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UNICEF Deutschland zum "Masterplan Migration": Kein Kind darf zusätzlich Schaden nehmen

Berlin/Köln/Duisburg, 10. Juli 2018 - Anlässlich der Veröffentlichung des "Masterplans Migration" ruft UNICEF Deutschland dazu auf, bei allen geplanten Entscheidungen und Maßnahmen das Wohl und den Schutz von Kindern jederzeit vorrangig zu behandeln. 

„Kein Kind darf zusätzlichen Schaden nehmen oder erneut Gefahren ausgesetzt werden“, erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Dies gilt insbesondere für Einrichtungen, in denen Mädchen und Jungen mit vielen fremden Menschen auf engem Raum und über lange Zeiträume leben. Dies sind grundsätzlich keine geeigneten Orte für Kinder.“

Flüchtlingsunterkünfte - auch die geplanten Ankunfts-, Entscheidungs- und Rückführungseinrichtungen („AnkER-Einrichtungen“) - müssen deutschlandweit verbindliche familien- und kindgerechte Standards erfüllen, die regelmäßig von einer unabhängigen Stelle überprüft werden. UNICEF hat dazu gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium und Partnern „Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ entwickelt, die bereits in über 100 Einrichtungen bundesweit umgesetzt werden. Die Umsetzung erfordert nun endlich eine bundesgesetzliche Grundlage.

Die UNICEF-Studie „Kindheit im Wartezustand" hat veranschaulicht, dass Erstaufnahmeeinrichtungen, die als Vorbild der AnkER-Einrichtungen dienen sollen, häufig weder sicher noch kindgerecht sind. Mangelnde Privatsphäre, begrenzter Zugang zu Kindergärten und Schulen, unzureichende psychosoziale Unterstützung, nicht abschließbare Sanitäranlagen und das Miterleben von Gewalt und Abschiebungen führen zu Gefährdungsmomenten und erzeugen Gefühle von Angst und Ohnmacht bei geflüchteten Kindern. All diese Faktoren können sich negativ auf ihre Entwicklung auswirken. 

Kinder und ihre Familien sollten deshalb so kurz wie möglich in den geplanten Einrichtungen verbleiben und so rasch wie möglich uneingeschränkten Zugang zu Kindergärten, Schulen und angemessener medizinischer Versorgung haben. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollten weiterhin von der Kinder- und Jugendhilfe in Obhut genommen und nicht in den geplanten AnkER-Einrichtungen untergebracht werden. 

Die Regierung hat sich im Koalitionsvertrag klar zur UN-Kinderrechtskonvention bekannt. Ihre Umsetzung gilt für alle Kinder und Jugendlichen - ganz gleich woher sie kommen und wo sie sich aufhalten.  

 

 

Das Leben wieder aufbauen

Konferenz „Rebuilding Lives“ fordert mehr Hilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche in Krisengebieten.

Verstärkte Anstrengungen sind notwendig, um die zerstörerischen Auswirkungen langanhaltender Konflikte auf die psychische Gesundheit von Kindern und jungen Menschen zu lindern. Expertinnen und Experten von Regierungen, Vereinten Nationen, Zivilgesellschaft und Hilfsorganisationen rufen anlässlich der Konferenz „Das Leben wieder aufbauen” (Rebuilding Lives) zu mehr Unterstützung für Programme zur psychischen Gesundheit sowie zur psychosozialen Hilfe auf.  

Mehr Hilfe für traumatisierte Kinder und Jugendliche! | © UNICEF/UN073067/Romenzi


UNICEF und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatten zu der internationalen Expertentagung nach Berlin eingeladen. „Die tiefen seelischen Verletzungen von Kindern, die in bewaffneten Konflikten aufwachsen, werden vielfach übersehen”, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta H. Fore in Berlin.
„Anhaltende Konfrontation mit Gewalt, Angst und Unsicherheit kann katastrophale Auswirkungen auf das Lernvermögen, das Verhalten sowie die emotionale und soziale Entwicklung von Kindern haben. Ohne Hilfe kann toxischer Stress durch die Beobachtung oder das Erleiden traumatisierender Ereignisse zu Einnässen, selbstzerstörerischem Verhalten, Aggressionen, Rückzug, Depressionen, Drogenmissbrauch bis hin zum Selbstmord führen.”

 Über 250 Millionen Kinder und Jugendliche leben in Ländern, die von gewalttätigen Konflikten betroffen sind. Schätzungsweise 68 Millionen Menschen - die Hälfte davon unter 18 Jahre - mussten aufgrund von Konflikten ihr Zuhause verlassen.
In den Krisenländern im Nahen Osten und Afrika belasten die Folgen der Gewalt eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen. Sie führen auch dazu, dass besonders verletzliche Gruppen wie Menschen mit psychischen Problemen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen noch weiter marginalisiert werden. „Was Kinder in Kriegen und Krisen erleben und mitansehen müssen, das begleitet und prägt sie ein Leben lang.
Unsere Aufgabe ist es, ihnen trotz alledem ein Stück ihrer Kindheit zurückzugeben. Deswegen unterstützen BMZ und UNICEF gemeinsam hunderttausende Kinder, beispielsweise im Südsudan oder in der Krisenregion in und um Syrien mit psychosozialer Betreuung und speziell auf traumatisierte Kinder zugeschnittenen Programmen. Diese Kinder haben ein Recht darauf, mit unserer Hilfe ins Leben und den Alltag zurückzukehren.

UNICEF leistet hierbei unschätzbare Arbeit und ist ein wichtiger Partner für uns“, sagte Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Von Krieg, Vertreibung und traumatischen Erfahrungen betroffene Kinder – wie etwa Opfer sexualisierter Gewalt – brauchen spezielle Hilfe, um damit umgehen und ihr Leben wieder aufbauen zu können. Auch Familien oder Betreuerinnen und Betreuer, die selbst schwere traumatische Erfahrungen gemacht haben, dürfen nicht übersehen werden. Einige von ihnen brauchen gezielte Unterstützung, bevor sie selbst die von ihnen betreuten Kinder angemessen versorgen können.

Die Teilnehmer der Expertentagung forderten gemeinsames Handeln von Politik, Hilfs- und Entwicklungsorganisationen und Wissenschaft. Nachweislich wirksame und nachhaltige Hilfsprogramme zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern, jungen Menschen und anderen verletzlichen Gruppen müssten ausgeweitet werden. Bestehende Netzwerke von Eltern, Lehrenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Gesundheitseinrichtungen sowie religiösen Autoritäten in den Gemeinden können dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

UNICEF will in diesem Jahr 3,9 Millionen Kindern in Krisensituationen Zugang zu psychosozialer Hilfe eröffnen – zum Beispiel im Irak, in Jordanien, Libanon, Syrien, Somalia und Südsudan. Durch gemeindenahe Maßnahmen zur psychischen Gesundheit und psychosoziale Hilfe, wie Sport, Kunst oder Spiel und die Förderung eines unterstützenden Umfeldes, sollen die Kinder stabilisiert, ihr psychisches Wohlbefinden unterstützt und ihr Schutz verbessert werden. Zusätzlich stellt UNICEF über die Entwicklung entsprechender Referenzsysteme sicher, dass Kinder und Jugendliche, die spezielle psychologische Hilfe benötigen, identifiziert werden und Zugang zu koordinierter Hilfe erhalten.

„Angesichts der nie dagewesenen Zahl komplexer und langanhaltender Konflikte müssen wir den psychosozialen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit geben”, sagte Henrietta H. Fore. BMZ: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die Unterstützung von Menschen in Krisen- und Fluchtsituationen zu einem Hauptschwerpunkt seiner Entwicklungszusammenarbeit gemacht.

Allein 2017 hat das BMZ 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt, um die Ursachen von Flucht und Vertreibung anzugehen sowie ihre Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaften zu lindern. Diese Hilfe kommt sowohl den betroffenen Menschen als auch den aufnehmenden Gemeinden zugute. Gemeinsam mit UNICEF eröffnet das Ministerium Kindern, Jugendlichen, Angehörigen und betreuenden Personen Zugang zu psychosozialer Hilfe. Das BMZ hat allein 230 Millionen Euro für UNICEF-Projekte zur Verfügung gestellt, bei denen die Stärkung der mentalen Gesundheit zentraler Bestandteil des Ansatzes ist.

Web:  www.bmz.de; folgen Sie dem BMZ auf Twitter und Facebook UNICEF: UNICEF arbeitet an den härtesten Orten der Welt, um die am stärksten benachteiligten Kinder zu unterstützen. In 190 Ländern und Gebieten der Erde arbeitet UNICEF für alle Kinder, um eine bessere Welt für Alle zu schaffen.

