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Zebras sind gegen den Tabellenletzten Schweinfurt in der "Bringschuld"
   MSV Duisburg - 1. FC Schweinfurt 

Jochem Knörzer

Duisburg, 20. Februar 2026 - Am morgigen Samstag erwartet der MSV mit dem 1. FC Schweinfurt den schon abgeschlagenen Tabellenletzten der 3. Liga. Nach der 1:6-Klatsche in Wiesbaden am letzten Spieltag zählt nur ein klarer Sieg vor rund 20.000 Zuschauern. Dabei ist irrelevant, wer alles verletzt fehlt, welche Stammspieler ersetzt werden müssen und dass MSV-Trainer Dietmar Hirsch aufgrund seiner vierten Gelben Karte auf der Tribüne sitzen wird.
Die Zebras sind nach dem Debakel im Heimspiel in der "Bringschuld".

Marvin Höner wird als verantwortlicher Trainer "vor der Bank stehen". Bis dato ist seine Bilanz, nach dem 3:0-Sieg gegen Türkspor Dortmund und dem 4:0-Heimsieg gegen Schalke II, makellos. Das sollte so bleiben.

Rasim Bulic wird, so Dietmar Hirsch, in den nächsten zwei Spielen nicht zur Verfügung, wie lange er tatsächlich ausfällt, wird sich erst in diesem Zeitraum ergeben. Auch für Joshua Bitter, der immerhin im Lauftraining steht, wird das morgige Spiel zu früh kommen.
Daneben fallen Dennis Borkowski und auch Christian Viet, der individuell trainiert, weiterhin aus.
Einen Lichtblick gibt es bei Max Dittgen, der wieder voll im Mannschaftstraining steht.

Die "Schnüdel" aus Schweinfurt liegen mit 10 Punkten bereits 17 Punkte hinter dem ersten Nicht-Abstiegsplatz zurück.
Jetzt haben sie den Trainer gewechselt. Dazu hat uns Michael Horling einige Informationen geschickt, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

"Laufen, kämpfen - und ein bisschen kratzen!"
Der neue FC 05-Trainer Jermaine Jones will mit den Schnüdeln noch die 3. Liga halten

Er ist so ziemlich das Gegenteil von Victor Kleinhenz: Rund zehn Jahre älter, ein Großstadt-Junge aus Frankfurt, US-amerikanische Wurzeln, eher der Bad  Boy, Grätschenkönig, Bundesliga- und Nationalspieler mit sogar einer WM-Teilnahme. Wer am Dienstag darauf gewettet hätte, dass Jermaine Jones als Trainer der Schnüdel auf Victor Kleinhenz folgt, wäre nun wohl Millionär.

Bei der WM 2014 unter Trainer Jürgen Klinsmann hätte sein Tor fast zu einem Sieg gegen Portugal und Cristiano Ronaldo gereicht.
2:2 ging´s aus, Thomas Müller traf in einem anderen Gruppenspiel zum 1:0-Erfolg des späteren Weltmeisters Deutschland gegen die USA, die im Achtelfinale mit einem 1:2 nach Verlängerung an Belgien scheiterte und ausschied. Mit Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Julian Green sind alle Torschützen heute noch aktiv. Vier Treffer in 69 Länderspielen gelangen Jones, der vorher drei Mal unter Jogi Löw für Deutschland auflief, ehe er ins Heimatland seines Vater wechselte. Bei einem 3:0 in Österreich 2008 spielte er für Schwarz-Rot-Gold - eingewechselt für den Torschützen Thomas Hitzelsperger an der Seite von Miro Klose und Michael Ballack. Im Kaiserslauterer Fritz Walter-Stadion kam er beim 2:2 gegen Weißrussland für Ballack ins Spiel und stand später bei einem 1:2 gegen England in Berlin neben Simon Rolfes und Bastian Schweinsteiger sogar in der Mittelfeld-Startformation. 

Für Deutschlands U21 gelangen ihm bei acht Einsätzen vier Tore, unter anderem im EM-Qualifikationsspiel in Litauen in einem Team, in dem auch der spätere FC 05-Sportleiter Björn Schlicke stand. In 84 Partien traf er zwölf Mal für die Frankfurter Eintracht, sieben Treffer sind es bei 129 Einsätzen für Schalke 04. Im Jahr 2011 lief Jones für die Blackburn Rovers auf, 2014 für Besiktes Istanbul, danach in den USA für die New England Revolution, die Colorado Rapids und LA Galaxy. 

Am 1. Februar 2002 stand er übrigens auf dem Rasen des damaligen Willy-Sachs-Stadions. Als blutjunger Spieler wurde Jones in der 62. Minute für den Chinesen Chen Yang eingewechselt beim Frankfurter 1:0-Sieg in der 2. Bundesliga bei den Schnüdeln. 9.800 Zuschauer sahen offiziell die Partie. Beim 2:0 im Hinspiel vor fast 20.000 Fans im Waldstadion kam er mit gerade mal 19 Jahren schon ab dem Seitenwechsel zum Einsatz. 

Nun seine Rückkehr nach Schweinfurt: Am Donnerstag ab 13 Uhr wurde der Mann mit dem Offenbacher Kennzeichen, der in Gelnhausen wohnt, vor zahlreichen Medienvertretern vorgestellt und überraschte damit, tatsächlich noch an den Klassenerhalt zu denken und ihn anzupeilen. Dafür freilich müssen die Schnüdel wohl elf ihrer restlichen 14 Partien gewinnen. Am besten schon die kommende am Samstag in Duisburg.

