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Hochleistungscompound auf Basis von PLA

Verbundprojekt - Biobasierter Hochleistungskunststoff für die Elektroindustrie

Duisburg/Oberhausen, 12. Februar 2026 - Kunststoffe sind für die Elektroindustrie essenziell – sie isolieren und schützen und müssen daher z. B. wärmeformbeständig, flammgeschützt oder mechanisch robust sein. Derzeit kommen dafür vorwiegend fossil-basierte Kunststoffe wie Polyamide oder Polycarbonate zum Einsatz, es fehlen biobasierte Alternativen. Im gerade gestarteten zweijährigen Verbundprojekt »HighTechPLA« entwickelt Fraunhofer UMSICHT zusammen mit Partnern* ein biobasiertes Hochleistungscompound auf Basis von Polymilchsäure (PLA).

Brennbarkeitstest © Fraunhofer UMSICHT

Bundesministerium für ­Forschung, Technologie und Raumfahrt
In Deutschland werden jährlich rund 1 Millionen Tonnen Kunststoffe im Elektro-/Elektronikbereich verarbeitet. Der Großteil ist fossil-basiert, Rezyklate kommen hier eher geringfügig zum Einsatz. Eine biobasierte Alternative, die in der Elektroindustrie einsetzbar wäre, könnte enorm dazu beitragen, eine CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen. Die große Herausforderung ist es, biobasierte Kunststoffe mit spezifischen, sich gegenseitig beeinflussenden Funktionen, auszustatten, sie für technische Anwendungen weiterzuentwickeln und für konventionelle Spritzgießverfahren wirtschaftlich kompatibel zu machen.

Vom Struktur-Eigenschaftsmodell bis hin zu marktreifen Produkten
Im Verbundprojekt »HighTechPLA« entwickelt das Projektteam einen Hochleistungswerkstoff auf Basis von PLA für elektronische Bauteile. Das Konsortium vereint Expertise aus Forschung und Industrie aus den Bereichen Werkstoffentwicklung, Spritzguss und Produktionsentwicklung. Ziel ist es zunächst, ein tiefgreifendes Verständnis der Struktur-Eigenschaftsbeziehungen in PLA-Compounds zu erlangen, um so Zielkonflikte zwischen Kristallisationsverhalten, Schlagzähigkeit und Flammschutz systematisch zu lösen.

Ein Struktur-Eigenschaftsmodell soll es dann ermöglichen, Rezepturen und Prozesse praxisnah zu simulieren und in realen Produktionsanlagen zu validieren. Die enge Verzahnung von Material- und Verfahrensentwicklung soll Zykluszeiten mit konventionellen Prozessen vergleichbar halten.

»Wir zielen darauf ab, dass Projektergebnisse schnell in marktreife Produkte transferiert werden können. Die Ergebnisse haben zudem das Potenzial, auf andere Branchen ausgeweitet zu werden«, erklärt Christina Eloo, Abteilung Circular and Bio-based Plastics bei Fraunhofer UMSICHT.
Das Projekt »HighTechPLA« wird im Auftrag und aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

 

 

Ökobilanzierung - Kanalsanierung: Ökobilanzierung Analyse belegt: Grabenlose Kanalsanierung (Inliner-Verfahren) deutlich umweltfreundlicher

 Oberhausen/Duisburg, 4. Februar 2026 - Fraunhofer UMSICHT analysierte für die Firmen RelineEurope GmbH und Impreg GmbH die Umweltwirkungen, die bei der Sanierung von Abwasserohren entstehen. Dazu verglich das Institut mittels Ökobilanzierung die Sanierung von Abwasserrohren durch das Liner-Verfahren (CIPP: Cure-in-Place-Pipe) mit dem Austausch der Rohre durch neue Betonrohre.

© IMPREG Sanierter Abwasserkanal durch das Inliner-Verfahren

In Deutschland gibt es rund 600 000 Kilometer Abwasserrohre. 35 Prozent sind älter als 65 Jahre, sodass zahlreiche Reparaturen und Sanierungen jetzt bzw. in naher Zukunft notwendig sind. Das Liner-Verfahren ermöglicht eine grabenlose Sanierung der Abwasserrohre. Dazu werden die noch nicht ausgehärteten und somit noch flexiblen Liner wie Schläuche durch die bestehenden Kanalschächte in das beschädigte Rohr eingebracht, dann von innen mithilfe von Druckluft an die alte Rohrwandung angepresst und mit UV-Licht vor Ort ausgehärtet.