Das Deutsche Komitee für UNICEF vertritt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Deutschland. UNICEF International www.unicef.org ; folgen Sie UNICEF international auf Twitter und  Facebook

 

Georg Graf Waldersee folgt nach zehn Jahren Dr. Jürgen Heraeus als ehrenamtlicher Vorsitzender des Deutschen Komitees für UNICEF

Der neue Vorstand von UNICEF-Deutschland mit Schirmherrin Elke Büdenbender. . .

Berlin/Duisburg, 22. Juni 2018 - In seiner konstituierenden Sitzung wählte der neue Vorstand Graf Waldersee heute zum Vorsitzenden. Zu seinen Stellvertretern bestimmte der Vorstand Claudia Graus und Peter-Matthias Gaede. Zuvor wurden in der heutigen Mitgliederversammlung von UNICEF Deutschland in Berlin vier neue Mitglieder in den Vorstand gewählt: die Journalistin und ehemalige First Lady Daniela Schadt, der Unternehmer Dr. Jochen Gutbrod, der Manager und Gründer Dr. Johannes Meier und die Parlamentarische Staatssekretärin a.D. Dagmar Wöhrl.

Graf Waldersee bei der 60-Jahr-Feier von Unicef Duisburg 2017 - Foto Harald Jeschke


Im Vorstand bestätigt wurden der Journalist und ehemalige Chefredakteur des Magazins GEO, Peter-Matthias Gaede sowie die Staatsministerin a.D. und Mitglied des Vorstandes der innogy SE, Hildegard Müller. Nach zehn Jahren beendeten Dr. Jürgen Heraeus als Vorsitzender, Ekin Deligöz, Ann Kathrin Linsenhoff und Anne Lütkes satzungsgemäß ihre Vorstandsarbeit.

„Angesichts rasanter globaler Veränderungen und wachsender Unsicherheiten steht UNICEF vor neuen und großen Herausforderungen“, sagte Graf Waldersee in Berlin. „Armut, Instabilität und Konflikte drohen in vielen Ländern Fortschritte für Kinder und Jugendliche wieder zunichte zu machen. In einer Zeit weltpolitischer Unordnung tritt UNICEF für Dialog und Zusammenarbeit ein, um benachteiligten Kindern Chancen und Perspektiven zu geben. Hierfür möchte ich um eine breite Unterstützung werben.“

Graf Waldersee würdigte die erfolgreiche Arbeit von Dr. Heraeus und der ausscheidenden Vorstandsmitglieder in den vergangenen zehn Jahren: „Sie alle haben mit großer Kompetenz, Leidenschaft und Augenmaß ihre Erfahrungen und Perspektiven eingebracht. Sie haben UNICEF überzeugend und glaubwürdig vertreten und die Hilfsbereitschaft für Kinder in Not nachhaltig gestärkt. Dafür danke ich persönlich und im Namen des Komitees sowie der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter!“

Dem ehrenamtlichen Vorstand von UNICEF Deutschland gehören an: Georg Graf Waldersee, Hamburg (Vorsitzender) Peter-Matthias Gaede, Hamburg (Stellvertretender Vorsitzender) Claudia Graus, München (Stellvertretende Vorsitzende) Dr. Jochen Gutbrod, Potsdam (Schatzmeister) Christine Langen, Lörrach Dr. Johannes Meier, Gütersloh Hildegard Müller, Düsseldorf Daniela Schadt, Berlin Dagmar G. Wöhrl, Nürnberg Heidi Wurster, Augsburg Zur Person des neuen UNICEF-Vorsitzenden Georg Graf Waldersee, (63), war über viele Jahre Mitglied in den internationalen Führungsgremien von Arthur Andersen und EY (früher Ernst & Young) und ist heute Chairman des Boards der deutschen Organisation von EY und Aufsichtsrat verschiedener anderer Unternehmen.
Seit 2016 arbeitet Graf Waldersee im ehrenamtlichen Vorstand von UNICEF Deutschland. Er bringt seine Erfahrungen in der Führung und Beratung großer internationaler Unternehmen und Organisationseinheiten ein und kann dabei auf ein breites Netzwerk zurückgreifen. In einer Zeit schwerwiegender Krisen und wachsender politischer Unsicherheit auf der Welt möchte er die multilaterale Zusammenarbeit bei der Lösung globaler Probleme und das zivilgesellschaftliche Engagement für Kinder und ihre Rechte stärken.
Georg Graf Waldersee ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Er lebt in Hamburg und Berlin. UNICEF-Geschäftsbericht 2017 Das Deutsche Komitee für UNICEF hat im Jahr 2017 Einnahmen in Höhe von rund 112,66 Millionen Euro erzielt. Die Einnahmen in 2017 lagen über denen des Vorjahrs (108,67 Millionen Euro). Zu diesem guten Ergebnis haben über 450.000 aktive Spenderinnen und Spender in Deutschland beigetragen. Besonders wichtig sind die regelmäßigen Beiträge aus mehr als 250.000 UNICEF-Patenschaften. Sie machen es möglich, dass UNICEF Kindern in Notsituationen flexibel und verlässlich helfen kann.

UNICEF Deutschland war damit eine der bedeutendsten Stützen der weltweiten Arbeit des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Dessen Programme in rund 150 Ländern tragen dazu bei, dass Kinder gesund aufwachsen, Zugang zu sauberem Wasser und ausreichender Nahrung haben, zur Schule gehen können und vor Missbrauch und Ausbeutung geschützt sind. In Kriegs- und Krisengebieten wie in Syrien, im Jemen, im Südsudan, Bangladesch und vielen anderen Ländern ermöglichen die Spenden aus Deutschland lebensrettende Hilfe.

Insgesamt konnten 83,52 Millionen Euro für die internationale Hilfe für Kinder bereitgestellt werden. 2,28 Millionen Euro wurden für die Kinderrechtsarbeit in Deutschland eingesetzt. Die Kosten in Deutschland für Verwaltung sowie Öffentlichkeitsarbeit und Werbung betrugen – gemäß den Kriterien des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) – 18,9 Prozent.

 

 

Kinder ohne Heimat brauchen Hoffnung

UNICEF zum Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in Jordanien und Libanon

Köln/Duisburg, 21. Juni 2018 - Anlässlich des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Jordanien und Libanon weist UNICEF auf die anhaltend schwierige Situation der rund 2,7 Millionen syrischen Flüchtlingskinder hin. Die meisten von ihnen leben zum Teil seit Jahren unter schwierigen Bedingungen in Lagern und Gastgemeinden der Nachbarländer. Mädchen und Jungen unter 18 Jahren stellen etwa die Hälfte der aus Syrien in die Nachbarländer Türkei, Jordanien, Libanon, Irak und Ägypten geflüchteten Menschen.

Eine Rückkehr nach Syrien ist für die meisten Familien in absehbarer Zeit nicht möglich, in den Flüchtlingscamps und Städten der Nachbarländer wachsen Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit. Über eine halbe Million syrische Kinder wurden seit Konfliktbeginn als Flüchtlinge geboren. Allein in Za’atari, dem größten syrischen Flüchtlingscamp in Jordanien mit rund 80.000 Menschen, kommen jede Woche im Durchschnitt 80 Babys zur Welt.

„Nach sieben Jahren Krieg wächst eine vergessene Generation syrischer Kinder auf, von denen viele ihre Heimat gar nicht mehr kennen“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Wie alle Kinder der Welt wollen sie zur Schule gehen, einen Beruf erlernen und träumen von einer besseren Zukunft. Doch für viele Mädchen und Jungen aus Syrien stehen die Chancen dafür zur Zeit schlecht, und das wird sich auch auf die Entwicklung der gesamten Region auswirken. Wir müssen alles tun, um die Hilfe – und damit die Hoffnung von Millionen von Kindern – aufrechtzuerhalten.“

Trotz der großzügigen Unterstützung der aufnehmenden Länder, von Hilfsorganisationen wie UNICEF sowie Partnern, zu denen auch maßgeblich die Bundesregierung gehört, ist die Lage der Kinder weiter schwierig.

So ist es zwar beispielsweise in Jordanien gelungen, im vergangenen Schuljahr 126.000 syrische Kinder kostenlos an öffentlichen Schulen einzuschreiben. Auch Libanon hat seine Schulen gebührenfrei für geflüchtete Kinder geöffnet. Insgesamt stehen die aufnehmenden Länder aber vor der großen Aufgabe, rund zwei Millionen zusätzliche Schülerinnen und Schüler zu integrieren. Die Herausforderung ist so groß, dass fast 700.000 syrische Kinder in den Nachbarländern weiterhin nicht zur Schule gehen.

