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Oberbürgermeister Sören Link erhält Auszeichnung für die Stadt Duisburg als „Europaaktive Kommune NRW“

 Duisburg, 7. Januar 2015 - Im Rahmen eines Festaktes überreichte Angelica Schwall-Düren, Europaministerin des Landes NRW, heute im Rathaus Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link die Auszeichnung „Europaaktive Kommune“. Anwesend waren Vertreter aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft sowie eine Delegation aus der niederländischen Stadt Nimwegen, die von Bürgermeister Hubert Bruls angeführt wurde.  
Nach Begrüßung durch Duisburgs Oberbürgermeister fasste Dr. Klaus Hänsch, von 1994 bis 1997 Präsident des Europäischen Parlamentes, die wichtigsten Etappen Duisburger Europaarbeit zusammen. „Europa als Idee für ein kommunales Leitbild“ habe bereits mit der Schließung des Krupp-Stahlwerkes 1989 in Duisburg-Rheinhausen seine Geburtsstunde erlebt. Das Ereignis war Auslöser für die Stadtspitze, eine übergreifende Europastrategie zu entwerfen. Duisburg gehörte seinerzeit zu den ersten Kommunen in Deutschland, die einen Fachbereich einrichteten, in dem die Aktivitäten einer international ausgerichteten Stadtverwaltung gebündelt wurden. Bereits in 1995 habe er, so Hänsch, der Stadt den Status einer europaaktiven Kommune attestiert.  
Nimwegens Bürgermeister Hubert Bruls verwies auf die grenzübergreifende Zusammenarbeit Duisburgs im Zweckverband Euregio-Rhein-Waal seit 1993. Zwei Jahrzehnte später seien heute die beiden niederländischen und deutschen Ballungsräume vernetzter denn je. Zwei Drittel der deutschen Im- und Exporte per Container liefen über die Rhein-Waal-Schiene. Dabei habe sich Duisburg zu einer logistischen Drehscheibe für die Nordseehäfen Belgiens und der Niederlande entwickelt. In diesem Zusammenhang begrüßte Bruls die sich seit  2013 intensivierenden grenzübergreifenden Kooperationen und die durch die Euregio geförderten Projekte beider Städte.  
Ministerin Schwall-Düren betonte in ihrer Rede die Vorbildfunktion der Stadt Duisburg, die bereits in der Vergangenheit über NRW hinaus wahrgenommen wurde. Das Duisburger Europaamt vertrat in 1997 NRW/Deutschland auf dem letzten UNO-Gipfel des Millenniums. Es wurde damals mit seinem Beitrag Structural Chance als Best Practise vom früheren Bundesumweltminister Prof. Klaus Töpfer ausgezeichnet. Zu den Bestandteilen des integrierenden Konzeptes gehörten weitere EU-geförderte Projekte wie die Entwicklung des neuen Duisburger Innenhafens.
„Die Auszeichnung macht Mut zur Fortführung der Anstrengungen zur internationalen Positionierung der Stadt“, führte Oberbürgermeister Link in seinen Dankesworten aus. Schließlich sei erst vor kurzem die Europäische Integration per Ratsbeschluss zu einem zentralen Querschnittsziel des Zukunftsprojektes Duisburg 2027 erklärt worden. Damit weise die Europaaktivität bereits heute weit über in der Vergangenheit Geleistetes hinaus. Sie sei Motivation und Verpflichtung zugleich.

