. Davon konnte der Wintertourismus leider nicht profitieren - die Corona-Pandemie sorgte oft für gesperrte Pisten und einsame Wanderwege. Auch abseits der Bergregionen lösten im Flachland kurze Schnee-Episoden hin und wieder Winterfreude aus.
Der Januar endete schließlich mit Tauwetter im Süden und einem gleichzeitigen Frostluftvorstoß im Norden. Unter dem Strich war der Monat zu warm, niederschlagsreich und sehr sonnenscheinarm. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Oft mäßig kalt, kurz ungewöhnlich mild und ein Luftmassenduell zum Monatsende
Der Temperaturdurchschnitt lag im Januar 2021 mit 0,6 Grad Celsius (°C) um 1,1 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990.

Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung -0,3 Grad. Mäßig kalte Witterungsphasen prägten mit frostigen Nächten die erste Monatshälfte. Dabei wurde am 11. in Oberstdorf mit -19,5 °C der tiefste Wert gemessen. Zu Beginn der zweiten Monatsdekade erfolgte kurzzeitig eine ungewöhnliche Milderung.
Mit stürmischen Winden kletterten die Höchstwerte teils über 15 °C. Die höchste Temperatur meldete am 22. Emmendingen-Mundingen, nördlich von Freiburg im Breisgau mit 15,6 °C. Letztlich erfolgte zum Monatsende ein Kräftemessen zwischen milderer Luft im Süden und Frösten im Norden, die allmählich landesweit zum Monatswechsel die Vorherrschaft übernahmen.

Viel Niederschlag mit schneereichem Süden und finalem Tauwetter im Südwesten
Im Januar 2021 fiel mit 75 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 25 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 mit 61 l/m². Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 lag das Plus bei 10 l/m². Viele Wolken brachten schon fast turnusmäßig Niederschläge. Während es im Flachland dabei nur kurz weiß wurde, gab es in den Bergen durchweg Schnee.

Im Schwarzwald sowie im Allgäu türmte sich die Schneedecke auf über 100 cm auf. Todtmoos im Südschwarzwald meldete am 28. mit 86,6 l/m² den höchsten Tagesniederschlag. Mit einer Gesamtmenge von über 300 l/m² war der Schwarzwald im Januar zugleich die niederschlagsreichste Region Deutschlands. Zum Monatsausklang verursachten kräftigere Regenfälle und einsetzendes Tauwetter Hochwasser im Westen und Süden. Parallel dazu gab es im Norden Schneefälle.

Ein äußert sonnenscheinarmer Januar
Mit 30 Stunden verfehlte die Sonnenscheindauer im Januar ihr Soll von 44 Stunden (Periode 1961 bis 1990) deutlich. Im Vergleich zur Periode 1961 bis 2020 betrug die negative Abweichung sogar 22 Stunden. Am häufigsten schien die Sonne mit über 40 Stunden im Süden. Besonders in der Mitte des Landes blieb sie dagegen mit rund 10 Stunden äußerst rar.

NRW war mit einer Mitteltemperatur von 1,9 °C (1,1°C) und einer Niederschlagsmenge von rund 95 l/m² (77 l/m²) ein warmes und niederschlagsreiches Bundesland. Die Sonne zeigte sich mit abgerundet 20 Stunden (42 Stunden) und im Vergleich anderen Bundesländern sehr selten. Stürmischer Wind löste am 21. zahlreiche Feuerwehreinsätze aus. Vielerorts warfen Böen zwischen 8 und 10 Beaufort Bäume um und machten herabfallende Dachziegel zu einer Gefahr.