Zu den Gründen gehören unter anderem weite Entfernungen, fehlende Lehrerinnen und Lehrer, überfüllte Klassenräume in den Camps und Mobbing an den Schulen. Viele Kinder, vor allem Jungen, brechen auch die Schule ab, weil sie arbeiten müssen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Mädchen werden häufig früh verheiratet, weil ihre Eltern hoffen, sie so besser zu schützen. Viele von ihnen haben keine Chance, einen Schulabschluss zu machen.

UNICEF leistet sowohl in Syrien als auch seinen Nachbarländern umfassende Hilfe für Kinder und Familien. Für dieses Jahr ist die Hilfe erst zur Hälfte finanziert. UNICEF unterstützt zum Beispiel die Wasserversorgung von Millionen von Menschen, richtet Schulen sowie Kinder- und Jugendzentren ein, organisiert Impfkampagnen und sorgt für psychosoziale Hilfe. Die Bundesregierung gehört zu den wichtigsten Unterstützern der UNICEF-Hilfe in Syrien und der Region.

 

Weltflüchtlingstag

UNICEF: 30 Millionen Kinder auf Flucht vor Konflikten

Astronaut und UNICEF-Botschafter Alexander Gerst unterstützt bundesweite Aktion #träumesindgrenzenlos

New York/ Köln, 20. Juni 2018 - Rund 30 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind laut UNICEF im eigenen Land oder über Landesgrenzen hinweg auf der Flucht vor Konflikten – mehr als jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Über die Hälfte aller Menschen mit Flüchtlingsstatus sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF ruft die Regierungen anlässlich des heutigen Weltflüchtlingstags dazu auf, geflüchtete Kinder besser zu versorgen und zu schützen sowie langfristige Lösungen zu erarbeiten, um ihr Wohlergehen zu sichern.

„Am Weltflüchtlingstag ist es wichtig, sich die Gefahren und Herausforderungen vor Augen zu führen, denen diese Kinder täglich begegnen“, sagte der Leiter der weltweiten Nothilfe-Programme von UNICEF, Manuel Fontaine. „In der Fremde – unabhängig davon, ob sie geflüchtet sind, Asylbewerber oder Binnenvertriebene – sind sie häufig großen Gefahren für ihre Sicherheit und Gesundheit ausgesetzt. Darüber hinaus gibt es große Hürden beim Zugang beispielsweise zu Bildung und Hilfen, die für ihre Entwicklung nötig sind. Diese Kinder brauchen mehr als einen Erinnerungstag – sie brauchen Hoffnung, Chancen und Schutz.“

Zur Zeit werden auf internationaler Ebene zwei politische Rahmenwerke, so genannte „Global Compacts“, für den Umgang mit Flucht und Migration erarbeitet. UNICEF setzt sich bei den Verhandlungen dafür ein, dass der Schutz und die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen dabei höchste Priorität erhalten.

Nur Hälfte der geflüchteten Kinder in der Grundschule

Während die Zahl der vertriebenen und geflüchteten Kinder auf Rekordhöhe gestiegen ist, bleibt vielen von ihnen der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung verwehrt. So besuchen gegenwärtig nur die Hälfte der geflüchteten Mädchen und Jungen eine Grundschule, und weniger als jeder vierte geflüchtete Jugendliche lernt in einer weiterführenden Schule.

Auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die allein auf den Flucht- und Migrationsrouten unterwegs sind, ist so hoch wie nie: Mindestens 300.000 unbegleitete oder von ihren Eltern getrennte Minderjährige wurden 2015 bis 2016 in 80 Ländern registriert. Das waren fünf Mal so viele wie im Zeitraum 2010 bis 2011. Ihre tatsächliche Zahl liegt vermutlich noch deutlich höher. Unbegleitete Mädchen und Jungen werden häufig Opfer von Menschenhandel, Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch. Rund 28 Prozent aller Opfer von Menschenhandel sind unter 18 Jahren alt.

Neue bundesweite Aktion „Träume sind grenzenlos“

Am Weltflüchtlingstag startet UNICEF die neue bundesweite Aktion #träumesindgrenzenlos. Ehrenamtliche Teams in ganz Deutschland sprechen in den nächsten Wochen Menschen auf der Straße und über Social Media an und bitten sie, sich ihre persönlichen Träume vor Augen zu führen und mit denen von geflüchteten Kindern aus aller Welt zu vergleichen. Mit der Aktion möchte UNICEF für Solidarität mit geflüchteten und migrierten Kindern werben.

UNICEF-Botschafter Alexander Gerst, zur Zeit auf der Internationalen Raumstation ISS, ruft vom All aus zur Unterstützung für die Aktion auf. „Es gibt keinen Menschen, der nicht irgendeinen Traum hat, irgendetwas, was tief in ihm drin ist. Und ich denke auch, dass es wert ist, jedem Traum eine Chance zu geben", sagt Gerst.

 

Gute Reise, Astro-Alex!

Köln/Duisburg, 05. Juni 2018 - UNICEF-Botschafter Alexander Gerst macht auf seiner Mission ins All jungen Menschen Mut, sich für ihre Träume von einer besseren Welt einzusetzen.
Morgen (06.06.), um 13:12 Uhr MESZ startet der deutsche ESA-Astronaut und UNICEF-Botschafter Alexander Gerst zu seiner neuen Mission auf der internationalen Raumstation ISS. Zusammen mit UNICEF ruft Gerst junge Menschen dazu auf, sich für eine bessere Welt für Kinder zu engagieren. Er wird vom Weltall aus auf die
Aktion „Träume sind grenzenlos“ aufmerksam machen.

„Wir besitzen diese Welt nicht – wir haben sie nur geborgt. Unser gesamtes Leben als Zivilisation hängt von diesem einen Planeten ab. Wir sollten ihn also so hinterlassen, dass zukünftige Generationen friedlich miteinander leben können“, erklärte Astro-Alex kurz vor seinem Start ins All im Gespräch mit engagierten Jugendlichen.  
Gleich zu Beginn seiner neuen Mission „Horizons“ (engl. Horizonte) beteiligt sich Gerst an der UNICEF-Aktion „Träume sind grenzenlos“, die von engagierten UNICEF-Unterstützern entwickelt wurde. Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni halten junge Menschen in ganz Deutschland dazu an, ihre persönlichen Träume mit denen von geflüchteten Kindern zu vergleichen.

Die lokalen Aktionen haben das Ziel, Verständnis und Solidarität mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu stärken. Sie richten sich gegen Diskriminierung und Fremdenhass. „Es gibt keinen Menschen, der nicht irgendeinen Traum hat, irgendetwas, was tief in ihm drin ist“, sagt Alexander Gerst zur Träume-Aktion. „Und ich denke auch, dass es wert ist, jedem Traum eine Chance zu geben.“

„Alexander Gerst steht für Neugier, wissenschaftliche Kompetenz, Verantwortung und Menschlichkeit. Er ist Vorbild und Ansporn dafür, allen Kindern auf der Erde Chancen und Perspektiven zu geben“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Wir drücken die Daumen für eine erfolgreiche und sichere Mission im All! Gute Reise, Astro-Alex!“

© UNICEF/DT2018-59931/Sebastian Bänsch

 

Ebola im Kongo: UNICEF mobilisiert Hunderte Gesundheitshelfer

Kinshasa/ Genf/ Köln/Duisburg, 18. Mai 2018 - Zur Eindämmung von Ebola in der Demokratischen Republik Kongo mobilisiert UNICEF zusammen mit der kongolesischen Regierung und Partnern in der betroffenen Region im Nordwesten des Landes Hunderte Helferinnen und Helfer.

Sie informieren Kinder und Familien über die Gefahren von Ebola und über wirksame Maßnahmen zum Schutz, zum Beispiel Hygiene-Maßnahmen und eine in der kommenden Woche beginnende Impfkampagne. Die lebenswichtigen Informationen sollen unter anderem über Radio, durch religiöse Einrichtungen, Schulen, Jugendgruppen und auf Märkten verbreitet werden.

„Es ist sehr wichtig, dass jeder erfährt, wie man sich sowohl zu Hause als auch an öffentlichen Schulen vor Ansteckung schützen kann, besonders in Krankenhäusern und Schulen“, sagte Dr. Gianfranco Rotigliano, Leiter von UNICEF in der Demokratischen Republik Kongo. „Die Erfahrung von früheren Ebola-Ausbrüchen zeigt, dass wir die besten Chancen zur Eindämmung der Krankheit haben, wenn die Gemeinden bei der Prävention mitwirken.“

Unicef-Foto

UNICEF stellt außerdem Hilfsgüter für das Ebola-Behandlungszentrum und Gemeinden in Bikoro und Mbandaka zur Verfügung und hat Desinfektions-Stellen an vier weiteren Gesundheitszentren installiert. An 50 Schulen in Mbandaka wurden Waschmöglichkeiten eingerichtet. Auch 72 Schulen in Bikoro sollen schnell mit Material zum Händewaschen ausgestattet werden. Schulen erhalten außerdem Fieberthermometer, damit sie die Kinder auf Anzeichen von Ebola untersuchen können.

