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Preisschock beim Öl: Inflation in kommenden Monaten auf über 2,5 Prozent

Chancen auf Rückgang bis Jahresende
Düsseldorf/Duisburg, 19. März 2026 - Der durch den Irankrieg ausgelöste Preisschock bei Energie, insbesondere Öl, wird die Inflationsrate in Deutschland im ersten und zweiten Quartal 2026 auf merklich über 2,5 Prozent erhöhen.

Quelle Hans-Böckler-Stiftung

Dabei werden Alleinerziehende und Paarfamilien mit niedrigen und mittleren Einkommen durch den Ölpreisanstieg etwas stärker belastet als Alleinlebende und als Familien mit hohen Einkommen, weil in ihren Warenkörben Ausgaben für Auto-Kraftstoffe mehr Gewicht haben.



Zu diesem Ergebnis kommt der neue IMK Inflationsmonitor.* In welchem Maße die höheren Energiepreise auch weitere Waren und Dienstleistungen für unterschiedliche Haushalte verteuern, kann aktuell noch nicht detailliert abgeschätzt werden. Dauert der Krieg nicht länger als wenige Monate, könnten die Auswirkungen des Energiepreisschubs auf die Inflation insgesamt aber begrenzt bleiben.

Konkret: Wird die Blockade der Straße von Hormus im Sommer wieder aufgehoben und bleibt die Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten weitgehend intakt, dürften die Rohöl- und Erdgaspreise im weiteren Jahresverlauf wieder auf ihre Niveaus von Ende 2025 zurückfallen, prognostiziert Dr. Silke Tober, Inflationsexpertin des IMK und Autorin des Inflationsmonitors.

Hintergrund: Der bereits seit Jahren mit Sanktionen belegte Iran spielt für die Energieversorgung Deutschlands keine relevante Rolle. Daher ist der dauerhafte Effekt gering – anders als im Kontext des russischen Überfalls auf die Ukraine, als mit Russland ein wesentlicher Lieferant ausfiel. „Zwar wird die Inflation kurzfristig deutlich über zwei Prozent steigen, im kommenden Jahr aufgrund von Basiseffekten jedoch deutlich darunter liegen“, schreibt Tober.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte die Leitzinsen wegen des Energiepreisschubs vorerst nicht erhöhen, zumal die hohen Energiepreise ohnehin die europäische Wirtschaft und insbesondere die Industrie belasten und eine Zinserhöhung die Konjunktur noch einmal zusätzlich bremsen würde, so die Ökonomin. Im Februar, dem letzten Monat, für den aktuell genaue Daten vorliegen, lag die Inflation in Deutschland mit 1,9 Prozent leicht unter dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent.



Im Januar waren es noch 2,1 Prozent gewesen. Der Rückgang beruhte vor allem auf weniger stark steigenden Lebensmittelpreisen. Die Energiepreise dämpften die Inflation im Februar zwar ebenfalls noch, wegen bereits höherer Preisdynamik bei Kraftstoffen aber schon in geringerem Maße als Ende vergangenen Jahres zu erwarten war. Blickt man auf die Inflationsraten von neun exemplarischen Haushaltstypen, die sich nach Einkommen und Personenzahl unterscheiden, lagen acht unter zwei Prozent, einer genau auf dieser Marke.

Insbesondere bei Haushalten mit geringen Einkommen war die Inflationsrate mit 1,5 Prozent niedrig. Gleichwohl zeigte sich im längerfristigen Vergleich auch im Februar ein erhöhtes Preisniveau: Verglichen mit Februar 2020, also zu Beginn der Krisenzeit mit Coronapandemie und Ukrainekrieg, lagen die Preise für Nahrungsmittel um 36,4 Prozent höher. Das war fast dreimal so viel wie mit der EZB-Zielinflation von kumuliert 12,6 Prozent in diesem Zeitraum vereinbar. Die Energiepreise waren im Sechsjahresvergleich um 36,2 Prozent angestiegen.  
 


Das IMK berechnet seit Anfang 2022 monatlich spezifische Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden. In einer Datenbank liefert der Inflationsmonitor zudem ein erweitertes Datenangebot: Online lassen sich Trends der Inflation für alle sowie für ausgewählte einzelne Haushalte im Zeitverlauf in interaktiven Grafiken abrufen.



Die längerfristige Betrachtung illustriert, dass Haushalte mit niedrigem bis mittlerem Einkommen von der starken Teuerung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine besonders stark betroffen waren, weil Güter des Grundbedarfs wie Nahrungsmittel und Energie in ihrem Budget eine größere Rolle spielen. Diese wirkten lange als die stärksten Preistreiber. So betrug auf dem Höhepunkt der Inflationswelle im Oktober 2022 die Teuerungsrate für Familien mit niedrigen Einkommen 11 Prozent, die für ärmere Alleinlebende 10,5 Prozent.

 Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen hatten damals mit 7,9 Prozent die mit Abstand niedrigste Inflationsrate. Zuletzt, bis einschließlich Februar 2026, waren die Unterschiede weitaus kleiner und das Muster anders, weil sich in den vergangenen beiden Jahren vor allem noch Dienstleistungen deutlich verteuert hatten, die Haushalte mit höheren Einkommen stärker nachfragen als Ärmere.

So hatten Familien und Alleinlebende mit jeweils niedrigen Einkommen im Februar mit je 1,5 Prozent im Haushaltsvergleich die niedrigste Inflationsrate. Am anderen Ende des Haushaltsvergleichs standen – mit relativ geringem Abstand – „einkommensstarke“ Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen, deren Inflationsrate bei 2,0 Prozent lag. Die Inflationsraten der übrigen sechs Haushaltstypen mit überwiegend mittleren Einkommen lagen mit 1,6 bis 1,8 Prozent dazwischen und knapp unter der EZB-Zielinflationsrate.

Aktuell abschätzen lässt sich, wie stark sich eine Verteuerung der Kraftstoffpreise auf die haushaltsspezifischen Inflationsraten auswirkt und wie hoch die Kosten bei unverändertem Verbrauch ausfallen. Inflationsexpertin Tober hat das berechnet: Ausgehend von dem Niveau im Februar 2026 steigert ein Anstieg der Kraftstoffpreise um 20 Cent je Liter – Super E10 auf 1,96 Euro pro Liter und Diesel auf 1,92 Euro pro Liter – die allgemeine Inflationsrate direkt um 0,41 Prozentpunkte.



Den höchsten Anstieg der Inflationsrate um jeweils 0,6 Prozentpunkte verzeichnen dabei Familien mit geringem und mittlerem Einkommen sowie Alleinerziehende mittleren Einkommens. Einkommensstarke Alleinlebende befinden sich mit 0,4 Prozentpunkten im Mittelfeld, während einkommensschwache Alleinlebende, die in der Regel keinen Pkw besitzen, mit 0,2 Prozentpunkten die geringste Inflationsbelastung durch die höheren Kraftstoffpreise aufweisen.

In absoluten Eurobeträgen haben einkommensstarke Familien mit 28,80 Euro zusätzlich pro Monat die höchsten Kosten zu tragen, wenn sie unverändert oft tanken, allerdings ist ihre Inflationsbelastung mit 0,5 Prozent geringer als bei den anderen Familien, da Kraftstoffe ein geringeres Gewicht an ihren gesamten Konsumausgaben haben.

Garbe Industrial schließt weiteren Mietvertrag im Multi-User-Park Duisburg

Hamburg/Duisburg, 18. März 2026 - Der Multi-User-Park von Garbe Industrial in Duisburg füllt sich weiter. Das Immobilienunternehmen hat mit dem Logistikdienstleister Patac einen Mietvertrag über eine Gesamtfläche von rund 7.300 Quadratmetern abgeschlossen.

Der neue Mieter wird in Duisburg Waren lagern und umschlagen, die über Amazon und weitere E-Commerce-Plattformen vertrieben werden. Patac bezog zum 1. März einen kompletten Gewerbeparkriegel. Der Mietvertrag umfasst neben 5.650 Quadratmeter Hallenfläche 1.000 Quadratmeter Lagermezzanine und 650 Quadratmeter Bürofläche.

