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Redaktion Harald Jeschke 
 

thyssenkrupp baut größte deutschen Direktreduktionsanlage für CO2-armen Stahl in Duisburg

Masterplan stärkt Zusammenarbeit von Stadt und Wirtschaft dauerhaft

 Duisburg, 26. September 2022 - Im Jahr 2017 gaben Stadtspitze, die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer und der Unternehmerverband den Startschuss für die Umsetzung des Masterplans Wirtschaft für Duisburg, um die Potenziale des Wirtschaftsstandorts Duisburg zu identifizieren und zu nutzen. Wachstum und Beschäftigung sollten gefördert und gemeinsam die Standortbedingungen und das Image Duisburgs optimiert werden. I

In diesem Jahr feiert der Masterplan Wirtschaft sein fünfjähriges Jubiläum. Ein guter Anlass, Zwischenbilanz zu ziehen: Welche Ziele des Masterplans sind erreicht, welche haben sich überlebt, welche neuen Themenfelder haben sich aufgetan? Per Online-Umfrage haben die Mitglieder der Lenkungs- und Arbeitskreise des damaligen Prozesses ihre Einschätzung zu den neun im Masterplan diskutierten Themenbereiche geben. Das Ergebnis ist positiv. Oberbürgermeister Sören Link freut sich: „Der Masterplan Wirtschaft hat die wirtschaftliche Entwicklung und die Kommunikation zwischen Stadt und Wirtschaft verbessert. Größtenteils sind die mittelständischen Unternehmen mit der noch andauernden Umsetzung des Masterplans zufrieden.“


62 Prozent der Teilnehmenden sagen, der Masterplan habe teils zur Verbesserung geführt, es gebe aber weitere ToDos. Ein Drittel der Befragten sah alle Ziele erreicht. Nur 6 Prozent sehen noch keine Veränderung. Viele Projekte sind seit 2017 auf den Weg gebracht worden. Die Stadt hat ein Wirtschaftsdezernat, eine Stadtmarketing-Kampagne, die Wirtschaftsförderung ist neu aufgestellt, die Start-up-Angebote werden intensiviert. Die Wasserstoffwirtschaft zentriert sich in Duisburg, das Lokale Bündnis für Familie Duisburg arbeitet und die Digitalisierung schreitet voran.


Doch seit der Unterzeichnung des Masterplans Wirtschaft 2017 hat sich die Welt weitergedreht: Rahmenbedingungen haben sich verändert, deshalb befürworten 32 Prozent der Befragten, die Ziele des Masterplans an die neuen Gegebenheiten anzupassen.
„Es wäre unrealistisch zu glauben, dass es ein Zieldatum für den Masterplan gibt“, so Link. „Die strategische Ausrichtung des Masterplans Wirtschaft war und ist immer noch richtig und wir müssen ihn angepasst an die neuen Herausforderungen weiterverfolgen. Daran arbeiten wir mit IHK und Wirtschaft für Duisburg.“

 Auch Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK und einer der Initiatoren des Masterplans, ist überzeugt, dass Stadt und Wirtschaft auf dem richtigen Weg sind: „Der Masterplan hilft uns, gemeinsam die politischen Pläne der Landesregierung für Duisburg zu übersetzen. Die Pandemie und die Energiekrise zeigen, dass es richtig war, sich frühzeitig mit guten Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu beschäftigen. Entscheidend ist jetzt, die Fachkräftesituation, den Wandel der Industrie und die Innenstadtentwicklung weiter zu begleiten“, so Dietzfelbinger.


Für Alexander Kranki, Vorstandsvorsitzender des aus dem Masterplan entstandenen Vereins Wirtschaft für Duisburg, der Teil der Unternehmerverbandsgruppe ist, ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung das wichtigste Ergebnis des Prozesses. „Der umfassende Maßnahmenkatalog aus dem Jahr 2017 war wichtig, um an die Arbeit zu gehen. Jetzt müssen wir unseren Blick aber nach vorn richten und gemeinsam die Themen konsequent angehen, die den Unternehmen – neben den verschiedenen aktuellen Krisen – nach wie vor unter den Nägeln brennen, etwa Bürokratieabbau, Gewerbeflächen oder das Image der Stadt. Wir wollen dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort Duisburg zukunftsfest aufzustellen.“


Stadt, IHK und Wirtschaft für Duisburg wollen den Schwung des Masterplans nutzen und sehen sich nach dem guten Ergebnis der Befragung bestätigt, die Innovationsoffensive für den Wirtschaftsstandort Duisburg weiter zu befeuern. Die Strukturhilfen aus dem „5-StandorteProgramm“ erhöhen das Tempo, um Duisburg zügig zukunftsfähig aufzustellen. Dabei setzt die Stadt auf Projektideen in den Handlungsfeldern Flächenentwicklung, 5G-Ausbau und Wasserstoffnutzung. Die Fördergelder sollen wertvolle Impulse für Wirtschaft, Beschäftigung und Wertschöpfung in Duisburg und die umliegenden Regionen auslösen. Im Fokus steht vor allem die Investition der Fördergelder in neue, innovative Wirtschaftsfelder.