Forschungen des Deutschen Wetterdienstes



Meteorologie in der Antarktis

2,7 Millionen qkm – das Dronning Maud Land (DML) erstreckt sich vom 20. westlichen bis zum 45. östlichen Längengrad und reicht in etwa ab dem 65. südlichen Breitengrad über die küstennahen Schelfeisgebiete bis etwa zum 85. südlichen Breitengrad. (Quelle: ALCI, Kapstadt; Bearbeitung: Christian Paulmann, DWD)


Klimaforschung mit Satelliten



Animierte Grafik: Animierte Grafik zur Sonnenscheindauer 2018: Das rechte Bild zeigt die Anomalie im Vergleich zum vieljährigen Mittel (1983-2017). Das linke Bild zeigt die über die jeweiligen Jahre akkumulierte Sonnenscheindauer: klimatologisches Mittel (schwarze Linie); Werte für 2018 (rote Linie). Die Grafik basiert auf Auswertungen des Datensatzes SARAH. © Deutscher Wetterdienst

Die acht verschiedenen Auswertezentren für Satellitendaten unter dem Dach von EUMETSAT © Deutscher Wetterdienst

 

 

Garten: Kaltkeimer brauchen Kälteschock - Aussaat im Januar noch möglich

Bonn/Duisburg, 15. Januar 2021 - Einige Pflanzen haben sich an ein Klima angepasst, in dem es im Winter kalt und frostig ist. Diese Wild- und Gartenpflanzen keimen sogar nur, wenn sie längere Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt sind. Um später in den Genuss einer üppigen Blütenpracht zu kommen, sollten diese Kaltkeimer spätestens jetzt ausgesät werden.

Schlüsselblumen gehören zu den Kaltkeimern. Quelle: WetterOnline


Aussaat im Januar noch möglich
Einige Pflanzen haben sich an ein Klima angepasst, in dem es im Winter kalt und frostig ist. Diese Wild- und Gartenpflanzen keimen sogar nur, wenn sie längere Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt sind. Um später in den Genuss einer üppigen Blütenpracht zu kommen, sollten diese Kaltkeimer spätestens jetzt ausgesät werden.

Optimaler Zeitpunkt
Kaltkeimer brauchen mindestens sechs Wochen in feuchter kalter Erde, um zu keimen. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline rät: „Wer also Astern, Akelei oder Eisenhut im Herbst nicht ausgesät hat, kann das jetzt im Januar noch sehr gut nachholen. Denn in den ersten Wochen des Jahres ist es noch ausreichend kalt, um den Pflanzen den nötigen Kälteschock zu geben.“  

Frostkeimer sind hervorragend an kalte Winter angepasst und haben einen „Trick“, der sie vor dem Erfrieren der Keimlinge bewahrt. Die reifen Samen dieser Pflanzen fallen im Herbst zwar auf den Boden, keimen aber erst im Winter, weil sie über eine schützende Keimblockade verfügen. Diese Blockade besteht aus Substanzen, die nur durch niedrige Temperaturen um den Gefrierpunkt abgebaut werden können. Pünktlich zum Frühling startet dann die eigentliche Keimung. 

Beliebte Kaltkeimer
Die Liste der früher auch „Frostkeimer“ genannten Pflanzen ist lang. Neben den oben schon erwähnten Blumen brauchen den Kälteschock die Samen von so beliebten Garten- und Wildpflanzen wie Bärlauch, Waldmeister, Hopfen, Tränendes Herz, Heidelbeeren, Duftveilchen, Schlüsselblumen oder Frauenmantel und vielen mehr. 

Aussaat: Das ist zu beachten
Die oftmals recht dicken und hartschaligen Samen der kaltkeimenden Pflanzen bringt man am besten in Aussaaterde aus. Dazu kann man sowohl in Kästen und Töpfe säen als auch direkt ins Beet. Der Boden sollte leicht feucht sein und auch feucht gehalten werden, bis die ersten Triebe zu sehen sind. „Einige Frostkeimer lassen sich übrigens auch schon einmal zwei Winter Zeit, um aus dem Boden zu kommen. Hier ist dann nur Geduld gefragt“, so Goldhausen.   

Um zu keimen, braucht der köstliche Bärlauch einen ausreichenden Kälteschock. Quelle: WetterOnline

 

Schneemann: Auf das Baumaterial kommt es an 

Darum kann man Schnee zu Kugeln rollen  - Geschichte des Schneemanns

Eine Familie aus Schneekristallen und Wasser. Quelle: WetterOnline

Bonn/Duisburg, 13. Januar 2021 - Kaum ist der erste Schnee gefallen, wird er draußen fleißig zu Kugeln gerollt und ein Schneemann gebaut. Die meist freundlich dreinschauenden Gesellen gehören zum Schneespaß einfach dazu. Aber warum sind solche Gebilde überhaupt möglich? Das erklärt Björn Goldhausen von WetterOnline.