Das Leverkusener Maklerunternehmen Kromeich & Partner war bei der Vermietung beidseitig beratend tätig. Der Multi-User-Park im Duisburger Stadtteil Meiderich entstand auf einer Grundstücksfläche von etwa 56.000 Quadratmetern auf dem früheren „Zeus-Gelände“. Realisiert hat ihn Garbe Industrial mit dem Joint-Venture-Partner Bremer Projektentwicklung.

Rund 50 Millionen Euro haben beide Unternehmen in den Standort investiert, um die Stahlindustriebrache grundlegend zu sanieren und auf dem lange ungenutzten Brownfield modernes Ansiedlungspotenzial für Logistik und Gewerbe zu schaffen. Der Multi-User-Park besteht aus drei Gebäuden mit einer Gesamtfläche von knapp 29.500 Quadratmetern. In die etwa 14.000 Quadratmeter große Logistikhalle ist ein chinesisches Logistikunternehmen eingezogen.

Multi-User-Park - Luftaufnahme Garbe Industrial

3.600 Quadratmeter in einem der beiden gegenüberliegenden Gewerbeparkriegel sind etwa zu gleichen Teilen an ein Transportunternehmen und einen Industriedienstleister vergeben. Zwei Einheiten mit einer Fläche von insgesamt 3.500 Quadratmetern sind noch verfügbar.

„Das Interesse an Logistik- und Gewerbeflächen ist in Duisburg in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen“, erläutert Frank Soppa, Regionalleiter Development West bei Garbe Industrial: „Deshalb sind wir zuversichtlich, auch die verbliebenen Kapazitäten zeitnah vermieten zu können.“ Frank Soppa ist davon überzeugt, dass sowohl die Qualität der Immobilien als auch die verkehrsgünstige Lage inmitten der Metropolregion Rhein-Ruhr den Multi-User-Park Duisburg für Unternehmen interessant machen.

Die A59 Dinslaken – Bonn verläuft in unmittelbarer Nähe. Das Autobahnkreuz Duisburg-Nord, das die A59 mit der A42 Moers – Dortmund verknüpft, ist nur wenige Hundert Meter entfernt. Über die A 42 ist der Standort außerdem an die A2 angebunden, eine der wichtigsten Ost-West- Achsen Deutschlands. Der Multi-User-Park Duisburg wurde nach aktuellen Nachhaltigkeitskriterien errichtet.

Zur Gewinnung regenerativer Energie wurden auf den Dachflächen 6.380 Photovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von 2,647 Megawatt Peak installiert. Der Gebäudekomplex kommt ohne den Einsatz fossiler Energieträger aus. Beheizt werden die drei Immobilien mithilfe eines Wärmepumpensystems. Außerdem wurden Teile der Fassade mit Holz verkleidet.

Für den Multi-User-Park streben Garbe Industrial und Bremer Projektentwicklung eine Zertifizierung nach dem Gold- Standard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen an.

Über die GARBE Industrial GmbH & Co. KG: Die GARBE Industrial GmbH & Co. KG (GARBE Industrial) mit Hauptsitz in Hamburg ist eine der führenden Plattformen für Logistik-, Industrie- und Gewerbeimmobilien in Deutschland und Europa. Das Immobilienunternehmen zählt seit über 25 Jahren zu den bedeutendsten unabhängigen Partnern für Transport- und Logistikdienstleister, Handel und produzierendes Gewerbe.

Als Developer, Operator und Investor deckt GARBE Industrial die gesamte Wertschöpfungskette einer Immobilie ab und entwickelt, kauft bzw. verkauft, akquiriert, vermietet, verwaltet und finanziert hochwertige Gewerbeimmobilien an attraktiven nationalen und internationalen Verkehrs- und Industriestandorten.

Mit einer Mietfläche von rund 7,1 Millionen Quadratmetern und einer Projektentwicklungs-Pipeline von ca. 1,8 Millionen Quadratmetern in Deutschland und Europa verwaltet GARBE Industrial derzeit ein Immobilien- und Fondsvermögen von rund 10,9 Milliarden Euro (Stand 31. Dezember 2025).

GARBE verfolgt über die drei Holdinggesellschaften GARBE Industrial Real Estate, GARBE Reside und GARBE Infrastructure die Strategie „Sheds, Beds & Infrastructure“. Unter dem Dach der GARBE Industrial Real Estate bündeln GARBE Industrial, GRR GARBE Retail, GARBE Data Centers und GARBE Insite ihre Expertise im Bereich Sheds.

Die operativen Einheiten schaffen eine voll integrierte Immobilienplattform, die die gesamte industrielle Wertschöpfungskette der Assetklassen Industrie- & Logistik-, Spezial- und Einzelhandelsimmobilien übergreifend abdeckt – von der Produktion bis zum Endkunden.
Bei GARBE entwickeln und betreuen rund 600 Fachleute an 21 Standorten in 14 Ländern ein Gesamtvolumen von mehr als 15 Milliarden Euro Assets under Management

Hauseigentümer wollen klare Regeln für klimafreundliche Heizungen

- Über 80 Prozent sanierungsinteressierter Hauseigentümer wollen alte Öl- und Gasheizungen ersetzen
- Drei von vier Befragten lehnen die Abschaffung der 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel ab
- Starke Ablehnung gegenüber geplanter „Bio-Treppe“ für Gas- und Ölheizungen

Berlin/Duisburg, 18. März 2026 - Eine große Mehrheit der sanierungsinteressierten Hauseigentümer spricht sich klar für den Ersatz alter Öl- und Gasheizungen durch klimafreundliche Systeme aus. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online unter ihren Newsletter-Abonnenten. Gleichzeitig stößt die Abschaffung der bisherigen 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel im aktuellen Eckpunktepapier für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz auf breite Ablehnung; auch die geplante „Bio-Treppe“ findet in der Zielgruppe wenig Zustimmung.

Nachdem die Eckpunkte für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz veröffentlicht wurden, hat co2online ihre Newsletter-Abonnenten zu den wichtigsten geplanten Änderungen befragt. Mehr als 4.800 Verbraucher haben teilgenommen.

Jeder Dritte für gesetzliche Vorgaben beim Heizungstausch
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Eine große Mehrheit der Befragten will den Abschied von fossilen Heizungen. Über 80 Prozent sind der Meinung, dass veraltete Gas- und Ölheizungen in Wohngebäuden durch klimafreundlichere Heizsysteme ersetzt werden sollten. Fast jeder Dritte spricht sich dafür aus, diesen Wechsel auch gesetzlich vorzugeben.

Hauseigentümer warnen vor Kostenfalle Gasheizung
Kritisch sehen viele Befragte die geplante Abschaffung der bisherigen 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel im Gebäudeenergiegesetz. 56 Prozent bewerten diesen Schritt negativ. In den offenen Antworten wird immer wieder die Sorge geäußert, dass notwendige Entscheidungen weiter aufgeschoben werden. „Das Problem wird auf übermorgen verschoben, statt gelöst“, schreibt ein Teilnehmer. Ein anderer warnt: „Öl- und Gasheizungen werden mittelfristig zur Kostenfalle.“

Starke Ablehnung gegenüber geplanter „Bio-Treppe“
Auch die sogenannte Bio-Treppe, nach der neu eingebaute Gas- und Ölheizungen ab 2029 einen wachsenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe nutzen müssen, stößt bei knapp der Hälfte der Befragten auf Ablehnung. Jeder Fünfte ist zudem der Meinung, dass grundsätzlich keine neuen Gas- und Ölheizungen mehr installiert werden sollten. Häufig genannter Grund für die Ablehnung ist die begrenzte Verfügbarkeit entsprechender Brennstoffe. „Bio-Brennstoffe stehen nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, sind teuer und werden in anderen Bereichen dringender benötigt“, heißt es in einer Antwort.

Deutliche Unterschiede je nach politischer Präferenz
Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede je nach politischer Präferenz der Befragten. Beim grundsätzlichen Ziel, veraltete Fossilheizungen durch klimafreundliche Systeme zu ersetzen, sind sich Wähler der Grünen (99 Prozent), der SPD (96 Prozent) und der CDU (82 Prozent) weitgehend einig. Unter AfD-Wählern spricht sich hingegen etwa jeder Zweite gegen einen Austausch aus.