„Wir werden alles tun, damit die Schulkinder geschützt bleiben und der Unterricht nicht unterbrochen wird“, sagte Rotigliano.

Am 8. Mai hat das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo den Ausbruch von Ebola erklärt. Seitdem hat UNICEF über 4.500 Kilogramm Hilfsgüter zur Verfügung gestellt, darunter Seife, Plastikplanen, Eimer und Chlor zur Wasserreinigung. Weitere 80 Tonnen Hilfsgüter werden von Sierra Leone nach Kongo geschifft.

 

 

UNICEF: 770.000 Kinder akut mangelernährt

Neuer Bericht zur Krise in der Provinz Kasai im Kongo Mindestens die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren in der Kasai-Region der Demokratischen Republik Kongo – rund 770.000 Mädchen und Jungen – sind laut UNICEF akut mangelernährt. 400.000 dieser Kinder sind so schwer unterernährt, dass ihr Leben in Gefahr ist.

Das UN-Kinderhilfswerk warnt in einem heute veröffentlichten Bericht, dass die Zahl der Todesopfer unter den Kindern drastisch ansteigen könnte, wenn die humanitäre Hilfe nicht dringend verstärkt wird. © UNICEF/UN0157537/Tremeau Mit einem Maßband am Oberarm untersucht eine Gesundheitshelferin in der Kasai-Region der DR Kongo Kinder auf Zeichen von akuter Mangelernährung.

Kinshasa/ New York/ Köln, 11.5.2018 Neuer Bericht zur Krise in der Provinz Kasai in der Demokratischen Republik Kongo UNICEF: 770.000 Kinder akut mangelernährt Mindestens die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren in der Kasai-Region der Demokratischen Republik Kongo – rund 770.000 Mädchen und Jungen – sind laut UNICEF akut mangelernährt.

400.000 dieser Kinder sind so schwer unterernährt, dass ihr Leben in Gefahr ist. Das UN-Kinderhilfswerk warnt in einem heute veröffentlichten Bericht, dass die Zahl der Todesopfer unter den Kindern drastisch ansteigen könnte, wenn die humanitäre Hilfe nicht dringend verstärkt wird. Seit Anfang 2017 wurden bereits 71.500 lebensbedrohlich mangelernährte Kinder mit therapeutischer Spezialnahrung behandelt. UNICEF ruft Regierungen und Öffentlichkeit dringend zu Spenden auf.

Seit Ausbruch eines gewaltsamen Konflikts in der Kasai-Region 2016 wurden hunderttausende Menschen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben. Obwohl sich die Situation in den vergangenen Monaten etwas beruhigt hat, sind 3,8 Millionen Menschen, darunter 2,3 Millionen Kinder, auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele Familien waren vor den Kämpfen geflohen und hatten sich über Monate versteckt, so dass sie weder ihre Felder bestellen noch ernten konnten.
„Gewalt und Vertreibung haben weiterhin gravierende Auswirkungen für die Kinder von Kasai“, sagte die stellvertretende UNICEF-Exekutivdirektorin Fatoumata Ndiaye nach einem Besuch in der Region.
„Tausende geflüchtete Kinder hatten monatelang keinen Zugang zu lebenswichtiger Hilfe – wie Gesundheitsversorgung, sauberes Trinkwasser und Schulen – und sie haben unvorstellbares Leid erlebt. Jetzt, da die Sicherheitslage besseren Zugang erlaubt, müssen die Regierung und Hilfsorganisationen mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft schnell die Hilfe für Kinder aufstocken, bevor es zu spät ist.“

Erschütternde Gewalt gegen Kinder
Der UNICEF-Report „Kasai: A Children’s Crisis. Coping with the Impact of Conflict in the Democratic Republic of the Congo“ dokumentiert außerdem ein erschreckend hohes Ausmaß an brutaler Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und die Kinder. Über 400 Schulen in der Kasai-Region wurden seit 2016 angegriffen oder für militärische Zwecke missbraucht; 100 Schulen sind zerstört worden. 440.000 Mädchen und Jungen konnten das vergangene Schuljahr nicht abschließen. Auch über 200 Gesundheitszentren wurden zerstört oder geplündert.

Tausende Kinder wurden von bewaffneten Gruppen rekrutiert – die Milizen in der Region Kasai bestehen zu 60 Prozent aus Kindern und Jugendlichen unter 18. UNICEF und seine Partner haben bisher die Freilassung von 1.700 Kindern erreicht. Sie erhalten psychosoziale Hilfe und werden bei der Reintegration in die Gesellschaft unterstützt. UNICEF hat 314 Klassenräume installiert oder instandgesetzt. Weitere Informationen und Spendenmöglichkeit:
www.unicef.de.


Kinder brauchen ihre Familie

UNICEF Deutschland zum geplanten Gesetz zur Neuregelung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten
Berlin/Köln, den 8. Mai 2018 - Der Gesetzentwurf zur Neuregelung des Familiennachzugs für subsidiär schutzberechtigte Menschen würde nach Einschätzung von UNICEF Deutschland erhebliche Belastungen und langfristig negative Folgen für eine große Zahl von Kindern nach sich ziehen.
Dies betont UNICEF Deutschland vor der Beratung des Gesetzentwurfes durch das Bundeskabinett am morgigen Mittwoch.

Der Entwurf steht damit im Widerspruch zur UN-Kinderrechtskonvention sowie zentralen Vorgaben des deutschen und internationalen Rechts, die der Einheit der Familie und der Gleichbehandlung aller Kinder einen besonders hohen Stellenwert zumessen. „Die Regulierung von Flucht und Migration darf nicht auf dem Rücken der schwächsten Kinder ausgetragen werden“, erklärte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider. „Kinder sind in erster Linie Kinder mit weltweit anerkannten Rechten – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Sie brauchen klare und einfache Verfahren, die es ihnen ermöglichen, schnellstmöglich mit ihrer Familie zusammenleben zu können.“ 

Die im Gesetzentwurf dargelegten Fallgruppen sowie die damit verbundenen Verfahren führen nach Einschätzung von UNICEF Deutschland nicht zu einer Rechtsklarheit und Rechtssicherheit, die belastende Trennungssituationen verkürzen würden. Vielmehr sind langwierige bürokratische Prozesse zu erwarten.
Notwendig wären stattdessen einfache und in der Praxis anwendbare Kriterien, damit Verfahren im Sinne des Kindeswohls zügig abgeschlossen werden können.  Kinder brauchen den Schutz ihrer Familie, um die nötige Stabilität und Unterstützung zu finden, die es ihnen ermöglicht, die Fluchterfahrung zu verarbeiten und zur Normalität zurückzufinden. Deshalb sind aus der Sicht von UNICEF Deutschland auch Anträge auf Familiennachzug, die Kinder betreffen, beschleunigt zu bearbeiten.
Die Einheit der Familie durch sichere und reguläre Zugangswege zu wahren, ist nicht nur eine menschenrechtliche Verantwortung der deutschen Bundesregierung gemäß der UN-Kinderrechtskonvention - sondern auch der bestmögliche Weg, geflüchtete und migrierte Kinder zu schützen. 
UNICEF Deutschland hat sich am 3. Mai 2018 in einer Stellungnahme zu ausgewählten Punkten des Gesetzesentwurfes geäußert.

Die Stellungnahme finden Sie
hier. 
Das Hintergrundpapier „Kinder brauchen ihre Familie“ steht
hier zum Download.

 

 

Nigeria: Über 1.000 Kinder seit 2013 entführt

Köln/Duisburg, 13. April 2018 – Vier Jahre nach der Entführung von über 200 Schülerinnen in Chibok setzt sich UNICEF weiter für Freilassung von Kindern ein Abuja/ Darkar/ New York/ Köln, 13. April 2018 - Seit 2013 wurden mehr als 1.000 Kinder im Nordosten Nigerias durch die Terrorgruppe Boko Haram entführt, darunter 276 Mädchen, die aus einer weiterführenden Schule in Chibok verschleppt wurden. Auch vier Jahre nach diesem tragischen Vorfall warten die Familien von über 100 der Mädchen immer noch auf die Rückkehr ihrer Töchter.