Dies und Das - Statistik aus der Wirtschaft

Neues IHK- Netzwerk für Kleinunternehmer  - Auftaktveranstaltung im Oktober
Duisburg/Niederrhein, 21. September 2022 - Die Niederrheinische IHK lädt Kleingewerbetreibende und Soloselbstständige am 5. Oktober um 16 Uhr zum ersten Netzwerktreffen nach Duisburg ein. Neben vielen Infos gibt es Gelegenheit zum Austausch.   Inhaber kleiner Unternehmen sind oft Einzelkämpfer und müssen sich um vieles gleichzeitig kümmern. Die Unternehmensgröße schafft zwar Flexibilität und kurze Entscheidungswege, teilweise fehlen jedoch Strukturen und Ressourcen, über die größere Betriebe verfügen.


Die Niederrheinische IHK unterstützt deshalb die Idee der Kleinunternehmer in der Region, eine eigene Austauschplattform zu gründen.  Die Auftaktveranstaltung des neuen Netzwerks findet unter dem Motto „Impulse bekommen – Austausch kultivieren – Gemeinsam gestalten“ statt. Im Mittelpunkt steht ein kurzweiliger Vortrag zur Nutzung von Unternehmensprofilen bei Google. Die Anmeldung erfolgt telefonisch bei Heike Möbius 0203-2821 388 oder Kai Hagenbruck 0203-2821 435. Anmeldeschluss ist am 28. September. 

IG BAU warnt vor Drehen an der Mietenschraube: „Zitrone nicht weiter auspressen“
Mehr Wohnungen durch Umbau und Dachaufstockung  

Duisburg wohnt auf insgesamt rund 19,7 Millionen Quadratmetern. Die verteilen sich in der Stadt auf 258.900 Wohnungen. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mit. Die IG BAU beruft sich dabei auf aktuelle Daten zum Wohnungsbestand vom Statistischen Bundesamt, die vom Pestel-Institut (Hannover) für die IG BAU analysiert wurden. Demnach haben rund 10.100 Wohnungen im Stadtgebiet sieben oder sogar mehr Räume.

„Wer so eine große Wohnung hat, die ihm auch noch gehört, hat eine Sorge nicht: die Angst vor steigenden Mieten“, sagt Karina Pfau. Die Vorsitzende der IG BAU Duisburg-Niederrhein warnt die Immobilienwirtschaft davor, die Mietenspirale weiter nach oben zu drehen und damit die Inflation zusätzlich anzuheizen. Pfau fordert Privatvermieter genauso wie Wohnungsgesellschaften auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Dies bedeute, bei den Mieten Maß zu halten und auf Steigerungen weitgehend zu verzichten.

„Gerade jetzt geht es darum, eines für den Wohnungsmarkt klar auszusprechen: Es ist ungehörig, die Zitrone weiter auszupressen. Ein Großteil der Haushalte wird durch die Kostenexplosion bei den Heizkosten ohnehin schon finanziell in die Knie gezwungen. Da darf nicht auch noch die ‚Mietenkeule‘ hinterherkommen“, so Pfau. Darüber hinaus warnt die IG BAU vor einer „Lähmungsphase beim Wohnungsbau“. Angesichts der aktuell schwierigeren Neubaubedingungen – hier vor allem Materialengpässe, steigende Materialpreise, hohe Baulandpreise und anziehende Bauzinsen – sei es dringend nötig, nach alternativen Wegen zu suchen.


„Was wir jetzt brauchen, ist Flexibilität: Die Schaffung von neuem Wohnraum muss der Situation angepasst werden“, sagt die IG BAU-Bezirksvorsitzende Pfau. Vor allem Wohnungsbaugesellschaften seien jetzt gefordert, Bauvorhaben zu switchen: „Wenn der Neubau nicht realisierbar erscheint, bietet gerade das Umbauen von vorhandenen Nicht-Wohngebäuden zu Wohnungen große Chancen. Der Umbau braucht deutlich weniger Material – und ist schon deshalb der passende Weg zu mehr Wohnungen in der Krise. Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Etablieren vom Homeoffice nicht mehr gebraucht werden, können viele neue Wohnungen entstehen. Und das deutlich kostengünstiger als im Neubau“, so die IG BAU-Bezirksvorsitzende.

Darüber hinaus biete die Dachaufstockung bei Wohnhäusern, die in der Nachkriegszeit bis zum Ende der 90er-Jahre gebaut wurden, ein enormes Potential: „Viele neue Wohnungen sind allein hier durch On-Top-Etagen möglich – und ebenfalls günstiger als jeder Neubau“, sagt Karina Pfau. Es lohne sich, eine „Dachaufstockungs- und Umbau-Offensive“ zu starten.


Projekt „Kooperative Beschäftigung“ als Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt
Kaufhäuser der Diakonie qualifizieren Langzeitarbeitslose für Lagerlogistik und Spedition  

Kein Schulabschluss, keine Ausbildung, zwischenzeitlich noch nicht einmal eine Wohnung. Im Alter von 48 Jahren hat Helmut Havel schon fast alle Hoffnung aufgegeben, aus eigener Kraft einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden. Seinen letzten „richtigen“ Arbeitsplatz hatte er schon 1998 verloren. Die Teilnahme am Projekt „Kooperative Beschäftigung“ (KoBe) im Diakoniewerk Duisburg ist für ihn die Chance seines Lebens. Am 1. März 2022 hatte er seinen Arbeitsvertrag gemäß Teilhabe-chancengesetz unterschrieben und freute sich über einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz im Kaufhaus der Diakonie (KadeDi).  