Unterschiede zeigen sich auch bei den konkreten Regelungen: Wähler der Grünen und der SPD lehnen die Abschaffung der 65-Prozent-Regel besonders deutlich ab (Grüne: 95 Prozent, SPD: 78 Prozent), während bei CDU- und AfD-Wählern die Zustimmung zur Abschaffung überwiegt (CDU: 58 Prozent, AfD: 71 Prozent).

Bei der sogenannten Bio-Treppe zeigt sich hingegen parteiübergreifend Skepsis: Sowohl unter Grünen-, SPD- als auch AfD-Wählern lehnt eine große Mehrheit die Regelung ab, während CDU-Wähler hier knapp mehrheitlich zustimmen.

Eigentümer fordern Planungssicherheit für Investitionen
„Unsere Umfrage zeigt ein klares Signal: Viele engagierte Eigentümerinnen und Eigentümer wollen raus aus Öl und Gas und erwarten von der Politik vor allem verlässliche Regeln“, sagt Nadine Walikewitz, Research-Leiterin bei co2online. „Wer heute eine neue Heizung einbaut, entscheidet für Jahrzehnte. Ohne klare Leitplanken werden viele notwendige Investitionen weiter aufgeschoben.“

„Beim Klimaschutz im Gebäudebereich kommt Deutschland insgesamt zu langsam voran“, sagt co2online-Geschäftsführerin Tanja Loitz. „Gerade deshalb braucht es jetzt wirksame politische Instrumente. Sollten ordnungspolitische Vorgaben abgeschwächt werden, müssen andere Hebel umso stärker wirken, etwa ein verlässlicher CO₂-Preis, attraktive Förderprogramme und unabhängige Beratung für Eigentümerinnen und Eigentümer. Nur so lässt sich die Wärmewende im Gebäudebestand wirklich beschleunigen.“

Zur Umfrage
An der Umfrage beteiligten sich mehr als 4.800 Abonnenten des co2online-Newsletters. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, spiegeln jedoch gezielt die Sicht sanierungsinteressierter Hauseigentümer wider, also einer Gruppe, die konkrete Investitionsentscheidungen trifft. Um politische Verzerrungen zu vermeiden, wurden die Ergebnisse nach aktueller Wahlabsicht gewichtet.

Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online (www.co2online.de) steht für Klimaschutz, der wirkt. Mehr als 50 Energie- und Kommunikationsexperten machen sich seit 2003 mit Kampagnen, Energierechnern und PraxisChecks stark dafür, den Strom- und Heizenergieverbrauch in privaten Haushalten auf ein Minimum zu senken.

Die Handlungsimpulse, die diese Aktionen auslösen, tragen messbar zur CO2-Minderung bei. Im Fokus stehen Strom und Heizenergie in Gebäuden, Modernisierung, Bau sowie Hilfe im Umgang mit Fördermitteln. Unterstützt wird co2online unter anderem vom Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt sowie von Medien, Wissenschaft und Wirtschaft.


Berlin muss Niederrhein-Wirtschaft stärken

IHK-Unternehmer: Mehr Tempo bei Reformen  
Duisburg, 17. März 2026 - Die Bundesregierung hat eine Wirtschaftswende angekündigt und Milliarden-Schulden aufgenommen. Doch die Betriebe am Niederrhein merken davon wenig. Schleppende Bürokratie, marode Brücken und hohe Steuern bremsen die Wirtschaft aus. Die Sorgen der Unternehmen sind so groß wie lange nicht mehr. Eine Delegation der Niederrheinischen IHK machte bei ihrem Besuch bei Spitzenpolitikern des Bundestages deutlich: So geht es nicht weiter.  

„Unsere Unternehmen leiden unter den Standard-Bedingungen. Wir erleben die längste Stagnation seit 80 Jahren. Unsere Firmen bauen Stellen ab und investieren nicht mehr“, beschreibt Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK, die Lage.

„Die Bundesregierung hat uns vor einem Jahr Reformen versprochen. Wir sind in Berlin, um diese einzufordern: Weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und niedrigere Steuern, einfachere Existenzgründungen sowie Innovation fördern. Stattdessen diskutiert Berlin, die Betriebe bei Rente oder Erbschaft mehr zu belasten. Das ist Gift für den Mittelstand“, bekräftigt Schaurte-Küppers.  

Einsatz für den Stahl Im Gespräch mit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas und dem Staatssekretär für Wirtschaft Stefan Rouenhoff erläuterten die Unternehmer der Region ihre Sorgen. Sie fordern, die Stahlindustrie schnell vor Billig-Importen aus China zu schützen. „Der größte Stahlstandort der EU für uns in Duisburg bleibt unter Druck. Die Unternehmen müssen viele tausend Stellen streichen. Wir brauchen hier eine Perspektive, auch für die Transformation hin zu grünem Wasserstoff“, betont der IHK-Präsident.  

Infrastrukturgesetz guter Einstieg Auch bei der Infrastruktur drücken die Unternehmer aufs Tempo. „Es ist gut, dass die Bundesregierung nun ernst machen will mit schnelleren Verfahren. Die Sanierung muss zügiger gehen. Eine kaputte Brücke muss in zwei Jahren ersetzt sein“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger.  

Delegation fordert schnelles Handeln
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas zeigte beim Treffen mit der Delegation vom Niederrhein Verständnis für die Sorgen der Wirtschaft: „Internationale Krisen, Transformation, demografischer Wandel: Unternehmen und Beschäftigte in unserem Land stehen vor großen Herausforderungen. Dies gilt auch für die Region Niederrhein, die wirtschaftlich breit aufgestellt ist – von Industrie bis hin zu Logistik, Handel und Dienstleistungen.
Die Herausforderungen können wir nur gemeinsam bewältigen: mit einer starken Sozialpartnerschaft und einem Zusammenspiel aus politischen Rahmenbedingungen, gezielter Unterstützung und unternehmerischer Verantwortung. Das zeichnet unsere soziale Marktwirtschaft aus.“  

Im Wirtschaftsministerium trafen die Unternehmer den Parlamentarischen Staatssekretär Stefan Rouenhoff. „Ein Blick von Kleve über Wesel nach Duisburg zeigt: Die niederrheinische Wirtschaft ist breit aufgestellt, hat eine hohe Wertschöpfungstiefe und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand unseres Landes.

Damit unsere Region auch in den nächsten Jahren wirtschaftlich leistungsfähig sein kann, braucht es Investitionen in die Verkehrs- und digitale Infrastruktur, bezahlbare Energiepreise, weniger Bürokratie, mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt, geringere Lohnnebenkosten und qualifizierte junge Menschen.

Die hierfür notwendigen Reformen erfordern erhebliche Kraftanstrengungen. Aber sie bringen unsere Region und unser Land wieder nach vorne", betonte er.   In allen Gesprächen machte die IHK-Delegation deutlich, dass sie kraftvolle und mutige Reformen erwarten. Die guten Ansätze der Regierung müssen vor Ort ankommen.    

Unternehmer sprechen mit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) darüber, was sie von der Politik erwarten. Foto: Niederrheinische IHK


Mittelstandsstudie: Was das Herz der deutschen Wirtschaft am Schlagen hält

United Interim Wirtschaftsreport 2026 über die Herausforderungen des Mittelstands
Umfrage unter 550 Interim Managern, die als „Seismographen der Wirtschaft“ gelten

Berlin/Duisburg, 17. März 2026 – Die mittelständische Wirtschaft stellt rund 60 Prozent aller Arbeitsplätze, erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Bruttosozialprodukts und schafft über 80 Prozent der Ausbildungsplätze. Welchen Herausforderungen diese Unternehmen, die das Herzstück der deutschen Wirtschaft bilden, gegenüberstehen, ist Gegenstand des Wirtschaftsreports 2026 der Management-Community United Interim (www.unitedinterim.com).



Die Studie wurde von 15 erfahrenen Spezialisten für Interim Management erstellt: Ulvi Aydin, Friedhelm Best, Jan Beutnagel, Ulf Camehn, Christian Florschütz, Eckhart Hilgenstock, Christian Jung, Jane Enny van Lambalgen, Dr. Sven Mues, Ulrich Schmidt, Klaus-Peter Stöppler, Roland Streibich, Paul Stricker und Dr. Andreas Vieweg sowie Dr. Harald Schönfeld.

