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Am 11. Dezember 1946 in New York:
Kinderhilfswerk Unicef wird ins Leben gerufen!
Am 24. Juli 1957
wurde in Duisburg aus Dankbarkeit und der Einsicht, dass
auch in vielen anderen Teilen der Welt Kinder in großer Not
leben, die Arbeitsgruppe Duisburg ins Leben gerufen. Redaktion Harald Jeschke
Archiv:
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Soziale Medien: Jugendliche wollen Schutz statt
Verbote
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Repräsentative
Umfrage von UNICEF Deutschland unter 14- bis 16-Jährigen

© UNICEF/UNI818518/Sachse-Grimm
Berlin/
Köln(Duisburg, 06. Mai 2026 - In der Debatte über die
Auswirkungen Sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche
werden immer wieder Verbote gefordert. Selten kommen dabei
diejenigen zu Wort, um die es vorrangig geht: Kinder und
Jugendliche selbst. Das Ergebnis einer repräsentativen
Befragung von über 1.000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 16
Jahren für UNICEF Deutschland zeigt: Jugendliche in
Deutschland haben eine differenzierte Meinung zu Risiken und
Nutzen der sozialen Medien. Sie lehnen Verbote für ihre
Altersgruppe mehrheitlich als nicht sinnvoll ab – und
fordern vor allem besseren Schutz auf den digitalen
Plattformen.
„Die Umfrage macht deutlich: Jugendliche
kennen die Risiken im digitalen Raum. Sie haben klare
Vorstellungen davon, was helfen würde, diesen sicherer zu
gestalten", sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von
UNICEF Deutschland. „Die Jugendlichen sagen uns: Verbote
allein bringen gar nichts. Was sie brauchen und sich
wünschen, ist ein digitaler Raum, der sicher und
altersgerecht ist. Die Anbieter der Plattformen müssen
Verantwortung übernehmen – mit automatischen
Schutzeinstellungen, konsequenter Inhaltsmoderation und
echten Schutzmechanismen. Politik und Plattformbetreiber
müssen sichere digitale Umgebungen schaffen mit wirksamen,
kindgerechten Standards, die das Recht junger Menschen auf
Schutz und Teilhabe gleichermaßen sichern", so Schneider
weiter.
Die wichtigsten Ergebnisse der durch das
SINUS Institut für UNICEF durchgeführten Befragung im
Überblick: Jugendliche kennen die Risiken – und sehen
dennoch die positiven Seiten Jugendliche zwischen 14 und
16 Jahren haben ein differenziertes Bild der Nutzung
sozialer Medien in ihrer Altersgruppe. Insgesamt sind 38
Prozent der Ansicht, dass die Vorteile überwiegen. Für 46
Prozent halten sich Vor- und Nachteile die Waage. 16 Prozent
denken, dass soziale Medien überwiegend Nachteile haben.
Positiv betrachten die Befragten vor allem die soziale
Verbindung: 82 Prozent nutzen soziale Medien, um mit
Freundinnen und Freunden oder anderen ihnen wichtigen
Menschen in Kontakt zu bleiben. 74 Prozent bekommen dort
neue Ideen oder Inspiration. Gleichzeitig benennen die
Jugendlichen klar, welche negativen Seiten sie bei sozialen
Medien sehen: 74 Prozent verlieren auf den Plattformen
häufig das Gefühl für die Zeit. Als größte Risiken nennen
sie Mobbing, Hass und Beleidigungen (50 %), zu langes
Scrollen, ohne aufhören zu können (44 %), sowie
Falschinformationen und Fake News (42 %).
Die
wahrgenommenen Risiken unterscheiden sich deutlich nach
Geschlecht: 40 Prozent der Mädchen nennen Druck, wegen des
Aussehens mithalten zu müssen, als Problem – bei Jungen sind
es 19 Prozent. Jungen nehmen dafür Gewaltvideos häufiger (26
%) als Mädchen (18 %) als Gefahr wahr.
Verbote für
unter 16-Jährige werden abgelehnt – für unter 14-Jährige
aber befürwortet Obwohl die Jugendlichen die Risiken
sozialer Medien klar benennen, lehnen sie pauschale Verbote
für ihre Altersgruppe mehrheitlich ab: Nur 26 Prozent halten
ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige für
sinnvoll. Anders sieht es mit Blick auf jüngere Kinder aus:
Einer Altersgrenze für unter 14-Jährige stimmen 55 Prozent
der befragten Jugendlichen zu.
Ein 16-Jähriger sagt:
„Ich würde es eher nicht sinnvoll finden, Social Media für
Kinder und Jugendliche zu verbieten, da wir auf diesen
Plattformen unsere Kontakte pflegen und für uns persönlich
wichtige Dinge tun. Sinnvoll fände ich, wenn nicht die
Jugendlichen Verbote bekommen, sondern die Plattformen
höhere Sicherheitsmaßnahmen haben würden. Auch das Checken
und die Funktion von Blockierungen und Meldungen einzelner
Nutzer bei Fehlverhalten sollte eher ausgearbeitet werden,
als den Jugendlichen diesen Teil ihres Lebens so plötzlich
zu entreißen.“
Entscheidend ist dabei: Verbote halten
die Jugendlichen insgesamt für wenig wirksam. 88 Prozent
finden es sehr wahrscheinlich oder eher wahrscheinlich, dass
Jugendliche Wege finden würden, gesetzliche Altersgrenzen zu
umgehen – etwa über geteilte Geräte oder den Wechsel zu
weniger regulierten Plattformen. Nahezu niemand glaubt, dass
eine Altersgrenze allein Jugendliche zuverlässig vom Zugang
abhalten würde.
Eine 15-Jährige sagt: „Ich halte ein
generelles Verbot für gewisse Altersgruppen für
kontraproduktiv, da man das immer irgendwie umgehen kann.
Also sollte man (…) lieber den vorhandenen Inhalt für
gewisse Altersgruppen einschränken, da Social Media auch
sehr viele wertvolle, lehrreiche und bildende Inhalte
beinhaltet. (…)“
Jugendliche wünschen sich mehr
Schutz Die Befragten haben klare Vorstellungen davon, wie
sie besser geschützt werden könnten. 42 Prozent sehen vor
allem die Plattformen in der Verantwortung. 25 Prozent
sagen, es sei eine gemeinsame Aufgabe – einschließlich der
Jugendlichen selbst. Nur 15 Prozent sehen den Staat bzw. die
Politik in erster Linie in der Verantwortung, 11 Prozent die
Eltern.
Konkret sprechen sich 84 Prozent für bessere
Inhaltsfilter und die schnelle Löschung ungeeigneter Inhalte
aus. Standardmäßig aktivierte Schutzeinstellungen – wie
private Profile und eingeschränkter Kontakt durch Fremde –
befürworten 80 Prozent.
Ein 15-Jähriger sagt: „Ich
fände es besser, wenn die Konten direkt privat wären und die
Löschung von Konten einfacher wäre. Außerdem kennen sich
viele Erwachsene schlechter aus als wir Jugendliche. Die
Plattformen sollten viel aktiver werden, was Inhalte und
Schutz angeht.“
Eine 14-Jährige sagt: „Ich finde es
sinnvoll, wenn die Inhalte (also Videos und Fotos, welche
gepostet werden) auf Social Media strenger kontrolliert
werden, damit keine oder wenigstens weniger Fake News, Deep
Fakes, Inhalte mit Gewalt, verstörende Inhalte, etc. gezeigt
werden. Auch der Schutz für Jugendliche und Kinder soll
besser werden, damit Fälle wie Cybermobbing und
Cybergrooming nicht mehr vorkommen.“
Eine 15-jährige
findet zum Beispiel Einschränkungen für übergriffige
Erwachsene sinnvoll: „Ich fände es wichtig, dass Jugendliche
im Umgang mit Social Media unterstützt und nicht verurteilt
werden. Außerdem sollten Leute, die sich auf Social Media
übergriffig verhalten, dauerhaft keinen Zugang mehr haben,
also zum Beispiel Erwachsene, die Minderjährige sexuell
anschreiben.“
Von Erwachsenen wünschen sich die
Jugendlichen deutlich mehr Verständnis: 54 Prozent finden es
sehr hilfreich, wenn Erwachsene bei Problemen zuhören, statt
gleich zu schimpfen. 51 Prozent wünschen sich, dass Mobbing
und andere Probleme im Netz wirklich ernst genommen werden.