Zum KoBe-Projekt kam Helmut Havel im März 2022 über eine sogenannte Arbeitsgelegenheit (AGH) für Langzeitarbeitslose des jobcenter Duisburg. Von Oktober 2021 bis Februar 2022 arbeitete er als AGH-Teilnehmer im KadeDi in der Möbelabteilung. Ziel der AGH-Maßnahme ist es, den Menschen wieder eine berufliche Perspektive zu geben und damit die Möglichkeit zu schaffen, langfristig in den ersten Arbeitsmarkt einzumünden. Das hat Helmut Havel schon fast geschafft – für sich und auch für seine 13-jährige Tochter. „Ich bin alleinerziehender Vater und möchte ein Vorbild für meine Tochter sein“, erklärt er. „Und ich wollte beweisen, dass es irgendwie möglich ist, eine Arbeit zu finden, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt.“


„Er ist ein toller Teamplayer, dazu sehr zuverlässig und fleißig“, lobt ihn seine Bildungsbegleiterin und Jobcoach Ines Stieglitz. „Daher wurde Herr Havel direkt für das KoBe-Programm vorgeschlagen, damit er die nötigen Fachkenntnisse im Bereich Lagerlogistik und Spedition erwerben und unsere Kooperations-Betriebe kennenlernen kann.“ Die Teilnehmenden im KoBe-Projekt erhalten einen sozialversicherungs-pflichtigen Arbeitsplatz (nach dem § 16i SGB II, im Rahmen des Teilhabechancengesetzes), der mindestens drei Jahre läuft und maximal auf fünf Jahre verlängert werden kann. Das KoBe-Projekt ist auf ein Jahr befristet.  


Neu: Kooperative Beschäftigung Kooperative Beschäftigung (KoBe) ist ein Projekt, das Ende 2021 als flankierende Maßnahme für das Teilhabechancengesetz ins Leben gerufen wurde. Es wird durchgeführt mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds/ REACT-EU als Teil der Reaktion der Union auf die COVID-19-Pandemie. Im Fokus der Förderung stehen Kommunen, die von Langzeitarbeitslosigkeit besonders betroffen sind. Teilnehmende für das Projekt mit sogenannten „schwerwiegenden Vermittlungshemmnissen“ werden über das Jobcenter zugewiesen. Im Diakoniewerk Duisburg erhalten die KoBe-Teilnehmenden eine individuelle Förderung, ein Arbeits- und Bewerbungstraining.


Die Netzwerkkoordinatorin erstellt nach Eingangsberatung eine individualisierte Potentialanalyse und erarbeitet mit den Teilnehmenden die nötigen Handlungsfelder, Qualifikationsmöglichkeiten sowie Ziele und deren Umsetzung. Der Betriebscoach trainiert bei Bedarf gezielt Schlüsselkompetenzen wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit und kümmert sich um die Vermittlung der nötigen Fertigkeiten und Fachkenntnisse. Interessierte, die langzeitarbeitslos sind und sich eine berufliche Tätigkeit als Assistent Lagerlogistik vorstellen können, wenden sich bitte an ihre zuständigen Berater beim jobcenter Duisburg oder direkt an das Diakoniewerk Duisburg.

Helmut Havel (rechts) ist ein Teilnehmer des Projektes „Kooperative Beschäftigung“ und arbeitet im Kaufhaus der Diakonie (KadeDi) in Duisburg. Jobcoach Ines Stieglitz (links) unterstützt ihn bei seiner beruflichen Orientierung und Qualifizierung. (Foto: Diakoniewerk Duisburg)


NRW-Einzelhandel: Umsatz im Juli 2022 um 6,2 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor
Der Umsatz im nordrhein-westfälischen Einzelhandel war im Juli 2022 real – also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung – um 6,2 Prozent niedriger als im Juli 2021; gegenüber Juli 2019 sanken die realen Umsätze um 3,4 Prozent. Wie das Statistische Landesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, waren die Umsätze im Juli 2022 nominal um 2,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Eine Umsatzsteigerung gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat wurde im Juli 2022 im Versand- und Internet-Einzelhandel (+4,7 Prozent) verbucht; verglichen mit Juli 2019 stieg der Umsatz hier um 36,0 Prozent. Auch der Einzelhandelsumsatz an Verkaufsständen und Märkten (+4,5 Prozent) war höher als im entsprechenden Vorjahresmonat; verglichen mit Juli 2019 stieg der Umsatz um 9,8 Prozent. Im Einzelhandel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen) musste dagegen ein Umsatzrückgang (−12,8 Prozent) hingenommen werden; gegenüber Juli 2019 sank der Umsatz um 2,7 Prozent.


Für den Einzelhandel mit Verlagsprodukten, Sportausrüstungen und Spielwaren war ebenfalls ein Umsatzrückgang (−12,5 Prozent) zu konstatieren; verglichen mit Juli 2019 sank der Umsatz hier um 2,5 Prozent.