Wasser als Klebstoff 
Um einen Schneemann zu bauen, bedarf es neben einer ausreichenden Schneedecke auch Wasser. Jeder, der einmal einen Schneemann gebaut hat, weiß, wie die Schneekugel beim Rollen über eine Wiese immer größer wird. Manchmal hinterlässt die Kugel auch eine grüne Spur, weil einfach der gesamte Schnee an der Kugel haften bleibt. Die idealen Bedingungen für diese Haftung sind Temperaturen um den Gefrierpunkt und feuchte Luft.  

„Frisch gefallene Schneekristalle sind zunächst locker miteinander verbunden. Durch Wasser, wie es zum Beispiel bei Temperaturen um 0 Grad noch vorhanden ist, wird die Luft aus den Hohlräumen zwischen dem Kristallgeäst verdrängt und die Kristalle werden enger miteinander verbunden“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline.

„Das Wasser klebt sozusagen die Schnee- bzw. Eiskristalle aneinander. Durch das Rollen und Drücken des Schnees wird die Luft immer weiter aus dem Wirrwarr an Schneekristallen verdrängt.
Die Wassermoleküle können sich immer fester binden, da sie immer mehr Kontakt zu der Eisfläche bekommen. Eine feste Kugel kann entstehen.“ Für ein langes und standhaftes Leben des Schneemanns ist es günstig, wenn es nach dem Bau ordentlich friert. So wird die Schneekunst regelrecht einzementiert. 

Geschichte des Schneemanns
Skulpturen aus Schnee finden schon in der Literatur des 16. Jahrhunderts Erwähnung. In einem Kinderliederbuch von Christian Felix Weiße taucht 1770 der Begriff „Schneemann“ zum ersten Mal belegt auf. Mit einer veränderten Einstellung zum Winter, der nun nicht mehr vor allem entbehrungsreich war, wird auch die Abbildung von Wintermotiven in der Kunst immer freundlicher und heiterer. In Darstellungen des 19. Jahrhunderts findet man neben Schlittenfahrten und fröhlichen Schlittschuhläufern auch den freundlich blickenden Schneemann - so wie wir ihn bis heute kennen. 


Bei idealen Bedingungen lässt sich Schnee zu riesigen Kugeln rollen. Quelle: WetterOnline

 

Warum Schnee nicht einfach nur „schmilzt“

Es gibt erhebliche Unterschiede, wie eine Schneedecke verschwindet

Taupunkt und Feuchttemperatur sind die wichtigsten Parameter beim „Verflüssigen“ des Schnees. Quelle: WetterOnline

Temperatur, Luftfeuchte und Taupunkt bestimmen
Bonn/Duisburg, 07. Januar 2021 - „Die Natur hält für uns immer wieder Überraschungen parat: Die meisten Menschen glauben sicherlich, dass Schnee schmilzt, wenn das Thermometer Plusgrade anzeigt. Doch kurioserweise ist die Temperatur für das Verschwinden von Schnee gar nicht so wichtig“, sagt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, und erklärt: „Ob der Schnee schmilzt, taut oder sublimiert, hängt vielmehr von der Luftfeuchte ab“.

Der Taupunkt als Maß für die Luftfeuchte bezeichnet die Temperatur, bei der die Luft gesättigt ist, also theoretisch Nebel herrscht. Der  Taupunkt kann über oder unter dem Gefrierpunkt liegen und beeinflusst auch das Tempo und die Art des Schneeschwundes.   

Tauen: Der flüssige Zustand wird erreicht „Nur bei Plusgraden und feuchter Luft beginnt die weiße Pracht zu tauen“, erklärt Goldhausen. In diesem Fall wird der Schnee zu Wasser, geht also vom festen ausschließlich in den flüssigen Zustand über. Die Schneedecke verliert dann rasant an Mächtigkeit. Wenn auch noch Wind und Regen mit ins Spiel kommen, verschwindet selbst viel Schnee relativ schnell. Wenn der Boden dann noch gefroren ist und so kein Wasser aufnehmen kann, kommt es häufig zu starkem Hochwasser in den Flüssen.