Das Wandmaterial ist ein glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) bestehend aus ungesättigtem Polyester-Harz und Glasfasern, das für Transport und Montage in thermoplastische Kunststofffolien (z.B. PE, PE oder PVC) eingeschlossen wird. Liner-Verfahren weist bessere Umweltbilanz auf Fraunhofer UMSICHT erstellte die Umweltbilanzen für die unterschiedlichen Methoden der Kanalsanierung.

Das Gesamtergebnis: Die Umweltwirkungen lassen sich durch das Liner-Verfahren im Vergleich zum Austausch der Betonrohre auf die Hälfte reduzieren. Zum Beispiel sind die Treibhausgasemissionen zwischen 54 und 77 Prozent geringer – abhängig vom Durchmesser der Rohre und der konkreten Einbausituation. Auch weitere Wirkungskategorien der Ökobilanz zeigen deutliche Vorteile.

Das Institut betrachtete in seiner Analyse die Wertschöpfungsschritte: Rohstoffe, Herstellung (Energiebedarf und Abfall), Transport, Installation und End-of-life. »Die positiven Effekte entstehen weniger bei der Herstellung der Liner, sondern insbesondere durch die verringerten Umwelteffekte aufgrund eines geringeren Installationsaufwand bei der Kanalverlegung« erläutert Dr. Jan Blömer, Abteilung Nachhaltigkeitsmanagement und Partizipation bei Fraunhofer UMSICHT.

In der Regel sind keine Erdbewegungen nötig, die Oberflächenstrukturen (Straßen, Grünanlagen etc.) werden nicht beschädigt und müssen demzufolge auch nicht wiederhergestellt werden. Ein weiterer Vorteil – der in dieser Ökobilanz nicht berücksichtigt wurde: Die Sanierung mittels Liner-Verfahren dauert nur ein bis zwei Tage, sodass sich die Belastung für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer minimiert.


Fahrrad im Winter tabu? Gazelle nimmt 3 Mythen unter die Lupe

München/Duisburg, 3. Februar 2026 - Zu rutschig, zu dunkel, zu kalt – die Liste der Ausreden für Radfahrer im Winter ist lang. Wenn die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, lassen viele ihr Fahrrad in der Garage stehen. Dabei lohnt sich der Blick hinter die gängigsten Vorurteile. Bikes im Winter sind weit weniger problematisch als oft angenommen. Gazelle hat sich typische Mythen rund um das Winterradeln genauer angesehen.

© Gazelle

Mythos 1: „Es ist viel zu glatt zum Radfahren“

Die Angst vor Stürzen auf glatten Straßen ist ein häufiger Grund, das Rad im Winter stehen zu lassen. Tatsächlich erfordern vereiste Fahrbahnen eine angepasste Fahrweise: langsamer fahren, vorausschauend agieren und besondere Vorsicht in Kurven sowie beim Bremsen. Winterreifen mit größerer Profiltiefe bieten deutlich mehr Grip auf nassen und verschneiten Untergründen. Wer diese Punkte beachtet, kann auch bei winterlichen Bedingungen sicher unterwegs sein.

Mythos 2: „In der Dunkelheit sieht mich eh keiner“
Schlechte Sichtverhältnisse in der dunklen Jahreszeit sind eine berechtigte Sorge, aber kein unüberwindbares Hindernis. Eine angemessene Fahrradbeleuchtung ist ohnehin Pflicht und sorgt für ausreichende Sichtbarkeit im Straßenverkehr. Helle oder reflektierende Kleidung hebt Radfahrer deutlich von der Umgebung ab. So machen sie sich im Straßenverkehr gut erkennbar.

Mythos 3: „Mein Fahrrad geht bei den Temperaturen kaputt“
Schmutz, Nässe und Streusalz setzen einem Fahrrad im Winter stärker zu als in anderen Jahreszeiten. Das bedeutet aber nicht, dass das Rad die frostigen Temperaturen im Keller verbringen muss. Wenn Fahrradfahrer ihr Bike trocken lagern und schützen, haben sie bereits einen wichtigen Schritt getan. Die Kette sollte häufiger gereinigt und mit Öl für nasse Bedingungen behandelt werden. Gelenke und Lager benötigen Pflege und regelmäßiges Fetten. Mit einer intensiveren Wartung bleibt das Rad auch im Winter funktionsfähig.