„Interim Manager gelten als Seismographen der Wirtschaft, weil sie als Führungs­kräfte auf Zeit mehr unterschiedliche Herausforderungen in mehr Unternehmen über alle Branchen hinweg bewältigen als festangestellte Manager“, erklärt Dr. Harald Schönfeld, Geschäftsführer von United Interim und Herausgeber der Studie. Dem Report liegt eine Umfrage unter 550 Interim Managern zugrunde, die von den 15 Autoren des Reports ausgewertet und analysiert wurde.

Überbürokratie und China-Wettbewerb drücken am meisten
Nach Einschätzung von 82 Prozent der befragten Führungskräfte auf Zeit ist die Überbürokratisierung das größte Übel für den Mittelstand. 76 Prozent beklagen in diesem Zusammenhang vor allem zähe Genehmigungsverfahren. „Die Überregulierung im Bauwesen steht exemplarisch für das Dilemma“, sagt der Bau- und Immobilienfachmann Klaus-Peter Stöppler. Er erhält Zustimmung von mehr als zwei Dritteln (69 Prozent) der Befragten.

Den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus Asien, insbesondere aus China, stufen 71 Prozent als wachsende Herausforderung für die mittelständische Wirtschaft in Deutschland ein. 41 Prozent halten China-Importe für eine der größten Gefahren für deutsche Firmen. Bemerkenswert: Die Konkurrenz aus den USA wird nur von 34 Prozent als Problem eingestuft, obwohl praktisch alle digitalen Services von dort kommen und insbesondere bei Künstlicher Intelligenz ein steigender US-Innovations­druck aufgebaut wird.

Frust über die mutlose Wirtschaftspolitik der Bundesregierung
58 Prozent der Befragten stufen die mangelnde öffentliche digitale Infrastruktur in Deutschland als Hemmschuh ein. Laut Statistik des Instituts der Deutschen Wirtschaft bieten rund 40 Prozent aller Gewerbegebiete kein gigabitfähiges Breitband und mehr als 60 Prozent der Firmen sehen sich dadurch beeinträchtigt.

Ebenfalls 58 Prozent der für den United Interim Wirtschaftsreport befragten Führungs­kräfte halten die Belastung mit hohen und volatilen Energiekosten für eine Problemzone. Ebensoviele beklagen die „wirtschaftsunfreundliche Politik“ als Belastung für Deutschland. Ein Viertel testiert der Merz-Regierung zwar diesbezüglich eine Verbesserung gegenüber der zuvor regierenden Ampel, aber nach über einem Jahr im Amt überwiegt der Frust über die mutlose Wirtschaftspolitik der Bundes­regierung, wie aus der Studie hervorgeht.

Hohe Unternehmenssteuern und Abgaben belasten den Mittelstand weiterhin, sagen 58 Prozent der Befragten. 61 Prozent stufen die steigenden Lohn- und Lohnnebenkosten als Wachstumsbremse ein. 62 Prozent verweisen auf andere Wachstumshemmnisse, etwa durch einen mangelhaften Zugang zum Kapitalmarkt für die Mittelständler durch unverhältnismäßig hohe Anforderungen der Finanzinstitute aufgrund regulatorischer Vorgaben.

Jane Enny van Lambalgen wird deutlich: „Die zunehmend komplexe EU-Finanzregulatorik zwingt Banken zu immer strengeren Eigenkapital-, Dokumentations- und Berichtspflichten, wodurch Kredite für mittelständische Unternehmen aufwendiger, teurer und risikobehafteter werden. Viele Institute ziehen sich aus der klassischen Unter­nehmens­finanzierung zurück oder vergeben Kredite nur noch unter sehr restriktiven Bedingungen, was die Investitionen und das Wachstum im deutschen Mittelstand spürbar bremst.“

Angesichts der anhaltenden Debatte um Erbschaftssteuern bricht Ulf Camehn eine Lanze für die davon besonders betroffenen Familienunternehmen: „Sie sind das Herzstück des Mittelstands und damit das Rückgrat des deutschen Wohlstands. Sie stellen beinahe 60 Prozent aller Arbeitsplätze in der Wirtschaft und erbringen mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung unseres Landes. Damit sichern sie die wirtschaftliche Existenz von rund 35 Millionen Menschen, wenn man die Familien der Beschäftigten mitzählt. Wie auch immer die Erbschafts­steuer am Ende gestaltet wird, darf der Generationenübergang von Familienunternehmen dadurch nicht gefährdet werden, sonst gerät der Wirtschaftsstandort Deutschland noch weiter in Gefahr.“

Geopolitische Unsicherheiten und hausgemachte Probleme
Für deutlich mehr als die Hälfte der Interim Manager (56 Prozent) stellen die geopolitischen Unsicherheiten ein besonders gravierendes Problem dar, von der „irren Zolldynamik“ über Lieferkettenschwierigkeiten bis hin zu immer neuen Kriegsgefahren. 47 Prozent beklagen die kaum noch nachvollziehbaren Zollschwankungen, 42 Prozent die instabilen Lieferketten.

Bei vielen Mittelständlern sind die Probleme allerdings hausgemacht, hat die Umfrage ergeben. 72 Prozent der Befragten testieren dem Mittelstand eine „mangelnde Innovationskraft“, 35 Prozent davon stufen dies als ein Hauptproblem der mittelständischen Wirtschaft ein. Eine der Ursachen: Satte 90 Prozent (!) haben eine Überalterung der Belegschaft im Mittelstand ausgemacht; für 46 Prozent ist das ein „sehr ernstes“ Problem. Ursache dafür sind laut Studie sowohl der Fachkräftemangel (45 Prozent) als auch die in der Regel geringe Attraktivität mittelständischer Betriebe für ausländische Fachkräfte (51 Prozent). Bemerkenswert: 38 Prozent der Befragten beklagen das „niedrige Bildungsniveau“ der jungen Generation, das es für die Betriebe ebenfalls schwierig mache, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Business Development und Kundenpflege bergen enorme Potenziale
„Über allen echten und vermeintlichen Schwierigkeiten vernachlässigen viele Unternehmen das wichtigste, nämlich die Kunden“, haben die beiden Interim Manager Christian Florschütz und Eckhart Hilgenstock bei Projekteinsätzen im Mittelstand festgestellt. „Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowohl für das Business Development als auch für den Kundenservice birgt enorme Potenziale, die noch viel zu wenig genutzt werden“, geben die beiden Praxisprofis ein konkretes Beispiel zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der mittelständischen Wirtschaft.

Asien-Experte Friedhelm Best nennt einen weiteren Weg: „Der asiatisch-pazifische Raum bietet nach wie vor viel Potenzial zur Expansion. In der öffentlichen Darstellung wird überwiegend nur von der Gefahr gesprochen, dass vor allem chinesische Waren Europa überschwemmen. Aber wer in Asien unterwegs ist, erlebt, dass dort die Nachfrage insbesondere nach ‚Made in Germany‘ weiterhin hoch ist. Diese Chance nutzen noch zu wenige Mittelständler, in erster Linie aus Angst vor Kulturunterschieden. Aber mit der richtigen Expertise sind diese ohne weiteres überwindbar und der asiatische Markt wächst beständig.“

Zukunftssicherung durch permanente Transformation
Ulrich Schmidt ordnet ein: „Ob mit KI, internationaler Expansion oder anderen Maßnahmen – stets geht es um Zukunftssicherung durch Restrukturierung und Transformation.“ An Mittelständler richtet er den Appell, frühzeitig auf Change Management zu setzen, statt den Betrieb unverändert weiter laufen zu lassen, obgleich sich das Wettbewerbsumfeld und die Rahmenbedingungen rasch ändern. Die „zu späte Kenntnisnahme der dramatischen Lage“ gehört zu den häufigsten Managementfehlern, die Unternehmen in Schieflage bringen, sagen 86 Prozent der befragten Interim Manager.