Tauen, Schmelzen oder Sublimieren - wie der Schneemann wohl wieder verschwindet? Quelle: WetterOnline



Ganz anders ist es bei trockener Luft: Hier kommen neben der Temperatur auch noch der Taupunkt und die  Feuchttemperatur ins Spiel. Die Feuchttemperatur liegt zwischen Taupunkt und Lufttemperatur. Sie wird übrigens mit einem normalen Thermometer ermittelt, dass während des Messvorgangs mit einem feuchten Tuch überzogen und belüftet wird. 

Schmelzen und Sublimieren: Schneedecke verschwindet langsam  Liegen Luft- und Feuchttemperatur beide über dem Gefrierpunkt, der Taupunkt aber noch darunter, so beginnt der Schnee zu schmelzen. Dabei geht er sowohl in den flüssigen als auch in den gasförmigen Zustand über. Die Schneedecke nimmt nun schon langsamer ab als beim Tauen.

„Liegen Taupunkt und Feuchttemperatur unter dem Gefrierpunkt, so sublimiert der Schnee nur noch. Einfach ausgedrückt: Er verdampft“, so der Meteorologe. Darunter versteht man den direkten Übergang von Schnee in Wasserdampf. Die Schneedecke nimmt nun nur noch sehr langsam ab und der Schnee bleibt sogar pulvrig. Dabei spielt die Lufttemperatur eine nur untergeordnete Rolle. Das heißt, diese kann durchaus im Plusbereich liegen.  

„Fußbodenheizung“ lässt Schnee tauen
 Es gibt noch eine weitere Art, wie Schnee verschwindet. Diese ist allerdings dem Tauen zuzuordnen. „Wenn die „Fußbodenheizung“ noch richtig aufgedreht ist, also der Erdboden warm ist, dann kann eine Schneedecke selbst bei Minusgraden rasch dünner werden“, erläutert Goldhausen. Dieser Prozess kann über Tage hinweg andauern. Er verlangsamt sich erst dann, wenn der Boden ausreichend abgekühlt ist.

Nur deutliche Minusgrade und ein „Durchfrosten“ der Schneedecke kann den Prozess komplett stoppen. Besonders im Herbst und Frühwinter sorgt der warme Erdboden manchmal für kuriose Bilder: Dann hüllen sich Bäume und Sträucher in ein dickes Winterkleid, während der Erdboden grün ist. Die „Fußbodenheizung“ hat in diesem Fall ganze Arbeit geleistet. 


2020: Zweitwärmstes Jahr seit 1881

Offenbach/Duisburg, 30. Dezember 2020 –  Das Jahr 2020 ist in Deutschland mit einer Jahresmitteltemperatur von 10, 4 Grad Celsius (° C) das zweitwärmste Jahr seit Beginn flächendeckender Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Geringfügig wärmer war nur das Jahr 2018 mit 10,5 °C gewesen. Auf den folgenden Plätzen liegen mit knappem Abstand 2019 und 2014 mit jeweils 10,3 °C. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Tobias Fuchs, Klima-Vorstand des DWD: „Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kalt lassen. Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln." Dies unterstrichen auch weitere Klimadaten des DWD: So seien hierzulande neun der zehn wärmsten Jahre im 21. Jahrhundert beobachtet worden, davon die vier wärmsten Jahre in der zurückliegenden Dekade 2011-2020. Diese Dekade war zugleich die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Kennzeichnend für das vergangene Jahr war zudem: 2020 war sehr sonnenscheinreich und das Dritte zu trockene Jahr in Folge.

Milder Winter und langanhaltende Hitzewelle im August
Der Temperaturdurchschnitt lag im Jahr 2020 mit 10,4 Grad Celsius (°C) um 2,2 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 1,5 Grad. Bis auf den Mai fielen alle Monate zu warm aus. Januar, Februar, April und August zeigten dabei mit einer Abweichung von über 3 Grad die höchsten positiven Temperaturanomalien.