Warum Winterradeln sich lohnt
Auch in der kalten Jahreszeit gibt es viele gute Gründe, aufs Rad zu steigen. Wer radelt, spart Geld, bleibt fit und stärkt das Immunsystem durch Bewegung an der frischen Luft. Gerade im Winter sorgt das Radfahren für einen willkommenen Ausgleich zum Alltag und hebt die Stimmung. Mit der richtigen Ausrüstung und etwas Pflege ist das Fahrrad auch bei Frost ein zuverlässiger Begleiter. Wer sich auf winterliche Fahrten einlässt, entdeckt neue Seiten am Radfahren und erlebt, wie viel Freude Touren durch verschneite Landschaften machen.

Fehlt noch das passende Rad? Dann lohnt sich ein Besuch im Gazelle Testcenter: Hier können Sie ohne Anmeldung und kostenfrei viele Modelle ausprobieren. So steht dem Winterradeln nichts mehr im Weg!

NRW im Wandel: Wissenschaft als Motor – damals und heute

Hochkarätige Veranstaltung würdigt Johannes Rau und diskutiert Zukunftsperspektiven für den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf/Duisburg, 13. Januar 2026 - Wie gelingt Strukturwandel durch Wissenschaft – damals und heute? Unter dieser Leitfrage fand am Montag, den 12. Januar 2026, eine besondere Veranstaltung in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf statt. Anlass war der 20. Todestag von Johannes Rau, dessen Wirken als Wissenschaftsminister, Ministerpräsident und Bundespräsident die Wissenschaftslandschaft Nordrhein-Westfalens nachhaltig geprägt hat.

Die Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft (JRF), die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste (AWK) und die Johannes-Rau-Gesellschaft (JRG) luden Interessierte aus Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ein, um Raus Vision vom „Strukturwandel durch Wissenschaft“ zu reflektieren und mit Blick auf aktuelle Herausforderungen weiterzudenken.

Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst hob in seiner Keynote die langfristige Bedeutung von Forschung und Bildung hervor:
„Johannes Rau hat Nordrhein-Westfalen tief geprägt: Als einer der größten Politiker unseres Landes und als ein Mensch, der Politik immer in den Dienst des Nächsten gestellt hat. Sein Leitmotiv ‚Versöhnen statt Spalten‘ war Anspruch und Haltung zugleich. Er hat zugehört, Brücken gebaut und daran geglaubt, dass unser Zusammenleben nur gelingt, wenn wir Trennendes überwinden, ohne Konflikten auszuweichen. Gerade in den Jahren des tiefgreifenden Strukturwandels hat Johannes Rau Verantwortung übernommen. Er stand an der Seite der Menschen, deren Arbeitsplätze und Lebensgrundlagen bedroht waren, und hat früh erkannt: Bildung, Wissenschaft und Forschung sind der Schlüssel für neue Chancen und nachhaltigen Wohlstand.

‚Forschung ist der neue Rohstoff Nordrhein-Westfalens‘ – dieser Gedanke prägt unser Land bis heute, vor allem auf unserem Weg von der Kohle zur KI. Das Vermächtnis von Johannes Rau ist von brennender Aktualität. In einer Zeit, in der Spaltung und Misstrauen wachsen, ist unsere Antwort Zusammenhalt, Dialog und Versöhnung. Politik kann einen Unterschied machen. Um die Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich zu meistern, brauchen wir Kooperation statt Konfrontation. Johannes Raus Wirken verpflichtet uns, den Wandel kooperativ und immer auf Augenhöhe mit den Menschen zu gestalten.“

Die Veranstaltung beleuchtete zudem historische Meilensteine der nordrhein-westfälischen Wissenschaftspolitik und zeigte ihre Bedeutung für die heutigen Transformationsprozesse auf.

In seinem Impulsbeitrag ging Prof. Dr. Christoph Zöpel (NRW- und Bundesminister a. D.) auf das Wirken Johannes Raus ein und ordnete die Universitätsgründungen der 1960er bis 1980er Jahre und den Strukturwandel der Industrieregionen historisch und faktenreich ein. Ergänzt wurde das Programm durch Videostatements ehemaliger NRW-Wissenschaftsminister*innen Anke Brunn, Gabriele Behler, Hannelore Kraft, Prof. Dr. Andreas Pinkwart und Svenja Schulze.

In einer Podiumsdiskussion diskutierten anschließend Ina Brandes MdL, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Bodo Middeldorf, Prof. Dr. Dieter Bathen und Prof. Dr. Gerd Heusch unter der Moderation von Prof. Dr. Uwe Schneidewind über die Rolle von Wissenschaft, Forschung und Innovation für die Transformation im Rheinischen Revier und im Ruhrgebiet.