Unterstützung ist dabei ausdrücklich erwünscht – Kontrolle
hingegen weniger: Nur 20 Prozent finden es sehr hilfreich,
wenn Erwachsene stärker darauf achten, wie viel Zeit
Jugendliche auf Social Media verbringen.
UNICEF
Deutschland empfiehlt: Kinder und Jugendliche als
Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt
einbeziehen: Kinder und Jugendliche kennen ihre digitale
Lebenswelt aus erster Hand. Ihre Perspektiven und
Erfahrungen sollten systematisch in politische
Entscheidungsprozesse und regulatorische Vorhaben
einfließen.
Medienbildung- und Kompetenz stärken:
Medienbildung sollte verbindlich und fächerübergreifend in
allen Bildungseinrichtungen verankert werden – unterstützt
durch moderne Lernumgebungen sowie gezielte
Qualifizierungsangebote für pädagogisches Personal und
Bezugspersonen. Nur wer selbst sicher im digitalen Raum
navigieren kann, ist in der Lage, Kinder und Jugendliche
angemessen zu begleiten.
Technologieunternehmen in
die Verantwortung nehmen: Sicherheit für Kinder sollte von
Beginn an in die Produktentwicklung einfließen – nach den
Prinzipien von Safety by Design und Privacy by Design. Dazu
gehören wirksame Inhaltsfilter, die schnelle Entfernung
schädlicher Inhalte sowie standardmäßig aktivierte
Schutzeinstellungen.
Schutzmaßnahmen ausgewogen und
umfassend gestalten: Altersbeschränkungen können ein
sinnvoller Baustein sein – müssen aber durch technische
Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Jugendschutzfilter, Werbe-
und Standortbegrenzung, sichere Kontakte sowie
niedrigschwellige Melde- und Notfallwege ergänzt werden.
Prävention stärken und verlässliche
Unterstützungsstrukturen ausbauen: Kinder und Jugendliche,
die online Gewalt, Mobbing, sexualisierte Gewalt oder
Desinformation erleben, brauchen verlässliche Anlaufstellen.
Verbindliche Hilfs- und Unterstützungsangebote zu
Online-Risiken sollten geschaffen und ausgebaut werden sowie
mit Offline-Strukturen verknüpft werden: in der
Sozialarbeit, der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Bereich
der mentalen Gesundheitsversorgung.
Über die
Befragung für UNICEF Deutschland Die Befragung wurde beim
SINUS-Institut in Auftrag gegeben und fand vom 2.4. bis
14.4.2026 statt. Insgesamt wurden 1.072 Jugendliche online
befragt. Die Stichprobe wurde für die Befragung nach
Geschlecht und Region (Ost/West) quotiert. Die Ergebnisse
sind repräsentativ für diese Gruppe der Jugendlichen.
Über UNICEF UNICEF wurde vor 80 Jahren gegründet, um
Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu
helfen. UNICEF setzt sich heute weltweit – auch in
Deutschland – für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein.
In Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und
Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Initiativen wie dem
Programm Kinderrechteschulen und dem Einsatz für mehr
Kinderfreundlichkeit in den Kommunen sowie mit seiner
politischen Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande
zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von
Kindern bei.
In Deutschland setzt sich UNICEF
Deutschland auf politischer Ebene für sichere digitale
Umgebungen für alle Kinder ein. Im Februar 2026 hat UNICEF
Deutschland eine ausführliche Stellungnahme an die von der
Bundesregierung eingesetzte „Unabhängige Expertenkommission
Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" übermittelt.
Ziel der Kommission ist, eine Strategie mit konkreten
Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Zivilgesellschaft
zu entwickeln. Die Position von UNICEF Deutschland zum
digitalen Kinderschutz finden Sie kompakt zusammengefasst
im Policy Paper „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen
Welt".
Die Umfrage
finden Sie hier.
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UNICEF-Schirmherrin
Elke Büdenbender besucht UNICEF-Warenlager für
humanitäre Hilfsgüter in Kopenhagen
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Deutschlands First Lady macht auf die Not der Kinder im
Libanon aufmerksam und informiert sich im weltweit größten
Warenlager für Hilfsgüter über die Organisation der Nothilfe
für Kinder in Krisenregionen.
Berlin/Duisburg, 24.
April 2026 - Hunderttausende Kinder sind im Libanon
weiterhin auf der Flucht und dringend auf humanitäre Hilfe
angewiesen – trotz der am 17. April 2026 in Kraft getretenen
Waffenruhe. Um auf die dramatische Lage der Kinder
aufmerksam zu machen, besuchte UNICEF-Schirmherrin Elke
Büdenbender heute das UNICEF-Logistikzentrum in Kopenhagen –
den größten halbautomatisierten Umschlagplatz für humanitäre
Hilfsgüter weltweit.
Von dort hat UNICEF allein seit
Anfang März über den Luftweg rund 100 Tonnen an Hilfsgütern
wie Erste-Hilfe-Sets mit Verbandszeug und Medikamenten,
Kleidung und Wasserreinigungstabletten in den Libanon
geliefert. Insgesamt wurden seitdem Hilfsgüter im Wert von
7,1 Millionen US-Dollar für den Libanon beschafft.
„Viele Kinder im Libanon haben Schreckliches erlebt: Sie
mussten Hals über Kopf fliehen, haben Gewalt erfahren und
jedes Gefühl von Sicherheit verloren. Für viele ist
ungewiss, ob sie jemals zurückkehren können. Andere finden
nur noch Trümmer vor, wo einst ihr Zuhause war. Welche
seelischen Wunden das hinterlässt, lässt sich kaum ausmalen.
Umso wichtiger ist es, dass wir den Kindern weiter zur Seite
stehen", sagte Elke Büdenbender. Sie hatte sich erst kurz
vor Beginn der aktuellen Eskalation in einem
UNICEF-Kinderzentrum im Libanon persönlich mit Kindern
ausgetauscht.
Seit dem 2. März wurden laut Berichten
mehr als 170 Kinder im Libanon getötet und mehr als 700
verletzt – das entspricht etwa 30 Schulklassen. Mehr als
eine Million Menschen wurden vertrieben, darunter
schätzungsweise 400.000 Kinder – viele von ihnen bereits zum
wiederholten Mal. Das Gesundheitssystem ist überlastet,
Nahrungsmittelpreise steigen und der humanitäre Zugang
bleibt in einigen Regionen weiterhin schwierig. Vielerorts
gefährden Blindgänger das Leben der Kinder. Rund 250.000
Kinder haben keinen Zugang zu Präsenzunterricht.
„Auf
rund 20.000 Quadratmetern lagert, verpackt und versendet
UNICEF in seinem Nothilfelager in Kopenhagen lebensrettende
Hilfsgüter – von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung
über Decken bis hin zu Wasserreinigungstabletten. Mit der
Lieferung im Rekordtempo kann UNICEF schnell auf humanitäre
Krisen weltweit reagieren – wie aktuell im Libanon. Diese
Hilfe ist ein Rettungsanker für Millionen Kinder", sagte
Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender von UNICEF
Deutschland.