„Der vierte Jahrestag der Chibok-Entführung ist eine Erinnerung daran, dass Kinder im Nordosten Nigerias weiterhin in schockierend hoher Zahl Opfer von Angriffen werden“, sagte der Leiter von UNICEF in Nigeria, Mohamed Malick Fall. „Sie werden immer wieder gezielt angegriffen und sind brutaler Gewalt zu Hause, in Schulen und öffentlichen Plätzen ausgesetzt.“
Der Angriff auf eine Schule in Dapchi, bei dem vor kurzem fünf Mädchen getötet wurden, ist der jüngste Hinweis darauf, dass es kaum noch sichere Orte für Kinder in Nordost-Nigeria gibt.
„Diese wiederholten Angriffe auf Kinder in Schulen sind völlig skrupellos“, sagte Fall. „Kinder haben ein Recht auf Bildung und Schutz, und das Klassenzimmer muss ein Ort sein, an dem sie sicher sind.“

Seit der Konflikt in Nordost-Nigeria vor rund neun Jahren begonnen hat, wurden mindestens 2.295 Lehrerinnen und Lehrer getötet und mehr als 1.400 Schulen zerstört. Die meisten dieser Schulen konnten wegen der schweren Beschädigung oder anhaltender Gewalt nicht wieder öffnen. Die nigerianischen Behörden haben zugesagt, Schulen sicherer zu machen und besser vor Angriffen zu schützen.

UNICEF steht ihnen zur Seite, um die “Safe Schools Declaration” umzusetzen, mit der sich Nigeria zum Schutz von Schulen und Universitäten vor Gewalt und militärischer Nutzung während bewaffneter Konflikte verpflichtet. UNICEF fordert ein Ende der Angriffe auf Schulen und aller schweren Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder. Mit seiner Kampagne #KindheitBrauchtFrieden setzt sich UNICEF Deutschland für den Schutz von Kindern im Krieg und auf der Flucht ein.


Julian Draxler packt UNICEF-Pakete | Neuer UNICEF-Pate besucht UNICEF-Logistikzentrum und unterstützt Social Media-Kampagne

UNICEF Köln/Kopenhagen/Duisburg, 05. April 2018 – Julian Draxler ist neuer UNICEF-Pate. In seiner ersten offiziellen Aktion besuchte der Fußball-Nationalspieler das internationale UNICEF-Logistikzentrum in Kopenhagen. Am Packband legte Draxler persönlich Hand an.
Er bestückte UNICEF-Hilfspakete für den Südsudan und warb für die Social Media-Kampagne #Stop10Seconds. Die Aktion war vor Kurzem von Mats Hummels, Udo Lindenberg und Angelique Kerber gestartet worden, um hungernde Kinder im Südsudan mit therapeutischer Spezialnahrung zu versorgen. „Um Kindern in Krisengebieten helfen zu können, ist unglaublich viel Know-how und eine professionelle Logistik notwendig.
Im Logistikzentrum in Kopenhagen habe ich einen Eindruck davon bekommen, was konkret hinter der UNICEF-Hilfe steckt. Das ist wirklich beeindruckend“, sagte Julian Draxler. „Ich bin der Meinung: Kein Kind auf der Welt sollte heute noch hungern müssen. Als mein Fußball-Kollege Mats Hummels mich gebeten hat, bei #Stop10Seconds mitzumachen, habe ich sofort gesagt, ich bin dabei. Und ich hoffe, dass wir gemeinsam noch viele andere davon überzeugen können.“

 

Julian Draxler packt UNICEF-Hilfspakete in Kopenhagen.
Christian Schneider, Geschäftsführer UNICEF Deutschland: „Julian Draxler ist nicht nur als herausragender Fußballer bekannt, sondern auch als eine Persönlichkeit, die ihre Meinung klar äußert. Wir sind stolz und dankbar für seinen Einsatz für UNICEF, denn er wird uns dabei helfen, noch mehr Unterstützer für Hilfsprojekte zu gewinnen.

Aufruf gegen den Hunger
Jeden Tag stirbt weltweit alle zehn Sekunden ein Kind unter 5 Jahren an den Folgen von Hunger – die Social Media-Kampagne #Stop10Seconds will dazu beitragen, diesen Umstand zu beenden. Auf ihren Social Media-Kanälen rufen Prominente andere Personen des öffentlichen Lebens sowie private Unterstützer dazu auf, zu spenden und sich mit einer „Stopp-Geste“ zu beteiligen.
Mit den gesammelten Spendengeldern sollen mindestens 10.000 mangelernährte Kleinkinder im Südsudan etwa vier Wochen mit Erdnusspaste und therapeutischer Spezialnahrung behandelt und vor dem Hungertod gerettet werden. Bisher haben sich bereits zahlreiche Prominente aus dem Sport- und Unterhaltungsbereich aktiv an der Aktion beteiligt, darunter Boris Becker, Joko Winterscheidt, Eva Padberg, Franziska Knuppe, Martin Kaymer, Felix Neureuther, Dirk Nowitzki, Elton Klaus Meine, Max Mutzke, Felix Jaehn und Anna Loos.

UNICEF-Hilfe im Südsudan
Seit Ausbruch des Bürgerkrieges Ende 2013 ist die Lage für die Familien und Kinder im Südsudan dramatisch. Die Armut der Bevölkerung ist groß, der Hunger in vielen Regionen allgegenwärtig. Durch die anhaltende Gewalt können die Menschen keine kontinuierliche Landwirtschaft betreiben. Hinzu kommen Krankheiten wie Cholera oder Malaria, die durch den Mangel an sauberem Trinkwasser hervorgerufen werden. Derzeit sind im Südsudan mehrere Tausend Kinder durch schwere akute Mangelernährung vom Tod bedroht.
Nach einer Hungersnot im vergangenen Jahr droht in dem jüngsten Staat Afrikas erneut eine schwere Krise. UNICEF hilft in allen Regionen im Südsudan. Dazu zählt die Versorgung mit Nahrungsmitteln, der Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen und allgemeiner Hygiene sowie die Verteilung von lebensrettenden Impfungen. In diesem Jahr will UNICEF im Südsudan 215.000 schwer mangelernährte Kinder versorgen.  © Thomas Ulrich

 

UNICEF: Hunger und Cholera bedrohen Millionen Kinder

Drei Jahre Krieg in Jemen
Köln/Duisburg, 26. März 2018 - Seit Beginn des Kriegs im Jemen vor drei Jahren hat sich dort laut UNICEF die Zahl der Kinder mit lebensgefährlicher akuter Mangelernährung auf über 400.000 Kinder verdoppelt. „Die Gefahr einer Hungersnot ist weiter da“, sagte Geert Cappelaere, UNICEF Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika nach einem Besuch im Süden und Norden des Landes.
In Folge des Konflikts und der jahrzehntelangen Unterentwicklung sind heute praktisch alle elf Millionen Kinder in Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Im vergangenen Jahr wurden jeden Tag mindestens fünf Mädchen oder Jungen getötet oder schwer verletzt. Es gab massive Ausbrüche von Cholera und Diphtherie, an denen hunderte Kinder starben“, erklärte Cappelaere.
it dem Beginn der Regenzeit in wenigen Wochen muss ohne massive Hilfe von außen mit einer Rückkehr der Cholera gerechnet werden. UNICEF warnt auch eindringlich vor den mittelfristigen Folgen des Zusammenbruchs des Schulsystems für eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen. Bis zu zwei Millionen Mädchen und Jungen in Jemen gehen nicht zur Schule;2.500 Schulgebäude wurden zerstört oder werden militärisch genutzt.
Die wachsende Armut ist überall sichtbar. „Ich war schockiert über die bettelnden Kinder in Sanaa. Ich habe vor einigen Jahren für UNICEF im Jemen gearbeitet. So etwas habe ich damals nie gesehen. Sehr kleine Kinder strecken einem ihre Hand für etwas Geld oder etwas zu essen entgegen. Eltern bleibt nichts übrig, als sie zum Betteln oder zum Arbeiten zu schicken, statt zur Schule. Oder sie verheiraten ihre Töchter in jungem Alter, um einen Esser weniger zu haben“. Am dritten Jahrestag des Konflikts ruft UNICEF alle Konfliktparteien auf, den Krieg zu stoppen und Kinder immer und überall zu schützen.

Humanitäre Hilfe muss ohne jegliche Vorbedingungen in allen Landesteilen erlaubt sein. Impfstoffe und Treibstoff zum Betrieb von Wasserpumpen müssen rasch und ohne bürokratische Hürden ins Land kommen können. Als Erfolg wertete Cappelaere, dass es UNICEF zusammen mit der Weltbank gelungen ist, ein Hilfsprogramm für 1,5 Millionen Familien in extremer Armut zu starten.
Diese erhalten als Unterstützung geringe Geldbeträge, um sich auf lokalen Märkten mit Nahrung zu versorgen. UNICEF ruft auch Regierungen und Spender zur Unterstützung für Schulen im Jemen auf. „In der humanitären Hilfe wird Bildung oft vernachlässigt. Dies gefährdet die Zukunft der Kinder“, so Cappelaere.