Auch wenn mit -15,0 °C die tiefste Jahrestemperatur in Oberstdorf am 27. Dezember gemessen wurde, traten die in der Fläche kältesten Nächte in der letzten Märzdekade auf. Den ersten meteorologischen Sommertag gab es am 17. April in der Mitte und im Süden. Zwischen dem 5. und 22. August etablierte sich über Deutschland eine teils sehr heiße und feuchte Witterung. Dabei kletterten die Höchstwerte auf über 35 °C. Am höchsten stieg das Quecksilber am 9. August in Trier-Petrisberg mit 38,6 °C. Am Ende wurde 2020 nach 2018 das zweitwärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1881.


Abweichung der Jahresmitteltemperaturen vom vieljährigen Mittel seit 1881 in Deutschland. Der Wert für 2020 ist noch vorläufig. © DWD


Verbreitet zu trocken, insbesondere in der Westhälfte
Mit rund 710 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte 2020 nur gut 90 Prozent seines Solls von 789 l/m². Damit waren von den letzten 10 Jahren 9 zu trocken, nur 2017 war feuchter als normal. Dürre und Regen, teilweise mit Überflutungen, lagen 2020 häufig nah beieinander. Am 3. August meldete Aschau-Innerkoy, südöstlich von Rosenheim, mit 154,4 l/m² die größte Tagessumme.

Die höchsten Jahresmengen gingen mit bis zu 2000 l/m² im Schwarzwald und an den Alpen nieder. Am trockensten blieb es mit unter 500 l/m² in vielen Teilen Nordostdeutschlands. Beachtenswerte Schneefälle waren eine Rarität und fokussierten sich vor allem auf das höhere Bergland. In der Südhälfte kamen Ende Februar und Anfang Dezember aber auch mal im Flachland die Schneefans auf ihre Kosten. Die mächtigste Schneedecke des Jahres weitab der Gipfellagen gab es in Zinnwald-Georgenfeld, Osterzgebirge, am 5. Februar mit 37 cm.


Abweichung der Jahresmittelniederschläge vom vieljährigen Mittel seit 1881 in Deutschland. Der Wert für 2020 ist noch vorläufig. © DWD


Deutschland erlebte das viertsonnigste Jahr seit Messbeginn
Mit etwa 1901 Stunden übertraf der Sonnenschein sein Soll von 1544 Stunden um gut 20 Prozent. Damit nahm 2020 den vierten Platz der sonnigsten Jahre seit Messbeginn 1951 ein. Über 2000 Stunden schien sie vor allem im Süden. Vergleichsweise sonnenscheinarm blieb es dagegen in der norddeutschen Tiefebene und in den zentralen Mittelgebirgen.


Abweichung der Jahressonnenscheindauer vom vieljährigen Mittel seit 1951 in Deutschland. Der Wert für 2020 ist noch vorläufig. © DWD

2020 gehörte NRW mit 11,1 °C (9,0 °C) zu den wärmsten Regionen.
Die Niederschlagstöpfe sammelten abgerundet 746 l/m² (875 l/m²) ein. Im Ländervergleich belegte NRW mit gut 1756 Stunden (1440 Stunden) den vorletzten Platz der sonnenscheinärmsten Regionen. Am 9. Januar lösten tiefhängende Wolken am Kölner Dom einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Grund: Sie wurden für Qualm eines Feuers gehalten.

Am 10. 2. sorgte Sturmtief „Sabine“ verbreitet für schwere Sturmböen. Am 23. Februar wurden vor Ankunft des Sturmtiefs „Yulia“ viele Karnevalsumzüge abgesagt. Wegen großer Trockenheit brachen im April zahlreiche Brände aus. So wurden am 20. April bei Gummersbach 75 und bei einem mehreren Tage wütenden Feuer bei Niederkrüchten an der niederländischen Grenze 10 ha Wald und Heide zerstört.
Auch im Mai gab es vereinzelte großflächige Waldbrände. Der Wonnemonat war der zweittrockenste seit Messbeginn. Der Sommer brachte den neben 2003 den wärmsten August. An bis zu 14 Tagen stieg das Quecksilber auf über 30 °C. Tönisvorst meldete mit 14 Hitzetagen sogar einen neuen Augustrekord. Auf einen ungewöhnlich sonnigen September folgte mit vielen Regenfällen ein extrem sonnenscheinarmer Oktobermonat.