Am gestrigen Donnerstag erreichte der
dritte humanitäre UNICEF-Cargoflug seit Anfang März den
Libanon – beladen mit Erste-Hilfe-Sets, Decken, Wassertanks
sowie Lern- und Spielmaterialien. Weitere Güter werden auf
dem Land- und Seeweg transportiert und ergänzen bereits
vorhandene Lagerbestände. Wann immer es die Sicherheitslage
erlaubt, liefert UNICEF lebensrettende Hilfsgüter auch in
schwer zugängliche Gebiete im Libanon – etwa südlich des
Flusses Litani oder in die Bekaa-Ebene.
Im
vergangenen Jahr lieferte UNICEF humanitäre Hilfsgüter im
Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar allein in akute
Krisenregionen weltweit. Doch die anhaltende Eskalation im
Nahen Osten droht die Versorgung von Kindern zu gefährden.
UNICEF befürchtet, dass sich die Lieferung lebenswichtiger
Hilfsgüter in manchen Ländern um bis zu sechs Monate
verzögern könnte.
Treibstoff- und Transportkosten
sind weltweit deutlich gestiegen, globale Lieferketten
stehen unter Druck und humanitäre Hilfsgüter werden teurer.
Wenn die Gewalt anhält und wichtige Transportwege wie die
Straße von Hormus blockiert bleiben, drohen Hunger und Not
in vielen Ländern deutlich zuzunehmen. Besonders gefährdet
sind Kinder in prekären Lebenslagen, für die selbst kleine
Verzögerungen oder Preissteigerungen schwerwiegende Folgen
haben können. Die Sicherung humanitärer Lieferketten ist
daher dringlicher denn je.
UNICEF hat seine
bestehende Hilfe für Kinder in den vergangenen Wochen stark
ausgeweitet. Teams unterstützen Familien in Notunterkünften,
liefern Medikamente und medizinische Hilfsgüter an Kliniken,
sorgen für psychosoziale Unterstützung und Lernangebote für
vertriebene Kinder, reparieren beschädigte Wasserleitungen
und liefern Trinkwasser.
UNICEF ruft dringend zu
Spenden für Kinder in
Libanon und dem
Nahen Osten auf.
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Über 100 Millionen Impfungen für Kinder – weltweit
größte Aufholaktion schließt Impflücken
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UNICEF, WHO und
Gavi ziehen erste Bilanz ihrer Impfinitiative „The Big
Catch-Up“ / Start der internationalen Weltimpfwoche

Davina (4) aus Kisangani in der Demokratischen Republik
Kongo zeigt stolz ihre markierten Finger, die zeigen, dass
sie gegen Polio geimpft wurde. | © UNICEF/UNI855279/Ndomba
Mbikayi
Genf/New York/Köln/Duisburg und Niederhein,
24. April 2026 - Die Nachholimpfaktion „The Big Catch-Up“
wurde während der Weltimpfwoche 2023 gestartet. Sie hat über
100 Millionen Impfdosen an schätzungsweise 18,3 Millionen
Kinder in 36 Ländern geliefert. Rund 12,3 Millionen
dieser Kinder wurden zuvor nie geimpft, 15 Millionen von
ihnen nie gegen Masern. „The Big Catch-Up“ wurde im März
2026 abgeschlossen und wird derzeit ausgewertet. Die
Initiative liegt auf Kurs, ihr Ziel zu erreichen, 21
Millionen Kinder nachzuimpfen. Dennoch warnen UNICEF, WHO
und Gavi: Noch immer verpassen jedes Jahr Millionen
Säuglinge lebensrettende Routineimpfungen.
Die
länderübergreifende, mehrjährige Impfinitiative ”The Big
Catch-Up“ ist historisch. Sie wurde ins Leben gerufen, um
Impfrückgänge zu bekämpfen, die vor allem durch die
COVID-19-Pandemie verursacht wurden. Zwischen 2023 und 2025
erreichte das Programm schätzungsweise 18,3 Millionen Kinder
im Alter von einem bis fünf Jahren in 36 Ländern mit mehr
als 100 Millionen Dosen lebensrettender Impfstoffe. Dadurch
konnten kritische Immunitätslücken verkleinert werden,
erklärten Gavi, die Impfallianz, WHO und UNICEF zum Start
der Weltimpfwoche.
Von den 18,3 Millionen Kindern
hatten schätzungsweise 12,3 Millionen bis dahin noch keine
einzige Impfung erhalten. 15 Millionen hatten noch keine
Masernimpfung erhalten. Zudem stellte die Initiative 23
Millionen Dosen Polio-Impfstoff für ungeimpfte oder nicht
ausreichend geimpfte Kinder bereit – eine entscheidende
Maßnahme auf dem Weg zur Ausrottung von Polio. Die Umsetzung
des Programms endete am 31. März 2026. Die endgültigen Daten
werden noch ausgewertet. Die Prognosen zeigen aber, dass die
globale Initiative auf Kurs ist, ihr Ziel zu erreichen,
mindestens 21 Millionen ungeimpfte und nicht ausreichend
geimpfte Kinder zu impfen.
Nachholkampagnen sind
wichtig – doch kein Ersatz für Routineimpfungen Die
Organisationen warnen jedoch: Nachholimpfungen sind zwar
eine wichtige Strategie, um Impflücken zu schließen. Um
Kinder zu schützen und Krankheitsausbrüche zu verhindern,
ist es jedoch am wirksamsten und nachhaltigsten,
Routineimpfprogramme auszuweiten.
„Impfungen retten
Leben“, sagt Catherine Russell, Exekutivdirektorin von
UNICEF. „Diese Initiative zeigt, was möglich ist, wenn
Länder die Ressourcen, Werkzeuge und den politischen Willen
haben, Kinder mit lebensrettenden Impfstoffen zu erreichen.
Wir haben einen Teil der Kinder nachgeimpft, die während der
Pandemie Routineimpfungen verpasst haben – doch viele
weitere bleiben außer Reichweite. Die Fortschritte, die
durch 'The Big Catch-Up' erzielt wurden, müssen durch
Investitionen in starke, zuverlässige Impfsysteme
aufrechterhalten werden, besonders in einer Zeit, in der
Masern wieder zunehmen.“
Impfgerechtigkeitslücken
schließen - über die Pandemie-Erholung hinaus Über das
Aufholen nach der Pandemie hinaus konzentrierte sich die
Initiative darauf, die Lücke bei der Impfgerechtigkeit zu
schließen. Millionen Kinder weltweit verpassen jedes Jahr
die notwendigen Impfungen, die sie vor ihrem ersten
Geburtstag erhalten sollten. Die meisten von ihnen leben in
fragilen, konfliktreichen Kontexten oder unterversorgten
Gemeinden. Sie werden häufig auch nicht nachgeimpft, wenn
sie älter sind.
36 Länder in Afrika und Asien nahmen
an der Initiative teil. In ihnen leben derzeit 60 Prozent
aller Ungeimpften weltweit. Pandemiebedingte Unterbrechungen
der Impfprogramme haben die Lage verschärft. Dadurch kamen
in diesen Ländern Millionen weiterer ungeimpfter Kinder zu
denjenigen hinzu, die ohnehin schon dauerhaft keine
Impfungen erhielten.