Darüber hinaus sank auch im Einzelhandel mit Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik der Umsatz (−11,8 Prozent); gegenüber Juli 2019 sank der Umsatz um 5,0 Prozent.

Für die ersten sieben Monate des Jahres 2022 ermittelten die Statistiker für den NRW-Einzelhandel einen realen Umsatzanstieg von 0,5 Prozent; nominal stieg der Umsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 7,0 Prozent.

Die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel war im Juli 2022 um 0,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Statistiker weisen darauf hin, dass es in der aktuellen Corona-Krise – insbesondere in den Lockdownphasen – zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen im Vorjahresmonatsvergleich kommen kann. Um einen aussagekräftigen Vergleich zum Vorkrisenniveau zu ermöglichen, wird seit Berichtsmonat Juli 2021 zusätzlich ein Vergleich zu den entsprechenden Monatsergebnissen des Jahres 2019 dargestellt.


Mehr als doppelt so viele Fahrgäste im Bahnfernverkehr als im Vorjahreszeitraum, aber noch ein Fünftel weniger als vor der Pandemie
ÖPNV verzeichnet durch Wegfall von Corona-Maßnahmen und Einführung des 9-Euro- Tickets über ein Drittel mehr Fahrgäste
Im 2. Quartal 2022 sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr besonders starke Zuwächse und längere zurückgelegte Strecken je Fahrgast  

Im 1. Halbjahr 2022 waren wieder deutlich mehr Fahrgäste im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen unterwegs als im Vorjahreszeitraum. Das Fahrgastaufkommen war mit fast 4,8 Milliarden Fahrgästen um mehr als ein Drittel (+36 %) höher als im 1. Halbjahr 2021. Hierzu trug neben dem Wegfall von Corona-Maßnahmen auch das im Juni gültige 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr bei. Allerdings lagen die Fahrgastzahlen im Linienverkehr immer noch rund ein Fünftel (-21 %) unter dem Niveau des 1. Halbjahres 2019, dem letzten Halbjahr vor der Corona-Pandemie. 


Bahnfernverkehr erholt sich vom coronabedingten Einbruch der Fahrgastzahlen
Besonders stark stiegen im 1. Halbjahr 2022 die Fahrgastzahlen im Linienfernverkehr, der in der Corona-Krise am stärksten zurückgegangen war: Mit 62 Millionen Personen reisten mehr als doppelt so viele Menschen in Fernzügen als im Vorjahreszeitraum (+119 %). Der Linienfernverkehr mit Bussen war im 1. Quartal 2021 fast zum Erliegen gekommen. Nun reisten wieder 2,4 Millionen Fahrgäste in Fernbussen, sieben Mal mehr als im 1. Halbjahr 2021 (+617 %).


Insgesamt lag die Zahl der Fernverkehrsreisenden aber immer noch ein Viertel (-25 %) unter dem Vorkrisenniveau des 1. Halbjahres 2019. Fahrgastaufkommen im ÖPNV vor allem in den Nahverkehrszügen deutlich gewachsen. Im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der 99 % des Linienverkehrs ausmacht, ist das Fahrgastaufkommen im 1. Halbjahr 2022 nach vorläufigen Ergebnissen um 35 % gewachsen, blieb aber noch 21 % unter dem Vorkrisenniveau. Im Eisenbahnnahverkehr (einschließlich S-Bahnen) wuchs die Zahl der Fahrgäste gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte (+55 %) auf fast 1,1 Milliarden.


Mit Straßenbahnen fuhren fast 1,6 Milliarden Fahrgäste (+40 %). Die derzeit gemeldeten Daten für den Nahverkehr mit Bussen, der für das 1. Halbjahr 2022 lediglich einen Anstieg von 23 % auf 2,3 Milliarden Fahrgäste aufweist, bilden möglicherweise den tatsächlichen Zuwachs nicht vollständig ab, da nur wenige Busse über automatisierte Fahrgastzählsysteme (AFZS) verfügen, die besonders zuverlässige Angaben liefern.  Starker Fahrgastanstieg insbesondere im 2. Quartal 2022 Die für das gesamte 1. Halbjahr 2022 ermittelten Anstiege der Fahrgastzahlen sind im 2. Quartal 2022 besonders ausgeprägt.

Neben der entspannten Corona-Lage führte auch das am 1. Juni 2022 eingeführte 9-Euro-Ticket zu mehr Fahrgästen. Im Liniennahverkehr stiegen die Fahrgastzahlen gegenüber dem Vorjahresquartal um 39 %, wobei Nahverkehrszüge fast zwei Drittel (+64 %) und Busse ein Viertel (+25 %) mehr Fahrgäste beförderten. Noch höher waren die Zuwächse im Linienfernverkehr, der sich mehr als verdoppelte (+133 %), wobei in Fernzügen 125 % mehr Menschen und in Fernbussen sechsmal (+501 %) so viele Personen reisten als im 2. Quartal 2021.