 

Dezember 2020:  Verbreitet trübes und feuchtes „Schmuddelwetter“

Offenbach/Duisburg, 30. Dezember 2020 – Nach dem sonnigen Vormonat gestaltete sich die Witterung im Dezember sehr wolkenreich und trüb. Das charakteristische „Schmuddelwetter“ wurde dabei mal von mäßig kalten, mal von ungewöhnlich milden Temperaturen begleitet. Ein landesweiter Temperatursturz von gut 10 Grad sorgte zum 1. Weihnachtsfeiertag in den Mittelgebirgen für eine weiße Überraschung. Am 27. brachte Tief „Hermine“ dem Westen Sturm und dem Bergland weiteren Schnee.

Alles in allem verabschiedete sich das Jahr 2020 mit einem zu warmen, trockenen und sehr sonnenscheinarmen Dezember. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen. Vor Weihnachten ungewöhnlich mild, dann Temperatursturz Der Temperaturdurchschnitt lag im Dezember 2020 mit 3,0 Grad Celsius (°C) um 2,2 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der wärmeren Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 1,8 Grad.

Dezember © Ulf Köhler

 

Die erste Monatsdekade zeigte sich mäßig kalt mit frostigen Nächten. Dann wurde es zunehmend milder. Am 23. erreichte die Temperaturkurve ihren Höhepunkt. In der Westhälfte Deutschlands wurde es mit über 15 °C sogar ungewöhnlich mild. Die höchste Temperatur erfasste Müllheim, südwestlich von Freiburg, mit 16,6 °C. Am Heiligen Abend drehte die Strömung auf Nord und landesweit gingen bis zum 2. Weihnachtsfeiertag die Temperaturen nach und nach um gut 10 °C zurück.

Schließlich kam die Kaltluft auch im Süden des Landes an: Am 27. wurde in Oberstdorf mit -15,0 °C der niedrigste Wert, abseits der Berggipfel, gemessen. Viel Niederschlag in den Weststaulagen, in der Osthälfte häufig erheblich zu trocken Mit rund 55 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte der Dezember 2020 nur 80 Prozent seines Solls von 70 l/m². Tiefs brachten immer wieder Niederschläge, die sich jedoch schwerpunktmäßig auf die Westhälfte des Landes konzentrierten.

Insbesondere in Staulagen der dortigen Mittelgebirge kamen im Monatsverlauf über 150 l/m² zusammen. Spitzenreiter war Baiersbronn-Ruhestein, nordwestlich von Freudenstadt im Nordschwarzwald, mit über 220 l/m². Die höchste Tagessumme erfasste am 22. die Station Hoherodskopf im Vogelsberg mit 46,2 l/m². Deutlich trockener blieb es im Lee der zentralen Mittelgebirge sowie in den östlichen Landesteilen. Hier und da fielen keine 15 l/m².

 Schneefälle, die hauptsächlich im Bergland für Winterfeeling sorgten, gab es vor allem in der ersten Dekade und zum Monatsende. Besonders im Südschwarzwald und Allgäu konnte man über 20 Schneetage zählen. Lenzkirch-Ruhbühl im Südschwarzwald meldete zum Jahresende mit gut 28 cm die höchste Schneedecke abseits der Berggipfel. Ein vielerorts sehr wolkenverhangener Dezembermonat Mit etwa 35 Stunden verfehlte der Sonnenschein sein Soll von 38 Stunden um 10 Prozent. Am häufigsten lachte die Sonne mit über 70 Stunden Richtung Allgäu, in Sachsen sowie in der Niederlausitz. Der Norden Bayerns und die mittleren Landesteile kamen teilweise nur auf gut 15 Sonnenstunden.