Erstmals wurden systematisch
ältere Kinder erreicht Um dieses Problem anzugehen,
konzentrierte sich “The Big Catch-Up" nicht nur auf
Säuglingsimpfungen. Erstmals wurden Routineimpfsysteme
systematisch genutzt, um die weltweit angewachsene Kohorte
älterer Kinder im Alter von einem bis fünf Jahren zu
erreichen. Diese Kinder hätten wichtige Routineimpfungen vor
dem ersten Lebensjahr erhalten sollen. Da sie diese verpasst
hatten, waren sie weiterhin gefährdet.
Die Initiative
stieß nachhaltige Systeme an, um die älteren Kinder zu
identifizieren, zu überprüfen, zu impfen und die Impfraten
zu überwachen. Auch Regelungen zur Altersberechtigung wurden
angepasst. Die Länder schulten Gesundheitspersonal darin,
versäumte Impfungen im Rahmen der Routineversorgung zu
identifizieren, zu überprüfen und nachzuimpfen. Um
Nachholimpfungen zu unterstützen, arbeiteten sie mit
Gemeinden und der Zivilgesellschaft zusammen.
„'The
Big Catch-Up' hat geholfen, eine der großen negativen Folgen
der COVID-19-Pandemie rückgängig zu machen, indem Kinder
geschützt werden, die wegen Unterbrechungen der
Gesundheitsdienste durch die Pandemie Impfungen verpasst
haben“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus,
Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation. „Der Erfolg
von 'The Big Catch-Up' zeigt, was Gesundheitskräfte und
nationale Impfprogramme leisten, die nun besser in der Lage
sind, Kinder zu finden und zu impfen, die durch
routinemäßige Dienste übersehen wurden.“
Durch die
Ausweitung der Impfreichweite auf Millionen zuvor nicht
erreichte Kinder und ihre Gemeinden sowie durch
Investitionen in systemische Verbesserungen hat die
Initiative es den Ländern erleichtert, diese
Bevölkerungsgruppen und andere in ähnlicher Lage auch
weiterhin mit wichtigen Gesundheits- und Impfleistungen zu
erreichen.
Deutliche Fortschritte in vielen Ländern
Zwölf der teilnehmenden Länder (Burkina Faso, Demokratische
Volksrepublik Korea, Äthiopien, Kenia, Madagaskar,
Mauretanien, Niger, Pakistan, Somalia, Togo, Vereinigte
Republik Tansania und Sambia) berichteten, dass sie mehr als
60 Prozent der Kinder unter fünf Jahren erreicht haben, die
noch nicht gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten geimpft
waren.
In Äthiopien erhielten mehr als 2,5 Millionen
zuvor ungeimpfte Kinder diese Grundimmunisierung. Neben
anderen wichtigen Impfstoffen verabreichte das Land un- und
nicht ausreichend geimpften Kindern zudem fast fünf
Millionen Dosen Polio- und mehr als vier Millionen Dosen
Masernimpfstoff. Auch Länder außerhalb dieser Gruppe
erreichten viele Kinder: In Nigeria wurden beispielsweise
zwei Millionen zuvor ungeimpfte Kinder gegen Diphtherie,
Tetanus und Keuchhusten geimpft und 3,4 Millionen gegen
Polio. Auch hier wurden zudem Millionen anderer Impfstoffe
verabreicht.
"Als bislang größte internationale
Initiative, um verpasste Kinder mit lebensrettenden
Impfstoffen zu erreichen, zeigt 'The Big Catch-Up', was
möglich ist, wenn Regierungen, Partner und Gemeinschaften
zusammenarbeiten, um die Verwundbarsten in der Gesellschaft
zu schützen", sagte Dr. Sania Nishtar, Geschäftsführerin von
Gavi, der Impfallianz. "Dank dieser Leistung sind jetzt
nicht nur Millionen Kinder vor vermeidbaren Krankheiten
geschützt, sondern auch künftige Generationen in ihren
Gemeinschaften."
Während die 36 teilnehmenden Länder
über “The Big Catch-Up” finanzielle Unterstützung von Gavi
und technische Hilfe von WHO und UNICEF erhielten, setzten
im gleichen Zeitraum auch viele andere Länder Maßnahmen um,
um Nachholimpfungen von Kindern zu beschleunigen und
Impfangebote nach pandemiebedingten Rückschritten wieder
aufzubauen.
Blick nach vorn: Herausforderungen
bleiben groß Mit “The Big Catch-Up" ist es Ländern und
globalen Partnern erstmals gelungen, 12,3 Millionen "ältere"
ungeimpfte Kinder im Alter von einem bis fünf Jahren zu
erreichen. Doch weltweit erhielten im Jahr 2024
schätzungsweise 14,3 Millionen Säuglinge unter einem Jahr
keine einzige Impfung über die regulären Impfprogramme.
Auch wenn “The Big Catch-Up" zeigt, dass
Fortschritte mit Führung, gezielten Investitionen und
Unterstützung möglich sind – um diese jährliche Zahl der
ungeimpften Säuglinge zu senken, müssen Gesundheitssysteme
aufgebaut werden, die die am schwersten erreichbaren
Gemeinschaften verlässlich versorgen. Dies ist insbesondere
vor dem Hintergrund steigender Geburtenzahlen, wachsender
Konflikte und Vertreibungen, Mittelkürzungen und
überlasteter Gesundheitssysteme von Bedeutung.
Die
Folgen chronischer Lücken in der Routineimmunisierung sind
deutlich sichtbar: zum Beispiel nehmen Masernausbrüche
weltweit zu. Im Jahr 2024 gab es etwa 11 Millionen Fälle.
Die Zahl der Länder mit großen Ausbrüchen hat sich seit 2021
fast verdreifacht. Dieser Anstieg wird durch anhaltende
Lücken bei der Masernimpfung in Routineprogrammen
verursacht, verstärkt durch ein sinkendes Vertrauen in
Impfungen in einigen Gemeinschaften, die zuvor hohe
Impfquoten hatten.
Groß angelegte Nachholimpfaktionen
sind ressourcenintensiv und sollten lediglich als
Lückenfüller dienen, ergänzend zu Routineimpfungen. Der
optimale, nachhaltige Schutz für Kinder und Gemeinschaften
bleibt eine rechtzeitige Impfung gemäß den nationalen
Impfplänen.
Weltimpfwoche – Aufruf zu nachhaltigen
Investitionen Zur Weltimpfwoche (24.–30. April 2026)
rufen WHO, UNICEF und Gavi, die Impfallianz gemeinsam mit
Ländern und Gemeinschaften unter dem Motto "Impfstoffe
wirken - für jede Generation" Regierungen dazu auf,
Impfquoten in allen Altersgruppen zu sichern und
auszuweiten.
Die Priorität bleibt, ungeimpfte Kinder
zu erreichen und Chancengleichheit in den am schwersten
erreichbaren Gemeinden voranzubringen, insbesondere in
Ländern mit Konflikten, Instabilität oder fragilen
Gesundheitssystemen. Um das Momentum aufrechtzuerhalten,
braucht es langfristige, höhere nationale Investitionen in
Impfprogramme sowie verlässliche Zusagen von Partnern und
Geber*innen.
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UNICEF Deutschland fordert verbesserten Kinderschutz
im digitalen Raum |
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Gefälschte
Bilder, realer Schaden: Kinder vor Deepfakes und anderen
Formen digitaler Gewalt schützen
Köln/Duisburg, 26. März 2026 - Vor dem Hintergrund der
aktuellen Debatte um sexualisierte Deepfakes macht UNICEF
Deutschland darauf aufmerksam, wie sehr Schutzlücken im
digitalen Raum insbesondere Kinder zunehmend in Gefahr
bringen. UNICEF fordert verstärkte Schutzmaßnahmen,
Aufklärung und Prävention, um Kinder vor diesen und allen
Formen digitaler Gewalt besser zu schützen.
