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Brüssel/Duisburg, 17. Dezember 2025
- Am Dienstag verlieh Parlamentspräsidentin Metsola
in Straßburg den Sacharow-Preis 2025 an Vertreter
des in Belarus inhaftierten Journalisten und der in
Georgien inhaftierten Journalistin.
Bei der Verleihung des Sacharow-Preises für geistige
Freiheit 2025 am 16. Dezember in Straßburg erklärte
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola: „Ich bin
stolz darauf, dass der diesjährige Sacharow-Preis an
die Journalisten Andrzej Poczobut und Msia
Amaghlobeli verliehen wird, in Anerkennung ihres
mutigen Kampfes für die Meinungsfreiheit und die
demokratische Zukunft von Belarus und Georgien.
Dieses Haus ist solidarisch mit Msia und Andrzej und
fordert ihre sofortige Freilassung aus der Haft –
denn die Wahrheit zu sagen darf niemals ein
Verbrechen sein“.
Andrzej Poczobut, in Belarus inhaftierter
Journalist
Der der polnischen Minderheit in Belarus angehörende
Journalist, Essayist und Blogger Andrzej
Poczobut wurde von seiner Tochter Jana Poczobut
vertreten. Sie sagte zu den Abgeordneten: „Es ist
mir eine große Ehre, heute hier zu stehen und diese
Auszeichnung im Namen meines Vaters
entgegenzunehmen. (...) Seit fast fünf Jahren lebt
meine Familie nun schon mit der Stille, der
Ungewissheit und der Abwesenheit eines geliebten
Menschen. Heute möchte ich dem Europäischen
Parlament meinen tiefsten Dank dafür aussprechen,
dass es sich an ihn erinnert – und an alle Familien,
die mit denselben unbeantworteten Fragen leben.“
In ihrer Rede erwähnte sie auch den Fall von Mikalaj
Statkewitsch, einem prominenten Mitglied der
belarussischen Opposition, das im September 2025
verschwand, und fügte hinzu: „Wenn wir (ihre) Namen
laut aussprechen, hören sie auf, nur Statistiken zu
sein. Sie werden wieder wirklich. Deshalb ist Ihre
Aufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit des Europäischen
Parlaments, so wichtig. Es wahrt die Menschenwürde
dort, wo versucht wird, sie auszulöschen.“
Das Parlament hat in mehreren Entschließungen die
Repression in Belarus verurteilt. Es forderte die
Freilassung der politischen Gefangenen (deren Zahl
auf mehr als 1 200 geschätzt wird), prangerte die
Komplizenschaft von Präsident Lukaschenka mit
Russland im Krieg gegen die Ukraine an und forderte
sowohl strengere Sanktionen als auch Unterstützung
für die demokratischen Kräfte, unabhängigen Medien
und Menschenrechtsverteidiger in Belarus. Das
Parlament unterstützt die demokratische Opposition
in Belarus mit Nachdruck. Es verlieh ihr den Sacharow-Preis
für geistige Freiheit 2020. Im März 2023
verabschiedete es eine Entschließung
zum Fall von Andrzej Poczobut.
Msia Amaghlobeli, in Georgien inhaftierte
Journalistin
Die georgische Journalistin Msia
Amaghlobeli, Mitbegründerin und Leiterin der
unabhängigen Medien Batumelebi und Netgazeti, wurde
von ihrer Kollegin Irma Dimitradse vertreten, die
ebenfalls für Batumelebi arbeitet. Sie verlas eine
Rede von Msia Amaghlobeli an die Europaabgeordneten:
„Ich nehme (diese Auszeichnung) im Namen meiner
Kollegen entgegen, der Journalisten, die derzeit in
Georgien für den Erhalt des Journalismus als solchen
kämpfen. Sie arbeiten unermüdlich daran, dass Sie
die Stimme des Widerstands der georgischen Bürger
hören und dass die Wahrheit nicht verschwiegen
wird.“
In Bezug auf die Behörden ihres Heimatlandes schrieb
Msia Amaghlobeli: „Dieses Regime ist rücksichtslos
(...). Es zerstört den freien Journalismus,
verbietet oppositionelle politische Parteien und
inhaftiert deren Führer, löst
Nichtregierungsorganisationen auf und bezeichnet
diejenigen, die in ihnen arbeiten, als „ausländische
Agenten“ (...). Dennoch ist es ihm nicht gelungen,
die Proteste zum Schweigen zu bringen. Vielleicht
sind deshalb die Erklärungen der Europäischen Union
zur Unterstützung des georgischen Volkes stärker und
präziser denn je. Dafür bin ich zutiefst dankbar.“
Nachdem sie auf die Bestrebungen des georgischen
Volkes nach einer EU-Mitgliedschaft eingegangen war,
schloss sie mit folgenden Worten: „Das Schicksal
unseres Kampfes hängt nicht allein von uns ab, denn
in unserem Kampf geht es nicht nur um uns. (...)
Kämpft mit uns und für uns. Kämpft so, wie ihr für
die Freiheit eurer eigenen Länder kämpfen würdet.
Nutzt alle euch zur Verfügung stehenden Mittel,
bevor es zu spät ist.“
Was Georgien betrifft, das sich seit 2023 um die
Mitgliedschaft in der EU bewirbt, verurteilten die
Abgeordneten die erheblichen Rückschritte im Bereich
der Demokratie in dem Land ebenso scharf wie
repressive Gesetze (z. B. das Gesetz über
„ausländische Agenten“), Angriffe auf die Meinungs-
und Pressefreiheit und die Unterdrückung friedlicher
Proteste.
Das Parlament forderte, die Wahl vom Oktober 2024 zu
wiederholen, zu deren Sieger sich die regierende
Partei Georgischer Traum erklärt hatte. Außerdem
prangerte es den Einfluss Russland in dem Land an
und forderte die Freilassung von Gefangenen. Die
Abgeordneten sind dennoch dafür, die
Mitgliedschaftsperspektive aufrechtzuerhalten, die
von Reformen und der Achtung des Rechtsstaats
abhängig ist, und sie fordern, persönliche
Sanktionen gegen diejenigen zu verhängen, die für
Gewalttaten verantwortlich sind.
Im Juni 2025 nahm das Parlament eine Entschließung
zur Pressefreiheit
in Georgien und zum Fall von Msia Amaghlobeli an.
Hintergrundinformationen
Der nach dem sowjetischen
Physiker und Dissidenten Andrei Sacharow benannte
Sacharow-Preis für geistige Freiheit ist die höchste
Auszeichnung der EU im Bereich der Menschenrechte.
Seit 1988 verleiht das Parlament diesen Preis an
Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen als
Anerkennung ihres Einsatzes für die Menschenrechte,
die Meinungsfreiheit und die demokratischen Werte.
Das Preisgeld beträgt 50 000 EUR.
Eine Auflistung aller bisherigen Preisträger und
weitere Informationen finden Sie auf der Website
des Parlaments zum Sacharow-Preis. Die
Aufzeichnung der Preisverleihung können Sie auf der Website
des Multimediazentrums des Parlaments abrufen.
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