Dennoch blieb die Zahl der Fahrgäste im Nah- und Fernverkehr insgesamt auch im 2. Quartal 2022 immer noch 13 % unter dem Vorkrisenniveau des 2. Quartals 2019. Menschen reisen nicht nur häufiger, sondern auch über längere Strecken Im Eisenbahnnah- und -fernverkehr waren die Menschen nicht nur häufiger, sondern auch auf längeren Strecken unterwegs. Reisten sie im Bahnnahverkehr im 1. Halbjahr 2021 noch rund 18 Kilometer weit, so waren es im 1. Halbjahr 2022 durchschnittlich 20 Kilometer, wobei im 2. Quartal mit 21 Kilometern längere Strecken als im 1. Quartal zurückgelegt wurden.


Hierzu dürfte ab dem 1. Juni auch das 9-Euro-Ticket beigetragen haben. Die Beförderungsleistung im Bahnnahverkehr, also die Summe der von allen Fahrgästen zurückgelegten Kilometer, stieg somit gegenüber den Vorjahreszeiträumen im 1. Halbjahr 2022 um 76 % und im 2. Quartal 2022 um 94 %. Im Bahnfernverkehr übersteigen die durchschnittlichen Reisedistanzen bereits seit dem 3. Quartal 2021 die 300-Kilometer-Marke und sind damit auch höher als vor der Corona-Krise.  Eine starke Zunahme des Bahnverkehrs über Distanzen ab 30 Kilometern im Gültigkeitszeitraum des 9-Euro-Tickets hatte das Statistische Bundesamt jüngst auch in einer experimentellen Sonderauswertung aggregierter und anonymisierter Mobilfunkdaten festgestellt.

Exporte in Nicht-EU-Staaten im August 2022: voraussichtlich +4,0 % zum Juli 2022
Im August 2022 sind die Exporte aus Deutschland in die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) gegenüber Juli 2022 kalender- und saisonbereinigt um 4,0 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, wurden im August 2022 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 60,3 Milliarden Euro exportiert.



Öffentliches Finanzvermögen 2021 um 6,1 % auf 1,1 Billionen Euro gestiegen
Der Öffentliche Gesamthaushalt (Bund, Länder, Gemeinden und Gemeinde- verbände sowie Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte) wies gegenüber dem nicht-öffentlichen Bereich zum Jahresende 2021 ein Finanzvermögen von 1 100,3 Milliarden Euro auf. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, erhöhte sich das Finanzvermögen damit gegenüber den revidierten Ergebnissen zum Jahresende 2020 um 6,1 % oder 63,2 Milliarden Euro auf einen neuen Höchstwert.

Im Jahr 2020 war das Finanzvermögen aufgrund neu aufgenommener Kredite für Corona-Hilfen erstmals auf über 1,0 Billionen Euro gestiegen. Zum nicht-öffentlichen Bereich gehören Kreditinstitute und der sonstige inländische und ausländische Bereich, zum Beispiel private Unternehmen im In- und Ausland.


IHK-Präsident: Staat muss mehr für Wirtschaft tun

Duisburg/Niederrhein, 20. September 2022 - Die Betriebe am Niederrhein haben große Sorgen. Sie erwarten mehr Hilfe vom Staat. Fünf Landtagsabgeordnete von CDU und Bündnis 90/Die Grünen kamen am Montag, 19. September, zum Gespräch in die Niederrheinische IHK in Duisburg. Die Wirtschaft steht erheblich unter Druck: Finanzielle Rücklagen sind aufgebraucht, die Energiekosten explodieren, Fachkräfte fehlen, und die Lieferung wichtiger Waren bleibt gestört. Deswegen stellen die Betriebe wichtige Investitionen zurück, und auch der private Konsum schwächelt. Alle blicken mit Sorge auf den Winter.


„Jetzt ist die Zeit, zu handeln“, appelliert IHK-Präsident Burkhard Landers an die niederrheinischen Abgeordneten Dr. Günther Bergmann und Stephan Wolters von der CDU sowie Dr. Volkhard Wille und Jule Wenzel – beide vom Bündnis 90/Die Grünen. Die Landesregierung müsse sich bei den Bund-Länder- Gesprächen dafür einsetzen, dass die Entlastungspakete dem Mittelstand helfen. Besonders wichtig sei eine Deckelung der Gas- und Strompreise. „Die Hilfen in der Coronazeit haben gezeigt, wie wichtig eine gezielte Stabilisierung der Wirtschaft in der Krise ist“, so Landers. Durch die rasant steigenden Energiekosten stehen viele Betriebe vor dem Aus. Besonders kritisch sei, dass einige keine neuen Verträge für ihre Energieversorgung mehr bekämen.


„Wenn wir unsere Industrie durch diese Krise bringen wollen, dann müssen wir dafür etwas tun“, so Landers. „Nicht alles, was wir tun können, kostet Geld. Über weniger Bürokratie und schnellere Verfahren für die Genehmigung von Projekten reden wir schon viel zu lange.“ Die Stahlindustrie, Chemie und Logistik gehören zu den größten Arbeitgebern am Niederrhein. Ein Schutz der Wirtschaft bedeutet deswegen auch eine Sicherung von Arbeitsplätzen und Einkommen.
Die Niederrheinische IHK vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve.