Die Zahl
KI-generierter sexualisierter Bilder von Kindern im Netz
wächst rasant. Allein 2025 waren laut einer Studie von
UNICEF und Partnern in elf Ländern mindestens 1,2 Millionen
Kinder von Deepfake-Missbrauch betroffen. In einigen Ländern
wurden im statistischen Durchschnitt Bilder von einem Kind
pro durchschnittlicher Schulklasse zu sexuell eindeutigen
Deepfakes manipuliert.
„Gefälschte Bilder, realer
Schaden – Deepfake-Missbrauch ist Missbrauch, mit
entsetzlichen Folgen für Kinder. Kinder brauchen dringend
wirksameren Schutz – auch im digitalen Raum", sagt Christian
Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Es ist
gut und richtig, dass in Deutschland der Besitz und die
Verbreitung von kinderpornografischem Material grundsätzlich
strafbar ist – unabhängig davon, ob es mit einer KI erzeugt
wurde oder nicht. Aber die Erfahrung zeigt: Bis dieses
Material gefunden und gelöscht ist, ist bereits riesiger
Schaden für Kinder entstanden, mit oft lebenslangen Folgen.
Deshalb ist wichtig, dass sexualisierte
Missbrauchsdarstellungen von Kindern gar nicht erst
generiert werden und in Umlauf kommen können.”
Durch
künstliche Intelligenz ist die Herstellung von
sexualisierten Missbrauchsdarstellungen (CSAM) sehr viel
einfacher geworden. Täter nutzen frei verfügbare KI-Tools,
um Kleidung auf Fotos von Kindern zu entfernen und
gefälschte Nacktbilder zu erzeugen. Wer das Bild eines
Kindes so missbraucht, schadet diesem Kind direkt. Doch auch
wenn kein konkretes Kind erkennbar ist, haben solche
Darstellungen gravierende Folgen: Sie normalisieren
sexualisierte Gewalt gegen Kinder, schüren die Nachfrage
nach Missbrauchsmaterial und erschweren es
Strafverfolgungsbehörden, reale Fälle zu erkennen und Kinder
zu schützen, die Hilfe brauchen.
Kinder und
Jugendliche wachsen in einer digitalen Welt auf, die Chancen
bietet, aber bisher nicht an ihren Rechten, ihrem Schutz und
ihrem Wohlbefinden ausgerichtet ist. Weltweit werden
Forderungen nach stärkerem digitalem Kinderschutz lauter –
auch in Deutschland. Risiken und Schutzlücken für Kinder
bestehen neben Deepfakes unter anderem auch durch
Desinformation, Cybergrooming, Cybermobbing, Hassrede und
schädliche Inhalte wie Gewaltdarstellungen oder emotionale
Abhängigkeit von Chatbots. Obwohl Kinder und Jugendliche
sehr viel Zeit online verbringen, verfügen 41 Prozent der
Jugendlichen nur über geringe digitale Kompetenzen. Dies
zeigen Daten aus dem UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in
Deutschland.
Auch auf europäischer Ebene besteht aus
Sicht von UNICEF dringender aktueller Handlungsbedarf. So
droht schon am 3. April eine Ausnahmeregelung auszulaufen,
die Digitalunternehmen eine rechtliche Grundlage gibt,
freiwillig Missbrauchsfälle auf ihren Angeboten zu
entdecken, zu entfernen und anzuzeigen, während ein
längerfristiger gesetzlicher Rahmen noch intensiv politisch
verhandelt wird. UNICEF fordert EU-Parlamentarier dazu auf,
eine zeitlich befristete Verlängerung der bisherigen
Interimsregelung zu unterstützen.
UNICEF empfiehlt
ein umfassendes Schutzkonzept für digitalen Kinderschutz,
das Maßnahmen aus Prävention, Schutz und Unterstützung
zusammenbringt:
Unternehmen in die Pflicht nehmen:
Digitalunternehmen müssen Sicherheit für Kinder von Anfang
an in ihre Produkte einbauen und wirksame Schutzmechanismen
gegen Missbrauch schaffen. UNICEF begrüßt, dass einige
Unternehmen dies bereits tun – doch die Lage bleibt
lückenhaft. Plattformen müssen Missbrauchsdarstellungen
sofort erkennen und entfernen – nicht erst nach einer
Meldung durch Betroffene. Altersgerechtes Design und
funktionierende Meldesysteme müssen Standard sein.
Rechtlichen Rahmen stärken: Gesetze müssen betroffene Kinder
wirksam schützen und Lücken in der Strafverfolgung
schließen. Behörden brauchen ausreichend Ressourcen, um
Missbrauchsbilder schnell aus dem Netz zu entfernen – auch
über Landesgrenzen hinweg.
Dabei geht es unter
anderem um die vom Bundesjustizministerium vorgeschlagene
Gesetzgebung zur Schließung von Lücken im Strafrecht sowie
um die durch Bund- und Länderhaushalte zu sichernde
Finanzierung von Behörden-und Aufklärungsarbeit .UNICEF
empfiehlt, den Bericht der Unabhängigen Kommission zum
Digitalen Kinder- und Jugendschutz abzuwarten, um auf einer
soliden wissenschaftlichen Basis die Rechte von Kindern und
Jugendlichen im Netz zu stärken. Kinder stärken und
unterstützen: Digitale Medienbildung muss fächerübergreifend
in allen Bildungseinrichtungen verankert werden.
Pädagogisches Personal und Eltern brauchen gezielte
Qualifizierung. Kinder, die online Gewalt oder Mobbing
erleben, brauchen verlässliche Anlaufstellen – verknüpft mit
Jugendhilfe und psychologischer Unterstützung.
Kinder
beteiligen: Die Perspektiven und Erfahrungen der Kinder und
Jugendlichen müssen in politische Entscheidungen und
Regulierungen einfließen. Das Kindeswohl muss im Sinne der
UN-Kinderrechtskonvention konsequent Vorrang haben.
Altersbeschränkungen ausgewogen gestalten:
Altersbeschränkungen für soziale Medien können die
Sicherheit erhöhen, sind aber nur ein Baustein. Sie müssen
verhältnismäßig sein,dürfen Kinder nicht von Bildungs- oder
Hilfsangeboten ausschließen und sollten durch technische
Schutzmechanismen ergänzt werden.
Hintergrund
UNICEF Deutschland hat eine ausführliche Stellungnahme an
die von der Bundesregierung eingesetzte „Unabhängige
Expertenkommission Kinder- und Jugendschutz in der digitalen
Welt" übermittelt. Ziel der Kommission ist, eine Strategie
mit konkreten Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und
Zivilgesellschaft zu entwickeln. Die Stellungnahme finden
Sie hier. Die Position von UNICEF Deutschland zum digitalen
Kinderschutz finden Sie zudem kompakt zusammengefasst im
Policy Paper „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen
Welt".
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UNICEF fordert die Freilassung aller Kinder, die im
Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen im Iran festgenommen
wurden
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Statement von
Edouard Beigbeder, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen
Osten und Nordafrika
Amma /Köln, 20. Februar 2026 -
„UNICEF ist zutiefst besorgt über Berichte, denen zufolge
Kinder, die im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen im Iran
festgenommen wurden, weiterhin in Haft bleiben.
Wenngleich die Zahl der derzeit inhaftierten Kinder sowie
die Bedingungen ihrer Haft nicht überprüft werden können,
fordern wir dringend unverzüglichen unabhängigen Zugang zu
allen inhaftierten Kindern, um sich ein Bild über ihre Lage,
den Umgang mit ihnen sowie ihr Wohlergehen zu verschaffen.
