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Cybermobbing: Europäisches Parlament fordert zusätzliche Maßnahmen
Jeder 6. Jugendliche wurde Opfer von Cybermobbing, jeder 8. gibt zu, an Mobbing beteiligt gewesen zu sein

Straßburg/Duisburg, 30. April 2026 - Das Europäische Parlament hat am Donnerstag in Straßburg die konsequente Umsetzung bestehender Richtlinien zum Kampf gegen Online-Bullying und eine EU- weite Definition von Cybermobbing gefordert. Online-Plattformen sollten Verantwortung zum Schutz von Opfern unternehmen.

In der Entschließung, die am Donnerstag per Handzeichen angenommen wurde, fordern die Europaabgeordneten effektive und abschreckende Strafen im Zusammenhang mit Cybermobbing. 

Opfern sollte die Meldung von Vorfällen erleichtert werden. Zusätzlich sollten rechtliche Lücken auf EU-Ebene geschlossen und so das volle Ausmaß und die schwerwiegenden Folgen von Cybermobbing anerkannt werden.

Strafrechtliche Maßnahmen
Angesichts der steigenden Zahlen von Cybermobbing und Foto- oder Video-Belästigung online, seien bestehende Maßnahmen unzureichend. 
Die Europaabgeordneten fordern die Kommission auf, zu untersuchen, inwiefern eine EU-weite Definition von Cybermobbing nötig ist und ob Mobbing im Internet als EU-Straftat gelten soll. Ein weiterer Ansatz wäre es, Hasskriminalität als EU-Straftat anzuerkennen, was die schwerwiegendsten Fälle abdecken würde.
Die Abgeordneten sind enttäuscht über den fehlenden Rechtsrahmen zur Aufdeckung von Material zu sexuellem Kindesmissbrauch (CSAM) im Internet. 
Sie rufen die Kommission dazu auf, rasch dafür zu sorgen, dass Plattformen sogenannte freiwillige Meldesysteme einführen. Die Plattformen seien dazu verpflichtet, einen sicheren digitalen Raum für Kinder zu gewährleisten.

Plattformverantwortung und Durchsetzung des Gesetzes über digitale Dienste (DSA)
Die Abgeordneten betonen, dass Online-Plattformen für Prävention und Bekämpfung von Cybermobbing verantwortlich sein müssen. Sie warnen vor Geschäftsmodellen, die Anreize für die Verbreitung hasserfüllter Inhalte schaffen und dabei insbesondere Minderjährige, Frauen und die LGBTIQ+-Community betreffen. 
Außerdem kritisieren sie stark personalisierte Empfehlungssysteme, die Hasskommentare begünstigen und weniger polarisierende Inhalte in den Suchergebnissen zurückstufen.
Das Europäische Parlament fordert eine stärkere Durchsetzung von Artikel 28 im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (DSA), das den Schutz von Minderjährigen betrifft. Es ruft die Kommission dazu auf, laufende Fälle abzuschließen und Versuche, das Gesetz zu ändern, entschieden abzulehnen. 
Die Abgeordneten zeigen sich besorgt über den zunehmenden Missbrauch von Künstlicher Intelligenz, etwa zur Erstellung von Deepfakes und Verbreitung nicht einvernehmlicher, intimer Inhalte. Sie fordern die Anbieter auf, die bestehende Kennzeichnungspflicht des KI-Gesetzes einzuhalten. 
Sie bekräftigen erneut, die Notwendigkeit ein Verbot sogenannter „Nudifier“-Systeme einzuführen, welches zur Zeit von Mitgesetzgebern verhandelt wird.

Unterstützung für die Opfer
Der Text betont die Notwendigkeit, den Schutz und die Unterstützung für Opfer von Cybermobbing zu verstärken und die Mittel für Organisationen, die sich mit den Opfern beschäftigen aufzustocken. 
Die Abgeordneten sprechen sich dafür aus, Cybermobbing und Gegenmaßnahmen in nationalen Programmen zur psychischen Gesundheit zu integrieren. 
Die Mitgliedstaaten sollten Prävention, Aufklärung und Sensibilisierung priorisieren, insbesondere mit Blick auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen und Erzieher. Zudem fordern sie, die rasche Umsetzung der EU-Richtlinie über die Rechte von Opfern.

Cybermobbing hat sich zu einer erheblichen Bedrohung für die Online-Sicherheit und das Wohlergehen von Minderjährigen und Jugendlichen entwickelt.Die Auswirkungen auf die Opfer sind dauerhaft und schwerwiegend. 
Als Reaktion darauf und auf die Forderungen nach Maßnahmen (92 % der EU-Bürger wünschen sich, dass die Behörden in dieser Angelegenheit tätig werden), legte die Kommission im Februar 2026 einen speziellen Aktionsplan gegen Cybermobbing vor.
Zwar führen einige Mitgliedsstaaten (wie Irland mit dem „Cocos Law“) gezielte Bestimmungen zur Bekämpfung von Cybermobbing ein, doch besteht weiterhin eine rechtliche Fragmentierung auf europäischer Ebene.