Die Abgeordneten trugen sich ins goldene Buch der Niederrheinischen IHK ein. V.l.: IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger, Jule Wenzel, Stephan Wolters, Dr. Volkhard Wille, Dr. Günther Bergmann, IHK-Präsident Burkhard Landers. Foto: Niederrheinische IHK


Gesamte Verpflegungsbranche gerät in Schieflage

Duisburger Cateringunternehmen trotzt der Krise mit Qualität
Duisburg, 05. September 2022 - Die letzten beiden Jahre haben die Schulcateringbranche arg gebeutelt. Gigantische Einkaufspreise, ständig steigende Energiekosten, eine historisch hohe Inflationsrate und nicht zuletzt wenig Akzeptanz für qualitativ hochwertiges Schulessen bringen viele Unternehmen an ihre Grenzen. Diesem Negativtrend möchte die Frank Schwarz Gastro Group (FSGG) entschieden entgegentreten.

Die enormen Mehrkosten können derzeit nicht im vollen Umfang an die Auftraggeber weitergegeben werden. Doch wie sollen Schulcaterer in diesen Krisenzeiten reagieren? „Wir haben gültige Verträge mit Schulen und Kindertagesstätten, in denen der Preis für jedes einzelne Essen festgeschrieben ist“, sagt FSGG-Geschäftsführer Frank Schwarz.

„Diese Verträge wurden jedoch unterzeichnet, als die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch einigermaßen stimmten. Das hat sich jedoch in den letzten Monaten dramatisch geändert. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen stehen nun vor der alles entscheidenden Frage, ob sie ihre Qualität herunterschrauben oder die Preise entsprechend anziehen.“ Für Roger Achterath steht fest: „Wir werden auf gar keinen Fall an unserem Qualitätsversprechen rütteln“, stellt der Küchendirektor klar.

„Obwohl wir in der derzeitigen Situation so nicht weitermachen können, möchten wir weiterhin frische, abwechslungsreiche und vor allem hochwertige Mahlzeiten für die Kinder und Jugendlichen anbieten.“ Und Frank Schwarz fügt hinzu: „Also muss unsere aktuelle Kalkulation als Grundlage für den anzupassenden Preis genommen werden. Wer in diesen Krisenzeiten weiterhin erstklassiges Essen für die Kids verlangt, muss endlich den Wert der Speisen anerkennen.“

Mit einem Bioanteil von 50 bis 70 Prozent kostet ein Schulessen bei der FSGG, die jeden Tag rund 1.200 Portionen auf dem Duisburger Großmarkt frisch zubereitet, zwischen drei und 3,50 Euro. „Es müsste jedoch zwischen 3,90 und 4,50 Euro kosten, damit wir einigermaßen wirtschaftlich arbeiten können. Auch diese Kalkulation ist schon hart auf Kante genäht.“

„Der Wert unserer verarbeiteten Lebensmittel muss endlich anerkannt werden“ Frank Schwarz, FSGG-Geschäftsführer Doch was passiert bei einer unvermeidlichen Preiserhöhung? „Wenn die Preise eins zu eins an die Eltern weitergegeben würden, müssten wir mit einer Stornierungswelle rechnen“, vermutet Roger Achterath. „Ich denke da vor allem an Alleinerziehende oder Familien mit geringem Einkommen, die sich das Schul- oder Kitaessen dann nicht mehr leisten können. Dabei darf ein warmes Mittagessen nach unseren Qualitätsstandards nicht ein Privileg gutbetuchter Eltern werden.“

Daher fordert der FSGG-Geschäftsführer erneut die Politik auf, in diesem Bereich endlich tätig zu werden: „Schließlich steht das Thema der gesunden Ernährung im Koalitionsvertrag der AmpelRegierung. Wenn es die verantwortlichen Politiker damit ernst meinen, sollen sie auch umgehend und vor allem unbürokratisch handeln. Wir brauchen Instrumente für flexible Anpassung. Und für die Menschen, die sich höhere Preise nicht leisten können, eine entsprechende finanzielle Unterstützung durch den Staat.“

Der Appell an seine Kolleginnen und Kollegen lautet: Mehr Mut zu Preisanpassungen zeigen. Frank Schwarz und Roger Achterath können sich ebenso vorstellen, dass Kinder und Jugendliche ein Recht auf ein kostenfreies Mittagessen in Schule und Kita erhalten. Eine wohlhabende Gesellschaft könne sich diese Regelung durchaus leisten. In Schweden bekommt jedes Schul- und Kindergartenkind eine warme Mahlzeit pro Tag geschenkt. „Nur gesunde Kinder, die mindestens einmal am Tag ein vollwertiges Essen bekommen, können konzentriert lernen“, so die beiden Ernährungsexperten der FSGG. Hoffentlich bleibt das nicht nur ein frommer Wunsch.

Schulcatering - Foto FSGG

NRW fördert Partnerschaftsprojekte zwischen dem Ruhrgebiet und Greater Manchester

 Düsseldorf/Metropole Ruhr, 02. September 2022 -  Im September 2021 haben der Regionalverband Ruhr (RVR) und die Region Greater Manchester in England eine gemeinsame Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zu einer strategischen Partnerschaft zunächst in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft, Ausbildung und Kultur verabredet.