„Unsere Berufsgruppe wird häufig ins Boot geholt, um strauchelnde Firmen zu sanieren und wieder auf Erfolgskurs zu bringen“, erläutert Dr. Harald Schönfeld. Er weiß aus den Einsatzberichten vieler Interim Manager: „Häufig setzen Firmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf einen rigorosen Sparkurs. Das ist zwar auf den ersten Blick verständlich, führt aber dazu, dass die Unternehmen auch keine Investitionen vornehmen, um sich fit für die Zukunft zu machen. Aber mit Sparen allein gibt es für keine Firma eine Zukunft.“

Dr. Sven Mues erklärt: „Die hohe Dynamik des wirtschaftlichen Umfelds erfordert von Unternehmen eine kontinuierliche Anpassung, also im Grunde eine permanente Restrukturierung. Dabei geht es nicht etwa nur darum, Missstände abzustellen, sondern beispielsweise auch neue Geschäftsfelder zu erschließen, notwendige Produktionsverlagerungen vorzunehmen oder neue Technologien wie Künstliche Intelligenz einzuführen.“

Was dem Mittelstand wirklich hilft
Was müsste sich ändern, um den Mittelstand in Deutschland zu stärken, wollte United Interim im Rahmen des Wirtschaftsreports 2026 wissen. Ein massiver Abbau der Bürokratie, sind sich 84 Prozent der befragten Führungskräfte einig. Beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren sagen 80 Prozent. Eine Reduzierung der Lohnnebenkosten meinen 68 Prozent. „Eine drastische Vereinfachung des Baurechts ist dringend geboten“, nennt Klaus-Peter Stöppler ein konkretes Beispiel für Bürokratie­abbau. Dieser Forderung stimmen 55 Prozent der befragten Führungskräfte zu. „Die politischen Diskussionen um automatische Behörden­genehmigungen nach drei Monaten zumindest bei bestimmten Bauprojekten zielen in die richtige Richtung“, lobt Klaus-Peter Stöppler.

„Ein weiteres wichtiges Thema ist der Mangel an qualifiziertem Personal“, weiß Paul Stricker aus vielen Einsätzen als Interim Manager mit Zuständigkeit für Human Resources (HR) in mittelständischen Firmen. So plädieren gut zwei Drittel der Befragten für eine Migrationsreform, die Fachkräfte statt Asylsuchende ins Land bringt. Damit einhergehen sollte eine vereinfachte Visa-Vergabe für ausländische Fachleute, meinen 54 Prozent. Das mit Indien ausgehandelte Pflegekräfteabkommen stößt bei den Wirtschaftsexperten also auf Zustimmung. HR-Fachmann Paul Stricker sagt: „Viele Unternehmen nutzen die Bandbreite der möglichen Maßnahmen zu Gewinnung qualifizierten Personals noch nicht aus.“ Er nennt konkret „auf die GenZ angepasste HR-Kommunikation, mehr Transparenz über das Entwicklungspotenzial der eigenen Belegschaft und die Anwendung des Prinzips ‚Skills over Degrees‘.“

Potenzial von GenZ und Ü60 besser nutzen
„Die traditionelle Fokussierung auf formale Abschlüsse als Voraussetzung für eine Anstellung sollte aufgegeben und stattdessen das tatsächliche Leistungsvermögen im Betrieb zum Maßstab genommen werden“, empfiehlt der Personalexperte Paul Stricker dem Mittelstand. Sein Kollege Jan Beutnagel ergänzt: „Wir reden über Fachkräftemangel, aber das eigentliche Problem ist ein anderes: Unternehmen lassen ihr erfahrenes Know-how systematisch in Rente gehen, ohne eine Übergabestrategie. Das ist kein Schicksal – das ist ein Managementfehler. Die Aktivrente ist dabei nur ein Baustein. Wer in der produzierenden Industrie wettbewerbsfähig bleiben will, muss den demografischen Wandel wie eine Restrukturierungsaufgabe behandeln: mit Klarheit, Konsequenz und einem konkreten Plan.“

Ebenso helfen würde dem Mittelstand laut Umfrage eine Entlastung bei den Unternehmenssteuern (60 Prozent) und eine Vereinfachung beim Arbeitsrecht (53 Prozent). „Der fatale Dreiklang aus einer überbordenden Bürokratie, einer übermäßigen Belastung durch Steuern und Nebenkosten sowie einem kafkaesken Arbeitsrecht führt zu einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale in Deutschland, die sich leider immer schneller dreht“, fasst Jane Enny van Lambalgen zusammen. „Jeder weiß, dass grundlegende Reformen längst überfällig sind“, testiert Ulvi Aydin. Er fährt fort: „Die Frage ist, ob es der Politik gelingt, ihr Beharrungsvermögen zu überwinden und Reformen durchzuführen, die diesen Namen verdient haben.

2026 wird das Jahr der Entscheidungen hierfür werden, in die eine oder in die andere Richtung.“ Sein Kollege Eckhart Hilgenstock rät dem Mittelstand, „auf keinen Fall auf die Politik zu warten.“ Er mahnt: „Die Verantwortung für den wirtschaftlichen Erfolg liegt letztlich immer beim Unternehmen und dem Führungspersonal selbst. Ich werde regelmäßig in Firmen geholt, die sich dieser unternehmerischen Verantwortung stellen und beispielsweise neue Märkte oder Kundengruppen und damit Umsatzquellen erschließen wollen, statt auf Godot zu warten.“

Abbau der betriebsinternen Bürokratie
Dr. Andreas Vieweg berichtet ebenfalls aus der Praxis: „Das Potenzial zur Verbesserung von Betriebsabläufen und Datenstrukturen ist in den meisten Unternehmen enorm hoch. Die Firmen beklagen sich über die staatlich aufoktroyierte Regulatorik und übersehen häufig die Wucherungen der betriebsinternen Bürokratie, die sie selbst in der Hand haben. Die Optimierung der Prozesse senkt nicht nur die Kosten, und das oftmals gewaltig, sondern stärkt auch die Innovationskraft, die Anpassungsfähigkeit an Marktveränderungen und die Kundennähe.“

Anderes Thema aus der Studie: Über die Hälfte (52 Prozent) der Befragten wünschen sich ein höheres Bildungsniveau bei Schulabgängern. „Die Assistierte Ausbildung ist ein wichtiger Baustein gegen den Fachkräftemangel. Echte Wirkung entsteht jedoch erst, wenn Ausbildung, duale Studiengänge für Ingenieure, internationale Fachkräfte und KI-Kompetenzen systematisch Teil der Fachkräftestrategie werden“, sagt Christian Jung.

Er rät den Unternehmen, dieses Modell als Chance zur Personalgewinnung aktiv zu nutzen. Aus dem United Interim Wirtschaftsreport 2026 geht ebenfalls hervor, dass 46 Prozent der Befragten eine engere Zusammenarbeit der mittel­ständischen Wirtschaft mit Universitäten und Hochschulen für wünschens­wert halten. „Viele Unternehmen kochen arg im eigenen Saft, sodass ihnen Auffrischungen von außen guttun“, erklärt Ulvi Aydin dazu.

Krise als Chance begreifen
„Krise kann ein produktiver Zustand sein, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“, bringt Interim Manager Roland Streibich ein Zitat von Max Frisch ins Spiel. Er erläutert: „Deutschland scheint sich derzeit in einer Art wirtschaftlicher Dauerkrise zu befinden. Doch nach meinen Erfahrungen bei zahlreichen Einsätzen im Mittelstand finden die meisten Unternehmen immer wieder neue Wege für den eigenen Erfolg, etwa im Bauwesen.

So beschleunigen beispielsweise innovative Technologien wie Building Information Modeling, 3D-Druck, modulares Bauen und KI-gestützte Planung den Bausektor erheblich, senken die Kosten und die Bauzeiten und geben Unternehmen einen Lichtblick am Ende des zugegebenen derzeit düsteren Tunnels in dieser Branche.“


UNITEDINTERIM ist die führende digitale Plattform und das einzige Ökosystem für Interim Management in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie macht qualitätsgeprüfte Interim Manager sichtbar, ermöglicht ihre professionelle Selbstvermarktung und bietet Unternehmen sowie Providern einen kostenfreien, direkten Zugang zu passenden Interim-Lösungen. Als offene Online-Community und kuratierter Pool erreicht UNITEDINTERIM weit über 12.000 Führungskräfte auf Zeit in der DACH-Region.

Aus diesem Kreis haben einige der erfahrensten und renommiertesten Interim Manager gemeinsam mit UNITEDINTERIM eine Studie über den Stand und die Zukunft der deutschen Wirtschaft durchgeführt – darunter Ulvi Aydin, Friedhelm Best, Jan Beutnagel, Ulf Camehn, Christian Florschütz, Eckhart Hilgenstock, Christian Jung, Jane Enny van Lambalgen, Dr. Sven Mues, Ulrich Schmidt, Klaus-Peter Stöppler, Roland Streibich, Paul Stricker und Dr. Andreas Vieweg.