Wissenschaftsministerin Ina Brandes betonte:
„Johannes Rau hat früh erkannt, dass Wissenschaft der Motor für Innovation und damit für einen erfolgreichen Strukturwandel ist. Dieses Verständnis ist aktueller denn je. Exzellente Forschung ‚made in NRW‘ trägt dazu bei, die großen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern, Wohlstand für alle zu schaffen und zu erhalten. Dazu brauchen wir starke Netzwerke wie die Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden hier ein exzellentes außeruniversitäres Netzwerk, das ihre Forschung nah an der Anwendung noch besser macht.“

Prof. Dieter Bathen, Vorstandsvorsitzender der JRF, unterstrich die anwendungsnahe Rolle der JRF in Nordrhein-Westfalen:

„Johannes Raus Idee, Wissenschaft in den Dienst des Wandels zu stellen, lebt in der JRF fort. Unsere JRF-Institute erzeugen Wissen dort, wo es gebraucht wird, und leisten mit ihrer Transferexzellenz einen unmittelbaren Beitrag zum Strukturwandel in NRW. Sie verbinden wissenschaftliche Expertise mit praxisorientierten Lösungen für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Damit leistet die JRF einen einzigartigen Beitrag im Wissenschaftssystem Nordrhein-Westfalens.“

Auch die gastgebende Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste stellte die Bedeutung von Dialog und Erkenntnis heraus. Ihr Präsident, Prof. Dr. Gerd Heusch, erklärte:
„Johannes Rau hat die Wissenschaft in NRW und auch unsere Akademie geprägt: Er war an unserer Gründung beteiligt und 20 Jahre Vorsitzender unseres Kuratoriums. Sein Erbe prägt die Wissenschaftslandschaft in NRW bis heute. Die Diskussion darüber ist deshalb keine Nostalgie. Die Akademie beschäftigt sich vielmehr mit der Frage, was aus diesem Vermächtnis für die Zukunft folgen und wie die Akademie weiterentwickelt werden sollte.“

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Dankesworte von Christina Rau sowie einem Empfang, der den Teilnehmenden Raum für Austausch und Vernetzung bot. Der Abend machte deutlich: Nordrhein-Westfalen steht erneut an einem Wendepunkt – und Wissenschaft bleibt der Schlüssel, um Wandel erfolgreich zu gestalten.

ME.LAK: Gemeinsam für die Stadtreinigung der Zukunft

Duisburg, 9. Januar 2026 - In Duisburg entsteht derzeit ein innovatives Projekt für die Stadtreinigung der Zukunft: Mit „ME.LAK – Menschenzentrierte Entwicklung einer autonomen Kehrmaschine und Leitstelle“ entwickeln die Wirtschaftsbetriebe Duisburg gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und IT eine autonome, vollelektrische Kehrmaschine.

Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg stehen als Konsortialführer einem Zusammenschluss von insgesamt fünf Partnern vor und koordinieren und steuern das gesamte Projekt. Das Projekt läuft seit dem 1. Mai 2025 und wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW mit Mitteln aus dem EFRE/JTF-Programm 2021-2027 gefördert.

Vollautomatisierte Reinigung – sicher, effizient und emissionsfrei
Im Mittelpunkt von ME.LAK steht die Entwicklung einer autonomen, vollelektrischen Kehrmaschine nach SAE-Level 4. SAE-Level 4 beschreibt dabei ein Automatisierungslevel bei dem das Fahrzeug in klar definierten Einsatzbereichen alle Fahr- und Reinigungsaufgaben selbstständig ausführt.

Das Fahrzeug soll künftig den gesamten Arbeitsprozess – vom Laden über den Reinigungsvorgang bis zur Entleerung – eigenständig durchführen können. Über eine von geschulten Remote-Pilotinnen und -Piloten besetzte Leitstelle wird der Betrieb überwacht und bei Bedarf unterstützt.

Impulse für eine moderne Stadtreinigung
Die Stadtreinigung steht vor großen Veränderungen: Fachkräftemangel erschwert die Besetzung von Kehrmaschinen, körperliche Belastungen mindern die Attraktivität des Berufs und gleichzeitig steigen die Anforderungen an digitale und effiziente Arbeitsprozesse.

ME.LAK setzt genau hier an: Das Projekt verbindet technologische Innovation mit einer Weiterentwicklung der Arbeitswelt. Neue digitale Unterstützungsangebote, ergonomischere Abläufe und zusätzliche Tätigkeitsprofile sollen die Beschäftigten entlasten und langfristige Perspektiven schaffen.