Die negativen Auswirkungen von Haft und Inhaftierung auf
Kinder sind gut dokumentiert. Kinder sind keine ‚kleinen
Erwachsenen‘ – sie benötigen besonderen Schutz und besondere
Fürsorge. Der Entzug von Freiheit hat lebenslange
Konsequenzen für die Entwicklung eines Kindes, aber auch für
die Zukunft der Gesellschaft insgesamt.
Kinder, denen
die Freiheit entzogen wurde, müssen menschlich und würdevoll
behandelt werden und die Möglichkeit haben, regelmäßigen
Kontakt zu ihren Familien zu halten. Dies sind verbindliche
Verpflichtungen nach internationalem Recht und müssen
jederzeit eingehalten werden.
UNICEF ruft
nachdrücklich dazu auf, die Inhaftierung von Kindern in
jeglicher Form zu beenden und Kinder, die im Zusammenhang
mit den jüngsten Unruhen im Iran inhaftiert wurden,
unverzüglich freizulassen. Die Islamische Republik Iran ist
Vertragspartei der Konvention über die Rechte des Kindes und
verpflichtet, die Rechte von Kindern zu achten, zu schützen
und zu gewährleisten.“
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UNICEF Deutschland und
Deutsches Kinderhilfswerk verkünden Motto zum Weltkindertag
2026: Starke Kinder, starke Zukunft!
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Neues Motto zum Weltkindertag 2026:
"Starke Kinder, starke Zukunft!"

© Paula G. Vidal
Köln/Berlin(Duisburg, 18.
Februar 2026 - Der Weltkindertag am 20. September 2026 steht
unter dem Motto „Starke Kinder, starke Zukunft!“. Damit
fordern UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk
Politik und Gesellschaft dazu auf, sich jetzt konsequenter
für die Rechte der jungen Menschen, für ihren Schutz und die
Stärkung ihrer mentalen Gesundheit einzusetzen.
Denn
die junge Generation steht massiv unter Druck: Kriege, die
Folgen des Klimawandels sowie Wirtschaftskrisen und ihre
sozialen Auswirkungen haben spürbare Folgen für Kinder und
ihre Familien – in Deutschland und weltweit. Auch die
psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen leidet
unter den großen Zukunftssorgen.
Zudem kommen in der
digitalen Welt neue Chancen, aber auch große Risiken hinzu.
Kinder und Jugendliche brauchen daher mehr Unterstützung und
nachhaltige Investitionen in Bildung und Gesundheit, um sich
zu starken, resilienten Gestalterinnen und Gestaltern der
Gesellschaft von morgen zu entwickeln. Entscheidend ist
dafür auch, junge Menschen stärker einzubeziehen –
insbesondere bei politischen Entscheidungen, die in erster
Linie ihre Zukunft betreffen.
„Eine starke Zukunft
für alle wird davon abhängen, wie sehr wir Kinder heute
stärken. Kinder und Jugendliche brauchen uns jetzt, damit
sie ihr volles Potenzial für die Welt von morgen einbringen
können. Je fragiler das Leben von Kindern ist, desto
fragiler wird unsere Welt. Deshalb geht es uns mit dem Motto
des Weltkindertages 2026 um einen gemeinsamen Kraftakt – für
unsere Kinder und eine starke, eine gute Zukunft”, sagt
Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.
„Wir sehen insbesondere in der politischen Debatte in
Deutschland eine eklatante Vernachlässigung der Belange
junger Menschen. Kinderinteressen werden systematisch
ausgeblendet, obwohl sie als ein vorrangiger Gesichtspunkt
ins Zentrum politischen Handelns gehören. Dafür braucht es
endlich die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz,
damit das Wohl der Kinder bei allen staatlichen Maßnahmen
und Entscheidungen Berücksichtigung findet. Nur so wird uns
die erfolgreiche Gestaltung der Zukunft gelingen“, betont
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen
Kinderhilfswerkes.
Unter dem Motto “Starke Kinder,
starke Zukunft!” ist zum Weltkindertag am 20. September 2026
eine gemeinsame bundesweite Mitmach-Aktion von UNICEF
Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk in Planung.
Dabei werden die Wünsche und Forderungen von Kindern und
Jugendlichen aus ganz Deutschland für ihre Zukunft im Fokus
stehen. Hinzu kommen zahlreiche Initiativen mit lokalen
Demonstrationen, Aktionen, Festen und anderen
Veranstaltungen, bei denen sich Menschen aus ganz
Deutschland für Kinder, ihre Rechte und Bedürfnisse stark
machen. Alle Informationen zum Weltkindertag gibt es unter
www.unicef.de/weltkindertag und www.dkhw.de/weltkindertag.
Im September 1954 empfahlen die Vereinten Nationen ihren
Mitgliedstaaten die Einführung eines weltweiten Tages für
Kinder. Sie wollten damit den Einsatz für Kinderrechte
stärken, die Freundschaft unter Kindern und Jugendlichen auf
der Welt fördern und die Regierungen auffordern, die
weltweite UNICEF-Arbeit zu unterstützen. Inzwischen wird der
Weltkindertag in über 145 Staaten gefeiert, jedoch an
unterschiedlichen Tagen – in Deutschland am 20. September.
Seit 1989 sind die Kinderrechte außerdem mit einer
UN-Konvention für jedes Kind verbrieft.
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UNICEF und WHO: Masernzahlen in
Europa und Zentralasien sinken deutlich – doch
Ausbruchrisiko bleibt bestehen
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Reaktive Maßnahmen
bei Ausbrüchen - einschließlich Impfkampagnen - verringern
Masernfälle / WHO und UNICEF warnen: der Fortschritt ist
fragil, das Virus breitet sich weiterhin aus

© UNICEF/UNI601118/Vashkiv | Der acht Monate alte
Orest wird in einem Gesundheitszentrum in Kyjiw geimpft.
Kopenhagen/ Genf/ Köln/Duisburg, 11. Februar 2026- Die
Masernfälle in Europa und Zentralasien sind im Jahr 2025 im
Vergleich zu 2024 um fast 75 Prozent zurückgegangen. Das
zeigen die vorläufigen Daten aus 53 Ländern. Doch UNICEF und
WHO warnen: das Risiko von Ausbrüchen bleibt bestehen.
Im Jahr 2025 meldeten Länder in Europa und Zentralasien
33.998 Masernfälle, 2024 waren es 127.412 Fälle. Der
allgemein rückläufige Trend der Fallzahlen spiegelt sowohl
die Maßnahmen zur Bekämpfung von Ausbrüchen als auch den
allmählichen Rückgang der für Masern anfälligen Menschen
wider. Denn ausgebreitet hat sich das Virus in nicht
ausreichend geimpften Gemeinschaften. Viele Fälle hätten
durch eine höhere routinemäßige Durchimpfungsrate auf
Gemeindeebene und eine schnellere Reaktion auf Ausbrüche
verhindert werden können.