Die Studienleitung liegt bei Dr. Harald Schönfeld und Jürgen Becker, den Gründern und Geschäftsführern von UNITEDINTERIM. An der Befragung haben über 550 ausgewählte Interim Manager teilgenommen - Vertreter der „Königsklasse“ im Management, die in mehr Unternehmen mehr Herausforderungen meistern als klassische angestellte Führungskräfte und deshalb über einen besonders breiten Überblick verfügen. Anders als Berater entwickeln Interim Manager nicht nur Konzepte, sondern verantworten in einer definierten Zeit im Unternehmen auch deren Umsetzung.

50 Jahre Mitbestimmungsgesetz

Mitbestimmte Unternehmen schneiden bei wichtigen ökonomischen Kennzahlen oft besser ab

Düsseldorf/Duisburg, 16. März 2026 - Bei wichtigen ökonomischen Kennzahlen schneiden Unternehmen oft besser ab, wenn Arbeitnehmer*innen zahlenmäßig paritätisch im Aufsichtsrat mitbestimmen. Dazu zählen insbesondere Innovationsfähigkeit und Investitionen, aber auch Produktivität und Rentabilität. Das ergibt eine neue Meta-Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung.*

Vor allem neuere wissenschaftliche Untersuchungen stellen positive wirtschaftliche Effekte fest. Mitbestimmung ist damit nach der I.M.U.-Analyse ein positiver Standortfaktor für Deutschland. Allerdings einer, der durch Rechtslücken, jahrelange politische Untätigkeit in Deutschland und eine neue Initiative der EU-Kommission zunehmend bedroht ist.

Vor fast genau 50 Jahren, am 18. März 1976, verabschiedete der Bundestag mit überwältigender Mehrheit das Mitbestimmungsgesetz, am 1. Juli 1976 trat es in Kraft. Das Gesetz regelt die paritätische Mitbestimmung von Arbeitnehmer*innen in großen Unternehmen. Es sieht vor, dass die Aufsichtsräte bei mehr als 2.000 Beschäftigten in Deutschland je zur Hälfte mit Vertreter*innen der Anteilseigner und der Beschäftigten zu besetzen sind.

Gegenüberstellung kurz- und langfristiger Anlagestrategien


Das Gesetz stellt einen Meilenstein für die Demokratisierung der Arbeitswelt dar. Aber nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Unternehmen insgesamt hat Mitbestimmung zahlreiche Vorteile, wie die umfassende Analyse von Dr. Robert Scholz und Navid Armeli vom I.M.U. zeigt. Sie haben die wissenschaftliche Literatur zur Unternehmensmitbestimmung ausgewertet.

Insgesamt identifizieren die Wissenschaftler in ihrer Meta-Studie 384 wissenschaftliche Publikationen, die sich mit der Debatte zur Unternehmensmitbestimmung befassen. „Es sind immerhin fast 400 Titel – ein deutlicher Hinweis auf die zentrale Bedeutung des Themas in der fachwissenschaftlichen Diskussion“, schreiben Scholz und Armeli.



Einige der Studien diskutieren die Vor- und Nachteile der Mitbestimmung im Aufsichtsrat allgemein. Andere beschäftigen sich mit der Frage, welchen Einfluss sie auf Aspekte der Unternehmenssteuerung hat, beispielsweise auf die Vorstandsvergütung, die Arbeit des Aufsichtsrats als Gremium selbst (z.B. bei Prüfung des Jahresabschlusses) oder ihre Rolle für die Nachhaltigkeit von Unternehmen. Wieder andere befassen sich mit fachspezifisch gesellschaftsrechtlichen Fragen oder der Rolle von Mitbestimmung für die Demokratie.



Besonders interessant sind 63 quantitative Studien, die eigene Datensätze und statistische Verfahren nutzen, um die Effekte auf bestimmte ökonomische Variablen, wie beispielsweise Profitabilität oder Investitionen, zu berechnen. Immerhin 40 Prozent dieser Studien stammen von Autor*innen ausländischer Einrichtungen, vor allem aus den USA. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Auswirkungen der paritätischen Mitbestimmung, vereinzelt beschäftigen sich Studien ausschließlich mit der Drittelbeteiligung oder der Montanmitbestimmung.



33 Prozent der quantitativen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Unternehmensmitbestimmung positive Effekte hat. 14 Prozent der Studien beobachten sowohl positive als auch negative Effekte und 19 Prozent negative Effekte. Weitere 33 Prozent kommen zum Ergebnis, dass die Mitbestimmung weder positive noch negative Effekte hat. „Nur knapp ein Fünftel der Studien kommt demnach zum Ergebnis, dass die Unternehmensmitbestimmung negative Wirkungen hat, die große Mehrheit aber zeigen positive oder neutrale Effekte“, so Scholz und Armeli.

In welchen Bereichen wirkt sich Mitbestimmung besonders positiv aus? Überall dort, wo es um die Zukunft von Unternehmen geht. In acht Arbeiten wird der Effekt der Unternehmensmitbestimmung auf Innovationen – gemessen anhand der Zahl der Patente – sowie auf Investitionen untersucht. Von diesen stellen sieben positive und eine Studie neutrale Effekte fest.
Aber auch bei der Wirtschaftlichkeit von Unternehmen, gemessen an Produktivität, Rentabilität oder Profitabilität, sieht die Forschung überwiegend positive Effekte. Von den 15 Studien zur Wirtschaftlichkeit messen sieben positive und lediglich eine negative Wirkungen. Der Rest stellt keine oder gemischte Effekte fest.

Bei der Kapitalmarktbewertung hingegen sehen von sechs Studien fünf negative und eine positive Wirkungen. Allerdings ist die Marktkapitalisierung auf mehrere Einflussfaktoren zurückzuführen, etwa auf die Branche oder das Gewinnwachstum. Eine andere kürzlich veröffentlichte Studie des I.M.U. hat gezeigt, dass mitbestimmte Unternehmen eine stabilere Dividendenpolitik betreiben als nicht mitbestimmte Unternehmen.** Damit wird der Aktionärswert weniger eingeschränkt, als die fünf Studien schlussfolgern, die allein den Effekt auf die Marktkapitalisierung untersuchen.

„Die Effekte der Unternehmensmitbestimmung werden in der Literatur kontrovers diskutiert. Insgesamt überwiegen jedoch positive Befunde“, fassen Scholz und Armeli das Ergebnis ihrer Gesamtschau zusammen. Dabei seien zwei Erkenntnisse besonders relevant: Zum einen zeigten sich positive Auswirkungen auf operative wirtschaftliche Leistungskennzahlen, zum anderen attestierten neuere Studien der Mitbestimmung tendenziell größere Vorteile als ältere Arbeiten, was auch an der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Methoden liegt.

Mitbestimmung gehört zur demokratischen DNA, ist ein Standortvorteil – und zunehmend unter Druck
„Mitbestimmung gehört zur DNA unserer modernen, demokratischen Gesellschaft. Gleichzeitig ist sie ein Standortvorteil für die deutsche Wirtschaft, wie der Forschungsüberblick zeigt“, sagt Dr. Daniel Hay, wissenschaftlicher Direktor des I.M.U. „Standortvorteile muss man pflegen, und das ist bei der Mitbestimmung bitter nötig. 50 Jahre nach seiner Verabschiedung ist das Mitbestimmungsgesetz stark ausgehöhlt“, warnt der Jurist.

Vor allem die EU-Rechtssetzung hat laut aktueller I.M.U.-Analysen Gesetzeslücken gerissen und vergrößert. Dazu zählen die Europäische Aktiengesellschaft SE und juristische Hybrid-Konstruktionen. Wenn deutsche Unternehmen ausländische Rechtsformen nutzen, fallen sie aus dem Geltungsbereich des Mitbestimmungsgesetzes von 1976 heraus, weil jene Rechtsformen darin bislang nicht erwähnt sind.