Im Dezember war NRW mit 4,6 °C (2,3 °C) nach Bremen das zweitwärmste Bundesland. Die Niederschlagstöpfe sammelten aufgerundet 70 l/m² (88 l/m²) ein. Zudem schien die Sonne knapp 35 Stunden (37 Stunden). Am 27. brachte Tief „Hermine“ vielerorts stürmischen Wind. Böen erreichten 75 bis 90 km/h. Aachen-Orsbach erfasste sogar 91,4 km/h.

 

Zeichen stehen auf Winter - Tief bringt nasse Flocken

Temperaturen auf Talfahrt
Nach einem ersten zaghaften Wintergruß an den Feiertagen zieht schon das nächste Tief heran. Dieses läutet einen nasskalten Witterungsabschnitt ein. In den Bergen ist einiges an Neuschnee zu erwarten.


Bonn/Duisburg,  23. Dezember 2020 - Pünktlich zum Start in die Feiertage geht es bergab mit den Temperaturen. Dazu haben meist die Wolken das Sagen und gelegentlich regnet oder schneit es etwas. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Das in den letzten Tagen eher an eine frühlingshafte Regenzeit erinnernde Wetter wandelt sich langsam Richtung Winter. Am Sonntag bringt ein neues Tief in der Westhälfte zwar immer noch Regen und aber sogar auch echten Schnee. In den Mittelgebirgen sind dabei auch größere Neuschneemengen möglich.“
Tagsüber zeigt das Thermometer meist Werte zwischen 1 und 6 Grad an, nachts sinkt die Temperatur vielfach auf 0 Grad und es droht Glätte. 

 Winterlicher mit Schneeregen, im Osten bleibt es hingegen trocken.
Zum Start in die neue Woche nistet sich ein Tief genau über Mitteleuropa ein. Dabei wechseln sich längere trockene Abschnitte mit Niederschlägen ab. „Für einen Schneemann werden die Flocken voraussichtlich nicht reichen, denn nach einem etwas milderen Montag und Dienstag fällt vielfach bis in tiefe Lagen Schneeregen oder nasser Schnee. In den Bergen wird es aber immer winterlicher“, so Goldhausen. Auch zum Jahreswechsel fühlt sich das Tief bei uns weiter sehr wohl. Nach derzeitigem Stand beginnt das neue Jahr eher winterlich. 

 Besonders in den Bergen steht eine winterliche und möglicherweise auch schneereiche Zeit bevor.
Quelle: WetterOnline

 Im Verlauf der Woche  fallen Niederschläge vielfach bis in tiefe Lagen als Schneeregen oder nasser Schnee. Quelle: WetterOnline

41,2 Grad Celsius: DWD-Stationen Duisburg-Baerl und Tönisvorst Spitzenreiter

Deutscher Wetterdienst annulliert deutschen Temperaturrekord in Lingen
Offenbach/Duisburg, 17. Dezember 2020 - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat den am 25. Juli 2019 in Lingen im Emsland gemessenen deutschen Temperaturrekord von 42,6 Grad Celsius (°C) annulliert (Archiv 2019). Nach Angaben des nationalen Wetterdienstes ergaben aktuelle Auswertungen von Parallelmessungen an der Wetterstation Lingen, dass es in einem sehr kleinen Bereich des Messfeldes bei bestimmten Wetterlagen insbesondere am frühen Nachmittag zu auffällig erhöhten Temperaturen kam.

Uwe Kirsche, Pressesprecher des DWD: „Wir haben die Temperaturmessung in Lingen jetzt ein halbes Jahr unter die Lupe genommen - auch durch parallele Messungen - und ältere Messungen unter diesem Gesichtspunkt erneut überprüft. Die Ergebnisse sind eindeutig: Seit 2017 traten am Messfeld der Station immer wieder Temperaturen auf, die für die Region nicht repräsentativ sind. Das war auch am 25. Juli 2019 so gewesen. Deshalb muss der in Lingen gemessene deutsche Rekordwert von 42,6 °C aus dem DWD Klimaarchiv gestrichen werden.

