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Bude - Büdchen - Trinkhalle! Spezielle Örtchen im Ruhrgebiet

Von Harald Jeschke

Sie waren schon in den 1950er Jahren sozusagen lebensnotwendig, die Buden, Büdchen, Kioske oder Trinkhallen - und das im gesamten Ruhrpott.

Rückblick

Das mit dem "lebensnotwendig" hatte damals schon eine ganz konkrete Bedeutung. Immerhin schlossen die Nahversorgungsläden wie Konsum, Columbia Markt oder auch die später "Tante-Emma-Laden" genannten kleineren Geschäfte, die meist von Hausinhabern geführt wurden, schon sehr früh (Ladenöffnunsgzeiten). Die Tante-Emma-Läden waren so etwas wie etwas größere "Kaufmannsläden". Da gab es Säcke mit Mehl, Zucker, Körner undsoweiter. Unbedingt waren die kleinen Schublädchen zu erwähnen, da aus ihnen über die Waage alles ausgewogen wurde, was die Hausfrau damals so brauchte.

Zur Not gab es auch den mobilen Milchmann mit seinem "Ausschankbottich" - auch Milchzapfstelle genannt. Meist fuhren diese Milchmänner im Tempo-Dreirad (Zweitakter) durch die Stadtteile. Mit einer Kanne bewaffnet wurde man von der Mutter zum Auto geschickt. Dort wurde einem für einen, zwei oder drei Groschen Milch in die Kanne gezapft. Am Freitag boten diese fliegenden Händler auch Fisch an...

Aber was war an Werktagen zwischen 13:00 Uhr und 15:00 und vor allem nach 18:30 Uhr? Das waren Zeiten, an denen die Läden geschlossen hatten. Richtig, ab 18:30 werktags und 13:00 Uhr am Samstag lief nichts mehr, am Sonntag natürlich gar nichts. Auch deshalb war eine gute Nachbarschaft damals sehr viel wert, da man von der Nachbarin das fehlende Gewürz, Brot oder gar Kaffe ausborgen konnte.
Da waren die Büdchen oft genug für spezielle Sachen Retter in der Not. Es gab übrigens für den ganz schmalen Geldbeutel die Schachtel mit "Liga" mit vier Zigaretten Inhalt für drei Groschen.
Aber neben den Angeboten für Raucher und durstigen Zeitgenossen gab es reichlich bunte und vor allem süße Dinge für Kinder. Die "gemischten Tüten" für ein paar Groschen waren der Hit. Wer damals Silberlinge oder Knöterichbonbons (zwei für einen Pfennig) oder Eis am Stil haben wollte, der war hier auch genau richtig. Und das nach 18:30 Uhr und auch am Sonntag. Später gab es sonntags Sport- oder andere Zeitungen (mit Bildern) - nein, nicht nur die BILD sondern Bravo!.

Dies Buden waren aber den großen Werken Duisburg mehr als nur "an`ne Bude".
Das waren besondere Treffs oder Abholstellen. So bei Thyssen, Phoenix oder die legendären Buden am Mannesmann-Tor oder an der Kupferhütte.
"Ist der Heinz schon durch?" Eine atemlose Frau brachte das mehr im Befehls- als im Frageton gegenüber den Bier trinkenden Männern an der Kupferhüttenbude vor. Dies geschah immer dann, wenn nach der Frühschicht auch der Lohn per Tüte ausgezahlt wurde - was später nicht mehr der Fall war.
Unser Spezi aus Hochfeld hatte die unangenehme Eigenschaft, mit der da noch prallen Lohntüte gern in eine der umliegenden Kneipen oder auch an der Bude etwas zu verbraten.
Egal wann man an solche Buden kam - es war immer etwas los, man hörte den neuesten Klatsch und Tratsch, aber auch Wohnungen, Fahrräder, Mopeds oder später Autos wechselten beim Bier hier schon mal den Besitzer.

Schon in den 1950er Jahren waren die Buden Treffs der Fußballfans vom DSV 1900 oder dem DFV 08, Hamborn 07 undsoweiter. Ab 1963 waren diese Buden Treffs der Fans des Meidericher SV - ab 1956 MSV Duisburg. Meistens vor dem Spiel, da man gern nach dem Spiel in eine nah gelegene Kneipe oder nach Hause wetzte, um die schwarz-weißen Bilder vom Spiel sehen und Ernst Huberty hören zu können. "Die mit den weißen Stutzen und den Querstreifen sind die Meidericher, die mit den dunklen Brustring auf dem Trikot die Schwaben", hieß es dann. In den ersten Jahren dieser schwarz-weißen Bilder begannen die Spiel in den Wintermonaten am Samstag schon um 14:30 Uhr, da es noch nicht überall Flutlichtanlagen gab.

Für mich waren Besuche bei Tante Martha in Bochum - die Anreise erfolgte übrigens mit einem Renault Dauphine - immer der absolute Hit. Tante Martha betrieb ein Büdchen. Du meine Güte, was war das für ein Gefühl die Kostbarkeiten von innen betrachten und zum Teil auch vernaschen zu dürfen.

Kiosk Ludgeriplatz

Immer wenn ich nach Süddeutschland kam und die Gespräche auf die Buden kamen, gab es damals viel baffe Gesichter. "Was habst` da droben! Büdchen? Des kennen mer net!" Nach vielen ausschweifenden Erklärungen war man später in der Runde der als stur geltende und grantelnde Bayer durchaus der Meinung, dass das mit den Buden im Pott gar keine schlechte Sache sei.


Kiosk Oststrasse

Heute
"Opa, kauft du mir eine  gemischte Tüte?" Das ist also heute auch noch aktuell.
Die Dame im Büdchen schmunzelt: "Wie immer?" lautet die Frage an das kleine Mädchen. Opa ist überrascht. "Kommst Du denn öfter hier an die Trinkhalle?"
"Na klar Opa", kam es belehrend zurück. Kinder und Buden - das ist es also immer noch, aber mit vielen Änderungen. Heute liegen Heftchen mit Mangas oder kleine Figuren aus. Die Konkurrenz der Discounter und die langen Öffnungszeiten machen aus den Buden so etwas wie nostalgische Orte, eine schon fast museale Art des Ruhrgebiets.

Wird fortgesetzt.


Neudorfer Buden


Kiosk Bismarckstrasse

Kiosk Kammerstraße

Kiosk Grabenstraße

Neudorfer Strasse



Kiosk Sternbuschweg


Kiosk Grabenstraße / Geibelstraße