Die Ziele des Projekts
Ziel von ME.LAK ist eine autonome, vollelektrische Kehrmaschine, die den gesamten Arbeitsprozess selbstständig ausführt: reinigen, laden, entleeren und interne Reinigungsschritte durchführen. Das Fahrzeug soll mit seiner Umgebung interagieren und seine nächsten Fahr- und Arbeitsmanöver verständlich kommunizieren. Reinigungsrouten werden softwaregestützt geplant und angepasst.

Herzstück des Systems ist eine menschenzentrierte Leitstelle, in der Remote-Pilotinnen und -Piloten den Betrieb überwachen und bei Bedarf eingreifen. Dadurch entsteht zugleich ein neues, inklusives Berufsbild, das zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten bietet.

„ME.LAK zeigt, wie wir kommunale Dienstleistungen zukunftsfähig gestalten können: durch intelligente Automatisierung, neue Berufsbilder und eine menschenzentrierte Perspektive. Besonders stolz bin ich auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit in diesem Konsortium – hier kommen Expertise, Kreativität und praktische Erfahrung zusammen. So entsteht ein System, das nicht nur effizienter und nachhaltiger ist, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen schafft. Wir sind überzeugt: Was hier in Duisburg entsteht, kann vielen Kommunen in Deutschland und Europa neue Wege aufzeigen," ist Thomas Patermann, Sprecher des Vorstands der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, für das gesamte Konsortium sicher.

Interdisziplinäres Konsortium
Damit eine autonome Kehrmaschine Realität werden kann, braucht es Expertise aus vielen unterschiedlichen Bereichen: Fahrzeugtechnik, Softwareentwicklung, Psychologie, Logistik, Stadtverwaltung und operative Stadtreinigung. ME.LAK vereint diese Kompetenzen in einem interdisziplinären Konsortium, in dem Forschung, Industrie und kommunale Praxis eng zusammenarbeiten. Die beteiligten Partner bringen ihr spezifisches Know-how ein und entwickeln gemeinsam ein ganzheitliches System, das über Duisburg hinaus Modellcharakter haben kann.

Wirtschaftsbetriebe Duisburg: Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg leiten das Projektkonsortium, koordinieren die Zusammenarbeit der Partner und stellen die notwendige Infrastruktur bereit. Sie testen die Entwicklungen unter realen Bedingungen der Stadtreinigung und verantworten rechtliche Vorgaben sowie Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerkommunikation.

Schotte Automotive GmbH & Co. KG: Schotte Automotive entwickelt die automatisierte Betriebsstätte und eine benutzerfreundliche Leitstelle zur Überwachung und Teleoperation der Kehrmaschine. Die Systeme werden schrittweise getestet und für den Einsatz optimiert.

Universität Duisburg-Essen (UDE): Die Universität Duisburg-Essen begleitet das Projekt wissenschaftlich. Sie entwickelt Sicherheitskonzepte, untersucht Akzeptanz und Nutzerverhalten und analysiert Mensch-Maschine-Interaktionen. Zudem unterstützt sie die Gestaltung der Leitstelle und begleitet Testphasen im nichtöffentlichen und öffentlichen Raum.

Krankikom GmbH: Krankikom entwickelt die zentralen Kommunikationsschnittstellen zwischen Fahrzeug, Leitstelle und Umfeld. Das Unternehmen gestaltet zudem die Nutzeroberflächen und erforscht, wie die Kehrmaschine ihre Absichten verständlich kommuniziert. Alle Systeme werden im Prototyp erprobt.

Bucher Municipal (Enway): Bucher Municipal entwickelt die autonomen Fahrfunktionen der Kehrmaschine, inklusive präziser Navigation und automatischem Anfahren von Lade- und Entleerstationen. In Praxistests werden diese Funktionen kontinuierlich weiterentwickelt.

Vom Prototyp zu Tests unter Realbedingungen
In den kommenden Monaten stehen weitere vorbereitende Arbeiten, detaillierte Entwicklungsphasen und vertiefende Planungen an, um den Weg für den praktischen Einsatz zu ebnen. Mitte 2026 sind erste Tests vorgesehen, die in einem gesicherten Bereich auf einem der Betriebshöfe der Wirtschaftsbetriebe durchgeführt werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse soll im Jahr 2027 der Testbetrieb auf den betrieblichen Flächen der Wirtschaftsbetriebe starten.

Langfristig bietet das System das Potenzial, in städtische Smart-City-Strategien eingebunden und auf andere Kommunen übertragen zu werden. Das Projekt ME.LAK läuft insgesamt bis zum 30. April 2028.