Neue Rekordhalter sind nun gemeinsam die DWD-Wetterstationen Duisburg-Baerl und Tönisvorst mit am 25. Juli 2019 gemessenen 41,2 °C.“ Verantwortlich dafür sei die in den vergangenen Jahren deutlich gewachsene Vegetation in direkter östlicher Nachbarschaft der Station. Sie behindere immer wieder bei Windrichtungen aus Nordosten bis Südosten den Luftaustausch. Das habe insbesondere bei windschwachen aber strahlungsintensiven Wetterlagen dann zu einer Abkopplung der lokalen Temperaturen am Messfeld der Station von der großräumigen Temperaturentwicklung geführt.

„Der DWD ist sich der Probleme im Umfeld der Station schon länger bewusst und sucht seit mehreren Jahren nach einem neuen Standort. Wir sind fündig geworden und hoffen, im Frühjahr 2021 die neue Station in Lingen-Baccum eröffnen zu können.“
Bis dahin werde der DWD keine Messungen aus Lingen mehr veröffentlichen und zugleich die Daten seit 1. Januar 2017 aus seinen frei zugänglichen Angeboten entfernen. Kirsche: „Da wir nicht für alle Messdaten aus Lingen der vergangenen Jahre die Hand ins Feuer legen können, können wir sie auch nicht veröffentlichen. Die Qualität des nationalen Klimaarchivs hat immer höchste Priorität.“

DWD-Wetterstation Lingen  © DWD

Erster vager Wettertrend für Weihnachten

Das Wetter zu Weihnachten Grün oder weiß?  
Bonn/Duisburg, 08. Dezember 2020 - Die Frage nach dem Wetter an den Feiertagen wird immer lauter. „Wie das Wetter im Detail an den Weihnachtstagen wird, dass lässt sich jetzt zwar noch nicht sagen, aber die ersten Trends der Großwetterlage zeigen klar in eine Richtung und von einem typischen Weihnachtstauwetter, das mit bis zu 70 Prozent Eintreffwahrscheinlichkeit oft für mildes Regenwetter an den Feiertagen sorgt, ist nicht viel zu sehen“, sagt Björn Goldhausen. 

Weiß oder grün? Kalt oder mild? Noch ist in Sachen Weihnachtswetter alles offen, aber ein erster Trend zeichnet sich ab. Quelle: WetterOnline


Wetterlage bleibt eingefahren 
„Aktuell haben wir es mit einem kräftigen Azorenhoch und einem Hoch über Russland zu tun. Dazwischen schießen Tiefs vom Nordatlantik regelrecht in Richtung “, so der Pressesprecher.  „Diese Tiefdruckrennbahn schwächt sich in der nächsten Zeit zwar etwas ab, eine grundlegende Umstellung der Wetterlage ist aber nur vorübergehend in Sicht.“

Hochdruckbollwerk über Russland
Goldhausen: „Nach dem dritten Adventswochenende wird den Tiefs der Weg ins Mittelmeer zwischenzeitlich abgeschnitten. Dann dreht der Wind bei uns wohl auf Süd und mit den Temperaturen geht es deutlich bergauf.“ Doch von langer Dauer ist dies wahrscheinlich nicht. „Nach derzeitigem Stand deutet vieles darauf hin, dass ein immer kräftiger werdendes Hoch über Russland die Tiefs in der Vorweihnachtswoche wieder abprallen lässt“. Die Folgen für unser Wetter können dabei allerdings vielfältig sein.

Zwischen winterlich kalt und lauwarm - die Wetterlage nach der Mitte des Monats lässt viele Temperaturmöglichkeiten offen. Quelle: WetterOnline

Von eiskalt bis lauwarm
„Von zunehmend eisiger Ostluft bis hin zu einer vor allem in der Höhe milden Süddüse ist dann alles möglich“, erklärt der Meteorologe. Eines scheint sich jedoch zu festigen: Mildes, nasses und stürmisches Dezemberwetter ist, wenn überhaupt nur vorübergehend ein Thema. Im Grunde ändert sich an der Wetterlage nicht allzu viel.