„Die Fallzahlen sind zwar
zurückgegangen, doch die Umstände, die in den letzten Jahren
zum Wiederauftreten dieser tödlichen Krankheit geführt
haben, bestehen weiterhin und müssen angegangen werden“,
sagte Regina De Dominicis, Regionaldirektorin von UNICEF für
Europa und Zentralasien. „Solange nicht alle Kinder geimpft
sind und die durch die Verbreitung von Fehlinformationen
geschürte Impfskepsis nicht überwunden ist, bleiben Kinder
dem Risiko ausgesetzt, an Masern und anderen durch Impfungen
vermeidbaren Krankheiten zu sterben oder schwer zu
erkranken.“
Impfskepsis und Fehlinformationen
gefährden Kinder „Im vergangenen Jahr sind die
Masernfälle um fast 75 Prozent gesunken, aber das Risiko von
Ausbrüchen bleibt bestehen. In den letzten drei Jahren
erkrankten in unserer Region über 200.000 Menschen an
Masern“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Dr. Hans
Henri P. Kluge. „Solange nicht jede Gemeinde eine
Durchimpfungsrate von 95 Prozent erreicht, Immunitätslücken
in allen Altersgruppen schließt, die Krankheitsüberwachung
verstärkt und eine rechtzeitige Reaktion auf Ausbrüche
sicherstellt, wird sich dieses hochansteckende Virus weiter
ausbreiten. Angesichts der heutigen Flut von Fake News ist
es außerdem von entscheidender Bedeutung, dass sich die
Menschen auf verifizierte Informationen aus zuverlässigen
Quellen wie der WHO, UNICEF und nationalen
Gesundheitsbehörden verlassen. Die Beseitigung von Masern
ist für die nationale und regionale Gesundheitssicherheit
unerlässlich.“
Die Zahl der gemeldeten Fälle war im
Jahr 2025 immer noch höher als in den meisten Jahren seit
2000. Einige Länder meldeten 2025 sogar mehr Fälle als im
Vorjahr. Auch im Jahr 2026 werden in der Region weiterhin
Masernfälle festgestellt.
Die Entwicklung in
Deutschland entspricht dem Trend in der Gesamtregion: Im
Jahr 2024 wurden 653 Masernfälle über das
WHO-Impfinformationssystem gemeldet. 2025 ging die Zahl
deutlich zurück: Von Januar bis November 2025 waren es nur
226 Fälle. Das ist jedoch ein Vielfaches im Vergleich zum
Jahr 2020 mit 73 Fällen.
Mehr Länder mit dauerhafter
Masernverbreitung Auf der Grundlage der Länderberichte
für 2024 geht die Europäische Regionale
Verifizierungskommission für Masern- und Rötelnbekämpfung
davon aus, dass die Zahl der Länder mit anhaltender oder
wiederauflebender endemischer Masernübertragung innerhalb
eines Jahres von zwölf auf 19 gestiegen ist. Dies ist der
größte Rückschlag bei der Masernbekämpfung in der Region in
den letzten Jahren.
Die Vorbereitung auf Ausbrüche
und die Reaktion darauf sowie die Eliminierung der Masern
bleiben weiterhin Prioritäten im Bereich der öffentlichen
Gesundheit in ganz Europa und Zentralasien. UNICEF und die
WHO arbeiten mit Regierungen und mit Unterstützung von
Partnern wie der Impfallianz Gavi und der Europäischen Union
daran, Masernausbrüche zu verhindern und zu bekämpfen. Dazu
werden Gemeinden eingebunden, Gesundheitsfachkräfte
geschult, Impfprogramme und Krankheitsüberwachungssysteme
gestärkt und Masernimpfkampagnen gestartet.
95
Prozent Impfquote notwendig Masern gehören zu den
ansteckendsten Viren für Menschen. Pro an Masern erkrankter
Person infizieren sich bis zu 18 ungeimpfte Personen. Damit
sind Masern etwa zwölfmal ansteckender als Influenza. Masern
können zu Krankenhausaufenthalten führen, langfristige,
belastende gesundheitliche Komplikationen verursachen und
tödlich sein. Sie können das Immunsystem schädigen, indem
sie dessen Erinnerung daran, wie Infektionen bekämpft
werden, für Monate oder sogar Jahre „löschen“. Dadurch sind
Masernüberlebende anfälliger für andere, auch tödliche
Krankheiten.
Zwei Dosen eines Masernimpfstoffs bieten
einen bis zu 97-prozentigen lebenslangen Schutz vor Masern.
Eine alljährliche Impfquote von 95 Prozent mit zwei Dosen
des Masernimpfstoffs ist in jeder Gemeinde erforderlich, um
Masernausbrüche zu verhindern und eine Herdenimmunität zu
erreichen. Diese schützt Säuglinge, die für eine
Masernimpfung noch zu jung sind, sowie Menschen, für die
eine Impfung aufgrund medizinischer Erkrankungen nicht
empfohlen wird, wie etwa Menschen mit geschwächtem
Immunsystem.
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Deepfake-Missbrauch ist realer Missbrauch |
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UNICEF-Statement zu KI-generierten
sexualisierten Darstellungen von Kindern
New
York/Köln/Duisburg, 4. Februar 2026 - "UNICEF ist zunehmend
alarmiert durch Berichte, dass die Anzahl an KI-generierten
sexualisierten Bilder im Internet rasant zunimmt. Besonders
besorgniserregend sind Fotos von Kindern, die manipuliert
und sexualisiert wurden.
Sogenannte Deepfakes, also
mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte oder manipulierte
Bilder, Videos oder Audiomaterialien, die echt wirken
sollen, werden zunehmend genutzt, um sexualisierte Inhalte
mit Kindern zu produzieren. Dazu zählt der Einsatz von
KI-Tools, die Kleidung auf Fotos entfernen oder verändern,
so dass gefälschte Nackt- oder sexualisierte Bilder
entstehen.
Eine neue Studie von UNICEF, ECPAT
International und INTERPOL in elf Ländern zeigt das Ausmaß
dieser schnell wachsenden Bedrohung: Demnach wurden die
Bilder von mindestens 1,2 Millionen Kinder im vergangenen
Jahr zu sexuell eindeutigen Deepfakes manipuliert. In
einigen Ländern ist eines von 25 Kindern laut eigenen
Angaben betroffen – das entspricht einem Kind in einer
typischen Schulklasse.
Kinder selbst sind sich dieses
Risikos sehr bewusst. In einigen der untersuchten Länder
äußerten bis zu zwei Drittel der Kinder ihre Sorge, dass
KI-generierte gefälschte sexualisierte Bilder oder Videos
von ihnen erstellt werden könnten. Das Ausmaß der Besorgnis
variiert stark zwischen den Ländern. Dies zeigt: es ist
höchste Zeit für verstärkte Sensibilisierungs-, Präventions-
und Schutzmaßnahmen.
Wir müssen uns darüber im Klaren
sein: Mit KI-Tools erstellte oder manipulierte sexualisierte
Bilder von Kindern sind Missbrauchsdarstellungen von Kindern
(CSAM). Deepfake-Missbrauch ist Missbrauch, und nichts an
dem Schaden, den er verursacht, ist ‚fake‘.
Wird das
Bild oder die Identität eines Kindes verwendet, dann wird
dieses Kind direkt zum Opfer gemacht. Selbst wenn kein
identifizierbares Opfer erkennbar ist, normalisieren diese
KI-generierten Missbrauchsdarstellungen von Kindern die
sexuelle Ausbeutung von Kindern. Zudem schürt es die
Nachfrage nach missbräuchlichen Inhalten und stellt die
Strafverfolgungsbehörden vor erhebliche Herausforderungen
bei der Identifizierung und dem Schutz von Kindern, die
Hilfe benötigen.
UNICEF begrüßt nachdrücklich die
Bemühungen jener KI-Entwickler, die Safety-by-Design-Ansätze
und robuste Schutzmechanismen umsetzen, um den Missbrauch
ihrer Systeme zu verhindern. Die Lage ist jedoch nach wie
vor uneinheitlich, und zu viele KI-Modelle werden ohne
ausreichende Sicherheitsvorkehrungen entwickelt. Die Risiken
können sich noch verschärfen, wenn generative KI-Tools
direkt in Social-Media-Plattformen eingebettet werden, auf
denen sich manipulierte Bilder schnell verbreiten.