 

Syriens kriegsversehrte Kinder

UNICEF zu sieben Jahren Krieg in Syrien 

Köln/Duisburg, 12. März 2018 - Sieben Jahre nach Beginn des Konflikts in Syrien ist ein Ende der Gewalt nicht in Sicht. 2017 war bisher das schlimmste Jahr für Kinder: 910 Todesfälle und 361 Verwundungen von Mädchen und Jungen haben die Vereinten Nationen verifiziert, eine Steigerung um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das sind nur die Fälle, die überprüft werden konnten – die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich deutlich höher. In den ersten beiden Monaten von 2018 wurden Berichten zufolge bereits über 1.000 Kinder getötet oder verletzt.

„An jedem einzelnen Tag – seit sieben Jahren – erfahren Kinder unendliches Leid durch Bomben, Kugelhagel, Vertreibung, Hunger, den Tod von Angehörigen und Freunden“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.  „In Syrien herrscht ein gnadenloser Krieg gegen Kinder, der sofort gestoppt werden muss.“

Auch wenn sie überleben, erleiden viele Kinder bleibende körperliche oder psychische Schäden. So wie Sami (14) aus dem syrischen Dera’a. „Ich habe draußen mit meinen Cousins im Schnee gespielt. Eine Bombe schlug ein. Ich habe die Hände meines Cousins durch die Luft fliegen sehen. Ich habe beide Beine verloren. Zwei meiner Cousins sind gestorben, ein anderer hat ebenfalls seine Beine verloren.“
Sami lebt inzwischen mit seiner Familie in Jordanien.

„Kinder mit Behinderungen sind unter den Benachteiligten am meisten benachteiligt“, sagte Geert Cappelaere, UNICEF-Regionaldirektor für den Mittleren Osten und Nordafrika. „Sie sind der sehr realen Gefahr ausgesetzt, übersehen und ausgegrenzt zu werden, während der Krieg unerbittlich weitergeht.“

Behinderung als direkte Folge des Krieges in Syrien

Der Gebrauch von explosiven Waffen und rücksichtslose Angriffe auf dicht besiedelte Gebiete haben eine wachsende Zahl von Kindern getötet.

· Rund ein Viertel der zivilen Todesopfer sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

· UNICEF schätzt, dass 3,3 Millionen Kinder in Syrien der Gefahr durch Explosionen ausgesetzt sind, einschließlich durch Landminen und Blindgänger.

· Über 1,5 Millionen Menschen haben eine bleibende Behinderung als direkte Folge des Krieges, einschließlich 86.000 Menschen, denen Gliedmaßen amputiert werden mussten.

Der fehlende Zugang zu guter medizinischer und psychologischer Behandlung führt dazu, dass sich Kinder langsamer von ihren Verletzungen erholen oder sich ihr Zustand sogar verschlechtert. Viele Kinder haben Angehörige verloren oder wurden von ihnen getrennt, so dass oft eine enge Bezugsperson fehlt, die sich um die Mädchen und Jungen kümmern kann.

Für Kinder mit Behinderungen ist außerdem der Zugang zu Bildung und Dienstleistungen erschwert. Viele Familien können sich eine angemessene Behandlung oder Therapie nicht leisten. Ohnehin ist in vielen Teilen Syriens eine gute medizinische Versorgung nicht möglich, weil Krankenhäuser und Personal fehlen. 2017 haben die Vereinten Nationen 108 Angriffe auf Krankenhäuser und medizinisches Personal dokumentiert. Nur rund die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen sind voll funktionsfähig.

„Doch trotz der erlittenen Verletzungen, lebenslanger Behinderung und Vertreibung kennen die Ambitionen der Kinder keine Grenzen“, sagte Cappelaere. „Wenn sie und ihre Familien die nötige Unterstützung erhalten, können Kinder ihre Einschränkungen überwinden und das Außerordentliche schaffen, ihre Kindheit, ihre Würde und ihre Träume zurückzuerobern.“

Alltägliche Not der Kinder

Sieben Jahre nach Beginn des Konflikts ist die Kindheit von Millionen von syrischen Mädchen und Jungen durch Gewalt, Vertreibung und alltägliche Not geprägt. 69 Prozent der Bevölkerung in Syrien lebt mittlerweile in extremer Armut, pro Person stehen ihnen umgerechnet weniger als zwei US-Dollar am Tag zur Verfügung. Einer neuen Untersuchung von UNICEF zufolge lebt 85 Prozent der syrischen Kinder in Jordanien unterhalb der Armutsgrenze. Durch die finanzielle Not werden viele Kinder in Kinderarbeit oder Frühehen gedrängt.

1,75 Millionen Kinder in Syrien im Schulalter gehen aktuell nicht zur Schule. Auch in den Nachbarländern geht durchschnittlich 43 Prozent der syrischen Kinder nicht zur Schule Wie viele Mädchen und Jungen durch den Krieg traumatisiert sind, lässt sich nicht abschätzen. UNICEF geht davon aus, dass zwei Drittel der Kinder ein nahes Familienmitglied verloren, die Beschädigung des Wohnhauses erlebt oder konfliktbedingt verletzt worden sind.

Hilfe und Perspektiven für Kinder in Syrien und der Region

UNICEF hat ein breites Netzwerk von eigenen Mitarbeitern und Partnerorganisationen in der Region, die Hilfe für syrische Kinder und Familien organisieren. Allein in Syrien sind rund 250 UNICEF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. UNICEF unterstützt unter anderem die Wasserversorgung in Syrien, in Flüchtlingslagern und Gastgemeinden in Jordanien und Libanon, stellt Impfstoffe und Hygieneartikel bereit und richtet Notschulen und Kinder- und Jugendzentren ein.

#Stop10seconds: Prominente kämpfen gegen den Hunger

Social-Media-Kampagne von Mats Hummels, Udo Lindenberg und Angelique Kerber will 10.000 Kinder im Südsudan retten

Köln/Berlin/Duisburg, 6. März 2018 – Jeden Tag stirbt weltweit alle zehn Sekunden ein Kind unter 5 Jahren an den Folgen von Hunger. Im Bürgerkriegsland Südsudan sind nach Schätzungen von UNICEF allein in den kommenden Wochen rund 29.000 Kinder durch schwere akute Mangelernährung vom Tod bedroht. Nach einer Hungersnot im vergangenen Jahr droht in dem jüngsten Staat Afrikas erneut eine schwere Krise.

Bereits heute wissen dort über 5,3 Millionen Menschen nicht, wie sie ausreichend zu essen finden können. In den kommenden Monaten droht sich die Situation weiter zu verschärfen. In der Trockenzeit („Lean Season“) zwischen Mai und Juli wird sich die Nahrungsmittelknappheit zuspitzen.


#Stop10seconds: Social-Media-Aktion gegen den Hunger

Mats Hummels, Udo Lindenberg und Angelique Kerber starten angesichts dieser Krise eine ungewöhnliche Aktion, um Kinderleben zu retten.

Mit der Social-Media-Kampagne #Stop10seconds setzen sie ein Zeichen gegen den Hunger. In Videos präsentieren die drei Stars eine „Stopp-Geste“ – denn jeder kann dazu beitragen, dass nicht länger alle zehn Sekunden ein Kind sein Leben verliert, weil es nicht ausreichend zu essen bekommt.

Auf ihren Social-Media-Kanälen rufen sie andere Personen des öffentlichen Lebens sowie private Unterstützer zum Mitmachen und Spenden auf. Ziel der Kampagne ist es, mit den gesammelten Spendengeldern eine Hilfslieferung in den Südsudan zu finanzieren. Damit sollen 10.000 mangelernährte Kleinkinder etwa vier Wochen mit Erdnusspaste und therapeutischer Spezialnahrung behandelt und vor dem Hungertod gerettet werden.