Jermaine Jones über...
... den Weg nach Schweinfurt:
"Ein Neuanfang für mich in Deutschland ist es nicht. Ich wurde hier geboren, meine Kinder auch, meine Frau stammt von hier. Es gab schon eine lange Zeit Kontakt zum FC 05, erstmals beim Pokalspiel letzten Herbst in Aschaffenburg, als ich zugeschaut habe. Der Kontakt bestand zunächst zu Marcel Kühlinger, dann auch zu Markus Wolf. Als ich dann wieder aus Amerika zurück gekommen bin, wurde die 3. Liga interessant und kamen wir uns in Gesprächen näher. Das ist eine super Liga für den Anfang einer Trainerkarriere. Natürlich ist das hier eine Mammutaufgabe."

...seine Ziele:
"Für beide Seiten ist das eine Win-Win-Situation. Alle haben Schweinfurt schon abgeschrieben. Aber die Zahlen geben nicht das wider, was die Mannschaft kann. Der Tabellenplatz entspricht nicht den Qualitäten. Ich habe mit Disziplin und Ehrgeiz viel erreicht in meiner Karriere. Wir werden uns zerreißen. Aber wenn ich jetzt auf die Tabelle schaue und sage, dort wollen wir am Saisonende, dann zerreißen mich am Ende die Medien, wenn es nicht klappt. Wenn wir anfangen zu träumen, dann können wir nur verlieren. Doch abgerechnet wird am Ende. Im Fußball sind schon immer mal Wunder geschehen. Ich will das hinkriegen mit der Mannschaft!

... Kontakt mit Vicky Kleinhenz:
"Mit ihm gab´s keine Gespräche und es sind auch keine geplant. Aber die Fußballwelt ist ja klein..."

... wie er kurzfristig helfen will:
"Wichtig sind die ersten Gespräche und der frische Wind. Der Spaß soll im Vordergrund stehen, in Verbindung mit Disziplin. Jeder im Team hängt zuletzt ein bisschen mit der Leistung hinterher, wir müssen allen die Angst davor wegnehmen, Fehler zu machen. Ich muss der Mannschaft Mut zusprechen. Und klar: Wir müssen bei der Fitness zulegen!"

... seine langfristigen Pläne:
"Der Vertrag läuft nur bis Saisonende. Im Sommer bin ich dann offen für Gespräche. Am Ende muss immer alles passen."

... sein Stil als aktiver Fußballer:
"Als Schauspieler hätte ich den Oscar gewonnen, weil ich immer den Bösewicht gespielt habe. Wer mehr über mich heraus finden will, muss googeln!"

... mehr Grätschen künftig beim FC 05:
"In der 3. Liga geht viel über Kampf. Spielerisch löst es nur der SC Verl, bei allen anderen geht es über Kraft und Power. Und auch Duisburg spielt nicht Tiki Taka. Klar wollen wir aggressiven Fußball spielen. Aber 3. Liga bedeutet laufen, kämpfen und ein bisschen kratzen. Ich bin noch fit und werde definitiv in der ein oder anderen Trainingseinheit mitkicken."

... das Trainerteam:
"Wir haben Marcel Kühlinger dazu genommen, Leo Dietz ist weiter für die Analyse zuständig, Philipp Hilmer macht die Vorbereitung auf die Gegner und übernimmt von Gregor Opfermann die Standards."

... die Startelf in Duisburg: 
"Ich werde keine Namen sagen, man wird am Samstag sehen, wie wir antreten wollen. Ich habe natürlich einen Stil, wie ich spielen lassen möchte. Den sieht man dann am Wochenende. Klar ist, dass wir Trainer nicht alle ein Pep Guardiola oder ein Jürgen Klopp sind."
(Anm.d.Red.: Pius Krätzschmer fällt auf alle Fälle wegen seiner zehnten Gelben Karte gesperrt aus. Bis zu 250 Fans dürften den FC 05 begleiten. "Es gibt ein volles Haus und die Stimmung wird gut", weiß Jermaine Jones.)

... Schweinfurt als Wohnort:
"Lange Fahrten sind in Amerika kein Problem. Ich bleibe in Hessen wohnen. Es sind ja nur eineinhalb Stunden im Auto. Notfalls kann ich ja auch mal ein Hotelzimmer nehmen."

... den Test am Sonntag ab 11 Uhr zuhause gegen Regionalligist Bayreuth:
"Da werden wir kucken, wer noch fit ist!"

Und das sagt Vorstand, Geschäftsführer und Hauptsponsor Markus Wolf zum Thema Trainerwechsel:
"Einen richtigen Zeitpunkt dafür gibt es nie, der ist immer schlecht. Aber es gibt keinen Trainer, der unendlich bei einem Verein ist. Wir standen mit Jermaine lange lose im Austausch, letzte Woche hat es sich vertieft und wurde intensiv - und dann ging es schnell. Wenn man so einen Typen als Trainer kriegen kann, dann muss man das annehmen. Diese Chance als Verein mussten wir nutzen. Seine Attribute und die des Vereins sind deckungsgleich. Wir hatten auch noch Gespräche mit zwei anderen Kabdidaten, nachdem uns klar wurde, dass wir nicht mit Vicky in die nächste Saison gehen wollen. Mit dieser Negativerfahrung wäre das kontraproduktiv gewesen. Am Dienstag gegen 17 Uhr habe ihn informiert, als wir wussten, einer von den beiden anderen Kandidaten würde es machen. Um 22 Uhr fiel telefonisch die finale Entscheidung, dass Jermaine Jones es macht. Ich bin positiv, dass das mit ihm matchen könnte. Wir wollen noch möglichst viele attraktiven Fußball zeigen und uns zerreißen, das sind unsere und seine Tugenden. Wunder können wir sicher nicht erwarten. Aber in ein, zwei Wochen sollte man seine Handschrift sehen..."