Beide Regionen verbindet eine Industriegeschichte, heute stehen sie vor ähnlichen Herausforderungen, wie u.a. dem Erreichen der Klimaneutralität oder der Entwicklung attraktiver Bildungslandschaften. Um die Partnerschaft zwischen den beiden Regionen weiter voranzubringen, hat das Land NRW nun finanzielle Unterstützung für konkrete Projekte zugesagt.

 Mit der "TeamUP!"-Förderung stellt das Land schon heute für kreative Austauschideen bis zu 3.500 Euro pro Projekt bereit. Europaminister Liminski betonte, dass gemeinsame Herausforderungen noch erfolgreicher bewältigt werden können, "wenn wir voneinander lernen und uns gegenseitig mit erfolgreichen Konzepten anspornen". idr

 

Rezessionsrisiko geringfügig gesunken – doch IMK-Konjunkturampel bleibt auf „rot“

Düsseldorf, 15. August 2022 -  Kaufkraftverluste durch hohe Preissteigerungen insbesondere bei Energie und Lebensmitteln als Folge des Ukraine-Kriegs, fortdauernde Lieferkettenprobleme, schwacher Euro und die zusätzliche geopolitische Unsicherheit rund um Taiwan führen dazu, dass die Rezessionswahrscheinlichkeit in Deutschland hoch bleibt. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung für den Zeitraum von August bis Ende Oktober. Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in eine Rezession gerät, ist zwar zuletzt marginal zurückgegangen: von 58,1 Prozent Anfang Juli auf jetzt 57,8 Prozent.

Die statistische Streuung, ein Maß für die Unsicherheit von Wirtschaftsakteuren, hat sich kaum verändert und liegt aktuell bei 19,9 Prozent. Doch unter dem Strich bleibt das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarninstrument auf „rot“ und signalisiert so weiterhin ein akutes Rezessionsrisiko. Der geringfügige Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit beruht auf einer leichten Verbesserung einiger Finanzindikatoren.

So sind die Aktienkurse im Juli gestiegen und die Risikoprämien, die Unternehmen anhand von Kreditausfallversicherungen zugeordnet werden, leicht zurückgegangen, was für etwas verbesserte Finanzierungsbedingungen sorgt. Leicht entspannt hat sich auch der „Finanzmarktstress“, den das IMK aus einem breiten Kranz von Finanzindikatoren berechnet. Demgegenüber trübte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft und bei Verbrauchern ein, was einen nennenswerten Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit verhindert.    

 „Die aktuellen Ergebnisse untermauern die Forderung an die Wirtschaftspolitik, nicht zu lange mit zielgerichteten, weiteren Entlastungen zu warten“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Insbesondere die neue Umlage für Erdgas ab Oktober und das Auslaufen temporärer Maßnahmen im September werden die Inflation weiter treiben. Entsprechend stark droht auch der Kaufkraftverlust der Haushalte in der zweiten Jahreshälfte auszufallen, wenn nicht gegengesteuert wird.“

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert. Zum IMK-Konjunkturindikator MEHR ›

Steigende Preise und fehlendes Personal belasten die Wirtschaft am Niederrhein  

IHK-Umfrage: Zuversicht der Unternehmen schwindet
Nederrhein/Duisburg, 3. August 2022 - Der Nervenkrieg um das Gas ist in der Wirtschaft zu spüren. Das zeigt eine Umfrage der Niederrheinischen IHK. Zusätzlich sind die Erwartungen der Unternehmer an die Geschäftsentwicklung eingetrübt, weil die Lieferketten weiterhin gestört sind, die Preise steigen und Fachkräfte fehlen. Der Konjunkturklimaindex sinkt deutlich auf 87 Punkte.   Nur noch acht Prozent der Unternehmen glauben, dass sie in den kommenden Monaten gute Geschäfte machen werden.

 „Besonders auffällig ist, dass die Bewertung der Lage und die Zukunftserwartungen deutlich auseinanderklaffen. Man sieht: die Zuversicht schwindet“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Ein zentraler Punkt ist die Energieversorgung und hier vor allem das Gas. Besonders für die Industrie ist die Versorgung existenziell. Entsprechend haben die meisten Betriebe bereits konkrete Maßnahmen ergriffen, um Gas zu sparen. „Unsere Unternehmen setzen verstärkt darauf, Produktionsprozesse noch energiebewusster zu steuern, ihre Energieträger zu wechseln oder erneuerbare Energien zu nutzen“, so Dietzfelbinger.

Einige haben laut Umfrage von sich aus die Produktion gedrosselt. Was fehlt, sind finanzielle Anreize um Gas zu sparen und die Möglichkeit, Energieträger rasch zu wechseln. „Wer ein altes Dieselaggregat auf dem Hof hat, kann dieses nicht ohne Weiteres nutzen, um Gas zu sparen. Auch für den sogenannten Fuel Switch – also die Umstellung von Gas auf eine andere Energiequelle – brauchen die Betriebe Genehmigungen, auf die sie oft lange warten müssen. Diese Zeit haben wir nicht.“  