Mats Hummels:

„Es kann doch nicht sein, dass heute immer noch so viele Kinder von Hunger bedroht sind. Wir drei wollen das ändern!
Besonders jetzt, wo vielerorts die Vorräte aufgebraucht sind und sich die Situation für viele Kinder drastisch verschärfen wird. Seid ihr dabei und helft uns?“

 

 

 

 

 

 

 

Udo Lindenberg:

„Hey Leute. Es ist unfassbar: Immer noch stirbt weltweit alle 10 Sekunden ein Kind unter 5 Jahren an den Folgen von Hunger. Beispielsweise im Südsudan: Vielen Familien fehlt das Nötigste – Wasser, Lebensmittel und Medikamente.
Kinder müssen vor Krieg fliehen, Ernten werden von Dürren zerstört. Und bald beginnt die Trockenzeit. Wenn wir die Kinder retten wollen, müssen wir jetzt handeln. Komm, lass zusammen durchziehen. Euer Udo“

 

 

Angelique Kerber:

„Mit einfachen Hilfsmitteln, wie nahrhafter Erdnusspaste kann man so schnell so viel tun. Hilfe ist also wirklich möglich – und die Kinder brauchen uns dringend!“

UNICEF-Hilfe im Südsudan

Seit Ausbruch des Bürgerkrieges Ende 2013 ist die Lage für die Familien und Kinder im Südsudan dramatisch. Die Armut der Bevölkerung ist groß, der Hunger in vielen Regionen allgegenwärtig. Durch die anhaltende Gewalt können die Menschen keine kontinuierliche Landwirtschaft betreiben. Hinzu kommen Krankheiten wie Cholera oder Malaria, die durch den Mangel an sauberem Trinkwasser hervorgerufen werden.

UNICEF hilft in allen Regionen im Südsudan. Dazu zählt die Versorgung mit Nahrungsmitteln, der Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen und allgemeiner Hygiene sowie die Verteilung von lebensrettenden Impfungen. In diesem Jahr will UNICEF im Südsudan 215.000 schwer mangelernährte Kinder versorgen.

 

 

Mitsprache von Kindern und Jugendlichen in der Politik ist wichtig

Köln/Berlin/Duisburg, 9. Februar 2018 – Das Motto des diesjährigen Weltkindertags am 20. September lautet „Kinder brauchen Freiräume“. Damit rufen UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk Bund, Länder und Kommunen dazu auf, mehr Möglichkeiten zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Die Kinderrechtsorganisationen appellieren an Politikerinnen und Politiker, die Meinung der nachwachsenden Generation ernst zu nehmen und ihre Belange bei Entscheidungen, die sie betreffen, durchgehend zu berücksichtigen.
„Kinder und Jugendliche wollen ihren Platz in unserer Gesellschaft einnehmen. Dafür ist es notwendig, dass wir ihnen Freiräume eröffnen, damit sie ihre Ideen und Wünsche einbringen und ihr persönliches Potenzial entfalten können“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Es liegt in der Verantwortung der Politik, hierfür die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Nur eine Gesellschaft, in der Kinder und Jugendliche ernst genommen werden und mitgestalten können, wird wirklich kinderfreundlich und damit zukunftsfähig.“

„Städte und Gemeinden müssen Strukturen und Einrichtungen entwickeln, die sicherstellen, dass die Kinderinteressen mehr Gewicht bekommen“, sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. „Kinder und Jugendliche brauchen beispielsweise einen Platz am Verhandlungstisch, wenn es um die Planung von Spielplätzen oder von Jugendeinrichtungen geht. Die kommunale Politik muss Freiräume eröffnen, in denen echte Mitbestimmung und Entfaltung möglich wird.“
Kinder und Jugendliche brauchen aber auch in Schule und Freizeit mehr Freiräume. Ebenso sind Eltern dazu aufgerufen, ihren Kindern die Möglichkeit zu geben, sich frei zu entwickeln. Dazu gehören vor allem Freiräume, in denen sie sich eigenständig ihr Umfeld erschließen und ihre eigene Persönlichkeit ausbilden können.  

Die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Meinungsäußerung, Beteiligung und freie Entfaltung sind in der weltweit gültigen UN-Kinderrechtskonvention garantiert, die Deutschland 1992 ratifiziert hat. Zum Weltkindertag rufen UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk gemeinsam zum Einsatz für die Verwirklichung der Kinderrechte auf. 
Anlässlich des Weltkindertags (20. September) entwickeln bundesweit zahlreiche Initiativen unter dem gemeinsamen Motto „Kinder brauchen Freiräume“ Aktionen und machen mit Informationsständen auf die Kinderrechte aufmerksam. Am Sonntag, den 23. September 2018, finden in Berlin und in Köln unter demselben Motto die beiden größten Kinderfeste bundesweit statt. Dazu erwarten UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk jeweils 100.000 Besucherinnen und Besucher rund um den Potsdamer Platz in Berlin und im Kölner Rheingarten.

UNICEF zum Koalitionsvertrag: „Wir brauchen eine Koalition für Kinder“

Schüler einer Berliner Grundschule diskutieren in einer Unterrichtsstunde über Kinderrechte.

Köln/Berlin/Duisburg, 07. Februar 2018 - Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD enthält nach Auffassung von UNICEF Deutschland wichtige Ansätze zur Verbesserung der Situation benachteiligter Kinder und Jugendlicher - gibt aber auch an einigen Stellen Anlass zur Sorge.  „Wir brauchen eine Koalition für die Kinder und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes,“ erklärte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.
„Der Koalitionsvertrag enthält wichtige Ansatzpunkte, die Interessen von Kindern stärker zu berücksichtigen. Eine hoffentlich bald gebildete neue Regierung muss nun aber auch die Chancen nutzen, die eine gute Konjunktur eröffnet, und spürbare Verbesserungen für Kinder und Familien erreichen – sowohl in Deutschland als auch gemeinsam mit internationalen Partnern weltweit.“

Die vorgesehenen Investitionen gegen Kinderarmut, zur Verbesserung der Bildungsinfrastruktur und der kommunalen Entwicklung sowie die Aufnahme der Kinderrechte im Grundgesetz sind überfällig. Sie sollten nun konsequent umgesetzt und auf die Bedürfnisse benachteiligter Gruppen ausgerichtet werden. Dies trifft auch auf Vorhaben in der Außen- und Entwicklungspolitik zu. Darin bekennen sich die Verhandlungspartner unter anderem zu einer deutlichen Erhöhung der Mittel für Entwicklung und humanitäre Hilfe sowie zu einer Umsetzung der entwicklungspolitischen Gipfelzusagen aus G7, G20, Pariser Klimaabkommen und Agenda 2030.

UNICEF Deutschland begrüßt, dass der Koalitionsvertrag die seit langem gestellte Forderung von Kinderrechtsorganisationen und Familienverbänden nach einer Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz aufgreift. Die konkrete Formulierung eines „Kindergrundrechts“ sollte nun unter Einbindung der Zivilgesellschaft erfolgen, um ein möglichst breites Bündnis für die Rechte von Kindern zu sichern. Weitere Schritte zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention wie die Einrichtung von Anlauf- und Beschwerdestellen sollten folgen.

Der Koalitionsvertrag nennt auch Vorhaben, die UNICEF Deutschland kritisch bewertet: Die Einigungen im Bereich Flucht und Migration lassen befürchten, dass die Rechte geflüchteter Kinder verletzt werden könnten. So wären sogenannte „ANkER “-Einrichtungen in der geplanten Form kaum geeignet für Familien mit Kindern. UNICEF appelliert an Bund und Länder, die Rechte von Kindern in der Asylpolitik zu wahren.
Kinder und Jugendliche in Flüchtlingsunterkünften müssen vor Übergriffen besser geschützt werden und jederzeit Zugang zu Kindergärten, Schulen und medizinischer Versorgung haben. Eine Neuregelung des Familiennachzugs, die laut Koalitionsvertrag ab dem 31.7.2018 greifen soll, muss den völkerrechtlichen und europarechtlichen Vorgaben genügen. Eine Begrenzung der Fallzahl widerspricht dem rechtsstaatlichen Prinzip der Einzelfallprüfung.

UNICEF Deutschland begrüßt, dass die Verhandlungspartner die Verantwortung Deutschlands im Bereich der humanitären Hilfe und für nachhaltige Entwicklung ausdrücklich betonen. Eine neue Regierung soll sich international klar für den Schutz von Kindern in Krisenregionen und auf der Flucht einsetzen und sich dafür stark machen, dass alle Kinder jederzeit Zugang zu guter Bildung erhalten.   

 

Schule trotz Krieg: Bildung kann nicht warten

UNICEF-REPORT 2018 „DIE CHANCE AUF BILDUNG“
Köln/Berlin/Duisburg, 02. Februar 2018 - Wegen der wachsenden Zahl von langanhaltenden sowie neuen humanitären Krisen haben Millionen von Mädchen und Jungen keine Chance auf Bildung: Allein in 24 Konfliktländern gehen derzeit laut UNICEF rund 27 Millionen Kinder zwischen sechs und 14 Jahren nicht zur Schule.