Ein Vierteljahrhundert proaktive Europaarbeit in Duisburg
Die Geburtsstunde der „Europaaktiven Stadt NRW“ begann mit dem Beginn der Regionalisierung der EU-Strukturfonds 1990. Damals  wurde in Duisburg die Abteilung Europaangelegenheiten im damaligen Amt für Statistik, Stadtforschung und Europaangelegenheiten –Wahlamt eingerichtet. Die Schließung des Krupp-Stahlwerks 1989 in Duisburg-Rheinhausen läutete ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt Duisburg ein, das im von Wirtschaftskrisen stark betroffenen NRW als Strukturwandel bekannt werden sollte. Parallel zu den Solidaritätsbekundungen breiter Bevölkerungsgruppen mit den Kruppianern entwickelte die Stadtspitze eine Europastrategie.  
Duisburg war seinerzeit eine der ersten Kommunen Deutschlands, die ein solches Europa-Amt einrichtete. Das neue vom Land NRW und Stadt installierte Regionalsekretariat sollte ab 1992 den Prozess der Verteilung der EU-Fördergelder (ESF) moderieren. Die Stadtspitze Duisburgs erkannte schon damals, dass zunehmend wichtiger werde, den Blick nach Brüssel zu richten. Denn über die Aussicht auf EU-Fördergelder hinaus deuteten sich umfassende Änderungen an, wie beispielsweise der Binnenmarkt oder zahlreiche europäische Gesetzgebungsprozesse, die die Städte betreffen sollten. Außerdem mussten sich die Städte in Europa positionieren, denn neue Konkurrenzen und Kooperationschancen bahnten sich an.  
Das Amt vernetzte sich EU-weit. Das „Network on Urban Research in the European Community (NUREC)“ wurde 1989 in Pisa gegründet, das Amt übernahm die Geschäftsführung in Duisburg. Mit dem Atlas der Ballungsräume der EU (Duisburg 1994, hersg.: NUREC / EUROSTAT ) übergab das Duisburger Europaamt der Europäischen Kommission die erste flächendeckende Datenbank der Städte Europas, die noch als Grundlage zur Abgrenzung der EU-Regionen in Fördergebietskulissen dient. So wurden städtische Regionalforscher aus Duisburg zu regelmäßigen Besuchern / Beratern der damaligen Generaldirektion Regionalpolitik.  
1993 trat Duisburg der Euregio Rhein-Waal bei, dem Zweckverband der NL/D grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Duisburg bildete für die Landesregierung damit ein Gegengewicht zum Ballungsraum Arnheim-Nimwegen, in einem ansonsten vornehmlich ländlich geprägten grenzüberschreitenden Gebiet. Zwei Jahrzehnte später sind die beiden niederländischen und deutschen Ballungsräume verkehrstechnisch und wirtschaftlich vernetzter denn je: Heute bildet der Rhein-Ruhr-Ballungsraum die logistische Drehscheibe für die Nordseehäfen Belgiens und der Niederlande.
Die Beziehungen und gegenseitige Abhängigkeit der Häfen Rotterdam (größter Seehafen der EU) und Duisburg (größter Binnenhafen der Welt) sind stärker denn je. Zwei Drittel der deutschen Importe und Exporte per Container laufen über die Rhein-Waal-Schiene quer durch den Ballungsraum Arnheim-Nimwegen. Das bahnte sich damals schon an, als der damalige EU-Kommissar für Verkehr und Transeuropäische Netze Neil Kinnock den Duisburger Hafen besuchte:
1995 wurde zum Ausgangspunkt für erhebliche EU-Förderungen (EFRE) sowie die Entwicklung und Vermarktung des Logistikzentrums Logport zu einer der größten Erfolgsgeschichten des Strukturwandels in NRW.  
Die Erfolge des EU-geförderten NRW-Strukturwandels wurden weltweit bekannt. Das Duisburger Europaamt vertrat NRW / Deutschland auf dem letzten UNO-Gipfel im Millennium. 1997 wurde es mit seinem Beitrag Structural Chance als  Best  Practice vom damaligen Bundesumweltminister Prof. Klaus Töpfer im Rahmen des UNO-Städtegipfels (Habitat) in Istanbul ausgezeichnet. Zu den Bestandteilen des integrierten Konzeptes gehörten weitere EU-geförderte Erfolgsprojekte wie der Duisburger Innenhafen.  
In den folgenden Jahren bis weit ins neue Millennium beteiligte sich Duisburg an zahlreichen transnationalen EU-Projekten unter Beteiligung von Partnerregionen aus ganz Europa zu einer breiten Palette von Themen, z. B.:
-  Erneuerbare Energien
-  Nachhaltigkeit / Klimaschutz
-  Internationalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen
-  Integration in komplexen Stadtgesellschaften  

2007 wurde das Europe Direct – Informationszentrum mit dem Schwerpunkt auf Europapolitische Erwachsenenbildung in Duisburg eingerichtet.  
Seit 2013 intensiviert sich die grenzübergreifende Kooperation Duisburg/Nimwegen. Die Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland waren noch nie so gut: Im Jahre 2012 hatte Joachim Gauck als erster deutscher Bundespräsident den niederländischen Opfern des Kriegs mit einer Kranzniederlegung gedacht. 2014 tat dies ebenfalls Oberbürgermeister Link in Nimwegen im Gedenken an die Opfer der NS-Diktatur 70 Jahre nach der Befreiung der Niederlande durch die Alliierten. Empirische Studien zeigen, dass Animositäten niederländischer Jugendlicher gegenüber Deutschland im Gegensatz zu bis vor 15 Jahren kaum noch vorhanden sind. Der bilaterale Handel wächst stetig.

Als Ausdruck der Annäherung der Verwaltungsvorstände Nimwegens und Duisburgs im Rahmen des Euregio-Projektes "Zwei Länder, Zwei Städte, Zwei Verwaltungen = Ein Ziel - Stärken der Stärken" ("2+2+2=1") fanden/finden im Zeitraum 2013 bis 2015 zahlreiche grenzübergreifende Expertentreffen zu unterschiedlichsten Themenbereichen statt. Ein Nachfolgeprojekt wird zurzeit konzipiert.  
Die Europäische Integration findet vor Ort statt. Seit zwei Jahrzehnten unterstützt das Duisburger Europaamt (seit 2013 Stabsstelle für Wahlen, Europaangelegenheiten und Informationslogistik) das entsprechende partizipative Engagement mit gemeinsamen Aktionen und Publikationen der Zivilgesellschaften in der Stadtgesellschaft, wie beispielsweise die Europa Union, die Deutsch-Britische Gesellschaft, die Deutsch-Französische Gesellschaft, den Bund der Kroaten, den Verein Gegen Vergessen, sowie die Universität, Schulen, Kirchen, Verbände.