|
Duisburg, 10. Juli 2026 - Wenn der
Job längst zu hart und die Rente noch zu weit weg ist: Von
den rund 5.060 Bauarbeitern in Duisburg sind nach
aktuellen Angaben der Arbeitsagentur gerade einmal rund
220 Beschäftigte älter als 63 Jahre.

Und früher waren es 50-Kg-Säcke, nicht 25, wie heute
„Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer:
Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und
Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Karina Pfau von der
Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die
Vorsitzende der IG BAU Duisburg-Niederrhein sieht dabei
eine kritische Altersgrenze: „Für die meisten ist schon
Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem
Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“, so Karina
Pfau.
Für die IG BAU Duisburg-Niederrhein ist
klar: „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu
arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll:
keine Chance“, so Karina Pfau.
Die
Gewerkschafterin kritisiert damit die Pläne der
Rentenkommission, die die Bundesregierung umsetzen will.
„Was dabei fehlt, ist die Flexi-Rente. Also die Chance
auf vernünftige Übergänge vom Arbeitsleben in den
Ruhestand für alle Branchen, in denen Beschäftigte durch
ihren Job gesundheitlich einfach früher am Ende sind. Eine
faire Rente muss unbedingt dem ‚Härtegrad der Arbeit‘, die
geleistet wird, angepasst werden“, sagt Karina Pfau und
fordert für die Betroffenen einen „Expresszugang in den
regulären Ruhestand“.
Das gelte für die
Baubranche, aber auch für die Land- und Forstwirtschaft,
die Gebäudereinigung, den Garten- und Landschaftsbau. An
die heimischen Bundestagsabgeordneten in Duisburg und der
Region appelliert die IG BAU, „Renten-Rückgrat“ zu zeigen
und die Pläne der Bundesregierung „dringend zu
korrigieren“. Andernfalls würden viele Berufe, in denen
hart gearbeitet werde, mehr und mehr an Attraktivität
verlieren.
Ein weiterer Kritikpunkt der
Gewerkschaft: das Abschaffen der Rente mit 63. „Das
wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht.
Es macht ihnen nämlich einen dicken Strich durch ihre
Lebensplanung“, sagt Karina Pfau. Betroffen davon seien
viele: In Duisburg gibt es 73.300 Baby-Boomer, die in den
kommenden zehn Jahren in Rente gehen werden, so die
IG BAU. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf
Berechnungen des Pestel-Instituts.
Die Chefin der
IG BAU Duisburg-Niederrhein warnt, die geburtenstarken
Jahrgänge nicht zu enttäuschen: „Immerhin haben viele
Boomer ihre Beitragsjahre für die Rente voll. Sie haben
45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und damit eine
enorm lange Zeit ihres Lebens gearbeitet. Ihnen jetzt –
gewissermaßen kurz vor knapp – die Rente mit 63 vor der
Nase wegzuschnappen, das geht nicht. Das kostet
politisches Vertrauen – und Vertrauen in den Staat“, ist
Karina Pfau überzeugt.
Im Fokus der Kritik der
IG BAU Duisburg-Niederrhein steht auch das Rentenniveau.
Dabei gehe es um einen weiteren wichtigen Punkt von den
33 Vorschlägen, den die Rentenkommission vorgelegt hat: Es
fehle eine garantierte Haltelinie beim Rentenniveau.
Hierauf baue vor allem die kommende Rentner-Generation:
„Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des
Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten. Auch hier muss die
Rentenpolitik Verantwortung zeigen: Rente ist politische
Vertrauenssache“, so Karina Pfau.
Die
Bundesregierung müsse dringend klarstellen, dass es keinen
Einbruch beim Rentenniveau gebe – auch nicht beim Übergang
zur kapitalgedeckten Zusatzrente. „Grundsätzlich muss das
Rentenniveau dann schnell wieder auf mindestens 53 Prozent
kommen“, sagt IG BAU-Bezirkschefin Karina Pfau. Auch
hierfür sollen sich, so die Forderung der IG BAU
Duisburg-Niederrhein, die heimischen
Bundestagsabgeordneten in ihren Fraktionen in Berlin jetzt
stark machen.
|