UNICEF fordert dringend folgende Maßnahmen, um der
zunehmenden Bedrohung durch KI-generierte
Missbrauchsdarstellungen von Kindern zu begegnen:
Alle Regierungen erweitern die Definitionen von
sexualisierten Missbrauchsdarstellungen von Kindern (CSAM)
um KI-generierte Inhalte und stellen deren Erstellung,
Beschaffung, Besitz und Verbreitung unter Strafe.
KI-Entwickler implementieren Safety-by-Design-Ansätze und
robuste Schutzvorkehrungen, um den Missbrauch von
KI-Modellen zu verhindern.
Digitalunternehmen
verhindern die Verbreitung von KI-generierten sexualisierten
Missbrauchsdarstellungen von Kindern und entfernen sie nicht
nur, nachdem der Missbrauch stattgefunden hat. Außerdem
stärken sie die Moderation von Inhalten durch Investitionen
in Erkennungstechnologien, damit solches Material sofort
entfernt werden kann – und nicht erst Tage nach einer
Meldung durch ein Opfer oder dessen Vertreter.
Der
Schaden durch Deepfake-Missbrauch ist real und dringend.
Kinder können nicht darauf warten, dass die Gesetzgebung
nachzieht.“
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Schwere Angriffe und bittere Kälte: Der härteste
Kriegswinter trifft Kinder in der Ukraine
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Statement von
Munir Mammadzade, Leiter der UNICEF-Programme in der
Ukraine, beim heutigen Pressebriefing im Palais des Nations
in Genf

© UNICEF/UNI928179/Filippov | Arina (3) spielt mit Knete und
wärmt sich in einem beheizten mobilen Zelt, das vom
ukrainischen Rettungsdienst in Kiew aufgestellt wurde, auf.
Genf/Köln/Duisburg, 16. Januar 2026 - „Das
befürchtete Winterszenario in der Ukraine ist eingetreten:
Intensive Angriffe legen die Energie- und Wasserversorgung
lahm, während die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt
sinken.
Millionen Familien im ganzen Land müssen
tagelang ohne Heizung, Strom und Wasserversorgung auskommen.
Kinder und ihre Familien leben im ständigen Überlebensmodus.
Bei minus 18 Grad ohne Heizung geht es in ihren Wohnungen in
den Hochhäusern darum, sich vor unaufhörlichen Angriffen zu
schützen und die extreme Kälte zu überstehen.
Im
zehnten Stock eines solchen Wohnhauses am linken Ufer von
Kyjiw tut Svitlana alles, um ihre dreijährige Tochter Arina
zu versorgen.
Sie erzählte uns, dass sie seit mehr
als drei Tagen weder Heizung noch Strom hatten – und das
bereits in der ersten Woche der Ausfälle. Viele Familien
haben bis heute keinen oder nur sporadischen Zugang zu Strom
und Wärme. Kaltes Wasser fließt nur zeitweise. Um die eisige
Kälte draußen zu halten, stopfen Familien Stofftiere oder
andere Gegenstände in die Fenster.
Svitlana kann
Arina weder baden noch warmes Essen zubereiten. Also wickelt
sie ihr Kind in mehrere Schichten Kleidung und steigt durch
das dunkle Treppenhaus zehn Stockwerke hinab zu einem Zelt
des ukrainischen Katastrophenschutzes. Dort können sie sich
aufwärmen, warmes Essen erhalten, ihre Geräte aufladen und
mit einer Psychologin oder einem Psychologen sprechen – oder
einfach in der Wärme ausharren.
UNICEF hat die Zelte
zudem mit Materialien zur psychosozialen Unterstützung
ausgestattet. Spiele und Spielzeug ermöglichen Kindern
Momente des Spielens und der Entspannung und helfen damit
auch Erwachsenen, mit der allgegenwärtigen Angst umzugehen.
Für Kinder sind die harten Winterbedingungen sowohl
körperlich als auch seelisch belastend. Dunkelheit und
eisige Kälte verstärken Angst und Stress und können
bestehende Atemwegs- und andere Gesundheitsprobleme
verschlimmern.
Besonders gefährdet sind die
Kleinsten: Neugeborene und Säuglinge verlieren schnell
Körperwärme und sind einem erhöhten Risiko für Unterkühlung
und Atemwegserkrankungen ausgesetzt. Ohne Wärme und
medizinische Hilfe kann diese Situation schnell
lebensbedrohlich werden.
Auch der Bildungsbereich
ist stark betroffen. Die extreme Kälte hat dazu geführt,
dass Schulen und Kindergärten in Kyjiw und anderen Regionen
vollständig auf Online-Unterricht umgestellt wurden – doch
Stromausfälle erschweren den Online-Unterricht.
Trotz
der extremen Herausforderungen sind die engagierten Energie-
und Wassertechniker sofort nach den Angriffen vor Ort und
führen dringend notwendige Reparaturen an Strom-, Heizungs-
und Wasserinfrastruktur durch.
Es ist ein Wettlauf
gegen die Zeit, die Versorgung wiederherzustellen. UNICEF
unterstützt diesen Einsatz mit seiner groß angelegten
Winterhilfeaktion und arbeitet unermüdlich daran, 1,65
Millionen Menschen, darunter 470.000 Kinder, zu mit
Hilfsangeboten zu erreichen.
Diese Arbeit begann
bereits vor Monaten. Auch Investitionen aus vorherigen
Jahren tragen dazu bei, die Auswirkungen der aktuellen
Störungen etwas abzumildern.
Trotz der jüngsten
Angriffe auf die Energieinfrastruktur und der Stromausfälle
in Saporischschja und Dnipro konnten Krankenhäuser dank
rechtzeitig installierter Generatoren und Solaranlagen
weiterarbeiten und die Wasserversorgunggesichert werden.
In Kyjiw haben wir nach Schäden an den
Zentralheizungsanlagen sofort Generatoren
ausvorrätigenBeständen aufgestellt, um die Stromversorgung
zu sichern und einen Totalausfall lebenswichtiger Dienste zu
verhindern.
Wir liefern 79 Hochleistungsgeneratoren
an Wasser- und Heizungsunternehmen landesweit und stärken
die Kooperation mit Kommunen, um Ausfälle zu reduzieren und
eine nachhaltige Wärmeversorgung zu gewährleisten. In
den am stärksten betroffenen Regionen erhielten über 183.000
Menschen, darunter 86.000 Kinder, Winterhilfen, damit Eltern
die dringendsten Bedürfnisse ihrer Kinder priorisieren
können.
1.500 Bildungseinrichtungen erhalten
Winterzuschüsse, um dringend notwendige Reparaturen und
Vorbereitungen durchzuführen,umden Schulbetrieb
aufrechtzuerhalten und rund 445.000 Schülerinnen undSchülern
ein kinderfreundlicheres Lernumfeld zu bieten.
Fast
vier Jahre nach Beginn dieses unerbittlichen Krieges sind
die Gedanken der Kinder immer noch vom Überleben geprägt –
nicht von der Unbeschwertheit ihrer Kindheit.
Die
winterliche Bedrohung geht einher mit einem tragischen
Anstieg der verifizierten Opferzahlen: Im Jahr 2025 stieg
die Zahl der bestätigten Opfer im Vergleich zum Vorjahr um
elf Prozent – mindestens 92 Kinder wurden getötet und 652
verletzt. Seit Februar 2022 wurden mehr als 3.200 Kinder
getötet oder verletzt.
UNICEF fordert erneut ein Ende
der Angriffe auf Wohngebiete und auf die zivile
Infrastruktur, auf die Kinder angewiesen sind.“
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