Material und Know-how fehlen
Gleichzeitig steigen die Preise auch für Rohstoffe und Vorprodukte rasant. Manches wichtige Teil fehlt, weil die Lieferketten gestört sind. Das alles verteuert die Produktion und macht sie schwer kalkulierbar. Neben dem Material fehlt in vielen Betrieben zunehmend Know-how: Die Suche nach Fachkräften treibt einen Großteil der Befragten um. IHK-Chef Dietzfelbinger verdeutlicht: „Diese Krise zeigt, wie sehr unser Wohlstand von Menschen abhängt, die praktischen Tätigkeiten mit Wissen und Geschick nachgehen. Unser Appell an die Politik lautet: Wir müssen gemeinsam noch mehr für die berufsbezogene Ausbildung werben.“  

Aktuelle Befragung unter Betriebs- und Personalräten: Probleme bei Stellenbesetzungen

Düsseldorf/Duisburg, 04. Juli 2022 - Unattraktive Arbeitsbedingungen sind oft wichtiger Grund Viele Betriebe haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Auch aus Sicht von Betriebs- und Personalräten ist das ein großes Problem, zeigt eine repräsentative Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.* Die Beschäftigtenvertreterinnen und -vertreter weisen aber auch auf einen wichtigen Grund hin, den Unternehmensleitungen eher selten nennen: unattraktive Arbeitsbedingungen wie niedrige Bezahlung oder ungünstige Arbeitszeiten. Je nach Qualifikationsprofil der offenen Stellen sehen ein Viertel bis ein Drittel der Befragten darin den wichtigsten Faktor für Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung in ihrem Betrieb.  

Arbeitskraft ist knapp – zumindest in bestimmten Branchen: Laut der Bundesagentur für Arbeit gibt es etwa in Bauberufen, dem Handwerk, der Pflege oder dem IT-Bereich seit geraumer Zeit einen Mangel an Fachkräften. Wie Vertreter und Vertreterinnen der Beschäftigten dieses Problem sehen, hat WSI-Forscherin Dr. Elke Ahlers zusammen mit Valeria Quispe Villalobos analysiert. Ihre neue Studie basiert auf Daten der WSI-Betriebs- und Personalrätebefragung 2021/22, an der knapp 3900 Arbeitnehmervertretungen in Betrieben und Dienststellen ab 20 Beschäftigten teilgenommen haben.

Die Befragung ist damit repräsentativ für mitbestimmte Betriebe oder Organisationen ab 20 Beschäftigten. Dass Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft verbreitet ist, bestätigen die befragten Betriebs- und Personalräte: 56,2 Prozent von ihnen geben an, dass in den vergangenen 24 Monaten nicht alle ausgeschriebenen Stellen besetzt werden konnten. Besonders hoch ist der Anteil mit 80,2 Prozent im Gesundheitswesen und mit 72,2 Prozent im Baugewerbe. Neben der Branche spielt das erforderliche Qualifikationsniveau eine wichtige Rolle: Von den Befragten, deren Betrieb von Personalnot betroffen ist, berichten 70,5 Prozent, dass Stellen für Hochqualifizierte vakant geblieben sind, bei 63,2 Prozent waren es Arbeitsplätze für Fachkräfte mit Berufsausbildung.

Probleme bei der Gewinnung von Auszubildenden geben 28,6 Prozent zu Protokoll, Personal für einfache Tätigkeiten fehlt bei 19,4 Prozent. Als Hauptgrund für die Probleme nennen die Betriebs- und Personalräte mehrheitlich den Mangel geeigneter Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Relevant sind aber auch schlechte Arbeitsbedingungen als „hausgemachter“ Faktor: Wenn es um fehlendes Personal für einfache Tätigkeiten geht, halten gut 32 Prozent die unattraktiven Konditionen für ausschlaggebend. Mit Blick auf Schwierigkeiten bei der Besetzung hochqualifizierter Stellen sagen das knapp 31 Prozent und bei der Gewinnung von Fachkräften mit Berufsausbildung 24 Prozent (siehe auch die Grafik in der pdf-Version dieser PM; Link unten).

In den Branchen Verkehr, Lagerei sowie Gastgewerbe ist der Anteil der Befragten, die die Arbeitsbedingungen vor Ort verantwortlich machen, sogar größer als der Anteil derjenigen, die auf den Arbeitsmarkt verweisen. Der Fachkräftemangel in Deutschland sei real und müsse zur Kenntnis genommen werden, auch wegen der negativen Folgen für Belegschaften wie Arbeitsintensivierung und Überlastung, so Ahlers. Attraktivere Arbeitsbedingungen könnten nach ihrer Einschätzung dazu beitragen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Um insbesondere Geringqualifizierte, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund besser ins Arbeitsleben zu integrieren, brauche es zudem mehr Weiterbildung. Mehr Kita-Plätze, familienfreundliche Arbeitszeiten, eine gerechtere partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit und Homeoffice könnten jungen Eltern die Teilhabe am Erwerbsleben erleichtern. Zudem könnten gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen und eine bessere Prävention Älteren den Verbleib im Job ermöglichen. Um ausländische Fachkräfte zu gewinnen, sollten die Kosten von Sprachkursen vom Staat oder von Unternehmen übernommen, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtert und Anpassungsqualifizierungen ermöglicht werden.
Quelle: Ahlers, Elke; Quispe Villalobos, Valeria: Fachkräftemangel in Deutschland? WSI Report