„In Anbetracht der nachgewiesenen Vorteile der Unternehmensmitbestimmung ist nicht nachvollziehbar, warum zahlreiche Unternehmen durch Mitbestimmungsvermeidung die möglichen positiven wirtschaftlichen Effekte nicht voll ausschöpfen. Gerade in Zeiten wachsender politischer Polarisierung kommt der Mitbestimmung eine besondere Bedeutung als wirtschaftsdemokratische Säule in unserem Land zu“, sagt Hay.

Die EU-Kommission treibt unter dem Begriff „28. Regime“ einen neuen Rechtsrahmen voran, der diese Probleme noch vergrößern könnte, sofern hier keine Schutzregelungen für die Mitbestimmung enthalten sein werden. Ausgerechnet für den 18. März, Jahrestag der Gesetzesverabschiedung von 1976, hat die Kommission einen Gesetzentwurf dazu angekündigt. Hinzu kommt: Selbst klare Verstöße gegen das Mitbestimmungsgesetz können kaum unterbunden werden, weil wirksame Sanktionsmechanismen fehlen. „Im Jubiläumsjahr 2026 muss die Politik endlich ihre jahrelange Untätigkeit überwinden und die Mitbestimmung wirksam sichern und stärken“, sagt Hay. „Argumente aus der Forschung hat sie dafür.“


Nahost-Konflikt dämpft erhofften Aufschwung

IHK-Umfrage: Auswirkungen für Niederrhein – Webinar 16. 3. für betroffene Unternehmen
Duisburg, 13. März 2026 - Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich auf die Unternehmen in Duisburg und am Niederrhein aus. Hohe Energiekosten und gestörte Lieferketten machen den Firmen das Leben schwer. Damit schwindet die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das zeigt eine Umfrage der Niederrheinischen IHK.  

Fast die Hälfte der Betriebe sehen Probleme bei ihren Lieferketten. „Unsere Umfrage macht deutlich: Der Nahost-Konflikt schlägt voll durch. Die Preise für Öl und Gas schießen in die Höhe. Und damit auch die Benzin-, Diesel- und Energie-Kosten. 80 Prozent der Firmen sagen, dass das ihre Geschäfte erschwert. Der Konflikt ist Gift für die Wirtschaft“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger.  

Preisanstieg erhöht Druck auf Unternehmen Die gestiegenen Treibstoffpreise wirken sich besonders auf die für unsere Region wichtige Transport- und Logistikbranche aus. Die Betriebe können die Kosten meist nicht an die Kunden weitergeben. Auch die Industrie leidet unter dem Preisschock. Hinzu kommt: Seefrachten und die Versicherungen der Transporte werden teurer. Viele Schiffe sind länger unterwegs. Das führt dazu, dass auch andere Rohstoffpreise steigen könnten. Viele Unternehmen rechnen mit höheren Kosten in weiteren Bereichen.     

Konflikt erschwert Geschäfte
Der Luftverkehr ist ebenfalls stark beeinträchtigt. Dubai ist eines der größten Luftdrehkreuze der Welt. So erreichen Serviceteams ihre Kunden nicht. Geschäftspartner kommen nur über Umwege nach Deutschland. „Wir hoffen, dass der Ausnahmezustand bald vorbei ist. Und die Freigabe der nationalen Ölreserve den Kostenanstieg bremst. Sonst könnte der Krieg unsere Wirtschaft wieder in die Rezession treiben. Sechs Jahre Stagnation sind mehr als genug“, warnt Dietzfelbinger.  

IHK-Webinar am 16. März Die Niederrheinische IHK informiert zur aktuellen Lage vor Ort und über das Außenwirtschaftsrecht im Kriegs- und Krisenfall. Interessierte Unternehmen können sich zum Webinar am 16. März, 10 bis 11 Uhr, anmelden: www.ihk.de/niederrhein/nahost-konflikt/webinar.


Made-in-Europe-Vorgaben stärken, nicht weiter verwässern

Industrial Accelerator Act: Richtiger Ansatz mit zu vielen Lücken

Düsseldorf/Duisburg, 11. März 2026 - Der kürzlich von der EU-Kommission vorgestellte Industrial Accelerator Act (IAA) soll Schlüsselindustrien in Europa stärken, um die wirtschaftliche Sicherheit und Souveränität der EU zu erhalten und Klimaziele, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu sichern.

Zentral sind Vorgaben zu „Made in Europe“ bei öffentlicher Beschaffung und Förderung sowie Regelungen zur Vermeidung einer Dominanz von nicht-europäischen Investoren in wichtigen Industrien. Insgesamt bietet der IAA einen guten Ansatz für die europäische Industriepolitik, ergibt eine neue Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.*

Allerdings weist er auch erhebliche Lücken auf und muss durch weitere flankierende Maßnahmen ergänzt werden. Dazu zählt IMK-Forscher Dr. Tom Bauermann unter anderem einen europäischen Investitionsfonds, eine Ausweitung der Präferenzregeln auf Schlüsselindustrien aus Europa in den Bereichen Digital- und Biotechnologien sowie auf klimafreundlichen Stahl aus Europa. Zudem sei eine soziale Konditionierung bei den Beschaffungs- und Förderregeln sinnvoll.
Im weiteren Verlauf des Gesetzesprozesses dürften die Made-in-Europe-Vorgaben auf keinen Fall weiter abgeschwächt werden, warnt Bauermann. Das gilt insbesondere für Ausnahmen für außereuropäische Länder, von denen bereits der Kommissionsvorschlag etliche enthält. Die Made-in-Europe-Anforderungen sollten eher verstärkt werden.

Der IAA sieht vor, dass bei öffentlichen Beschaffungsverfahren, Auktionen und anderen öffentlichen Förderprogrammen klimafreundliche europäische Güter mithilfe von Made-in-Europe-Vorgaben Vorrang gegenüber Produkten aus Drittstaaten erhalten. Das umfasst energieintensive Grundstoffe, die Automobilindustrie und Klimaschutzgüter wie Batterietechnologien. Als in Europa hergestellt gelten Produkte, die in der EU produziert wurden.

Die Made-in-Europe-Vorgabe bei der öffentlichen Beschaffung wird allerdings durch einige Regelungen merklich abgeschwächt: Güter aus Drittstaaten, die europäischen Unternehmen formal einen Zugang zur öffentlichen Beschaffung oder zur Förderung durch ein Abkommen gewähren, sollen gegenüber europäischen Unternehmen gleichgestellt werden. Solche Abkommen können beispielsweise Freihandelsabkommen oder internationale Abkommen wie das Agreement On Government Procurement der WTO sein.

Zudem kann „Made in Europe“ bei öffentlicher Beschaffung auch umgangen werden, wenn es nur einen einzigen Anbieter gibt oder wenn durch die Vorgabe Mehrkosten von 25 Prozent entstehen würden. Auch wenn solche Bestimmungen im Einzelnen nachvollziehbar sein mögen, könnten sie in der Summe problematisch wirken, analysiert Bauermann: „Das öffnet Einfallstore, die die Wirkung von `Made in Europe´ deutlich schwächen können.“ „Made in Europe“ sei ja eigentlich dafür gedacht, wichtige Schlüsselbranchen und hochwertige Arbeitsplätze in Europa anzusiedeln.

Außereuropäische Investoren müssen Auflagen zu kontinuierlichen Investitionen und Wissenstransfer erfüllen
Zweite Stoßrichtung des IAA: In sich entwickelnden, strategisch wichtigen Sektoren sollen die Einflüsse von Investoren aus dem außereuropäischen Ausland geprüft und gegebenenfalls begrenzt werden. Das betrifft zunächst die Bereiche Batterietechnologien, Photovoltaik, Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge sowie die Förderung, Verarbeitung und das Recycling kritischer Rohstoffe. Die EU-Kommission soll die Möglichkeit erhalten, Regelungen auf weitere Bereiche (vor allem Clean-Tech-Sektoren) auszudehnen.

Die EU-Mitgliedsstaaten sollen nationale Behörden bestimmen, die zuständig sind für die Kontrolle kritischer Investoren in den genannten Sektoren und bei Investitionssummen ab 100 Millionen Euro. Die Behörden können Investitionen nicht-europäischer Akteure genehmigen, wenn bestimmte Auflagen erfüllt sind. So dürfen sie Anteile in Höhe von maximal 49 Prozent an einem europäischen Unternehmen erwerben.
Sie sollen in Form von Joint Ventures mit europäischen Unternehmen tätig werden und sich verpflichten, ausreichend in die europäischen Unternehmen zu investieren. Mindestens 50 Prozent der Beschäftigten des gegründeten oder übernommenen europäischen Unternehmens sollen aus der EU stammen.