Das gefährdet nicht nur die Zukunft der betroffenen Kinder in Ländern wie Syrien, Jemen oder Südsudan, sondern auch die Aussichten auf Rückkehr zu einer friedlichen Entwicklung in ihrer Heimat. UNICEF forderte heute bei der Veröffentlichung des „UNICEF Report 2018 – Die Chance auf Bildung“ in Berlin, Lernangebote als Teil der lebenswichtigen Grundversorgung in humanitären Krisen besser und konstanter zu finanzieren.

„Neben Armut und Unterentwicklung sind Krieg und Gewalt heute die größten Feinde der Bildung“, sagte UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender. „Gerade in Krisenländern müssen Schulen und psychosoziale Hilfsangebote die Widerstandskraft der Kinder stärken.“

„Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung“, ergänzte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Kein Land der Welt kann es sich leisten, dass ein großer Teil der jungen Menschen von Bildung und damit von Chancen und Verdienstmöglichkeiten ausgeschlossen bleibt.“

Schule ist in Krisensituation mehr als ein Ort zum Lernen: Unterricht gibt Mädchen und Jungen durch einen geregelten Alltag auch Halt und Sicherheit. Durch psychosoziale Betreuung werden Kinder dabei unterstützt, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten. Schule ist darüber hinaus der beste Schutz für Kinder vor Frühehen, Ausbeutung oder Rekrutierung. Bis heute sind Bildungsprogramme im Rahmen der humanitären Hilfe jedoch stark unterfinanziert. Durchschnittlich betragen die weltweiten Ausgaben für Bildung nur 3,6 Prozent der Gesamtausgaben für humanitäre Hilfe.

UNICEF plant, 2018 rund ein Viertel seines weltweiten Nothilfe-Budgets für Bildungsprogramme in Krisenländern auszugeben und damit fast neun Millionen Kindern zum Beispiel im Jemen, in Syrien, der Demokratischen Republik Kongo oder im Südsudan Lernchancen zu ermöglichen.

 

Gefährliche Schulwege, Flucht und Vertreibung, fehlende Lehrer oder wirtschaftliche Not infolge von Konflikten führen dazu, dass Kinder nicht lernen können. Für Mädchen in Konfliktregionen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht zur Schule gehen, 2,5 Mal so groß wie für Jungen. Aber Schulen werden weltweit auch immer häufiger zur direkten Zielscheibe der Gewalt:

- In der Kasai Region der Demokratischen Republik Kongo wurden 2017 400 Schulen angegriffen.
- Mindestens 1.600 Schulen im Jemen sind ganz oder teilweise zerstört.
- Im Nordosten von Nigeria sind durch die Gewalt der Terrormiliz Boko Haram 1.400 Schulen zerstört. Seit 2009 wurden rund 2.300 Lehrer getötet und 19.000 weitere vertrieben.
- In fast 300 Fällen wurden Schulen im Südsudan angegriffen oder für militärische Zwecke missbraucht. Zwei Millionen Kinder gehen dort nicht zur Schule.
- Rund jede dritte Schule in Syrien ist außer Betrieb, weil sie zerstört, stark beschädigt oder zweckentfremdet wurde. 1,7 Millionen Kinder in Syrien gehen nicht zur Schule.
- Jede fünfte Schule im Osten der Ukraine ist nach über drei Jahren Konflikt zerstört oder beschädigt. Angriffe auf Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind eine schwere Menschenrechtsverletzung gegen Kinder.
UNICEF und seine Partner dokumentieren solche Vorfälle. UNICEF hat wiederholt Angriffe auf Schulen scharf verurteilt und fordert alle Konfliktparteien auf, für den Schutz von Zivilisten und insbesondere Kindern zu sorgen.

Zum Tag der Kinderrechte am 20. November: Jugendliche wollen in der Politik mehr gehört werden

Köln/Berlin/Duisburg, 17. November 2017 – Bildung, Klima und Gleichberechtigung: Mit diesen Themen muss sich aus der Sicht von Jugendlichen der neue Bundestag besonders befassen. Dies ist das Ergebnis der nicht repräsentativen UNICEF-Umfrage „ich bin #wählerisch“.
Rund 8.000 Heranwachsende aus ganz Deutschland haben sich vor der Bundestagswahl daran im Internet, an ihrer Schule oder auf der Straße beteiligt. Sie wurden danach gefragt, welches ihrer Ansicht nach die wichtigsten Aufgaben für eine zukunftsgerichtete Politik sind. Entgegen einer häufig beklagten Gleichgültigkeit zeigt die Umfrage ein großes Interesse von jungen Menschen an zentralen Zukunftsthemen und ihre Erwartung, dass die Politik ihre Meinung dazu hört.

Anlässlich des Internationalen Tages der Kinderrechte tritt UNICEF am 20. November weltweit für mehr Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ein. An diesem Tag wurde die UN-Konvention über die Rechte des Kindes verabschiedet. Dabei übernehmen Mädchen und Jungen in zahlreichen Ländern mit einem „KidsTakeover“ symbolisch die Macht in Domänen, die normalerweise Erwachsenen vorbehalten sind. Die internationale Aktion wird von zahlreichen prominenten UNICEF-Botschaftern unterstützt.
https://www.unicef.org/world-childrens-day/

Vor der Bundestagswahl hat der UNICEF-JuniorBeirat Jugendliche in ganz Deutschland dazu aufgerufen, die ihrer Ansicht nach wichtigsten Themen für die Politik zu identifizieren. Die Heranwachsenden dürfen zwar noch nicht wählen, doch sind auch sie von den politischen Entscheidungen betroffen.

„Jugendliche erhalten bisher zu wenig Möglichkeiten, ihre Interessen und Meinungen an politische Entscheidungsträger weiterzugeben.
Dabei brennen ihnen viele Zukunftsfragen unter den Nägeln – das hat die UNICEF-Umfrage gezeigt“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Die Abgeordneten des neuen deutschen Bundestages sollten Jugendlichen mehr zuhören und ihre Ideen ernst nehmen ‒ nicht nur am Tag der Kinderrechte, sondern regelmäßig. Dies wäre ein echter Beitrag zu einer Politik für die nachwachsenden Generationen.“ 

Stimmen der Jugendlichen: Womit soll sich die Politik befassen?
Die nicht repräsentative Umfrage „ich bin #wählerisch“ fand im Internet, in Schulen und auf der Straße großes Interesse bei den Jugendlichen:

- Die Umfrageteilnehmer, die online mitmachten, möchten das Thema Bildung (28,4%) auf die politische Agenda setzen, fast ebenso viele Stimmen erhielten die Themen Nachhaltigkeit und Klima (28%). Es folgt das Thema Gleichberechtigung (21,2%).
- Auch offline war eine Teilnahme an der Umfrage möglich, zum Beispiel in Schulen und Fußgängerzonen. Dabei wurden die Themen Nachhaltigkeit und Klima am häufigsten ausgewählt, gefolgt von den Themen Gleichberechtigung und Bildung.
- Insgesamt räumten die Jugendlichen den Themen Rassismus und Nationalismus sowie dem Thema Flüchtlinge online und offline eine deutlich geringere Bedeutung ein. Online konnten die Teilnehmer der Umfrage zusätzlich über einzelne Aussagen zu den fünf Themenbereichen abstimmen:
- So wünschte sich die Mehrheit der Teilnehmer keine einheitliche Schulform für alle (75,4%), aber das gleiche Bildungssystem in allen Bundesländern (85%).
- Mit Blick auf die Themen Klima und Nachhaltigkeit waren mehr als die Hälfte der teilnehmenden Jugendlichen (59,9%) der Meinung, dass sich Deutschland nicht ausreichend für die Bekämpfung des Klimawandels einsetzt.
- Und fast alle Teilnehmenden (91,3 %) wünschten sich mehr fair gehandelte Produkte und nachhaltige Produktion.
- Beim Thema Gleichberechtigung stimmten knapp 75% der Teilnehmer voll und ganz der Aussage zu, dass gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare haben sollten.  

 

„Jugendliche in Deutschland haben sehr wohl eine Meinung zu aktuellen politischen Themen“, kommentiert Sandra Kebede (18 Jahre) vom UNICEF-JuniorBeirat. „Jetzt wollen wir uns einmischen und gehört werden.“  Der UNICEF-JuniorBeirat berät UNICEF Deutschland bei Aktionen für Jugendliche und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung des Kinderrechts auf Beteiligung und Meinungsäußerung.

 

Das Kinderrechte-Fenster des Duisburger Unicef-Büros

Die Kinderrechte-Sprosssen der evangelischen Grundschule Duisburg-Baerl wurden ab März 2016 im Schaufenster des Unicef-Büros an der Ruhrortet Fabrikstraße platziert.