Ferner sollen europäische Unternehmen nicht nur die Endfertigung importierter Vorprodukte für den EU-Markt betreiben, sondern ausreichend europäische Vorleistungen beziehen. Zudem sollen sich die außereuropäischen Akteure verpflichten, ihr Know-how mit europäischen Unternehmen zu teilen.
Auch hier sind Ausnahmen möglich: Die Behörden können nicht-europäische Investoren von bis zu zwei der genannten Auflagen befreien. Nur der vorgeschriebene Anteil der Beschäftigten ist ein Muss. Zudem gelten die Auflagen nicht für Investoren aus Ländern, mit denen die EU in Freihandelsabkommen einschlägige Verpflichtungen eingegangen ist.

Wirksame Vorgaben für Local Content sind international längst gängig
Solche Regelungen seien nicht völlig neu für Deutschland, betont Bauermann. Unter anderem gemäß Außenwirtschaftsgesetz und -verordnung können Beteiligungen aus außereuropäischen Staaten geprüft und untersagt werden. Neu ist die Reichweite der Verpflichtungen, etwa zu Wissenstransfer und Investitionen. Zudem sind deutlich mehr Sektoren erfasst als bisher.

Das aktuelle IAA-Dokument der EU-Kommission ist ein Entwurf, der im weiteren Verlauf des Gesetzgebungsprozesses verändert wird. Bei der Überarbeitung sollten die Vorgaben nicht weiter verwässert werden, warnt IMK-Forscher Bauermann. Nach der IMK-Analyse wäre eher eine Stärkung angebracht – und im internationalen Vergleich wäre das auch nicht außergewöhnlich. Die USA und China sind die zwei bekanntesten Länder, die ihre heimische Industrie durch vergleichbare sogenannte Local-Content-Vorgaben stärken. Diese waren elementar für den Aufstieg vieler Industrien in China, unter anderem der Windenergie.

Daneben nutzen aber auch Länder, die eigentlich ein Freihandelsabkommen mit der EU haben, wie Indien und Kanada, Local-Content-Vorgaben bei der öffentlichen Beschaffung zu Ungunsten Europas. Der IAA würde das lediglich ein Stück weit ausgleichen. Strenge Vorgaben seien auch nötig, um Umgehungsstrategien insbesondere Chinas vorzubeugen.
Bereits die Ausnahmen im IAA-Entwurf der Kommission machten es beispielsweise denkbar, dass China seine Produkte über Drittstaaten umleitet, die Freihandelspartner der EU sind, wie Vietnam, und damit die EU-Maßnahmen aushebelt. Das war eine Taktik Chinas, um die Handelsbeschränkungen der USA zu umgehen.

Ergänzende industriepolitische Maßnahmen nötig – in mindestens vier Bereichen

Zudem müsse der IAA durch weitere industriepolitische Maßnahmen ergänzt werden. Die IMK-Analyse nennt vier zentrale Punkte:

Erstens verstärkt der IAA zwar die Nachfrage nach grünen energieintensiven Grundstoffen. Stahl ist davon im aktuellen Vorschlag aber ausgenommen. Aus Sicht von Forscher Bauermann ist das problematisch. Daher sollten die Made-in-Europe-Vorgaben für öffentliche Beschaffung und Förderung, wie sie für Aluminium angedacht sind, auf Stahl übertragen werden.

Zweitens fehle eine soziale Konditionierung. Der IAA mache beispielsweise keine Vorgaben zu einer Tarifbindung bei öffentlicher Beschaffung und Förderung, sondern konzentriere sich auf die Rahmenbedingungen für Unternehmen. Ein problematisches Versäumnis und ein Widerspruch zur aktuellen EU-Politik, so Bauermann. Die EU verfolge mit der Mindestlohnrichtlinie das Ziel, Arbeitsstandards und Tarifbindung in Europa zu verbessern. Um das zu unterstützen statt zu konterkarieren, wäre es ratsam, eine soziale Konditionierung auch in den IAA einfließen zu lassen.

Drittens helfen die Vorgaben zu „Made in Europe“ und zu den Investitionen laut IMK zwar gegen die Einflussnahme nicht-europäischer Investoren. Sie führten aber nicht automatisch zu höheren Investitionen aus Europa. Um das zu erreichen, könnte ein europäischer Investitionsfonds eingerichtet werden, der Kapital für Investitionen bereitstellt. Auch eine Lockerung der europäischen Schuldenregeln zur Förderung von Schlüsselsektoren könnte helfen.

Viertens fehlten im aktuellen IAA-Entwurf Ansätze zur Förderung wichtiger Sektoren in Europa wie Halbleitertechnologien, Quantentechnologien, KI-Technologien oder auch Biotechnologien. In älteren, nicht öffentlichen Entwürfen des IAA waren viele weitere Schlüsselindustrien noch enthalten. Es wäre ratsam, zumindest einige Sektoren wieder aufzunehmen.

Immer mehr NRW-Unternehmen engagieren sich im Verteidigungssektor

Zeitenwende erreicht die Wirtschaft 
Duisburg, 11. März 2026 - Anlässlich des Kongresses Defence.NRW des Landes NRW in Düsseldorf betont IHK NRW die wachsende Bedeutung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie für die nordrhein-westfälische Wirtschaft. Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern zeigt: Rund 15 Prozent der Industrieunternehmen in NRW sind bereits heute direkt oder über Wertschöpfungsketten im Verteidigungssektor aktiv, weitere 13 Prozent prüfen einen Einstieg.  

Die Ergebnisse verdeutlichen: Die sicherheitspolitische Zeitenwende ist auch ein wirtschaftlicher Faktor für Nordrhein-Westfalen. In der Metallerzeugung sind 20 Prozent der Unternehmen bereits aktiv, weitere 27 Prozent sehen Einstiegspotenzial. In Elektrotechnik und Datenverarbeitung liegt der Anteil aktiver Unternehmen bei rund 19 beziehungsweise 20 Prozent.

Besonders groß ist das Interesse im Fahrzeugbau. Bereits heute trägt die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie – inklusive indirekter Effekte – mit bis zu 2,8 Prozent zum Produktionswert des Landes bei. Kleine und mittlere Unternehmen stellen dabei einen wesentlichen Teil der Wertschöpfung.  

„NRW verfügt über eine breite industrielle Basis, die zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit beitragen kann“, erklärt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW. „Um dieses Potenzial auszuschöpfen, sind eindeutige strategische Leitlinien und stabile, verlässliche Rahmenbedingungen erforderlich.“  

Aus Sicht von IHK NRW ergeben sich daraus klare Handlungsempfehlungen für die Politik: Innovationsökosystem stärken: NRW braucht einen leistungsfähigen Innovationshub für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien, um Mittelstand, Start-ups und Forschung besser zu vernetzen.

Resiliente Infrastruktur sichern: Straßen, Brücken, Schienen und digitale Netze müssen ertüchtigt werden, um Logistik und Produktion im Ernstfall sicherzustellen. Förderprogramme öffnen: Landesförderung, Finanzierungsmöglichkeiten und Bürgschaften müssen konsequent auch für sicherheits- und verteidigungsrelevante Technologien zugänglich sein. Koordinierung verbessern: Eine ressortübergreifende Gesamtstrategie „Sicherheit und Verteidigung NRW“ ist notwendig, um Unternehmen Planungssicherheit zu geben.  

Dr. Ulrich Biedendorf, Fachpolitischer Sprecher für Wirtschaft und Verteidigung von IHK NRW betont: „Viele Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und ihre Kompetenzen einzubringen – sei es bei Dual-Use-Technologien, IT-Sicherheit oder moderner Produktion. Jetzt kommt es darauf an, bürokratische Hürden abzubauen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und klare strategische Leitplanken zu setzen.“  

IHK NRW spricht sich dafür aus, Sicherheit und Verteidigung ressortübergreifend zu koordinieren und Wirtschaft und Kammern frühzeitig in strategische Planungen einzubinden. Nur so könne NRW seine industrielle Stärke mit einer resilienten Sicherheitsarchitektur verbinden.